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Traumreise durch Westkanada British Columbia, Vancouver Island & Sunshine Coast - Kanada Tierbeobachtung und Wohnmobil

Traumreise durch Westkanada
Text zum Textwettbewerb 2017
Autor: Anke Fedder

Traumreise durch Westkanada - von den Bergen bis ans Meer

Alles begann an einem Tag Ende September 2015.
Es war Kanada-Tag bei uns in Langenfeld, viele spannende Vorträge und Workshops über Reisen in das Land des Ahorns, der Bären und der Lachse lagen bereits hinter uns. Schon lange war es mein Traum, einmal selbst dorthin zu reisen, am liebsten frei und flexibel mit einem Wohnmobil. Doch das wird noch lange ein Traum bleiben, dachte ich ein wenig wehmütig. Denn ich hatte weder einen Führerschein noch - gerade erst aus Alaska zurück - das nötige Kleingeld, um in den nächsten Jahren eine weitere Fernreise unternehmen zu können. Nie im Leben hätte ich mit dem gerechnet, was kurz darauf Wirklichkeit werden sollte.

Nach den Vorträgen fand die Auslosung der Gewinne statt. Zu Beginn fiel dem Moderator die Box mit den Losen aus der Hand und alle Zettel verteilten sich auf dem Boden. Heute denke ich mir: Danke, wer auch immer da seine Hände im Spiel gehabt hat! Denn wäre das nicht passiert, wäre alles nicht so gekommen, wie es dann gekommen ist.

Der 5., 4. und 3. Preis wurden vergeben, dann ging es um die Reisen. Als plötzlich zunächst mein Wohnort und meine Straße aufgerufen wurden, muss ich schon irgendetwas von mir gegeben haben, denn plötzlich schauten sich alle Leute nach mir um. Und dann passierte tatsächlich das Unglaubliche: Ich gewann eine zehntägige Reise durch Kanada - mit einem Wohnmobil!!

Nachdem ich in den nächsten Tagen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend lief, begannen auch schon bald die Vorbereitungen. Wann fahren, wohin fahren, mit wem fahren? Denn, wie gesagt, ich hatte ja gar keinen Führerschein und brauchte erstmal jemanden, der ein solch großes Gefährt fahren durfte und sich das auch zutraute. SK Touristik ließ uns bei der Planung recht viel freie Hand und schließlich stand fest: Ich würde mit zwei Freuden, Annika und Christoph, drei Wochen Ende September/Anfang Oktober fahren, in der Hoffnung auf noch schönes Wetter, wenig Touristen und noch weniger Moskitos. Und es sollte nach Westkanada gehen, von Calgary durch Banff und Jasper bis nach Vancouver und Vancouver Island. Und zum Schluss noch ein paar Tage auf eine Ranch in die Berge. Die nächsten Monate waren ausgefüllt von Planungen, Vorbereitungen und Vorfreude - und dann war es endlich soweit.

Calgary. Kanada! Wir sind tatsächlich da! Die ersten beiden Nächte wollen wir in dieser Cowboy- und Präriestadt verbringen und ich frage mich insgeheim, ob das nicht ein Fehler war. In den meisten Reiseführern wird Calgary als nicht besonders schöne Stadt beschrieben, in der es außer der jährlich stattfindenden Calgary Stampede nicht wirklich viel zu sehen gibt. Doch am Ende sind wir positiv überrascht und uns gefällt Calgary bald noch besser als Vancouver, aber der Reihe nach.

Zunächst verbringen wir den Vormittag bei schönstem Wetter im Prince's Island Park am Bow River. Die Bäume beginnen bereits, sich gelb und orange zu verfärben und bilden einen herrlichen Kontrast zum Blau des Himmels. Wow, wie wird das erst in den Bergen aussehen, wenn wir hier schon so überwältigt sind, fragen wir uns! Unterwegs schließen wir Bekanntschaft mit unseren ersten kanadischen "Wild"-tieren - Kanadagänse und Einchhörnchen. Wir besuchen das Glenbow Museum und genießen die grandiose Aussicht vom Calgary Tower. Auch dem Grain Museum, das eine kleine aber feine Ausstellung zum Thema Getreideanbau in Kanada beherbergt, statten wir einen kurzen Besuch ab. Der dann doch länger ausfällt als geplant, da wir hier das erste Mal die überall gerühmte kanadische Gastfreundschaft selbst erleben. Der nette Museumsmitarbeiter hat eigentlich gerade Feierabend, als wir in der Tür stehen. Doch anstatt uns wieder wegzuschicken, bittet er uns herein, schmeißt die Modelleisenbahn an und erklärt uns ganz genau, wie denn nun so ein Getreidesilo funktioniert. Zwischendurch gibt er uns noch unzählige Tipps für unsere Reise und will am Ende noch nicht mal Eintritt von uns. Wir sind vollkommen überwältigt von so viel Freundlichkeit, hätte man uns doch in Deutschland vermutlich pünktlich zur Schließungszeit einfach die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Am nächsten Morgen ist es endlich soweit! Überpünktlich holt uns ein Mitarbeiter von Fraserway am vereinbarten Treffpunkt ab und bringt uns zur Verleihstation. Die Formalitäten und Einweisungen sind überraschend schnell und unkompliziert erledigt und dann geht es auch schon los. Wir verlassen die Stadt und machen uns auf Richtung Banff, die Rockies am Horizont kommen mit jeder Meile näher.

