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Expedition ins Tobatal British Columbia - Kanada Tierbeobachtung, Natur Aktiv, Expedition Kanada, Angeln Kanada und Wandern Kanada

Der temperierte Regenwald im Toba Valley
Carsten Siegel begleitet das Team von Wilderness International auf einer Expedition in den SK-Regenwald...
September 2018


Text: Carsten Siegel

Expedition in den SK-Regenwald

Gemeinsam mit der Stiftung Wilderness International schützt SK Touristik unberührte Natur an der Westküste Kanadas. Temperierten Regenwald im Toba Valley, British Columbia - Heimat von Wapitis, Grizzlies und Weißkopfseeadlern. Und ich begleite Wilderness International in den SK-Regenwald. So kann ich mir selbst ein Bild davon machen, wie wild und unberührt er ist. Unsere Route führt uns über Victoria und Port Renfrew nach Campbell River. Von dort aus beginnt dann die Expedition ins Toba Inlet und den Toba River hinauf.

Beim Frühstücksbuffet auf der Painter's Lodge in Campbell River ist die Aufregung in der Expeditionsgruppe spürbar. Werden die Wellen einen leichten Übertritt in den Toba River ermöglichen? Wird die Lachswanderung im Fluss schon im Gange sein? Und vor allem: Werden wir Grizzlies begegnen?

Nach dem Frühstück fahren wir zum Hafen von Campbell River. Von hier aus starten auch die Grizzly-Beobachtungstouren in den Toba Inlet aus dem SK-Reiseprogramm. Doch wir wollen heute auf eigene Faust noch tiefer in die Wildnis vordringen. Wir bringen unsere Taschen und Seesäcke zum Wassertaxi. Unser Skipper Richard ist erstaunt über die schiere Menge an Gepäck. Unter anderem haben wir drei Kameradrohnen dabei! Kurz nachdem wir den Hafen verlassen haben, sehen wir vor dem Boot eine Fontäne aus dem Wasser schießen. Ein Buckelwal! Auch die Flosse ist kurz zu sehen! Ein fantastisches Erlebnis.

Je tiefer wir in den Fjord hineinfahren, desto atemberaubender wird die Kulisse. Die Spuren der Zivilisation werden immer seltener. Am Ende des Fjordes erreichen wir die Flussmündung des Toba River. Hier ist es zu flach, um mit dem großen Boot weiterzufahren. Wir landen an einem felsigen Küstenabschnitt und laden unser Gepäck auf ein kleines Expeditionsboot, mit dem wir den Fluss hinauffahren können. Das Navigieren ist anspruchsvoll, aber unser Jetmotor kommt leicht gegen die Strömung an. Ein Weißkopfseeadler kommt uns entgegen und fliegt nur wenige Meter über unserem Boot her. Alle Augen folgen dem Vogel, als das Boot mit einem lauten Knarzen auf dem felsigen Grund des Flusses aufsetzt. Die Quittung für einen kurzen Moment der Unachtsamkeit. Wir steigen aus und schieben das Boot wieder in tieferes Wasser, dann geht es weiter den Fluss hinauf!

In das Expeditionsboot passen immer nur drei bis vier Personen gleichzeitig, sodass wir uns etappenweise von Sandbank zu Sandbank vorarbeiten. So bleibt mir bei jedem Zwischenstopp etwas Zeit, die Umgebung zu erkunden. Schon auf der ersten Sandbank entdecke ich Spuren von Bären und Wapitis. Im Fluss taucht immer wieder der Kopf eines Seehunds auf, der hier auf Fischfang ist. Auf der anderen Seite sitzt ein Adler auf einem Ast und scheint uns genau zu beobachten. Als er abhebt, gelingen unserem Fotografen Fabian einige beeindruckende Aufnahmen.

Wir fahren noch eine Stück weiter und schlagen auf der nächsten großen Sandbank unser Camp auf. Der Strand ist umgeben von steilen Felswänden, Wasserfällen und dichtem Wald. Eine beeindruckende Kulisse. Ich muss sehr auf meine Schritte achten, denn im Sand sind unzählige kleine Kröten unterwegs, die ich nicht zertreten möchte. Abends bereiten wir unser Essen am Lagerfeuer zu und genießen im Anschluss den Blick auf die Milchstraße, wie man sie nur weit abseits der Zivilisation sieht.

