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Westkanada mit Fraserway Westkanada - Kanada Wohnmobil, Fraserway, Bärenbeobachtungen und Schiffspassagen

Kanada - mehr als nur ein Land
Text zum Textwettbewerb 2018
Autorin: Miriam Brucksch

Vorwort
Endlich war es soweit. Nach über einem Jahr Warten, welches wir mit viel Recherchieren und freudigen Vorbereitungen auf die Reise verbracht hatten, stiegen wir in den Flieger Richtung Kanada. Wir, das sind meine Mama Doris (55), mein Papa Thomas (55) und Ich - Miri - (25). Meinen Bruder Flo (26) mussten wir leider Daheim lassen, da er kurz vor der Abreise etwas schwerer erkrankte und die Reise eine zu große Belastung für ihn gewesen wäre. Es ging ihm aber soweit gut, sodass wir die Reise ohne ihn antraten - wenn auch sehr traurig und mit reichlich schlechtem Gewissen. Wir beschlossen oft zu schreiben, wann immer wir Internet in den Weiten Kanadas fanden. Das war schon unsere zweite Reise in das Ahornland. Vor zwei Jahren im Mai ging es schon einmal in Richtung BC. Hier war unser Start in Vancouver. Wir setzten damals direkt nach Vancouver Island über und verbrachten hier unsere erste Woche, danach ging es in einem Rundkurs in der zweiten Woche über die Weinanbaugebiete mit reichlich Sonne über Kamloops und Kelowna zurück nach Vancouver. Schnell stellten wir fest, dass zwei Wochen viel zu kurz waren und wir definitiv mehr sehen wollten: mehr von diesen riesigen grünen Nadelwäldern, mehr von den Bergen, mehr von der Tierwelt, mehr höher gelegte 4x4 Trucks - mehr Kanada halt. Und so sollte diese Reise im September starten und ganze 3,5 Wochen dauern, in denen wir diesmal in Calgary starten wollten und den Weg über die Rockies in Richtung Vancouver nehmen würden. Von hier aus würde uns dann die Fähre zur Sunshine Coast bringen und von dort aus wieder auf das schöne Vancouver Island. Enden wollten wir wieder in Vancouver. Die Pläne waren also geschmiedet und in Amsterdam stiegen wir in die KLM Maschine und verloren endlich den Boden unter den Füßen und schwebten in Richtung Abenteuer.

07.09.2018: Ankunft Calgary
Nach ganzen 18,5h Reise (aufgestanden sind wir um 3 Uhr morgens, dann mit Sack und Pack nach Amsterdam, hier ging der Flug um 13.25 Uhr und jetzt nur noch 9 Stunden Flug) erreichten wir Calgary. Draußen war es etwas diesig, was von den Waldbränden aus BC herrührte, aber mit 27 Grad war es angenehm warm und wir waren glücklich endlich kanadischen Boden unter den Füßen zu haben. Abgeholt wurden wir von einem sehr netten Mann im Anzug, der mit einem Tablet, welches unseren Namen anzeigte, auf uns wartete. In einer schicken Limousine brachte er uns zu unserem Calgary Downtown Hotel, von dem aus wir die Stadt schnell fußläufig erreichen konnten. Wir wollten uns dem Tagesrhythmus schnell anpassen (wir hatten gerade einmal 14.30 Uhr in Alberta) und so tigerten wir los, sahen den Bow River, den Calgary Tower und sogar einen riesigen Uhu mitten in der Stadt. Den Calgary Tower wollten wir eigentlich gegen Abend besuchen, schafften den Rückweg aber aufgrund unserer qualmenden Füße und der aufkommenden Müdigkeit nicht mehr. So fielen wir erschöpft aber glücklich in unser erstes kanadisches Bett und hofften ein wenig schlafen zu können.

08.09.2018: Calgary / Cochraine
Die Nacht fiel für uns alle etwas kürzer aus und so suchten wir den nächsten Tim Horton für ein Frühstück auf. Der Kaffee und der Kakao waren sehr lecker und so planten wir gemütlich bei einem Bagel den Tagesablauf. Pünktlich um halb 10 wurden wir von Fraserway an unserem Hotel aufgelesen und zur Station gebracht. Hier stand noch ein klein wenig Papierkram an und dann gab es eine ausführliche Einweisung in unser Fahrzeug. Und das alles auf Deutsch! Sehr angenehm! Wie vor zwei Jahren hatten wir uns wieder für den Adventurer 4 entschieden, da so alle vier – oder jetzt leider drei – Personen freie Sicht aus dem Fahrzeug hatten und keiner hinten im Wohnmobil sitzen musste und womöglich die Hälfte verpasste. Von Fraserway bekamen wir noch einen 10% Gutschein für den Save on Food Supermarkt, sodass wir hier erstmal das Nötigste einkauften. Hier unbedingt am Eingang nach einer Visitor Card fragen, dann könnt ihr viele Angebote im Markt nutzen und spart einiges an Geld. Der größere Einkauf sollte in Cochraine stattfinden. Am Nachmittag besuchten wir die Iron Mall. Eine wahnsinnig große Shopping Mall und wirklich einen Besuch wert. Gegen Abend fuhren wir dann den Bow Rivers Edge Campground an. Wir waren sehr froh, dass wir ein Navi über unser Handy nutzen konnten, denn sonst hätten wir den Platz wohl nie gefunden. Der Campground ist sehr, sehr sauber und hat sogar ein beheiztes Waschhaus. Zwar steht man hier enger beisammen aber für die eine Nacht war es wirklich mehr als OK. Bei einem gemütlichen Spaziergang am Bow River ließen wir den Tag ausklingen.

