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Zu den Bären nach Alaska Nordkanada / Alaska - Kanada Wohnmobil und Fraserway

Hanging around Haines


Tagesausflug in Alaska


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2014 von SK-Kunde Viktor Fischer



Tag 12 (04.09.2014)
Katzenwäsche und ab zum Wehr, um kurz vor halb acht sind wir da. Nada. Keine Bären. Nur ein Paar, das uns darüber informiert, dass wir die Bären verpasst haben. Drei seien es gegen 6 Uhr gewesen. In der Hoffnung, dass es noch mehr hungrige Bären in der Gegend gibt, beschließen wir zu warten. Es dauert nicht lange, da taucht auch wieder der junge Mann auf, der das Wehr von den angespülten Lachsen befreit. Bei einem kurzen Small-Talk erfahre ich, dass die Bären meist dreimal am Tag auftauchen, der Mittagsbrunch fände meist zwischen 9 und 12 Uhr statt. Später erzählt er uns bei einer Tasse Kaffee in unserem Camper, dass er die Lachssaison über, also von Mitte Mai bis Mitte September, in der im unmittelbar angrenzenden Wald gelegenen Hütte lebt und zurzeit von morgens bis abends tagein und tagaus das Wehr reinigt und Lachse zählt. Man merkt ihm an, dass es ein einsamer Job ist und er sich über Gesellschaft freut. Sein Kollege, mit dem er in dreitägigem Rhythmus gewechselt hatte, ist vor zwei Wochen abgesprungen. Aber es sind ja nur noch knapp 14 Tage, dann kehrt er auch wieder "in die Zivilisation" zurück.
Wir warten weiter. Und warten. Nicht, dass es langweilig wäre - zum einen hält einen das Gefühl, es könnte jederzeit ein Bär neben, vor oder hinter einem aus dem Wald auftauchen bei Laune, zum anderen gibt es eine Menge Wasservögel und Weißkopfadler zu beobachten.
Das Stativ ist aufgebaut. Und jetzt ist eine gute Position gefunden. Nur weiterhin kein Bär. Seit mehr als zweieinhalb Stunden warten wir. Pa hat bereits den Camper aufgeräumt und gefegt, Kaffee gemacht, aufgeräumt, gefegt... Eigentlich ist er doch der Bärenfan, warum wartet er nicht mit draußen? Wäre ich traurig, wenn ich den Moment verpassen würde, in dem der oder die Bären auftauchen. Zwei Aussagen von Pa dazu:

Um elf Uhr hole ich die Kamera und komme raus. So ist wenigstens einer von uns im Wagen sicher....

