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FRANZIS 6 MONATE KANADA: Das Praktikum ihres Lebens

Franzi in Kanada auf Tour: Die Reise beginnt
Es ist soweit, mein Abenteuer in Kanada beginnt! Am Montag geht es in Begleitung meiner Eltern nach Frankfurt zum Flughafen. Beim Abschied fließen zwar ein paar Tränen, aber in mir breitet sich schnell das Gefühl der Neugier und die Vorfreude aus,  auf das, was kommen wird. Nach ungefähr zehn Stunden Reisezeit und einem kurzen Zwischenstopp in Reykjavik komme ich am späten Nachmittag in Edmonton, Alberta an. Die freundliche und offene Art, die den Kanadiern nachgesagt wird, erfahre ich bereits im Flugzeug. Schnell komme ich mit meiner kanadischen Sitznachbarin und ihrem Bruder ins Gespräch. Die beiden erzählen mir viel über Kanada und geben mir spannende Reisetipps. Noch mitten im Gespräch leuchten die Anschnallzeichen auf. Der Landeanflug auf Edmonton beginnt. Am Gepäckband verabschiede ich mich von den Geschwistern und mache mich auf den Weg zum Auto meines Gastvaters Gerrit Brinkmann. Zusammen mit Gerrit geht es zu meinem ersten Aufenthaltsort in Kanada - die Equitop Farm in New Norway. Gerrit führt die etwa eine Stunde südöstlich vom Flughafen entfernte Farm gemeinsam mit seiner Frau Ute. Die beiden sind vor Jahren aus Deutschland ausgewandert. Hier widmen sie sich  leidenschaftlich der Pferdezucht und haben sich zudem einen Schafbetrieb aufgebaut.

Am nächsten Morgen geht das Farmleben los. Um viertel vor acht treffen wir uns zum Frühstück. Kurze Zeit später finde ich mich im Pferdestall wieder. Ich wässer die Reithalle. Dann werde ich umgehend in die Vorbereitungen auf einen Besuch potentieller Pferdekäufer einbezogen. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Am Nachmittag begrüßen wir drei Schafhalter aus dem Süden Albertas. Sie wollen sich Schafböcke für ihre Betriebe aussuchen. Ich hatte noch nie bewusst Kontakt zu Schafen. Spontan hänge ich mich an Gerrit und seine Kunden und schließe mich einer kleinen Stallführung an. Es ist sehr spannend. Insgesamt hält Gerrit auf dem Hof drei verschiedene Rassen. Voneinander unterscheiden kann ich die Schafe allerdings nicht wirklich. Das Highlight der Stallführung sind zweifelsohne die Lämmer. Momentan werden fast jeden Tag neue Lämmchen geboren. Die Kleinen sind so süß! Am Abend helfe ich noch ein wenig bei den Pferden und falle kurze Zeit später todmüde ins Bett.

Pferde füttern ist heute meine erste Aufgabe. Jen, ein Mädchen aus der Nachbarschaft - Nachbarschaft ist hier ein ziemlich weit gefasster Begriff - hilft regelmäßig auf der Farm. Ich begleite sie bei ihrem morgendlichen Arbeitsablauf, um so viel wie möglich zu lernen. Später helfe ich Denise eine Wiese einzuzäunen. Puh, das ist anstrengend! Aber das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen, denke ich. Nach der Mittagspause bauen Jen, Denise und ich auf dem Außenreitplatz ein paar Sprünge auf. Am Nachmittag kümmern Jen und ich uns um die Pferde. Dann gibt es Abendessen. Ein gelungener zweiter Tag auf der Farm in New Norway liegt nun hinter mir.

Auch heute Morgen steht der Stall auf unserer To-Do-Liste. Schon früh sind die ersten Pferde bewegt. Beim Mittagessen sprechen wir über die Pläne für die nächsten Tage. Wie es aussieht, begleite ich Ute und ihre Tochter Beke am Wochenende zum Turnier. Beke reitet Samstag und Sonntag zwei Pferde auf Spruce Meadows in Calgary. Spruce Meadows ist eine renommierte und international bekannte Reitanlage, auf der jährlich mehrere große Turniere auf internationalem Niveau stattfinden. Am Wochenende ist dort ein etwas kleineres Turnier. Beke nutzt dies gerne als Saisonauftakt. Ich bin sehr gespannt und freue mich, das kanadische Turnierleben kennen zu lernen.