Kamen uns auf den ersten Kilometern noch recht viele Wanderer entgegen, sind wir nun seit geraumer Zeit ganz allein unterwegs. Wir befinden uns am Johnston Canyon, es ist bereits später Nachmittag. Die meisten Touristen besuchen lediglich die Lower, vielleicht auch noch die Upper Falls. Uns gefällt der Weg entlang der Klamm aber so gut, dass wir uns entscheiden, bis zu den Ink Pots zu laufen. Als wir so ganz allein durch den einsamen Wald stapfen, kommen uns die ersten Gedanken an Bären, die es hier sicherlich gibt. Im vom Regen aufgeweichten Boden halten wir Ausschau nach Spuren, können jedoch nichts entdecken. Doch dann - ein noch recht frischer Haufen mitten auf dem Weg! Den Rest des Weges bis zu den Ink Pots legen wir mit einem mulmigen Gefühl zurück. Dann sind wir da und stehen vor diesen nur vier Grad kalten Mineralquellen, die in den unterschiedlichsten Blau- und Türkistönen schimmern. Es ist wunderschön, doch lange können wir den Anblick nicht genießen, da es bereits anfängt zu dämmern. Und wir ja noch den ganzen Weg zurück durch den Wald müssen.

Wow, was für ein Anblick! Wir stehen auf einem Felsen am Rande des Moraine Lake mit seinem unglaublich türkisen Wasser, den schneebedeckten Bergen im Hinter- und dunkelgrünen Nadelbäumen im Vordergrund. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dieses Bild live und mit eigenen Augen zu sehen, das man sonst nur von Kalenderblättern kennt.
Hier in den Bergen ist es schon deutlich kühler, es hat heute Morgen sogar schon geschneit. Doch der Himmel klart schon wieder auf und die Sonne schickt ihre warmen Strahlen über die hohen Gipfel der Berge. Gerne wollen wir den Trail zum Consolation Lake laufen, doch unsere Vorfreude wird schnell gebremst. Am Anfang des Trails steht ein Schild mit dem Hinweis, dass es aufgrund des vermehrten Bärenaufkommens in dem Gebiet gesetzlich verboten sei, den Trail mit weniger als vier Personen zu laufen. Wir sind zu dritt. Wir warten eine Weile in der Hoffnung, dass sich noch ein paar Wanderer zu uns gesellen, haben jedoch leider keinen Erfolg. Doch zurück auf dem Parkplatz treffen wir dann eine kanadische Wandergruppe mit Guide, der wir uns gerne anschließen dürfen. Was für ein Glück! Zunächst geht es über ein Geröllfeld und dann hinein in den Wald. Unten plätschert ein Bach, überall wachsen Moose und abenteuerlich aussehende Pilze. Schließlich erreichen wir den Consolation Lake und genießen den Anblick des Sees mit dem Gletscher im Hintergrund. Für beste Unterhaltung sorgt ein Chipmunk, der unserer Wanderführerin sogar auf den Schoß klettert.
Als nächstes steht Lake Louise auf dem Programm - der laut Reiseführer meistfotografierte Bergsee der Welt. Wir kommen Sonntagmittag dort an und entsprechend voll ist es auch. Nach einem obligatorischen Foto - was aufgrund der Menschenmassen einiges an Geschick erfordert - wollen wir noch einen der zahlreichen Tracks in Angriff nehmen. Wir wandern hoch zum Lake Agnes und dem Teahouse sowie zum Little Beehive und genießen von dort oben den atemberaubenden Ausblick auf den See und die Landschaft weit unter uns.

Nach einem Abstecher in den Yoho Nationalpark folgen wir am nächsten Tag dem Icefields Parkway Richtung Norden - einer der schönsten Panoramastraßen der Welt. Die Landschaft ist unfassbar schön: Der blaue Himmel, die gelb und orange leuchtenden Blätter der Bäume, die majestätischen, schneebedeckten Berge dahinter - einfach ein Traum.
Wir halten an zahlreichen Wasserfällen, Seen und Aussichtspunkten und entdecken ein weiteres Kalendermotiv am Peyto Lake Viewpoint. Wieder ist es ein unglaubliches Erlebnis, tatsächlich selbst dort zu stehen und diesen türkisfarbenen Gletschersee, eingebettet in eine grandiose Bergwelt, selbst zu erleben.

Am nächsten Tag geraten wir bei der Weiterfahrt in ein heftiges Schneegestöber, doch wieder mal haben wir Glück: Pünktlich, als wir zu unserer nächsten Wanderung aufbrechen, hört es auf zu schneien. Wir wollen den Parker Ridge Trail hinauf, einen Pfad hoch auf einen Bergkamm. Die Landschaft ist schneebedeckt und wunderschön - doch um wie viel spektakulärer ist der Ausblick erst auf der anderen Seite! Als wir oben auf dem Kamm ankommen, liegt vor uns das Tal mit dem Saskatchewan Glacier, dem längsten Gletscher der Rocky Mountains. Er bildet eine der drei Gletscherzungen des riesigen Columbia Icefields, über das wir später im Icefield Centre noch mehr erfahren. Dort laufen wir zum Rand des beeindruckenden Athabasca Glacier. Markierungen entlang des Weges zeigen an, wie stark der Gletscher in den letzten Jahren bereits zurückgegangen ist.
Natürlich darf auch ein bisschen Nervenkitzel nicht fehlen. Hier am Centre gibt es seit kurzem den sogenannten Glacier Skywalk, eine Aussichtsplattform mit Glasboden, die über den Rand einer Schlucht hinaus ragt. Zugegeben, es kostet den ein oder anderen von uns schon ein wenig Überwindung, die Glassteine zu betreten und direkt unter sich in die Tiefe zu blicken. Doch es ist ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.