09.09.2018: Canmore / Banff
Wir waren wieder früh auf und nutzen die Stille am Morgen um in Ruhe zu duschen und zu frühstücken. Dann stand der Großeinkauf im Walmart in Cochraine an. Nach diesem zwei Stunden-Akt stiegen wir voll beladen ins Auto und machten uns endlich auf in Richtung Rocky Mountains. Wir legten einen Stopp in Canmore ein, einem schönen kleinen Städtchen am Anfang der Rockies. Viele Restaurants laden hier zum Verweilen ein, allerdings ist dieser Ort unserer Meinung nach schon etwas mehr auf Tourismus ausgelegt. Am frühen Nachmittag verließen wir Canmore wieder, jedoch nicht ohne dem Liquor Store und der Tankstelle einen Besuch abgestattet zu haben. Kurz vor Banff erreichten wir den Tunnel Mountain II Campground. Zum Glück hatten wir alle Stellplätze in den Rockies reserviert, denn dieser war schon komplett ausgebucht. Zum ersten Mal schmissen wir den Grill an. P.S.: Bei Fraserway in Calgary gibt es eine Kiste wo jedermann Dinge abgeben kann, die man nach seinem Roadtrip nicht mehr gebraucht, und wo sich jeder umsonst bedienen kann. Feine Sache, denn hier haben wir unseren Grill gefunden. Unser Verdauungsspaziergang führte uns noch zu einem Aussichtspunkt und wir ließen den Blick über die Rockies schweifen. Wir konnten die Fahrt über den Icefields Parkway kaum noch erwarten. Das musste gigantisch werden! Auf dem Rückweg informierten wir uns noch über die Shuttle Busse in Richtung Banff. Diese fahren direkt vom Campground aus in die Innenstadt Banffs, so bleibt auch die leidige Parkplatzsuche mit dem 9-Meter-Schiff erspart.

10.09.2018: Banff
Die Nacht über hatte es mehrmals kräftig geregnet. Wie in den letzten Tagen waren wir wieder früh auf und konnten den Bus nach Banff schon gegen halb 10 nehmen. Die Fahrt nach Downtown Banff war sogar für uns Camper umsonst. In der Innenstadt stiegen wir aus und machten uns auf den Weg zu den Bow Falls. Von hier aus gingen wir weiter zum Fairmont Banff Spring Hotel. Eigentlich war der Weg dorthin gar nicht so weit, jedoch merkten wir schnell, dass wir keine Berge gewohnt waren. Oben angekommen legten wir unsere erste Pause ein. Eigentlich wollten wir nun mit der Gondel zum Sulphur Mountain fahren, jedoch zog es sich wieder zu und der Regen setzte wieder ein. Wir strichen die Fahrt, hätten wir doch aufgrund der vielen Wolken und Nebelschwaden zwischen den Bergen eh nicht viel gesehen. Also machten wir uns wieder auf den Weg zur Innenstadt und steckten das Geld lieber in ein Menü der Old Spaghetti Factory. Übrigens sehr zu empfehlen! Satt starteten wir zu einem Shoppingbummel durch Banff, denn hierbei störte der Regen auch nicht allzu sehr. Am späten Nachmittag nahmen wir den Bus wieder zurück zum Campground. Die Rückfahrt kostete auch nur 2 $ pro Person. Abends gingen wir früh schlafen, denn wir wollten am nächsten Tag früh zum Lake Louise aufbrechen. Wir hofften, dass sich das Wetter bis dahin änderte und wir viel von den Rockies zu sehen bekämen.

11.09.2018: Lake Louise
Wie geplant brachen wir früh am Morgen auf und verzichteten sogar auf das Frühstück. Der Regen hatte zum Glück aufgehört und es schien die Sonne. Unser erster Halt war am Johnston Canyon. Wir nahmen uns vor bis zu den Upper Falls zu laufen, die Ink Pods waren uns ohne Frühstück zu weit, und nahmen zu viel Zeit in Anspruch. Gesagt, getan. Völlig fertig kamen wir untrainierten Münsterländer an den Upper Falls an. Etwas enttäuscht waren wir schon. Wir hatten etwas Spektakuläreres erwartet. Der Weg an sich war wirklich schön, jedoch hätte man sich die Kraft hierhin auch für etwas anderes aufheben können – unserer Meinung nach. Am Camper angekommen hätten wir uns direkt wieder schlafen legen können, doch wir hatten noch einiges vor. Wir fuhren weiter zum Lake Louise und checkten am frühen Mittag am Campground ein. Der Campground hatte das bis jetzt sauberste und modernste Waschhaus. Auch sind einige kostenlose Sani Dump Stationen vorhanden. Schnell wurde das Frühstück in Form von Nudeln mit Tomatensauce nachgeholt und dann ging es auch schon zur Lake Louise Gondola. Da wir die Banff Gondola hatten sausen lassen, wollten wir dies nun hier nachholen. Angeblich kann man während der Fahrt mit etwas Glück Bären sehen. Das wollten wir testen. Die Fahrt kostete 35,95$ pro Person und wir konnten zwischen einer geschlossenen und einer offenen Gondel wählen. In der Hoffnung einen Bären vor die Linse zu bekommen wählten wir die Offene. So hätte man auch kein störendes Spiegelbild auf dem Foto. Doch leider lies sich kein Bär blicken. Nun ja dafür genossen wir die Fahrt. Hierbei definitiv Hut ab vor meinem Vater, der eigentlich totale Höhenangst hat, die Fahrt aber sehr souverän gemeistert hat. Er sagte nur einmal wir würden alle sterben. Oben angekommen hat man die Wahl zwischen mehreren Wanderwegen, welche allerdings saisonbedingt geöffnet sind. Wir verließen den Schutz des Elektrozauns und schleppten uns einen kürzeren aber auch sehr steilen Weg durch schöne herbstlich bunte Felder zu einem Aussichtspunkt. Die Fahrt hatte sich wirklich gelohnt und der Blick auf die nun wolkenfreien Berge entschädigte den erschwerten Aufstieg. Auf dem Rückweg wählten meine Eltern die geschlossene Gondel, ich jedoch die Offenen, da ich die Hoffnung auf Bären noch nicht aufgegeben hatte. Leider ohne ein Bärenfoto machten wir uns auf zum Lake Louise. Wie erwartet war der Platz ziemlich überfüllt mit Touristen aber der See war wirklich schön anzusehen. Auch ein dickes Streifenhörnchen genoss auf einem Stein die Aussicht. Wir hatten ein Postkartenmotiv mehr auf unseren Speicherkarten. Den Tag wollten wir mit dem Moraine Lake beenden, jedoch war die Auffahrt gesperrt, da oben alle Parkplätze belegt waren. Schade, aber wir wollten es am nächsten Tag noch einmal in aller Frühe probieren.