Franzi in Kanada auf Tour: Ein Turnierwochenende
Es ist Montag und ein spannendes Wochenende voller neuer Eindrücke liegt hinter mir. Am Freitag letzte Woche standen die Vorbereitungen für das kommende Turnier an. Ich habe bei der täglichen Stallarbeit geholfen und im Anschluss dann die beiden Pferde namens Charmony und Pelé herausgeputzt. Bei der kleinen 'Horse Wash Party' hatte ich allerdings zwischendurch das Gefühl, dass wohl mehr Wasser und Shampoo auf mir gelandet ist, als auf den Pferden. Aber spaßig war es so oder so. Weiter ging es mit dem Zusammenpacken sowohl meiner eigenen Klamotten, als auch dem Equipment für die Pferde. Nachdem wir endlich alles verstaut hatten, ging es für Ute und mich auf den Weg in Richtung Calgary. Nach etwa einer dreiviertel Stunde fragte Ute mich, ob ich nicht Lust hätte, auch ein Stückchen zu fahren. Erst wurde mir etwas mulmig, weil die Trucks hier doch recht imposant sind und wir in Kombination mit dem Pferdehänger schon ein gewaltiges Gefährt darstellten. Aber nichts desto trotz hat es mich sehr gereizt diese Erfahrung machen zu können. Gesagt, getan. Zack, saß ich am Steuer und habe Ute für eine gute halbe Stunde abgelöst. Zu Anfang hatte ich ein wenig Probleme die passenden Gänge zu finden, aber mit ein wenig Übung hat auch das immer besser geklappt.

Mit Einbruch der Dämmerung sind wir auf Spruce Meadows - etwa eine halbe Stunde vom Stadtzentrum Calgarys entfernt - angekommen und haben die Pferde in ihre Ställe gebracht. Ute und ich haben es uns nach der Pferdeversorgung im Vorraum des Anhängers gemütlich gemacht und dort übernachtet. Hier in Kanada haben viele der Pferdehänger einen kleinen Vorraum, der unter anderem die Möglichkeit bietet, die ein oder andere Nacht in diesen zu verbringen. Gedanklich hatte ich mich schon auf eine eher unruhige Nacht eingestellt und war deshalb umso überraschter, dass es super bequem war und ich richtig gut geschlafen habe. Aber natürlich wie immer viel zu kurz. Ute ist am Samstagmorgen um halb Sieben aufgestanden, um die Pferde zu füttern und ich bin gegen sieben Uhr dazu gekommen.

Zusammen mit Ute und Beke - Beke hat in einem Zimmer nahe des Turniergeländes übernachtet - haben wir die Pferde kurz bewegt und anschließend für ihre Prüfungen vorbereitet. Das Turniersystem in Kanada unterscheidet sich doch enorm von den mir bekannten deutschen Abläufen. Umso spannender war es für mich das eingespielte Mutter-Tochter Team zu begleiten. Selbstverständlich habe ich auch tatkräftig mit angepackt wo ich konnte, denn für Sonntag sollte es dann meine Aufgabe sein, Beke mit den Pferden zu helfen. Den Crashkurs erfolgreich absolviert, bin ich abends voller Vorfreude in den Anhänger geklettert und habe mich eingekuschelt. Ohne Ute war das Ganze zwar eine Nummer einsamer und zu Beginn auch ein wenig gruselig, aber nach wenigen Minuten war die Müdigkeit dann doch stärker.