"There are moose, just around the corner!", raunt uns ein Pärchen leise zu, das uns bei einer Wanderung am Maligne Lake entgegen kommt. Zunächst bin ich skeptisch, dass es sich wirklich um Elche handeln soll und vermute, dass sie einfach die Begriffe moose und elk verwechselt haben. Doch wir sind gespannt und schleichen vorsichtig weiter. Blicken nach links und rechts, lauschen. Nichts. Doch da - ein Geräusch von rechts! Wir lassen den Blick durch die Bäume schweifen, können jedoch nichts entdecken. Enttäuscht wollen wir schon weiter, als es plötzlich links von mir raschelt - ich drehe mich um - und keine 10 Meter von mir entfernt steht ein Elchbulle zwischen den Bäumen! Vorsichtig schleichen wir ein Stück weiter, dorthin, wo auch schon ein paar andere Schaulustige warten. Nun entdecken wir auch die Elchkuh auf der anderen Seite des Weges. Ich denke an die Warnungen unseres Wohnmobilvermieters, dass Elche mindestens so gefährlich werden können wie Bären, da schlendert der Bulle auch schon über den Weg, auf dem wir kurz zuvor standen, und läuft hinüber zu seiner Liebsten. Alles verläuft ruhig und unspektakulär, trotzdem sind wir alle vollkommen fasziniert. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, diese Tiere in freier Wildbahn beobachten zu können!
Auf der Rückfahrt nach Jasper schwärmen wir noch immer von der Begegnung mit den mächtigen Tieren, als auch schon das nächste Highlight auf uns wartet: ein Stau! Nun ist der natürlich nicht die Sensation, sondern die Gruppe Wapitis, die sich neben der Straße auf einer Lichtung zum Äsen eingefunden hat. Wir stellen das Wohnmobil ab und klettern zu den anderen auf den Rand der Böschung. Was für ein herrlicher Anblick! Einige Tiere äsen, andere liegen entspannt im Gras und die Abendsonne taucht alles in ein unwirklich goldenes Licht. Über allem wacht der "Chef", ein stattlicher Bursche, der mehr als einmal im rasenden Galopp hinter seinen Kühen herjagt, wenn diese zu nah an die Straße geraten. Wahnsinn, ich hätte nie gedacht, dass diese Tiere so schnell rennen können! Doch davon können wir uns nur ein paar Kilometer weiter noch einmal überzeugen, als sich eine weitere Gruppe Wapitis eine wilde Verfolgungsjagd quer über die Straße und durch die parkenden und fahrenden Autos hindurch liefert.
In unserem "Camping- und Roadbook" steht als heißer Tipp geschrieben, dass wir auf jeden Fall eine "River Safari" machen sollen! Zufällig entdecken wir im Visitor Centre in Jasper einen Flyer dazu und entschließen uns, das Abenteuer zu wagen. Der Veranstalter liegt in Blue River, was sowieso auf unserer Route liegt. Also kurz abgebogen, Tickets besorgt und nach einer kurzen Wartezeit geht es auch schon los. In einer kleinen Gruppe fahren wir mit speziellen Jetbooten, die nicht nur schnell sind, sondern auch extrem seichte Gewässer befahren können, in das Grizzly Bear Valley. Kurioserweise verirrt sich hierhin aber nur selten ein Grizzly, dafür wimmelt es in den umliegenden Wäldern nur so von Schwarzbären. Und tatsächlich, auch wir sehen welche! Unser Guide stellt den Motor ab und alle sind mucksmäuschenstill, während das Boot immer weiter in Richtung Ufer und Bären dümpelt. Wir erleben hier sogar etwas ganz Besonderes, da wir nicht nur einen, sondern gleich zwei Bären in unmittelbarer Nähe vor uns haben! Unser Guide erklärt uns später, dass eine solche Situation nur sehr selten vorkommt, da sich die Bären normalerweise aus dem Weg gehen.
Weiter geht die Fahrt und bald erreichen wir Clearwater. Wir folgen der Clearwater Valley Road mitten hinein in den Wells Gray Provincial Park. Die Landschaft ist herrlich, viele bunt gefärbte Laubbäume, zwischendurch immer wieder kleine oder größere Farmen und Weideland, viele auch mit Schildern an der Straße mit der Aufschrift "for sale". Ach ja, das wäre was ... Dann plötzlich wieder mehrere Autos am Straßenrand. Wir halten ebenfalls an, steigen aus und sehen nach, was los ist - da: Ein Schwarzbär oben am Hang! Obwohl wir ja heute schon einige gesehen haben, ist es doch etwas anderes, sie so wirklich frei und wild zu erleben. Natürlich waren die Bären auf der River Safari auch frei und wild, aber es war eben eine organisierte Beobachtungstour, bei der damit gerechnet werden konnte, Bären zu sehen. Das hier ist nochmal eine Ecke spannender.

Der nächste Vormittag steht wieder ganz im Zeichen der Wasserfälle. Wir folgen der Clearwater Valley Road noch ein kleines Stück weiter und halten dann auf einem Parkplatz, von wo aus ein kurzer Trail zu den Dawson Falls am Murtle River führt. Nur ein paar hundert Meter weiter beginnt ein etwas längerer Trail, der zunächst durch dichten Wald und entlang des Murtle River bis zu den spektakulären Helmcken Falls führt. Die Frau hinter dem Schalter im Visitor Centre hatte uns gewarnt, wir sollen bloß aufpassen. Denn am Ende des Trails würde man einfach direkt an der Kante des Wasserfalls stehen, wo sich dieser 141 Meter in die Tiefe stürzt. Dort gebe es kein Geländer oder Ähnliches. Und so ist es tatsächlich: Gerade noch durch den Wald gewandert, stehen wir auf einmal direkt am Abgrund. Von hier aus sieht man den Wasserfall sozusagen von oben, wie er sich hinab in die Tiefe stürzt. Wobei, eigentlich sehen wir erstmal gar nichts, da uns dichter Nebel die Sicht versperrt. Aber dann kommt die Sonne heraus - was für ein Anblick! Nach und nach lichten sich die Schleier und geben nicht nur den Blick auf den Wasserfall frei, sondern auch auf das Tal darunter ... Wieder einer dieser Momente, die man live erleben muss, da kein Bild oder Text diese Stimmung wirklich wiedergeben kann.
Trotzdem bemühen wir uns, den vierthöchsten Wasserfall auf ein Foto zu bekommen, was aufgrund seiner Größe kaum möglich ist. Außerdem müssen wir höllisch aufpassen, da es hier, wie gesagt, kein Geländer gibt und der Boden durch die Nähe des Wasserfalls sehr glitschig ist.