Und warten. Immer wieder lasse ich den Blick 360° schweifen. Kein Bär. Keine verdächtigen Bewegungen im Halbdunkel des Waldrandes. Nochmal das Stativ umpositionieren. Um 10:59 Uhr kommt Pa mit der Kamera. Warten. Gucken. Warten.
Eine Spaziergängerin in Jogginghose schlendert langsam und unbedarft die Strasse hinauf, am Wehr und an uns vorbei. Aber was ist das? Kaum hat sie mich passiert, ahne ich eine Bewegung am Waldrand etwa 30 m weiter die Strasse hinauf. Ich stoppe sie. Sie sieht nichts. Auch Pa weiß nicht, was ich meine. Aber meine Augen haben mich nicht betrogen. Kurz darauf taucht ein Grizzly aus dem dunklen Waldrand auf, schaut sich kurz um und entscheidet wohl, dass wir ihn nicht weiter stören. Ganz ruhig schlendert er auf uns zu, denn das Wehr befindet sich von ihm aus gesehen hinter uns.
Jetzt bräuchte es der Dramaturgie wegen einen Einspieler von einem Ennio Morricone Titel - High Noon in Haines. Das Duell. Der Grizzly kommt näher und näher. Gegenüber die Fischers mit ihren Kameras. 20 m. 15 m. Zum ersten Mal muss die Brennweite vom Objektiv verringert werden, sonst passt der Grizzly nicht mehr in den Bildausschnitt. 10 m. Zwischendurch hat Pa bereits die Türen geöffnet und auch der Spaziergängerin etwas Platz auf dem Rücksitz gemacht. Beide verschwinden auf der Beifahrerseite im Auto. 7 m. Mit dem Rücken stehe ich jetzt unmittelbar in der Tür und hebe dann doch langsam meinen Hintern auf den Sitz. 5 m. Langsam schließe ich die Tür. 3 m. Jetzt ist die Tür zu. Der Bär passiert den Wagen in etwa 2 m Abstand. Vielleicht hätte ich das Fenster besser schließen sollen? Aber so fühlt es sich an, als müsste ich nur mein Hand ausstrecken, um ihm den Pelz zu kraulen - oder aber zu lernen, einhändig ein Hemd zu knöpfen. Nein, im Ernst. Der Bär wirkte zu jeder Zeit tiefenentspannt und unaufgeregt. Kein Sabbern, kein Kieferklappern, kein Schnauben, kein Tänzeln, nichts. Ab und an warf er einen Blick auf uns, ging aber ansonsten zielstrebig auf seinen Mittagsbrunch zu. Da lässt Bär sich doch nicht von so ein paar Alschbachern stören. Und von Bärenkindern war weit und breit keine Spur. Das Bärenspray war trotzdem entsichert....
Der Bär spaziert also an uns vorbei und verschwindet am Wehr hinter dem Busch im Wasser. Wir steigen aus und flugs ist die Kamera auf dem Stativ montiert. Doch ebenso schnell hat der Grizzly bereits einen Lachs gefangen und kommt zurück. Mitten auf der Strasse legt er seine Beute ab und veranstaltet ein kleines Schauessen für uns und die anwesenden Raben und Möwen. Und denen sollte man mal was von Sicherheitsabstand erzählen, bis auf einen Meter sind die während des Fressens ran. Würden wir niemals machen. Versprochen. Mittlerweile sind noch mehr Menschen aufgetaucht und beobachten mit uns, wie ein Lachs nach dem anderen - mittlerweile wieder im Wasser - verspeist wird. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Aber vor lauter Begeisterung vergessen wir nicht, immer wieder einen Rundumblick zu werfen, denn es sollen bis zu zehn Bären in der Gegend sein. Aber es taucht kein weiterer auf und nach zwei Stunden und sieben Minuten entschließt sich Meister Petz, genug posiert zu haben und zieht sich zurück. Was für ein Erlebnis. Und ist es nicht bemerkenswert, wir warten von etwa halb acht bis sieben Minuten nach elf. Und Pa sagt bereits um etwa zehn Uhr:
Um elf Uhr hole ich die Kamera und komme raus.
Das nenne ich ein Gespür fürs rechte Timing. Wir brechen auf und legen in Haines einen kurzen Einkaufstopp ein und bestaunen die Qualität der amerikanischen Papiertüten. Da kann man wirklich einen ganzen Einkauf verpacken, ohne die Sorge zu haben, dass die Tüte reisst.
Weiter geht es zum Chilkoot State Park im Süden der kleinen Halbinsel. Über eine Holperpiste erreichen wir das Ufer des Inlets. Und hier steigt einem der Duft des Pazifiks in die Nase. Ein frischer Wind weht. Hinter dem Inlet zwei Gletscher. Kann denn der Tag noch besser werden, unglaublich. Nach einem kleinen Snack spazieren wir etwas durch die Gegend und machen uns wieder auf den Rückweg zum Campground.
Es passt nur zu gut in den Tag, dass wir unterwegs zwei Jungadler und eine Otterfamilie am Wasserrand treffen.
Dann aber doch noch ein kleiner Fleck auf der sonst weißen Weste eines perfekten Tages: Unser Stellplatz wurde geklaut. Also im übertragenen Sinn, wäre sonst auch etwas unhandlich. Er ist okkupiert von einem Paar aus Alabama. Offenbar hat die Campgroundrangering unsere Reservierung vorzeitig entfernt, dass Missverständnis ist schnell und nett geklärt und wir machen uns ans Abendessen. Heute wieder Spaghetti. Das Feuer dazu muss aber sein, für morgen ist wieder die Einreise nach Kanada geplant. Ein perfekter Tag geht zu Ende. Danke.

57 km gefahren, Durchschnittsverbrauch 17 l / 100 km