Gefühlt hatte ich die Augen gerade erst zugemacht, da klingelte auch schon der Wecker. Zeit die Pferde zu füttern! Schnell mit dem Rad zu den Stallungen gefahren, den Pferden Heu und Kraftfutter gegeben und die Boxen gemistet. Danach habe ich mich auf Entdeckungstour gemacht. Die Anlage ist einfach der absolute Wahnsinn. Spruce Meadows ist der größte Reitstall der Welt und besitzt in der internationalen Pferdewelt, besonders im Rahmen der Disziplin Springen, einen hohen Stellenwert. Alles ist unglaublich weitläufig, tip top gepflegt und das Ganze vermittelt ein beeindruckendes und einzigartiges Flair. Es ist kaum zu beschreiben, man muss es erleben. Schnell entscheide ich, dass ich unbedingt im Sommer nochmal her kommen muss, wenn hier die mehrwöchigen internationalen Turniere stattfinden und alles nur so von Pferden, Reitern und Zuschauern wimmelt.

Auch am Sonntag ging es für Beke zusammen mit ihren Pferde nochmals in den Parcours. Am Samstag liefen Charmony und Pelé beide zwei super Runden und Beke beendete alle Prüfungen ohne Fehler. Auch am Sonntag zeigte sich Charmony von ihrer besten Seite und Beke konnte sich eine Platzierung an 6. Stelle sichern. Für Pelé standen leider nach Durchqueren der Ziellinie zwei Hindernisfehler auf der Ergebnisliste. Beke nahm die Fehler auf ihre Kappe und war mit ihrem Pelé, trotz der Fehler, sehr zufrieden. Alles in allem, ein gelungenes Turnierwochenende!


Franzi in Kanada auf Tour: Die Rodeo-Show
Ich bin gerade auf dem Weg in den Pferdestall, um die abendliche Fütterungsrunde zu starten. Von Weitem sehe ich einen grauen Van auf den Hof fahren. Es ist mein Freund Moritz! Sofort laufe ich zu ihm und es gibt zur Begrüßung erst einmal eine dicke Umarmung. "Wie lange haben wir uns eigentlich nicht mehr gesehen?", fragt Moritz mich. Wir überlegen kurz und sind uns nach wenigen Sekunden einig: Es wurde allerhöchste Zeit! Moritz und ich kennen uns aus der Schule und haben 2013 gemeinsam Abi gemacht. Nach dem Abschluss hatten wir nicht mehr wirklich viel Kontakt. Wir sind uns nur ab und zu mal zufällig in der Heimat über den Weg gelaufen. Und naja, um ehrlich zu sein, habe ich mich dann auch erst aufgrund meiner Kanadapläne wieder bewusst bei ihm gemeldet. Im Dezember bin ich etwas konkreter in die Planung meines Kanadaabenteuers eingestiegen und habe Moritz direkt mal mit tausenden Fragen gelöchert. Er selbst ist mittlerweile schon seit September in Nordamerika unterwegs. Großes Lob an Moritz, egal ob es um das Working Holiday Visum ging, um Flugbuchungen oder Gepäckfragen, er hat mir sehr, sehr viele hilfreiche Tipps gegeben. Und ja jetzt stehen wir hier gemeinsam in Kanada und haben es tatsächlich geschafft, uns zu treffen. Wir genießen den Abend noch gemütlich am Lagerfeuer. Es gibt so viel zu erzählen! Zwischendurch kommen wir ganz durcheinander mit den Themen. Aber wir haben ja noch zwei ganze Tage, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Edmonton. Auf dem Programm steht die West Edmonton Mall - das Shoppingzentrum Kanadas. Auf einer Fläche von rund 500.000 Quadratmetern kann man in über 800 Läden problemlos sein Geld verballern. Eine große Shoppingtour ist allerdings für Moritz und mich heute nicht geplant. Schade eigentlich. Wir schlendern also einfach ein wenig durch das riesige Gebäude und schauen uns in Ruhe um. Wir irren zunächst orientierungslos durch den Ladenwald und ich fühle mich doch recht überwältigt von der Größe der Mall. Obwohl ich mich ein wenig verloren fühle, bin ich beeindruckt von der Vielfalt des Angebots. Shoppen scheint in der West Edmonton Mall zum Event zu werden. Neben unendlich vielen Läden treffen wir auf eine Eisfläche, einen angrenzenden Wasserpark und ein großes Schiff inmitten der Mall. Außerdem gibt es hier einen Minigolfplatz und irgendwo soll sich sogar auch noch eine Achterbahn finden lassen. Ich bin gespannt.