12.09.2018: Icefields Parkway
Neuer Tag, neues Glück. Und das hatten wir. Die Auffahrt zum Moraine Lake war frei – wir hatten auch erst 7.15 Uhr. Erfreut machten wir uns auf den Weg. Oben angekommen stellten wir fest, dass nur ein Wohnmobilplatz frei war. Alle Anderen hatten wohl dort oben übernachtet. Eine Unverschämtheit wie wir fanden. Dadurch wird vielen Leuten die Chance auf den See genommen und sollte verboten gehören. Der See lag ruhig da und die Spiegelung der Bergspitzen war gut zu erkennen. Was für ein toller Anblick. Wir waren froh, diesen zweiten Versuch unternommen zu haben. Bevor wir weiter fuhren, frühstückten wir noch schnell, denn dies hatten wir wieder ausfallen lassen, und machten dann den Parkplatz vorbildlich für die nächsten Besucher frei. Das nächste Highlight war der Peyto Lake. Wow! Wenn man mich fragt um Längen schöner als der berüchtigte Lake Louise. Aber genauso überfüllt. Eine Busladung nach der Anderen strömte auf die Aussichtsplattform. ¾ davon Asiaten, welche sich mit ihren riesigen Tablets bis ganz nach vorne quetschten. Dann werden die Selfie Sticks ausgefahren und der Wettkampf um das schönste Selfie beginnt. Viele wählten einen Trampelpfad abseits der Plattform, um ein noch besseres Foto ohne Menschen im Bild schießen zu können. Leider standen diese Leute dann immer bei uns im Bild. Nervig, aber nach einigen Minuten kehrten die Leute zu ihren Bussen zurück und es wird schlagartig ruhiger. Wir machten uns wieder auf den Weg über den Icefields Parkway. Leider zog es sich zu und fing wieder an zu regnen. Als wir die Columbia Icefields erreichten, klarte es auf und die Sonne eröffnete ein schönes Bild auf die Gletscher. Strahlend weiß lagen sie da und glänzten in der Sonne. Die angebotene Tour auf den Gletscher ließen wir aus, nutzten aber die Toiletten und das freie W-LAN im Center um uns auf den neuesten Stand zu bringen und unsere Lieben daheim mit neuen Fotos neidisch zu machen. Unser Weg führte uns weiter zu den Sunwapta Falls und den Athabasca Falls. Unterwegs fielen die Temperaturn auf -1 Grad und es fiel erster Schnee. Schnee im September. Haben wir so auch noch nicht gehabt. Hier in den Rockies scheint wohl alles möglich zu sein. Wir beendeten den Tag mit unserer Ankunft am Wabasso Campground. Der Schnee hatte noch nicht aufgehört und der Ranger hieß uns lachend im Winter willkommen. Schmunzelnd und fröstelnd machten wir es uns auf dem Platz bequem und schmissen den Herd an. Es gab Brot mit Bacon und Spiegelei. Es duftete herrlich und wir hofften insgeheim, dass das auch ein Grizzly dachte und mal hallo sagen käme. Doch es bleib weiterhin still. Wir waren fast die Einzigen auf dem Campground und beschlossen das Wohnmobil nicht mehr zum Waschen zu verlassen. Das würden wir im Camper machen, denn die Warnung des Rangers vor Bären war doch etwas unheimlich. Außerdem rochen wir wohl alle ziemlich nach Bacon und wollten nicht mit Nachtisch verwechselt werden.

13.09.2018: Jasper
Heute schliefen wir etwas länger, frühstückten und fuhren nach Jasper. Endlich sahen wir unsere ersten Tiere am Straßenrand: Wapitis. Wir bummelten den kompletten Vormittag durch die Straßen, füllten unseren Brotvorrat wieder auf und fuhren dann ein Stück weiter in die Berge um ein paar Seen zu besichtigen: den Pyramid Lake, den Lake Edith und nebenan den Lake Annette. Alle drei lagen ruhig in einer verschneiten Landschaft, waren aber von den Farben her nicht so beeindruckend wie der Lake Louise oder der Peyto Lake. Nachdem wir uns dort die Füße vertreten hatten und etwas durchgefroren waren, fuhren wir wieder runter nach Jasper und gingen dort etwas essen. Auch wenn viele meinen, Jasper wäre schöner als Banff hielten wir es genau andersherum. Satt checkten wir am Wapiti Campground ein. Hier gab es wieder eine Bärenwarnung, allerdings sollte man sich auch vor den Wapitis in Acht nehmen, denn diese sind in der Brunftzeit sehr aggressiv. Der Campground ist riesig und unser Stellplatz lag genau an der anderen Seite des einzigen Waschhauses. Wir hatten uns immer über die Leute lustig gemacht, die mit dem Auto am Waschhaus vorgefahren sind, doch genau das war unser Plan für den nächsten Tag.