Von Clearwater aus soll es für uns nun wieder nach Süden und langsam in Richtung Vancouver gehen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir durchs Okanagan Valley und über Kelowna, oder eher die Route weiter westlich über Whistler nehmen. Da wir die Zeit ein wenig im Auge behalten müssen und ja auch noch rüber nach Vancouver Island wollen, entscheiden wir uns für Letztere. Für den Rest des Tages heißt es also mehr oder weniger Strecke machen. Wir kommen in Kamloops vorbei, kurven ein wenig durch die Straßen und kommen schnell zu dem Schluss, dass es sich nicht wirklich zu lohnen scheint, hier anzuhalten. Also weiter durch das trockene und im Sommer heiße Tal des Fraser River bis nach Lillooet. Hier wollen wir die Nacht verbringen und landen auf dem Cayoosh Creek Campground. Natürlich ist es mal wieder dunkel als wir ankommen - und irgendwie ziemlich unheimlich. Warum genau, kann ich gar nicht sagen, aber irgendwie wirkt die Landschaft hier so ganz anders, kärger.

Von Lillooet aus geht es für uns zunächst nach Whistler. Auf dem Weg dorthin erwartet uns ein weiteres Highlight: ein Wolf! Mitten auf der Straße! Er springt einfach von rechts aus der Böschung auf die Fahrbahn und läuft vor uns her. Wir fahren sofort langsamer, aber er rennt einfach weiter die Straße entlang. Diese ist sehr kurvig und ich hoffe inständig, dass er schnell wieder im Wald verschwindet, bevor noch Autos aus der Gegenrichtung kommen. Kurz darauf springt der Wolf tatsächlich wieder nach rechts hinter die Leitplanke, aber nur um weiter parallel zur Straße mitzulaufen und schließlich wieder zurück auf diese zu springen ... Er läuft und läuft, was für eine Ausdauer! Plötzlich wechselt er auf die Gegenfahrbahn ... ich kann kaum noch hinschauen ... Sekundenbruchteile, bevor dann tatsächlich ein Motorradfahrer um die Kurve kommt, verschwindet der Wolf endlich mit einem Satz nach links zwischen den Bäumen! Puh, das war wirklich knapp. Wir atmen alle erleichtert auf.

In Whistler angekommen, starten wir beim Visitor Centre und laufen dann durch die Fußgängerzone, vorbei am Olympic Plaza und hin zur Seilbahnstation. Auch außerhalb der Skisaison kann man mit den Gondeln auf die umliegenden Berge fahren und dort kleinere oder größere Wanderungen unternehmen.

Wir fahren zunächst hinauf auf den Whistler Mountain. Es geht ganz schön hoch hinauf. Während das Wetter unten im Tal noch sehr angenehm war, ist es hier oben ziemlich kalt. Aber wunderschön! Doch zunächst wollen wir noch weiter, und zwar mit der Peak-to-Peak Gondola hinüber auf den Blackcomb Mountain. Diese Gondel ist die höchste (436 Meter) und längste dieser Art weltweit und befördert uns in 11 Minuten die 4,4 Kilometer hinüber auf den anderen Berg. Dabei überquert sie das Tal des Fitzsimmons Creek. Unter uns liegt tiefer Wald, ein Fluss schlängelt sich hindurch. Wir halten nach Bären Ausschau, können aber keine entdecken. Doch dann: Ein großer brauner Greifvogel - vielleicht ein Adler? - gleitet - nein, nicht über, sondern unter uns hinweg! Das ist mal eine ganz besondere Perspektive und verdeutlicht uns einmal mehr, in welcher Höhe wir uns befinden.

Auf dem Blackcomb Mountain angekommen, machen wir uns auf zu einer kleinen Wanderung durch die alpine Gebirgslandschaft. Der Trail ist sehr gepflegt und sieht recht neu aus. Wir sind noch nicht weit gekommen, da entdecken wir, gut getarnt zwischen den Felsen, ein plüschiges Tier. Noch sind wir uns nicht ganz schlüssig, um was es sich dabei handelt, tippen aber auf ein Murmeltier. Bald darauf die nächste Überraschung: Vögel! Und zwar ziemlich zutrauliche! Sie sind gar nicht mal so klein, etwas größer als Amseln vielleicht, und weiß-grau-schwarz gefärbt. Später finden wir heraus, dass es sich dabei um "Whiskey Jacks" handelt, auch als Gray Jay bekannt und bei uns unter dem harmlosen Namen Meisenhäher beschrieben. Die Tiere zählen zu den Rabenvögeln und gelten als sehr intelligent. Sie sind recht zutraulich und haben schnell die Vorzüge der Menschen als potenzielle Futterspender erkannt, was wir nun auch hier erleben. Furchtlos landen die hübschen Vögel auf Händen, Schultern und Köpfen, immer auf der Suche nach etwas Essbaren.