Yee-haw! Heute Abend ist Rodeo angesagt. Es geht zum Black Gold Rodeo nach Leduc, ganz in der Nähe des Flughafens von Edmonton. Moritz und ich nehmen so langsam unsere Plätze auf der Tribüne ein und warten gespannt darauf, dass es los geht. Ein freundlicher Volunteer hat uns verraten, aus welcher Perspektive wir erfahrungsgemäß den besten Blick auf das Spektakel haben. Also sitzen wir jetzt mit einem Bier in der Hand ganz in der Nähe der sogenannten "Bucking Chutes". Gemeint sind die Startboxen, in denen die Pferde und Bullen für ihren Einsatz vorbereitet werden. In genau diesen "Chutes" können wir auch schon die ersten Pferde erkennen. Und was für welche. Es sind kleine Ponys! Ein kurzer, verwirrter Blick zu Moritz und dann wird einiges klar. Wir beobachten ungefähr vier Jungen, die stark danach aussehen, als würden sie sich auf ihren Start vorbereiten. Und ja, genau das tun sie. Ich bin ziemlich schlecht im schätzen, aber ganz grob würde ich mal so von einem Alter zwischen 6-10 Jahren ausgehen. Nahezu im selben Moment frage ich mich, wie es die Eltern dieser Jungs unterstützen können, dass ihr Kind sich auf ein bockendes Pferd setzt und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nach wenigen Sekunden herunterfällt?! Ich erinnere mich nur zu gut an die panischen Blicke meiner Mama, wenn ich beim Reiten dann doch mal ungewollt im Sand gelandet bin... Aber gut, jedem das seine. Und eins muss man den Jungs lassen, Mut haben sie! Obwohl ich nicht mit ihnen tauschen möchte, ist es spektakulär und niedlich zugleich, wie die Jungs auf den Ponys durch die Arena fegen. Und ganz wichtig, es ist auch keinem der Teilnehmer etwas passiert. Nach diesem phänomenalen Einstieg in den Abend geht es nahtlos weiter im Programm. Jetzt sind die "Großen" an der Reihe...

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich mit dem Begriff Rodeo bisher hauptsächlich Bull Riding verbunden. Aber ein Rodeo hat definitiv noch eine ganze Menge mehr zu bieten. Unglaublich interessant zu beobachten ist unter anderem das Tie-down Roping. Bei dieser Disziplin geht es darum, ein Kalb vom Pferd aus mit dem Lasso einzufangen, es am Sattel des Pferdes anzubinden, danach abzuspringen und das Kalb am Boden zu fixieren. Ich kann gar nicht so schnell schauen, da liegt das erste Kalb schon im Sand. Knappe 10 Sekunden, das ging fix! Den nächsten Teilnehmer nehme ich etwas genauer unter die Lupe. Sobald der Reiter abspringt, scheint das Pferd die Aufgabe zu haben, das gespannte Lasso zwischen ihm und dem Kalb auf Spannung zu halten. Bei den nächsten Starts wird es für mich noch deutlicher. Das Pferd passt genau auf und lehnt sich, auf die Bewegungen des Kalbes abgestimmt, gegen das Lasso. Manchmal reichen kleine Rückwärtsbewegungen des Pferdes aus. In anderen Fällen müssen die Tiere sich mächtig ins Zeug legen, um das Kalb nicht weg zu lassen. Beeindruckend. Es fasziniert mich, wie die Pferde mitarbeiten und ihren Reiter unterstützen. Wie man den Pferden so etwas wohl beibringt? Respekt.