14.09.2018: Jasper
Wie geplant, fuhren wir am Morgen wie die faulsten Menschen der Welt mit dem Wohnmobil zum Waschhaus. Nachdem wir wieder frisch waren, starteten wir auf die Maligne Road. Da wir schon recht spät dran waren, rollten wir alles von hinten auf und fuhren direkt den Maligne Lake an und ließen den Maligne Canyon und den Medicine Lake erstmal links liegen. Unterwegs sahen wir einige Bergziegen, die die Fahrbahn versperrten, da sie genüsslich das Salz von der Straße schleckten. Ziegen sind zwar nicht ganz so spektakulär wie Bären, aber zum warm werden nicht schlecht. Nach ein paar kurzen Fotos ging unsere Fahrt weiter und wir trafen auf ein echtes Highlight. Nicht im Traum hätten wir daran gedacht, so etwas live zu sehen. Mitten auf einer Brücke stand eine Elchkuh mit ihrem Jungtier und suchte nach etwas Essbarem. Fantastisch! Damit hatten wir definitiv nicht gerechnet. An ein Vorbeikommen war nicht mehr zu denken, sie versperrten die komplette Straße. Aber das wollte auch keiner. Voller Respekt beobachteten wir die Tiere. Nach einiger Zeit wurde es den Elchen wohl zu bunt. Die großen Tiere verschwanden anmutig im Gebüsch. Wow, was für ein Augenblick. Happy kamen wir zum Maligne Lake und wählten dort den Moose Loop Trail in der Hoffnung, vielleicht noch einen weiteren Elch zu Gesicht zu bekommen. Das Fieber hatte uns gepackt - Kanadafieber halt. Nach guten vier Kilometern kamen wir durch einen Wald voller schneebedeckter Tannen zu einem kleinen See. Und der nächste Elch ließ nicht lange auf sich warten. Vor unseren Augen schwamm er (oder besser sie, die Elchkuh) durch den halben See und versenkte ihren kompletten Kopf im Wasser und ließ es sich schmecken. Elche mitten in einer wunderschönen Schneelandschaft. Was will man mehr? Nachdem wir den Rundkurs nach insgesamt sieben Kilometer beendet hatten, traten wir den Rückweg an. Auf Höhe des Medicine Lakes sahen wir einige Autos stehen. Die Leute suchten aufgeregt das Gebüsch ab. Wir stiegen vorsichtig aus und fragten, was es zu sehen gäbe. Ein Schwarzbär strich wohl durchs Unterholz aber er ließ sich nicht mehr blicken. Ja, dieser Tag war wirklich aufregend. Allein die Tatsache, dass einem hier überall und zu jeder Zeit wilde Tiere begegnen können, übt seinen ganz eigenen Reiz aus und man geht vorsichtiger und mit offeneren Augen durch den Tag. Am Maligne Canyon liefen wir nur bis zur dritten Brücke, denn der Moose Loop Trail hatte schon seinen Tribut an uns gefordert. Diesen Abend fielen wir in zuckersüße Elchträume.

15.09.2018: Clearwater
Heute verließen wir Jasper und fuhren über Valemount nach Clearwater. In Valemount legten wir einen Stopp ein, denn im George Hicks Park sollte es laut Google gute Möglichkeiten zur Lachsbeobachtung geben. Wir hielten am Visitor Center und die Dame gab uns eine Wanderkarte. Weg Nummer sechs empfahl sie uns, direkt am Fluss entlang und ein Stück hoch in die Berge zu einem tollen Aussichtspunkt wie sie sagte. Nichts davon war zutreffend. Im Fluss sahen wir vier halbtote Lachse und der Aussichtspunkt war nicht einmal ausgeschildert. Als wir röchelnd den höchsten Punkt am Berg erklommen hatten, drehten wir wieder um. Außer ein paar Hügeln und einem Industriegebiet gab es hier nichts zu sehen. Schade, das hätte man sich echt gut sparen können. Wir suchten noch fix einen Supermarkt auf, um unser Abendbrot zu sichern und checkten dann in Clearwater am KOA Campground ein. Ein paar Burger halfen uns über den Frust des Tages hinweg. Der Campground an sich ist nicht groß, lag aber etwas im Wald. Das Waschhaus hatte vernünftige Duschen und war sauber. Der Campground liegt direkt an der Auffahrt in den Wells Gray Nationalpark und eignete sich perfekt als Startpunkt für den nächsten Tag.

16.09.2018: Wells Gray ProvinciaL Park / Cache Creek
Früh verließen wir den KOA Campground und machten uns auf den Weg in den Wells Gray Nationalpark. Auch heute fuhren wir wieder bis ganz noch oben und arbeiteten uns nach unten vor. Wir entschieden bis zu den Baileys Chute zu fahren. Auch hier sollte es die Chance auf springende Lachse geben. Natürlich war auch hier Flaute. Wir schienen zu einem falschen Zeitpunkt hier zu sein. So ist das mit der Natur. Auf dem Weg nach unten hielten wir an den Helmcken Falls, den Dawson Falls und den Spahats Falls. Alle sehr sehenswert, und da wir früh unterwegs waren, bekamen wir auch überall problemlos Parkplätze. Als wir den Provincial Park verließen und sich unsere Mägen meldeten, wollten wir noch einen Stopp an einem Restaurant machen, von dem wir gelesen hatten, dass es Lachs auf der Karte hatte. Aber auch das war nicht aufzufinden. Irgendwie war das Glück nicht mit uns, was Lachse anging - egal ob tot oder lebendig. So landeten wir bei Subway in Little Fort. Wir nahmen uns vor, so weit zu fahren wie es ging, denn die kommende Landschaft war recht eintönig und wenig begrünt. Wir wollten über das 100 Mile House in Richtung Lillooet fahren, aber natürlich verpassten wir die Ausfahrt. Diese lag wohl vor dem Subway, aber da hatte wohl jeder nur das Essen im Kopf gehabt. Nun denn, wir waren im Urlaub, hatten keinen Zeitdruck und fuhren so über Kamloops in Richtung Cache Creek. Hier war unser heutiger Campground der Juniper Beach. Der Platz liegt direkt am Fraser River und hat zu beiden Seiten Bahnschienen, was meine Eltern etwas Schlaf kostete. Ansonsten hat der Platz nur zwei Plumpsklos und eine Dusche, ist aber für eine Übernachtung mehr als ausreichend.