Nach diesem kurzen, aber sehr schönen Trail geht es mit der Gondel wieder zurück auf den Whistler Mountain. Diesmal reihen wir uns in eine separate Warteschlange ein, um eine der wenigen Gondeln mit Glasboden zu erwischen. Als wir dann endlich an der Reihe sind und einsteigen dürfen, sind wir etwas enttäuscht: Wir hatten eigentlich erwartet, dass der ganze Boden der Gondel aus Glas sein würde. Dabei ist es lediglich ein Stück in der Mitte, das auch noch mit einem Geländer eingezäunt ist. Auf dem Whistler Mountain angekommen, laufen wir noch einen Trail zum Harmony Lake. Dieser kleine See hat den Namen wirklich mehr als verdient! Versteckt liegt er in einem kleinen Talkessel, ein Holzsteg führt um ihn herum. Wie schade, dass wir mal wieder spät dran sind und uns beeilen müssen, um die letzte Gondel hinunter ins Tal noch zu erwischen. Für mich ist dies einer dieser ganz besonderen Orte, an denen ich gern mehr Zeit verbracht hätte.

Als wir mit der Gondel wieder hinunter fahren, teilen wir uns diese mit einem älteren Ehepaar und deren Enkeltochter. Ich bekomme mit, wie sie sich über einen Bären unterhalten, den sie auf dem Hinweg aus der Gondel beobachtet haben. Ich frage nach und erfahre, dass er sich hier wohl öfter herumtreibt. Grade bedauern wir, dass wir wohl heute Pech haben und ihn nicht mehr sehen, als Annika ruft: "Da! Ein Bär!" Und tatsächlich: Ein gar nicht mal so kleiner Schwarzbär, und zwar nicht irgendwo tief versteckt im Wald, nein - mitten auf der Mountainbike-Strecke! Und von oben kommt doch tatsächlich nichts ahnend ein Mountainbiker angedüst! Okay, ich muss zugeben, von hier oben hat die ganze Situation schon was Komisches, denn wir können sowohl den Bär als auch den Radfahrer beobachten. Da dieser sich aber hinter einer Kurve mit Bäumen befindet, ahnt dieser von dem, was da gleich vor ihm stehen wird, noch nichts und radelt munter weiter ... bis er dann um die Ecke biegt und den Bär nur noch wenige Meter vor sich hat! Vollbremsung und dann - tja, tut mir leid, den Rest dürft ihr euch ausmalen. Unsere Gondel ist inzwischen weiter gefahren, sodass wir leider nicht mehr mitverfolgen können, wie die Geschichte zu Ende geht.

Am nächsten Morgen hält es mich nicht lange im Bett. Wir stehen auf dem Porteau Cove Campground, direkt am Pazifik. Der Gedanke, endlich am Meer zu sein - wenn auch noch nicht am offenen Ozean - treibt mich schon früh hinaus. Direkt hinter unserem Stellplatz liegt der Strand, ich muss allerdings erstmal über die riesigen angeschwemmten Baumstämme klettern, um zum Wasser zu gelangen. So früh ist noch niemand unterwegs. Es dämmert gerade und die Bucht mit den umliegenden, bewaldeten Bergen und Inseln ist in ein mystisches, blau-graues Licht getaucht. Nach dem Frühstück brechen wir auf, wir wollen die Sunshine Coast hinauf. Dazu müssen wir mehrmals mit der Fähre übersetzen, ob wohl alles klappen wird? Schließlich haben wir nichts reserviert. Aber alles funktioniert reibungslos. Unterwegs halten wir mehrmals an und unternehmen noch eine kleine Wanderung zu den Skookumchuck Narrows, den Gezeitenstromschnellen am Sechelt Inlet. Es gibt eine Broschüre mit einem Gezeitenkalender und Angaben für jeden Tag, wann die Stromschnellen am besten zu sehen sind. Leider sind wir etwas zu spät dran und die Wellen bzw. Whirlpools sind nicht mehr ganz so spektakulär. Dafür haben wir den Trail und die Viewpoints ganz für uns alleine. Und erleben erneut ein Highlight: Wir stehen gerade an einem der Aussichtspunkte, drehen uns um und wollen uns auf den Rückweg machen, als uns ein seltsames Schnaufen und Prusten innehalten lässt. Zunächst denken wir, dass es drüben vom anderen Ufer kommt, wo ein paar Häuser und Boote zu sehen sind. Aber irgendwie hört es sich komisch an. Und näher. Da - schon wieder! Wir drehen uns um und laufen nochmal zum Ufer zurück. Vielleicht der Blas eines Wals ...? Nichts zu sehen. Ich krame mein Fernglas aus dem Rucksack und suche die Wasseroberfläche ab. Nichts - doch da! Da schwimmt was! Aber was?? Ein Otter? Oder Seehund? Oder Seelöwe? Es taucht unter und von Zeit zu Zeit wieder auf, um Luft zu holen. Dabei macht es dieses prustende Geräusch. Und es scheinen mehrere Tiere zu sein, mindestens zwei. Wir stehen eine gefühlte Ewigkeit dort und halten immer wieder Ausschau, wo sie wohl gleich auftauchen mögen. Dann sind sie ganz verschwunden und wir wollen uns auf den Rückweg machen, als eines der Tiere direkt am Ufer vor uns vorbeischwimmt. Nun sind wir uns recht sicher, dass es sich um Seehunde handelt.
Am nächsten Morgen nehmen wir die Fähre nach Vancouver Island. Dort angekommen, machen wir uns zunächst auf den Weg zum schwer zugänglichen, aber traumhaft schönen Strathcona Provincial Park. Zwei Gebiete sind zumindest ein klein wenig erschlossen, eines davon ist die Gegend um das Forbidden Plateau. Genau dahin wollen wir. Vom Parkplatz am Mount Washington starten mehrere Trails, unter anderem auch der zu den Paradise Meadows.