Immer mit dabei ist natürlich der Gedanke um das Wohl der Tiere. Es sieht zwischendurch schon ziemlich ruppig aus, wie die Kälber auf den Boden geworfen werden. Ab und zu randaliert ein Pferd im "Chute" und man hat das Gefühl, dass die Tiere nicht ganz so glücklich mit der Situation zu sein scheinen. Ehrlicherweise fehlen mir aber die Hintergrundinformationen zum Thema Rodeo, um mir eine konkrete Meinung darüber bilden zu können. Umso interessanter ist das Gespräch mit einem der Zuschauer. Mit seinem Karohemd, der übergroßen Gürtelschnalle und dem passenden Hut dazu augenscheinlich ein Cowboy durch und durch. Er erzählt mir, dass oftmals gedacht wird, dass die Tiere komplett wild sind und gezwungen werden, etwas vollkommen Unnatürliches zu tun. Tatsächlich werden die sogenannten "Bucking Horses" aber sogar gezielt für diesen Zweck gezüchtet. Sie sollen es dem Reiter möglichst schwer machen, die magischen acht Sekunden auf ihrem Rücken zu meistern. Es wird darauf abgezielt, dass sich das Pferd beim Bocken möglichst kraftvoll über die gesamte Arena bewegt, viele Richtungswechsel einbaut, sich dreht und unter dem Reiter verwindet. Wenn man als Züchter oder Besitzer dann ein gutes "Bucking Horse" im Stall stehen hat, liegt der Fokus auf dem passenden Training. Das Pferd soll fit in den jeweiligen Wettkampf gehen. Aus den Erzählungen des Mannes wirkt es auf mich so, als ob das "Bucking Horse" genau wie ein Sportpferd zum Dressur- oder Springreiten beim Rodeo seinen Job macht. Sprich das was es gut kann. Die neuen Infos im Hinterkopf beobachte ich nochmals genau die Chutes, in denen die Tiere stehen. Die meisten von ihnen sind ganz ruhig, lassen recht artig die nötigen Gurte und ggfs. Sättel auf sich legen und warten geduldig bis sich die Tür zur Arena öffnet. Dann gehört der Moment ihnen. Die Tiere geben alles, um den "Störfaktor" von ihrem Rücken zu entfernen. Sobald die erforderten acht Sekunden vorbei sind ertönt ein Signal. Schon mit dem Signal hat man das Gefühl, dass das ein oder anderen Pferd in der Intensität seines Bockens nachgibt und einen Gang herunterschaltet. Irgendwie spannend.

Der Höhepunkt des Abends naht... Das Bull Riding. Mit großem Applaus werden die Teilnehmer in der Arena begrüßt. Die massiven Tiere stehen bereit und der erste Cowboy macht sich für seinen Start fertig. Zum Festhalten dient beim Bull Riding nur ein einziger Riemen. Der Cowboy steigt langsam und vorsichtig auf den Bullen. Er greift mit einer Hand um den Riemen und scheint einen passenden Griff für sich zu suchen. Danach zurrt er den Riemen fest. Die Regeln schreiben vor, dass der Reiter nur eine Hand am Bullen haben darf. Die andere Hand muss frei sein und der jeweilige Arm darf während des Rittes weder den Bullen, noch den eigenen Körper oder den Boden berühren. Ansonsten bleibt der Ritt ohne Punktbewertung. Die Hand fest an den Bullen fixiert, lehnt sich der Reiter zurück und gibt kurz darauf das Startsignal. Die Tür der Box wird geöffnet. Was wohl im Kopf der Teilnehmer vorgeht, kurz bevor der "Chute" aufgeht? Beim Gedanken daran, dass ich dort oben sitzen würde, wird mir ganz mulmig vor Angst... Aber zurück zum Geschehen. Nahezu ohne Verzögerung drückt sich der Bulle kraftvoll aus der Box heraus. Er ist voller Spannung und Energie und scheint quasi zu explodieren. Der Bulle bockt quer durch die Arena und verlangt dem Cowboy einiges ab. Da ziehen sich die geforderten acht Sekunden ganz schön in die Länge... Der Reiter setzt seinen gesamten Körper ein, um die Bewegungen des Bullen abzufangen und auszubalancieren. Er müsste es gleich geschafft haben. Oh nein, kurz vor dem Signal passiert der Sturz. Schade, dieser Ritt bleibt somit ohne Wertung. Sofort eilen zwei sogenannte Rodeo Clowns herbei, um den Bullen in Schach zu halten und ihn vom Cowboy abzulenken. Unversehrt und unter Applaus verlässt der Cowboy die Arena. Ganz glücklich scheint er mit seiner Leistung zwar nicht zu sein, aber er wird sicherlich im Laufe des Wochenendes noch eine weitere Chance bekommen.