17.09.2018: Squamish
Unser heutiges Ziel war Squamish kurz vor Vancouver. In Pemberton legten wir einen kurzen Halt ein und tappten in unser erstes Fettnäpfchen. Wir bestellten einen Happen zu essen und vergaßen wohl ein wenig Trinkgeld zu geben. Die Rechnung dafür folgte prompt, sodass wir eine ganze Stunde auf unser Essen warten mussten und alle anderen Gäste, die nach uns kamen, schon lange wieder weg waren. Alles sehr unangenehm und wir schlangen eilig das Essen herunter und verließen zügig den Laden. Auf unsere Verabschiedung bekamen wir nicht einmal eine Antwort. Tja, so kann es auch kommen. Etwas aufgewühlt über diese Reaktionen verließen wir Pemberton und starteten auf den Sea to Sky Highway. Was eine Wahnsinnsfahrt! Eine der schönsten Strecken, die wir je gefahren sind und diese führt bis runter nach Vancouver. Die Straße schlängelt sich mit Steigungen und Gefälle von bis zu 15 Grad durch die Berge bis an den Pazifik. Wir hatten mächtig Spaß und der Vorfall in Pemberton war schon längst wieder vergessen. Die Aussicht ist einmalig. Die Motorbremse wird hierbei aber wärmstens empfohlen um die Bremsen zu entlasten. Bevor wir den Alice Lake Campground bei Squamish anfuhren hielten wir noch in Whistler. Hier hatte sich in den letzten zwei Jahren viel getan und die Stadt erschien uns nun noch schöner und einladender. Whistler gehört definitiv zu meinen Favoriten in Kanada. Auch lässt es sich hier super shoppen, gerade was Outdoor Bekleidung angeht. Im Winter ist hier mächtig Skibetrieb und im Sommer werden die Hänge zu Mountainbike Strecken umfunktioniert. Das ist auch der Grund, weshalb hier viel junges Volk zu treffen ist und auch die Pubs und Restaurants dementsprechend ausgelegt sind. Vielleichtt einer der Gründe weshalb es mir hier so gut gefällt. Der Alice Lake Campground ist mit nur zwei Duschen für den gesamten Platz leider etwas spärlich aufgestellt, da man hier morgens etwas auf seine Dusche warten kann, wie wir am nächsten Tag feststellen sollten.

18.09.2018: Sunshine Coast
Der heutige Tag war nicht wirklich verplant. Als Erstes stand die Sea-to-Sky Gondola auf dem Programm. Die Gondola ist wirklich ihr Geld wert – natürlich auch hier wetterabhängig. Und wir hatten Glück und einen Tag mit strahlend blauem Himmel und viel Sonne erwischt. Die Fahrt mit der Gondel dauert länger als sich von unten erahnen lässt und hat uns positiv überrascht. Oben gibt es mehrere Wanderwege, eine sehr coole Hängebrücke und alles war sehr sauber und gepflegt. Wir hielten uns den kompletten Vormittag dort oben auf und genossen die Aussicht. Da wir nichts weiter geplant hatten, entschieden wir schon heute spontan zur Sunshine Coast überzusetzen. Fix statteten wir dem Walmart noch einen Besuch ab und dann ging es direkt zum Fährterminal. Ab hier stand mein persönliches Ziel dieses Urlaubs im Vordergrund: Orcas. Auf gar keinen Fall wollte ich wieder nach Hause fliegen ohne diese Tiere gesehen zu haben. Nach 40 Minuten Fahrt kamen wir an der Sunshine Coast an – ohne Orcas zu sehen. Na gut, wir hatten ja noch den halben Urlaub vor uns. Wir hatten uns die Straße der Sunshine Coast als Küstenstraße vorgestellt, mit permanentem Pazifikblick. Wider Erwarten verlief der komplette Weg durch einen Wald, der nur hier und da mal ein Stück Pazifik durchblitzen ließ. Der Baustil der Häuser und die gesetzten Palmen lassen hier ein italienisches Flair aufkommen. Wir fuhren durch Sechelt hindurch zum Porpoise Beach Campground und erwischten einen Platz mit etwas Sonne. Ein kurzer Weg führt runter ans Meer zu einem kleinen Strand und vielen schön angelegten Sitzmöglichkeiten. Unser Tag endete wieder mit einem ausgiebigen Barbecue.

19.09.2018: Powell River
Heute gingen wir durch die Stadt von Sechelt bummeln. Wir liefen ein Stück an der Uferpromenade entlang und staunten über die vielen schönen Häuser, deren Veranden direkt am Pazifik lagen. Wäre vielleicht etwas für das Rentnerleben?! Gegen Mittag verließen wir Sechelt und nahmen die nächste Fähre bei Earls Cove in Richtung Powell River. Vom Schiff aus suchte ich wieder vergebens nach Lebenszeichen von Orcas. Der zweite Teil der Sunshine Coast war mit 16 Grad etwas frischer aber dennoch recht sonnig und deswegen gut auszuhalten. Wir fuhren den Willingdon Beach Campground an und bekamen sogar einen Stellplatz direkt am Wasser. Yipi! So hatten wir uns das gewünscht. Wir machten einen kurzen Stadtbummel, aber auch hier waren kaum lohnenswerte Geschäfte, sodass wir es uns am Campground gemütlich machten. Wir aßen unser Abendessen draußen am Tisch, als wir in der Ferne zwei große Blaslöcher sahen. Durchs Fernglas machten wir zwei Buckelwale aus, die mehrmals aufstiegen. Nicht zu fassen, dass man eine solche Gesellschaft beim Essen hat. Wir sahen sie über den Abend noch mehrere Male und freuten uns jedes Mal, wenn wir einen Blasloch erkennen konnten.

20.09.2018: Telegraph Cove
Für heute war ein längerer Weg bis nach Telegraph Cove auf Vancouver Island geplant. Ohne Frühstück nahmen wir die erste Fähre um 8.05 Uhr nach Comox. Breakfast gab es dann auf dem Schiff, für den Preis nicht gerade viel, es schmeckte aber trotzdem sehr gut. Wieder einmal suchte ich erfolglos nach Orcas und als wir in Comox anlegten, zog es sich wieder zu und regnete. Na das fing ja gut an. Wir legten in Campbell River einen Stopp ein und informierten uns über Whale- und Bear-Watching Touren. Damals hatten wir bei „Go Wild!“ eine Wildlife Tour gebucht, die uns richtig gut gefallen hat. Wir entschieden uns jedoch dafür bis nach Telegraph Cove zu fahren und dort oben vielleicht etwas zu buchen. Die Preise hier unten kannten wir ja jetzt. Die Strecke bis nach Telegraph Cove zog sich immens. Gute 2,5 Stunden fuhren wir nur durch Waldgebiet und es hatte sich eingeregnet und schien auch so schnell nicht mehr aufzuhören. Oben angekommen, checkten wir beim Alder Bay Resort ein. Der Campground liegt direkt am Pazifik und hat sogar vier kleine Duschräume, bestehend aus Toilette, Dusche und Waschbecken. Richtiger Luxus, wir waren sehr überrascht. Auch hier bekamen wir einen Platz mit wunderschönem Meerblick, sodass wir vom Camper aus das Wasser mit dem Fernglas nach Walen absuchen konnten. Nach einiger Zeit gaben wir es auf, denn es kam ein Gewitter auf und ein ordentlicher Sturm setzte ein. Auf dem Wasser erkannte man gar nichts mehr. Das Gewitter wütete die ganze Nacht über.