Nach dem Frühstück wird abgebaut und aufgeräumt. Wir beseitigen jede Spur unserer Anwesenheit. Mit dem Expeditionsboot fahren wir in mehreren Etappen zum Zusammenfluss des Toba River und des Little Toba River. Während der große Toba River fast türkisfarben daherkommt, ist das Wasser im kleinen Zufluss tiefblau und klar. Der Weg ist hier von Treibholz blockiert.

Wir landen das Boot auf einer kleinen Insel und müssen das Gepäck zu Fuß ans andere Ufer bringen. Ich schultere einen Seesack und laufe ins 5 Grad kalte Gletscherwasser. In der Mitte reicht mir es mir bis zum Bauch. Ich kämpfe mich gegen die spürbare Strömung ans andere Ufer. Endlich angekommen - und direkt wieder zurück, denn es gibt noch mehr zu transportieren. Zwischendurch fliegt wieder ein riesiger Weißkopfseeadler dicht über den Fluss. Am Ufer liegt ein angefressener Lachs und die ganze Sandbank ist voll mit frischen Grizzly-Spuren - hier scheint ein Hotspot zum Fischen zu sein!

Nach den Aufbauen bleibt etwas Zeit zum Angeln. Mal sehen, was hier unter Wasser los ist! An der Schnur hängt ein kleiner Köder mit Kanada-Flagge - vielleicht bringt der ja Glück. Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten ein gewaltiger Ruck! Ein Fisch springt aus dem Wasser. Eindeutig ein Lachs! David und ich brauchen fast 20 Minuten, um den kräftigen Fisch an Land zu ziehen. Es ist ein kapitaler Sockeye-Lachs. Wow! Da der Fisch durch den Haken verletzt war, beschließen wir, dass er zu unserem Abendessen werden soll. Kurz darauf beißt bei Knut ein weiterer Lachs, den wir jedoch unverletzt wieder in die Freiheit entlassen. Wir wollen von der Natur nur das nehmen, was wir wirklich brauchen. Und der Sockeye ist genug, die ganze Expeditionsgruppe satt zu bekommen. Ich fülle den Fisch mit Salz, Pfeffer, Butter und einigen Zitronenscheiben, bevor ich ihn in Alufolie einwickle und dicht ans Feuer lege. Und so sitzen wir an diesem Abend mitten in der Wildnis am Toba River und essen frischen Lachs, der wohl noch nie so gut geschmeckt hat wie heute.

Als ich am darauf folgenden Morgen aus dem Zelt komme, begrüßt mich eine mystische Kulisse. Durch die Wälder an den Berghängen ziehen dichte Nebelschwaden. Es ist schwierig, diese Stimmung in Bildern einzufangen, doch ich denke, es ist uns zumindest teilweise gelungen. Beim Fotografieren entdecken wir auch einen jungen Adler, der einen Fisch gefangen hat.

Über Nacht hat es viel geregnet, sodass der Flusspegel sichtbar angestiegen ist. Man sieht deutlich öfter Lachse springen als noch am Tag zuvor. Uns wird klar, dass die Lachwanderung jetzt erst in Gang kommt. Auch in Westkanada war der Sommer sehr trocken und aufgrund der niedrigen Flusspegel beginnen die meisten Lachse ihre Reise später als sonst. Das erklärt auch, warum wir am Flussufer noch keinem Bären begegnet sind - sie warten!

Mit leichtem Tagesgepäck machen wir uns auf den Weg in den Regenwald, den Wilderness International schützt. Schnell sind wir umgeben von großen Ahornbäumen und alten Riesen-Lebensbäumen voller Flechten und Moose. Um den dichten Wald zu durchqueren, müssen wir schmalen Tierpfaden folgen - die Orientierung fällt nicht leicht! Es ist unfassbar, wie grün, vielfältig und lebendig alles ist. Besonders beeindruckt mich ein etwa 700 Jahre alter Ahorn. Die zwei Stämme des Baumes sind mit einer dicken Moosschicht bedeckt. Weiter unten entdecke ich mehrere Wolfshöhlen. Auf unserem Weg finden wir immer wieder Kratzspuren an den Bäumen, große Grizzly-Fußabdrücke, angefressene Lachse und Bärenkuhlen. Uns wird klar: Wir sind hier mitten im Wohnzimmer der Bären. Die Gruppe bleibt dicht zusammen und der Vordermann hat immer ein Bärenspray zur Hand. Die Anspannung ist hier deutlich höher als auf den offenen Sandbänken, da man nie genau weiß, was hinter dem nächsten Busch wartet. Nach etwa einer Stunde erreichen wir eine weitere Sandbank und nähern uns dem Quellbereich des Little Toba River. Irgendwo hier müssen die Laichgründe der Lachse sein.