Mit all den neuen Eindrücken im Gepäck geht es zurück zum Van. Im Gegensatz zu Moritz bin ich es nicht gewohnt im Auto zu übernachten. Ich brauche ein paar Minuten, um eine passende Schlafposition auf der von Moritz umgebauten Rückbank zu finden. Aber dann geht es ganz schnell und für mich es ins Land der Rodeo-Träume.


Franzi in Kanada auf Tour: Elk Island Nationalpark
Durch das Fenster des Vans fallen mir Sonnenstrahlen ins Gesicht und ich werde langsam wach. So eine Nacht im Van ist sicherlich nicht die Bequemste, aber vollkommen ausreichend. Ich überlege kurz, ob ich aufstehen soll. Aber dann packt mich die Müdigkeit nochmals und ich kuschel mich wieder zurück in meinen Schlafsack. Und zack sind zwei Stunden um. Jetzt aber flott, wir haben noch einiges vor!

Unser heutiges Ziel ist der Elk Island National Park. Er liegt gut 30 Kilometer östlich von Edmonton. Auf dem Weg halten wir noch kurz in der Innenstadt von Leduc an, um uns für den Tag zu stärken. Zum Frühstück gibt es Pancakes mit Maple Syrup. Okay, vielleicht nicht der gesündeste Start in den Tag, aber dafür sehr lecker! Und weiter geht's in Richtung Nationalpark. Der Elk Island National Park hat eine Größe von knapp 200 Quadratkilometern und ist der einzige Nationalpark Kanadas, der komplett eingezäunt ist. Verstreut über den Park leben viele verschiedene Tiere. Hier gibt es zum Beispiel Elche, Hirsche und Rehe sowie Biber und Schwarzbären. Auch Wölfe und Coyoten haben im Park ihr Zuhause. Ganz bekannt ist der Elk Island National Park außerdem für seine Büffelherden.

Wir nähern uns langsam dem Parkeingang und die Vorfreude steigt auf das nächste Level. Wir halten am Park Office an und holen uns den Nationalparkpass ab. Er berechtigt uns zum Eintritt. Normalerweise kostet der sogenannte Discovery Pass jährlich knapp 70 CAD für einen Erwachsenen mit Auto. Eine Gruppe bis zu sieben Personen würde ungefähr 135 CAD zahlen, solange die Personen im selben Auto unterwegs sind. Auf den ersten Blick ziemlich verwirrend. Aber wie gesagt, normalerweise... In diesem Jahr läuft das Ganze zur Freude der Besucher ein wenig anders. Zur Feier des 150. Geburtstags von Kanada sind 2017 alle Nationalparks kostenfrei zugänglich. Coole Sache! Okay, Nationalparkpass? Check! Wir nehmen uns noch eine Übersichtskarte des Parks mit und fragen bei der Gelegenheit gezielt nach den Aufenthaltsorten der Büffel. Der nette junge Mann im Office erzählt uns begeistert, dass vor etwa einer halben Stunde eine Gruppe nahe der Bison Loop Road gesehen wurde. Moritz und ich schauen uns an, nicken uns zu und haben somit unseren ersten Anlaufpunkt bestimmt. Auf geht's! Oh halt stopp, nicht das Mückenspray vergessen! Die Tierchen können ziemlich aufdringlich werden.
Nach etwa fünf Minuten Fahrt kommen wir am Aussichtspunkt der Bison Loop Road an und Moritz parkt den Van am Rand der Schotterstraße. Bisher noch keine Büffel in Sicht. Der Rundweg scheint von den Besuchern ganz gut genutzt zu werden. Viele Autos halten kurz, fahren dann aber weiter. Kaum jemand steigt aus. Wir folgen in jedem Fall den Tipps des Mitarbeiters im Office und bewaffnen uns mit unseren Kameras. Irgendwo hier sollen die Büffel sein. Dann versuchen wir mal unser Glück! Wir laufen querfeldein durch die weite Graslandschaft. Ich atme tief ein, schließe die Augen und spüre die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht. Einfach schön! Wir haben uns wirklich einen wundervollen Tag für unseren Nationalpark-Besuch ausgesucht. Aber Achtung! Nicht zu lange die Augen schließen. Wir bemerken, dass wir gerade durch ein einziges "Tretminenfeld" spazieren. Die Hinterlassenschaften der Büffel sind fast überall! Na das ist doch mal ein Motivationsfaktor. Jetzt haben wir immerhin eine ganze Menge an Hinweisen, dass die Büffel hier gewesen sind. Das muss der richtige Weg sein!