Zunächst geht es über eine Ebene mit herbstlich verfärbten Wiesen, Teichen und einzelnen Nadelbäumen. Immer wieder überqueren wir auf schmalen Holzbrücken Bachläufe, dann geht es hinauf und hinein in den Wald. Unterwegs kommen wir an mehreren, wunderschönen Seen vorbei. Wir bleiben ein paar Minuten am Ufer stehen, genießen den Anblick und die absolute Stille. Und irgendwie habe ich genau hier das Gefühl: Das ist Kanada. Und genau hier würde ich mir eine Blockhüte ans Ufer stellen und am liebsten für immer bleiben. Oder zumindest nochmal wiederkommen. Irgendwann. Mit Kanu und Zelt.

Die Landschaft ist unglaublich schön und auch wenn es sich der Beschreibung nach doch ziemlich ähnlich anhört, so ganz anders als in den Rocky Mountains.

Später dann treffen wir auf alte Bekannte: Whiskey Jacks! Kurz darauf gesellt sich noch ein weiterer Gast hinzu: Er ist noch ein kleines Stück größer und schwarz, nur der hintere Teil mit den Schwanzfedern schimmert blau. Was das wohl für einer ist? Wir haben keine Ahnung. Er ist nicht ganz so zutraulich wie seine grauen Kollegen und bleibt erstmal abwartend auf seinem Ast sitzen. Später finden wir heraus, dass es sich um den sogenannten "Steller's Jay" handelt, auf Deutsch „Diademhäher". Er gehört zu den Rabenvögeln und ist der Wappenvogel von British Columbia.

Bald darauf machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Courtenay, fahren an der Küste hinunter und biegen bei Parksville auf den Highway 4 ab. Dieser verläuft quer über die Insel bis an die Westküste, nach Ucluelet und Tofino. Die Strecke ist wunderschön, zumindest, wenn man als Beifahrer einfach nur dasitzen und die Landschaft genießen kann. Als Fahrer ist es da schon ein wenig anstrengender, da die Straße sehr kurvig, eng und teilweise auch ziemlich steil ist.

Wir verbringen die Nacht in Ucluelet und machen uns am nächsten Morgen als erstes auf den Weg zu Jamie's Whaling Station, um eine Whale Watching Tour zu buchen. Wir bekommen noch 3 Plätze für die Mittagstour, da bleibt vorher gerade noch genug Zeit für den Lighthouse Loop, eine Teilstrecke des Wild Pacific Trail.

Vom Hafen aus laufen wir durch die kaum befahrenen Straßen hinüber auf die andere Seite des Ortes. Von dort aus führt der Trail an einer Steilküste entlang und herum um die Halbinsel. Alle paar Minuten bleiben wir stehen und genießen die herrlichen Ausblicke auf das Meer. Das Wetter ist traumhaft, blauer Himmel und Sonnenschein. Das satte Grün der Bäume und Sträucher bildet einen wunderschönen Kontrast zum tiefen Blau des Pazifiks.

Es ist ein herrlicher Vormittag am Meer, doch wir müssen langsam zurück, schließlich wollen wir ja heute auch noch weiter hinaus! Wir schaffen es rechtzeitig zurück in den Ort und finden uns - zum Glück - sehr frühzeitig an der Walstation ein. Dort wartet der nette Herr, bei dem wir heute Morgen gebucht haben, bereits mit einer schlechten Nachricht auf uns. Bemerkenswert finde ich allerdings die Art und Weise, wie er uns diese eröffnet: "Hey guys ... we had kind of a situation here today ..." Will heißen: Sein Bootsfahrer hat sich den Rücken verknackst und unsere Tour fällt aus. Aber: Sie haben ja noch eine Zweigstelle in Tofino und wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch zu der Tour, die dort startet! Gut, dass wir so früh hier sind! Wir machen uns direkt auf den Weg und schaffen es tatsächlich. Pünktlich mit den anderen und noch immer bei schönstem Wetter besteigen wir das Boot. Wir fahren hinaus aufs offene Meer und dann ist es tatsächlich so weit: Den geübten Augen unseres Kapitäns und der Crew entgeht nichts und bald sichten sie die ersten Grauwale, schon von weitem zu erkennen an dem "Blas". Unser Kapitän drosselt das Tempo und stellt den Motor schließlich ganz aus. Wir dümpeln auf den seichten Wellen vor uns hin und warten, was passiert. Und ob sich die Wale wohl weiter in unsere Richtung bewegen. Und das tun sie! Sie schwimmen dicht an unserem Boot vorbei. Die Kameras klicken und klicken. Ich bin hin und her gerissen, einerseits will ich natürlich auch ein paar schöne Bilder machen, andererseits möchte ich dieses einzigartige Erlebnis aber nicht nur durch eine Kamera beobachten. Und so mache ich zwischendurch ein paar Beweisfotos und genieße ansonsten den freien Blick aufs Meer und diese beeindruckenden Tiere.

Die Zeit vergeht wie im Flug und wir kehren bald in den Hafen zurück. Wir bummeln noch ein wenig durch den Ort, dann machen wir uns wieder auf den Rückweg. Und als ob dieser Tag nicht schon grandios genug gewesen wäre, erleben wir noch ein weiteres Highlight.