21.09.2018: Campbell River
Wir fuhren nach Telegraph Cove und versuchten unser Glück bei den dortigen Anbietern. Da Telegraph Cove ein wahres Orca Mekka war, hatte ich viel Hoffnung, dass hier mein Wunsch in Erfüllung ging. Fehlanzeige. Alles ausgebucht. Trotz des Regens traten wohl alle Leute ihre Tour an. Die Auswahl an Anbietern ist auch nicht gerade riesig – sie beschränkt sich auf ganze zwei. Einer bietet Whale Watching an, und der Andere Grizzlybear-Touren. Eigentlich hatte wir dort oben auch eine Kajaktour machen wollen. Wir hatten uns extra mit Neoprenhosen und Wasserschuhen eingedeckt, doch bei dem Regen konnte man auch das knicken. Die Fahrt nach hier oben hätten wir uns sparen können. Sehr schade. Mein Traum von Orcas platzte wie eine Seifenblase. So traten wir geknickt direkt heute schon den Rückweg nach Campbell River an, denn dort sollte das Wetter angeblich in den nächsten Tagen besser werden. In Campbell River angekommen, hielten wir direkt am Hafen, denn hier wollten wir die Grizzlytour bei Aboriginal Journeys buchen. Das Office hatte zu. Wir hatten wohl eine Pechsträhne. Es blieb nur der Ausweg eines Telefonates. Mühsam quälte ich mich durch das englische Gespräch und war nachher stolz, dass es so gut geklappt hatte. Am Montag hatten wir einen Termin. Na geht doch! Bis dahin sollte das Wetter wieder besser sein. Da der Tag auch wieder halb rum war, fuhren wir den Miracle Beach Campground an. Der Platz ist sehr schön und im Wald gelegen. Über einen kleinen Beachtrail gelangt man auch hier wieder an den Pazifik. Am Strand entdeckten wir viele Seehunde, die sich recht nah am Strand aufhielten. Einige Leute meinten, sie hätten Angst vor Orcas, würden sich aber auch nicht an den Strand trauen, da sie uns vielleichtt für Bären hielten. Ein Kribbeln machte sich wieder in meiner Bauchgegend bemerkbar. Vielleicht war mein Traum doch noch nicht aus. Wir verkrümelten uns wieder ins Wohnmobil und versuchten bei ordentlich Heizungsluft etwas trocken zu werden.

22.09.2018: Courtenay
Eigentlich war für heute schon besseres Wetter angesagt, doch der Tag begann bewölkt und später setzte wieder Nieselregen ein. Von daher entschieden wir uns für einen entspannten Shoppingtag und bummelten durch die Straßen von Courtenay. Da wir hier recht schnell durch waren, fuhren wir eine nah gelegene Shopping Mall an. Hier landete ein Backbuch und ein Kitchen Aid Mixstab in meinem Rucksack. Kitchen Aid, Weber und andere Elektrogeräte sind hier wesentlich günstiger als in Deutschland und es lohnt sich, ein wenig die Augen offen zu halten, soweit die Gerätschaften nicht den Koffer sprengten. Wir spielten schon öfter mit dem Gedanken mal zu erfragen, was denn so ein kleiner Container nach Deutschland kosten würde, denn den würden wir mit Sicherheit voll bekommen. Ein Mustang, Dogde und Wrangler wären garantiert darin zu finden. Gecampt wurde diese Nacht auf dem Elk Falls Provincial Park. Leider ohne Duschen und mit Plumpsklos, aber dafür mit einem Stellplatz direkt am Fluss.

23.09.2018: Elk Falls
Endlich kam die Sonne zum Vorschein. Wir wollten dieses Geschenk des Himmels ausnutzen und zu den Elk Falls wandern. Leider gab es keine Kilometeranzahl, aber unseren Schätzungen zu Folge sollte der Trail in guten drei Stunden zu schaffen sein. Denkste! Kanada belehrte uns wieder einmal eines Besseren. Wäre der Weg eben gewesen, hätte das bestimmt gepasst, aber so benötigten wir gute zweieinhalb Stunden bis zu den Wasserfällen und zurück ungefähr ein drei Viertel Stunden. Nichts desto trotz ist der Weg super schön zu laufen. Wer allerdings keine Lust auf Wandern hat, kann auch den Parkplatz direkt an den Elk Falls anfahren. Am Campground legten wir erstmal die schmerzenden Füße hoch. Dann stand noch Einkaufen auf dem Programm und es ging dafür zum Superstore nach Campbell River. Unser „Geheimtipp“: Geht zur Frische Theke! Dort gibt es einen Joghurt, der mit frischen Früchten – Erdbeeren und Blaubeeren – und Mandelchrunch garniert ist und kostet nur gute drei Dollar. Diesen Luxus gönnen wir uns immer, wenn wir einen Superstore finden, denn er ist perfekt für einen kleinen Snack für zwischendurch. Am Abend wurden alle Kameras, Handys und zugehörigen Akkus zurechtgelegt, denn diese würden am morgigen Tag warm laufen.