Wir laufen schon gut eine dreiviertel Stunde über die riesige Grasfläche und halten Ausschau nach den braunen Wiederkäuern. Ich habe so eine ungewohnte positive Aufregung in mir. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Es ist so, als ob mein Körper auf der einen Seite hofft, dass wir Büffel sehen können, sich auf der anderen Seite aber auch schon fluchtbereit macht, falls wir auf einmal welchen gegenüberstehen sollten. Ein ungewohntes, aber sehr aufregendes Gefühl. Neben Moritz und mir ist noch eine weitere Frau auf der Suche nach den Tieren. Scheinbar leider genau wie wir auch ohne Erfolg. Vielleicht sind die Büffel weitergezogen. Wir sind kurz davor aufzugeben und starten den Weg zurück zum Van. Auf einmal winkt uns die Frau von einem kleinen Hügel aus ganz aufgeregt zu. Was erwartet uns wohl hinter der kleinen Kuppe? Mein Herz fängt spürbar an zu pochen. Moritz und ich kommen der Frau näher und... Da sind sie! Unten in der Neigung, ganz in der Nähe eines Wasserloches grast eine Gruppe von etwa zehn Büffeln. Sie sehen entspannt und zufrieden aus. Wir nutzen die Gelegenheit und wagen uns ein Stückchen näher. Drei Buslängen Abstand soll man mindestens zu den Tieren haben, so die grobe Regel für das Verhalten im Park. Hängt stark vom Bus ab würde ich sagen! Spaß beiseite, drei Buslängen müssten mal so grob geschätzt etwa 60 Metern entsprechen. Oh, das ist ja gar nicht mal so viel! Ehrlicherweise weiß ich kaum etwas über die Tiere und vor allem ihr Verhalten. Deshalb ist mein persönlicher Wohlfühlabstand dann doch ein wenig größer. Wir sind den Tieren jetzt schon um einiges näher und erkennen, dass auch zwei Kälber zur Gruppe gehören. Das ist natürlich besonders schön anzusehen! Für uns bedeutet das allerdings auch doppelte Vorsicht. Wir möchten die Tiere keinesfalls stören oder sie mit unserer Anwesenheit belästigen. Moritz und ich suchen uns in ausreichendem Abstand einen schönen Punkt (ohne Büffelfladen!) aus und genießen diesen wundervollen Moment.
Geschätzte 150 Fotos später spazieren wir langsam zurück zum Van. Es ist einfach fantastisch, dass wir die Büffel doch noch zu Gesicht bekommen haben. Ich bin super glücklich! Moritz und ich entscheiden uns für einen kurzen Trail im Norden des Parks, den Beaver Pond Trail. Biber sehen wir während unserer kleinen Tour leider nicht. Dafür entdecken wir aber viele Hinweise auf die Anwesenheit der Nager. Entlang des Trails finden wir Staudämme und jede Menge abgenagte bzw. besser gesagt, präzise gefällte Bäume. Das nenne ich mal Technik! Highlight sind natürlich die Biberburgen: wahre architektonische Meisterwerke! Im Gegensatz zu mir scheint Moritz die kleine Wanderung leider nicht ganz so genießen zu können. Der Grund: Mücken! Diese kleinen Plagegeister sind momentan wirklich zum Fürchten. Das Wasser um uns herum macht es in Kombination mit dem hohen Anteil an Wald und Gräsern natürlich nicht unbedingt besser. Moritz hat anscheinend vergessen, das Mückenspray nochmal zu erneuern. Jetzt hüpft er von rechts nach links vor mir her und wedelt dabei wild mit den Armen. Kein Wunder, dass wir hier keine Tiere sehen!