Auf unserem Rückweg nach Ucluelet machen wir Halt am Long Beach. Dieser kilometerlange Strand erstreckt sich an der Küste zwischen Ucluelet und Tofino und ist Teil des Pacific Rim Nationalparks. Obwohl es dort laut Reiseführer meist regnet und man kaum etwas sieht, haben wir strahlend blauen Himmel und erleben einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Der traumhafte Sandstrand scheint unendlich weit, auf der einen Seite der beeindruckende Pazifik, auf der anderen Regenwald. Davor die typischen, riesigen, angeschwemmten Baumstämme, die sich in der Ferne im Nebel verlieren. Ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus, wir laufen ein Stück. Finden schöne Steine und Muscheln und fragen uns, ob und wie wir sie heile nach Hause bekommen. Zwischendurch die paar obligatorischen Beweisfotos, dieser Ort ist zu schön, um ihn nur durch eine Linse zu betrachten. Auch wird kein Bild der Welt diese Stimmung wirklich wiedergeben können.

Am nächsten Morgen brechen wir auf in Richtung Victoria. Da es unterwegs aber noch so viel zu sehen gibt - die riesigen Douglasien von Cathedral Grove, die Little Qualicum Falls und Englishman River Falls, die Totempfähle in Duncan - verschieben wir den Besuch der Stadt auf den nächsten Tag und verbringen die Nacht im Goldstream Provincial Park. Hier machen wir auch endlich mal ein Lagerfeuer, grillen Brot, Mais und Kartoffeln - muss ich erwähnen, dass es das beste Essen der ganzen Reise wird (zumindest für mich)?
Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Victoria. Vorher stoppen wir noch bei der Fort Rodd Hill and Fisgard Lighthouse National Historic Site. Auf diesem Gelände befindet sich ein historischer Militärstützpunkt, man kann verschiedene Gebäude, Bunker und Lager besichtigen. Ein Naturlehrpfad führt durch einen Eichenwald und einen neu angelegten Garten. Aber der eigentliche Grund für unseren Abstecher hierhin ist der malerische Leuchtturm Fisgard Lighthouse. Darin befindet sich eine hübsche Ausstellung über seine Geschichte und das Leben der ehemaligen Leuchtturmwärter.

Danach aber geht es endlich nach Victoria - sehr zu Annikas Freude, die nach so viel Natur, Wasserfällen und Wildnis sichtlich froh darüber ist, wieder in die Zivilisation zurückzukehren ;-) Wieder einmal haben wir Riesenglück und finden im Stadtgetümmel tatsächlich noch einen - kostenfreien! - Parkplatz. Wir laufen zunächst durch ein ruhigeres Viertel mit hübschen Häusern, die mich sehr an die Bauweise in Neuseeland erinnern. Was vermutlich daran liegen mag, dass Victoria nicht nur die Hauptstadt von British Columbia ist sondern auch den Ruf besitzt, die englischste Stadt Kanadas zu sein. Und tatsächlich erinnert vieles an England: Das mächtige Parliament Building, die Kutschen, das Stadtbild an sich. Wir laufen die Government Street hinunter, eine Einkaufsstraße, und kommen an "Munro's Books" vorbei, einem tollen Buchladen.
Wir schlendern weiter bis nach Chinatown und dem Gate of Harmonious Interest. Hier soll es auch die schmalste Gasse Kanadas geben - und prompt laufen wir erstmal dran vorbei. Erst nach genauerem Hinsehen finden wir sie, laufen hindurch und am Hafen entlang, vorbei am Fischerman's Wharf, dem Terminal für Kreuzfahrtschiffe und hin zum Breakwater Lighthouse. Ein 762 Meter langer Betonsteg führt zum Leuchtturm hin. Den nehmen wir natürlich noch mit, mit dem Ergebnis, dass es mal wieder recht spät ist, als wir wieder beim Wohnmobil ankommen. Wir bekommen aber trotzdem noch die Fähre zurück nach Vancouver, wo wir unser Wohnmobil am nächsten Morgen schweren Herzens wieder abgeben, doch glücklicherweise ist dieser Traumurlaub ja noch nicht ganz zu Ende!

Wir verbringen einen Tag in Vancouver und schauen uns die Stadt an. Sie ist schön und beeindruckend - vor allen der Anblick bei Nacht vom Vancouver Lookout - doch ich freue mich bereits auf die nächsten Tage. Christoph und ich wollen mit dem Greyhound nach Williams Lake und noch ein paar Tage auf einer Ranch in den Bergen verbringen. Eigentlich soll unser Bus am nächsten Morgen um halb 8 abfahren - doch als wir pünktlich am Bahnhof ankommen erfahren wir, dass er leider schon weg ist. Die Abfahrtszeiten hatten sich kurzfristig geändert.

Als der erste Schreck überwunden ist - wir werden auf den nächsten Bus umgebucht, der am Abend fährt und uns über Nacht nach Williams Lake bringen soll - überlegen wir, was wir mit dem nun zusätzlich gewonnenen Tag in Vancouver anfangen sollen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Stanley Park und verbringen die folgenden Stunden im Vancouver Aquarium, dem größten Aquarium Kanadas. Es gibt verschiedene Themenwelten zu erkunden, wie den Amazonas, die Tropen, die Küste vor British Columbia, einen Bereich mit Quallen und die Außenbecken. Damals gab es dort neben Ottern und Seelöwen auch Delfine und sogar Belugas zu sehen. Eigentlich bin ich ja kein Freund von Delfinarien. Doch hier in Vancouver werden die Tiere nicht als reine Attraktion für die Besucher gehalten, sondern es handelt sich meist um gerettete Tiere, die in der dem Aquarium angegliederten Pflegestation gesund gepflegt wurden, aber nicht wieder ausgewildert werden können.