Am Ufer pumpen wir ein Schlauchboot auf. Kai will mit unserem Natur-Fotografen den Fluss abwärts bis zum Camp floaten. Der Rest der Expeditionsgruppe tritt den Rückweg durch den Wald an. Es beginnt wieder zu regnen. Nun müssen wir noch vorsichtiger sein, denn durch das laute Rauschen des Regens im Wald können die Bären uns kaum noch kommen hören. Heute sind wir froh, am Camp anzukommen, ohne einem Bären begegnet zu sein. Am Ende des Tages suchen wir schon einmal unsere Sachen zusammen und packen alles ein, was wir nicht mehr brauchen. Morgen muss es schnell gehen, um 6 Uhr morgens wollen wir in den Booten sein!

Um 5 Uhr morgens höre ich Wecker-Geräusche aus allen Zelten. In völliger Dunkelheit packen wir mit Stirnlampen unsere restlichen Sachen in die Seesäcke und bauen die Zelte ab. Als Frühstück müssen ein paar hastig gegessene Schokoriegel genügen. Alles soll schnell gehen, denn das Wassertaxi wartet um 9:45 an der Flussmündung.

Am heutigen Morgen ist es ungewöhnlich kalt und es regnet in Strömen. Um die Boote zu erreichen, muss das gesamte Gepäck wieder durch den mittlerweile wohl nur noch 3-4 Grad kalten Fluss getragen werden. Aufgrund der dichten Wolken ist es eine Stunde später noch immer extrem dunkel und wir kommen langsamer voran als geplant. Schließlich ist es geschafft: Mit dem Expeditionsboot und zwei aufblasbaren Booten fahren wir im ersten Tageslicht flussabwärts. Alle sind völlig durchnässt und frieren im Fahrtwind, aber die Stimmung ist trotzdem hervorragend. Klar, hier in der Wildnis ist man dem Wetter und der Natur ausgeliefert - aber auch das ist ein wichtiger Teil der Erfahrung. Und dann passiert, womit keiner mehr gerechnet hat: Kurz bevor wir die Flussmündung erreichen, sehen wir am Flussufer für wenige Sekunden einen kleinen Grizzly in den Wald huschen. Vielleicht wollte er sich von uns verabschieden?

Wir kommen später als erwartet im Toba Inlet an. Skipper Richard wartet schon seit einer Weile, ist aber entspannt - er hat heute keine weiteren Termine. Endlich ins warme Wassertaxi! Auf der Rückfahrt sind die Wellen hoch, was Richard aber nicht davon abhält, Vollgas zu geben - das macht Laune! In Campbell River steigen wir wieder in unsere Mietwagen und fahren mit der Fähre von Nanaimo nach Departure Bay. Auf der Lions Gate Bridge genieße ich den Ausblick auf die Skyline von Vancouver in der Abenddämmerung. Als wir an unserer Unterkunft in Granville ankommen, breiten wir zunächst die Zelte und das gesamte Gepäck zum Trocknen aus. Nach dem anstrengenden Tag falle ich früh ins gemütliche Bett.

Der temperierte Regenwald im Toba Valley ist wirklich ein einzigartiges Stück Natur. Und es war ein echtes Abenteuer, dorthin zu gelangen. Vor uns der Lachs-Fluss, hinter uns der Regenwald, über uns die Adler und um uns herum die Grizzlies. Ein unvergessliches Erlebnis! Auch wenn die Bären noch etwas schüchterner waren, als erwartet - aber vielleicht ist das auch besser so. So tief in der Wildnis sind Begegnungen mit Bären eine ambivalente Sache: Einerseits möchte man die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und fotografieren, andererseits möchte man um jeden Preis vermeiden, sich selbst oder gar die Bären in Gefahr zu bringen.

Mein Respekt vor echter Wildnis ist durch diese Expedition auf jeden Fall noch ein Stück größer geworden und ich bin stolz, dass wir von SK Touristik einen Beitrag zum Erhalt dieser unberührten Lebensräume leisten können!
Wildnis in Kanada schützen: Der SK-Regenwald in British Columbia