24.09.2018: Grizzlybear Tour
Pünktlich um 9.30 Uhr standen wir am Office der Aboriginal Journeys. Mit zwölf Personen machten wir uns nach einer kurzen Besprechung auf den Weg zum Toba Inlet. Auf dem Weg dahin sahen wir zwei Buckelwale, die uns vorbildlich ihre Fluken zeigten. Jerry erzählte uns auf dem Hinweg sehr viel über die Bären, aber auch über die Inseln und das ganze Drumherum. So waren die zwei Stunden Fahrt alles andere als langweilig. Am Ende des Fjordes angekommen, übergab er uns seinem Kollegen und wir bestiegen mit ihm einen kleinen Bus. Bevor wir die ersten Plattformen erreichten, machten wir einen kurzen Stopp an den nagelneuen Washrooms - Plumpsklos! Alles halb so wild aber immer wieder eine Erfahrung für sich, und bei manchen wohl die Erste in dieser Richtung. Als wir an der ersten Plattform ankamen sahen wir vom Bus aus schon den ersten Grizzly im Fluss stehen und fischen. Keiner traute sich auszusteigen, denn wir mussten ein paar Meter zur Plattform laufen, die sich direkt am Fluss befand. Doch unser Guide machte uns Mut und hatte auch das Bärenspray für Notfälle parat. Auf mich wirkt das Zeug nicht gerade vertrauenserweckend, wenn ich mir vorstelle, mit so einer Mini Dose vor einem ausgewachsenen Grizzly zu stehen, der nicht gerade gute Laune hat. Aber auch ich stieg natürlich aus, das nennt man wohl Gruppenzwang. Wir verbrachten so ca. eine Stunde auf der Plattform und schauten dem Bären zu, bis dieser im Gebüsch verschwand. Jetzt hieß es nach anderen Bären Ausschau halten. Die Guides standen alle in Funkkontakt miteinander, und wenn an einer anderen Plattform ein Bär in Sicht war, stiegen wir wieder in den Bus und fuhren hinüber. Während des Aufenthaltes auf der Plattform wurde nur geflüstert, um die Bären in ihrer natürlichen Umgebung nicht zu stören. Zwischendurch gab es eine Mittagspause mit leckeren Truthahnsandwiches mit frischem Salat und Preiselbeeren. Auch an Getränke und Cookies war gedacht worden. Den ganzen Tag über sahen wir vier oder fünf Grizzlies. Es könnten aber auch „nur“ zwei oder drei gewesen sein, da wir bestimmt den Ein oder Anderen doppelt sahen. Aber das störte keinen. Wir waren glücklich, denn die Tour hatte sich mehr als nur gelohnt. Die happigen 400 $ waren gut investiert gewesen und an dieser Stelle ein großes Lob an das gesamte Team. Wir haben uns hier wohl gefühlt. Um 16 Uhr ging es dann mit dem Boot zurück. Auch auf der Rückfahrt hatten wir wieder Besuch von Buckelwalen, nur die Orcas blieben wieder aus. Somit war der Tag um und wir fuhren wieder den Miracle Beach Campground an, auf dem wir einige Tage zuvor schon gewesen waren. Morgen sollte es bis nach Sooke gehen.

25.09.2018: Sooke
Wir verließen früh den Campground und fuhren in einem durch. Hinter Victoria beginnt ein schöner Streckenabschnitt mit hübschen Häusern und Meerblick. Insgesamt war die Fahrt um Sooke herum wesentlich schöner als die komplette Sunshine Coast. Wir fuhren hier fast nur Küstenstraßen und als wir in eine Siedlung von Sooke kamen, sahen wir dann doch noch unseren ersten Schwarzbären. Kaum zu glauben, da fährt man kilometerweit verlassene Straßen durch die Rockies und dann sieht man ihn in einem gepflegten Vorgarten in der Stadt. Unfassbar! Lachend fuhren wir die letzten Kilometer zum French Beach Campground. Die Temperaturen hatten fast 19 Grad erreicht und wir suchten auch hier wieder den Strand auf, um etwas auszuspannen. Da wir noch früh am Nachmittag hatten, beschlossen wir die Straße noch ein Stück hoch zu fahren und einen Stopp bei Jordan River einzulegen, doch diese „Stadt“ bestand nur aus einem Café, einer geschlossenen Bude und einem Campground. Wir fragten uns, wie so etwas als eigenständiger Ort auf der Karte eingetragen werden konnte. So machten wir uns wieder auf den Rückweg und genossen den pinkfarbenen Sonnenuntergang am Abend.

26.09.2018: Sooke
Heute war der Tag der Tage. Der letzte Tag mit der Chance auf Orcas. Wir fuhren nach Sooke rein und buchten eine Whale Watching Tour an einem kleinen Hafen. Da die Tour erst um 14 Uhr los ging, schlenderten wir noch ein wenig durch das Örtchen. Um 14 Uhr waren wir wieder beim Office und bekamen unsere Anzüge, denn es sollte mit dem Zodiac hinaus aufs Meer gehen. Der Tag endete in meinem persönlichen Desaster, denn es gab wieder nur Buckelwale anstatt Orcas zu sehen. Ich hätte heulen können. Es sollte einfach nicht sein. So kam das Orca Camp auf meine To-Do-Liste für die nächsten Jahre. Während der Tour wurden auch von unserem Guide viele Fotos geschossen, die auch prompt zwei Tage später in meinem E-Mail Fach landeten. Sehr coole Aktion, er hatte auch das wesentlich bessere Objektiv gehabt. Nach der Tour fuhren wir den Goldstream Provincial Park an, der hatte aber leider aus gesundheitlichen Gründen geschlossen, wie man uns mitteilte. Es war schon 19 Uhr durch und wurde langsam dunkel und wir hatten immer noch keinen Stellplatz. Nervosität machte sich bei uns breit. Da wir am nächsten Tag die Fähre nach Vancouver nehmen wollten, beschlossen wir in diese Richtung zu fahren und einfach den nächsten ausgeschilderten Campground zu nutzen. So landeten wir gegen 20 Uhr auf dem RV Park Fort Victoria. Ein sehr sehr teurer Stellplatz, zwar mit Strom dafür aber dicht an dicht mit den 700 Nachbarn. Das W-LAN war auch so schlecht, dass es keiner von uns nutzen konnte. Trotzdem waren wir einfach nur froh, angekommen so sein. Die Nacht schliefen wir alle schlecht, denn der Lärm der Straße weckte uns andauernd auf.