Bevor wir zurück zum Bahnhof müssen haben wir noch etwas Zeit und überlegen, wo wir noch etwas Essen gehen können. Die Wahl fällt auf die "Old Spaghetti Factory" in Gastown, die bereits im Reiseführer hoch gelobt wurde. Zu Recht, wie wir nach unserem Besuch dort bestätigen können! Schon von weitem lockt einen der köstliche Duft verschiedenster Nudelsoßen in die richtige Richtung - ein Paradies für alle Pasta- und Pesto-Fans!

Kurz darauf erwischen wir tatsächlich unseren Bus und kommen am nächsten Morgen um 5 Uhr früh in Williams Lake an. Für die Nacht hatten wir eigentlich ein Zimmer in einem Hotel reserviert. Als wir um diese Zeit an der Rezeption erscheinen und einchecken wollen, schaut uns die Dame hinter dem Schalter zunächst leicht irritiert an. Als sie dann aber verstanden hat, worum es geht, ist auch ihre Freundlichkeit mal wieder nicht zu übertreffen. Wir sollen uns, wenn die Küchenchefin gerade nicht hinschaut, beim Frühstück bloß die Taschen vollpacken und sie würde das schon mit der Putzfrau regeln, dass wir am Morgen länger in unserem Zimmer bleiben können. Was wir jedoch leider nicht in Anspruch nehmen können, da uns Sabine von der Big Creek Lodge pünktlich um halb 11 abholt. 2 Stunden dauert die Fahrt bis zur Ranch. Bei strahlend blauem Himmel, Sonnenschein und zur Musik von Ed Sheeran fahren wir die abgelegenen Schotterstraßen entlang. Unterwegs halten wir am Farewell Canyon und genießen den herrlichen Ausblick auf die Schlucht. Wieder bilden die gelb gefärbten Pappeln einen wunderschönen Kontrast zu den sandfarbenen Hängen und dem türkisen Wasser des Chilcotin River.

Wir holen noch kurz die Post in "Downtown Big Creek" ab - das aus einem Gemeinschaftshaus, einer Telefonzelle und einem Willkommensschild besteht – und kommen schließlich bei der Lodge an. Und sind überwältigt. Was für ein Traum! Die Lodge haben Joe und Sabine, die vor über 30 Jahren hierher ausgewandert sind, selbst gebaut. Sie beherbergt neben ihren eigenen Wohnräumen mehrere liebevoll eingerichtete Gästezimmer und einen Aufenthaltsraum, von dem aus man einen herrlichen Blick nach draußen auf den Fluss, die Landschaft und die Berge hat.
Neben den Hunden, die uns gleich stürmisch begrüßen, lernen wir auch Akira kennen, das „Mädchen für alles“. Sie wird in den nächsten Tagen mit uns ausreiten und nimmt uns gleich mit zu den Pferden. Bis zu unserem ersten Ausritt müssen wir uns allerdings noch bis zum nächsten Morgen gedulden. Nach einem leckeren, typisch kanadischen Frühstück – Pancakes mit Ahornsirup – treffen wir uns am Stall, holen Buddy, Tuff und Shifter von der riesigen Koppel und satteln sie für unseren Ritt. Wieder haben wir Traumwetter. Wir folgen kaum erkennbaren Pfaden durch lichten Wald und genießen zwischendurch immer wieder die Aussicht auf die herrliche Landschaft und die Coast Mountains am Horizont. Am Flussufer steigen wir ab und holen unser Picknick aus den Satteltaschen – wie köstlich doch ein einfaches Käsesandwich inmitten einer solch grandiosen Natur schmecken kann!

Als ich spät abends im Bett liege, kann ich durchs Fenster den Sternenhimmel sehen. Ich überlege, wie schön es sein muss, an einem solchen Ort zu leben. Aber auch wie risikoreich. Im Notfall ist Hilfe meilenweit entfernt und die Menschen sind auf sich selbst bzw. die Hilfe der Nachbarn angewiesen.

Die Zeit vergeht wie im Flug und viel zu schnell sind die paar Tage auf der Ranch vorbei. Sabine bringt uns zurück nach Williams Lake und lädt uns ein, doch wiederzukommen, nächsten Sommer, zum cattle drive. Ja, denken wir, wiederkommen würden wir gerne, auch wenn es vielleicht nicht gleich im nächsten Sommer klappen wird.
Wieder zurück in Vancouver treffen wir Annika wieder und verbringen unseren letzten Abend noch einmal in der grandiosen Spaghetti Factory, bevor wir am nächsten Tag in den Flieger zurück nach Frankfurt steigen. Als wir am Terminal stehen und auf das Boarding warten, schweift mein Blick über die anderen Fluggäste. Na nu, was ist das? Hier und da sieht man doch tatsächlich schicke rote Rucksäcke auf dem ein oder anderen Rücken, mit einem kleinen Aufnäher der kanadischen Flagge hinten drauf. Ich muss schmunzeln, sind es doch die Rucksäcke von SK, wie auch ich einen neben mir stehen habe. Gleich fühlt man sich irgendwie verbunden.

Seit unserer Rückkehr ist nun schon wieder ein Jahr vergangen, doch ich bin ständig in Gedanken dort. Mal stehe ich an einem Gletschersee und blicke auf die schneebedeckten Berggipfel, dann lausche ich den Wellen des Pazifiks oder reite noch einmal durch die Berge um Big Creek. Und noch immer kann ich es nicht wirklich glauben, dass alles so gekommen ist und wir das alles so erlebt haben. Danke an SK Touristik und danke an wen-auch-immer, der damals in Langenfeld die Losbox hat zu Boden fallen lassen …