27.09.2018: Vancouver
Um 11 Uhr ging unsere Fähre nach Vancouver. So langsam machte sich das Ende unseres Urlaubes bemerkbar. In Vancouver angekommen, angelten wir uns einen Platz auf dem Burnaby RV Park. Dieser war wesentlich schöner angelegt als der in Victoria und jeder Stellplatz war mit grünen Hecken vom Nachbarn getrennt. Von hier aus konnte man den Sky Train nach 15 Minuten Fußmarsch erreichen. Beim Check-In gab es auch reichlich Infos wie man am besten wo hinkommt und welche Ticketmöglichkeiten es gab. Sogar alles auf Deutsch. Das Waschhaus war super sauber und nur mit einem Code zu betreten und es hielt kostenlose warme Duschen für uns parat. Alles in allem mit 50 Dollar mit Full Hook Up pro Nacht nicht ganz billig, aber dafür mit einem super Service. Hier konnten wir die letzten Tage wirklich genießen. Wir lümmelten uns an unserem Platz in die Sonne und grillten die letzten Burger. Anschließend ging es in einen gegenüberliegenden Park. Hier vertraten wir uns die Füße und genossen die letzten Sonnenstrahlen.

28.09.2018: Vancouver
Heute war shoppen angesagt. Wir wollten die 23 Kilogramm Koffergewicht definitiv ausnutzen. Die Tagestickets für den Sky Train holten wir direkt an der Rezeption und fuhren in 45 Minuten bis an die Waterfront. Wir schlängelten uns einmal quer durch die Robson Street, aßen den besten Cheesecake in Vancouver und machten uns auf nach Granville Island. Wir beschlossen zu Fuß über die Brücke zu laufen, es erschien uns nicht allzu weit. Tut euch und euren Füßen den Gefallen und nehmt den SeaBus, denn Granville Island liegt direkt unter der Brücke und es führt an der Stelle kein Weg hinab. So mussten wir die komplette Brücke überqueren und uns von hinten anschleichen. Und die Brücke ist verdammt lang. Vielleicht lag es an den ganzen vorherigen Kilometern in der Stadt, aber die Brücke gab uns den Rest. Wir suchten uns schnell etwas zu Essen und ließen die Füße erstmal ruhen. Danach hatten wir noch viel Zeit, um durch die vielen kleinen charmanten Läden zu bummeln. Auch viele Künstler haben hier ihre Ausstellungen. Die Auswahl reicht von ausgefallenen Eigenkreationen über Gemälde bis hin zu Ketten aus Elchgeweih. Granville Island gefiel uns von Vancouver am Besten. Wahrscheinlich, weil es übersichtlicher ist und die Häuser nicht so hoch gebaut waren. Vielleicht aber auch nur weil wir Landeier nicht so die Großstadt Fans sind. Zurück nahmen wir für zwei Dollar pro Nase den Seabus zum anderen Ende des Flusses. Die Brücke wollten wir uns auf jeden Fall ersparen. Von hier aus ging es zur nächst Besten Sky Train Station und zurück zum Campground. Mit abgerissenen 15km auf den Füßen definitiv genug für heute.

29.09.2018: Vancouver
Der letzte Tag in Vancouver brach an. Heute starteten wir in Chinatown. War hier nicht irgendwo ein Viertel, das man meiden sollte? Ja, das war dann wohl Downtown Eastside und wir liefen einmal komplett hindurch. Eilig schlängelten wir uns an einigen komischen zugedröhnten Gestalten vorbei und sahen zu, dass wir das Viertel verließen. Dann hatten wir Gastown erreicht und bekamen pünktlich um 12 Uhr das Pfeifen der dampfbetriebenen Steam Clock mit. Auch Gastown war ein schönes Viertel mit zahlreichen Souvenir Shops, in denen wir noch ein paar Mitbringsel fanden. Unter Anderem ein cooles „Red Moose“ T-Shirt für meinen Bruder, welches auf dem „Red Bull“ Logo aufbaute. Der nächste Sky Train brachte uns nach Metrotown. Hier befindet sich eine riesige Shoppingmall. Gekauft haben wir zwar nichts, jedoch ist die Größe dieser Malls immer wieder beeindruckend. Am Campground angekommen hieß es dann Restesssen, denn wir wollten nicht allzu viel wegschmeißen müssen. Danach stand Koffer packen auf dem Programm. Wir hatten das mit dem 23 Kilogramm-Ausreizen wohl etwas zu genau genommen, denn einige Teile wanderten von einem Koffer in den Nächsten, um die Grenzmarke nicht zu überschreiten. So wurde auch das Handgepäck prall gefüllt. Wir verbrachten die letzte Nacht in unserem Camper.

30.09.2018: Vancouver
Heute ging es nach Hause. Mit gemischten Gefühlen wurden die letzten Lebensmittel entsorgt und der Camper gesäubert. Es regnete schon den ganzen Morgen und wir waren froh über die letzten Tage mit Sonnenschein. Nach einem Stopp an der Dumping Station und an der Tankstelle bei Fraserway gaben wir den Camper ab und zahlten noch gute 500 Kilometer nach. Über 3000 Kilometer waren wir in den 3,5 Wochen gefahren. Ja, wir hatten wirklich viel gesehen von Kanada. Das Shuttle brachte uns zum Flughafen und auf der Fahrt unterhielten wir uns mit anderen SK-Kunden, die in Whitehorse gestartet und über Alaska runter nach Vancouver gefahren sind. Sie schwärmten von tollem Wetter, vielen wilden Tieren und atemberaubender Landschaft. Vielleicht wäre das was für den nächsten Kanadaurlaub?? Gekoppelt mit meinem Orca Camp natürlich! In Gedanken stiegen wir um 17.45 Uhr in den Flieger nach Amsterdam und ließen den Urlaub noch einmal Revue passieren. Wir hatten viel gesehen, einige Dinge hatten wir anders erwartet, andere hatten uns noch mehr begeistert als gedacht. Mitgenommen hatten wir jede Menge Eindrücke, die bleiben werden, und die wir daheim mit unseren Liebsten teilen werden. Jetzt müssen erst einmal die Fotos aussortiert werden, und auch ein Fotobuch steht auf dem Programm. Wir werden uns also noch länger mit dem Urlaub befassen, doch neben all der Arbeit ist nicht zu vergessen: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.

Miriam Brucksch