Ein Blick auf die Uhr, dann folgt der Schock! Was, es ist schon halb fünf? Ich könnte noch gut drei Tage hier im Park verbringen. Jetzt müssen wir uns wohl oder übel für eine letzte Aktion entscheiden. Die Wahl fällt auf den Wood Bison Trail. Die Route liegt im südlichen Teil des Nationalparks und ist laut Visitor Guide 16 km lang. Schade, den gesamten Trail werden wir wohl kaum heute noch schaffen. Aber wir laufen erst mal los. Das Mückenspray ist natürlich auch am Start! Vor dem Eingang treffen wir ein Pärchen. Sie sind vermutlich gerade von ihrer Wanderung zurück. Ich erkundige mich nach den Verhältnissen des Weges. Top Sache, es scheint alles gut zu sein. Für den wahrscheinlichen Fall, dass wir nach einer Weile umkehren werden, frage ich noch nach, ob sie uns empfehlen würden, den Trail von vorne oder von hinten anzufangen. Die beiden raten uns am eigentlichen Ausgang zu starten. Der hintere Teil des Trails sei ein wenig abwechslungsreicher im Vergleich zum Anfang. Gesagt, getan. Auf geht's! Der schmale Pfad schlängelt sich durch das Waldgebiet. Zwischendurch liegen Baumstämme quer über dem Weg. Einzelne Stellen sind sehr matschig. Aber alles in allem gut machbar! Ich finde es super, das macht den Trail schön abwechslungsreich und fordert ab und zu unser Geschick. Moritz und ich laufen eine Weile ohne miteinander zu reden. Ich lasse die Ruhe auf mich wirken und höre den Vögeln zu. Uns begleitet ein ganzer Chor aus verschiedensten Vogelstimmen. Wunderschön! Die Situation gibt mir ein Gefühl von Entspannung. Alles ist so friedlich...

Wir sind jetzt schon knapp anderthalb Stunden unterwegs. Bis auf Mücken sind Tiere leider bisher noch Fehlanzeige. Es ist mittlerweile auch schon fast sieben Uhr. Moritz und ich halten an und überlegen wie wir es machen wollen. Noch ein Stückchen weiter? Oder umdrehen? Ach komm, ne halbe Stunde geht noch! Also laufen wir noch weiter und kommen nach etwa 15 Minuten an einer wunderschönen Lichtung an. Die richtige Entscheidung getroffen! Wir bleiben ein Weilchen hier, machen Fotos und genießen die Abendsonne. Ich frage Moritz, ob er Lust hat noch ein schönes Foto von mir zu machen. Für das Foto laufe ich so ungefähr zwei- oder dreihundert Meter vor. Nichts ahnend folge ich dem Weg und überlege mir eine lustige Pose. Ein Blick nach links und was sehe ich? Büffel! Ich kann es gar nicht glauben und bin mit einem Schlag ganz aufgeregt. Schnell winke ich Moritz zu mir und wir feiern uns  kurz selbst. Aber jetzt volle Konzentration auf die Büffel. Sie haben uns natürlich schon längst bemerkt und schauen in unsere Richtung. Nach ein paar Sekunden gehen aber die Köpfe auch schon wieder ins Gras. Schöne Sache! Da hat es sich ja gelohnt, dass wir noch ein Weilchen weitergewandert sind. Insgesamt also ein rundum gelungener Tag, nur leider viel zu kurz!


Franzi in Kanada auf Tour: Banff Nationalpark
Meinen freien Tag nutze ich heute, um Diana und Elfan in Calgary zu besuchen. Geplant ist ein gemeinsamer Tagesausflug nach Banff. Ich freue mich riesig! Den Kontakt zu den beiden hat mein Studienfreund und Mitbewohner Patrik, auch liebevoll Zimbo genannt, hergestellt. Diana ist seine Tante. Da hat das freundschaftliche Netzwerk mal wieder hervorragende Arbeit geleistet. Es geht los.

Nach zweieinhalb Stunden Autofahrt komme ich bei Diana und Elfan in Panorama Hills an. Die Begrüßung ist sehr herzlich. Es fühlt sich schön an, die beiden nach unserem ersten Treffen Anfang Mai wiederzusehen. Von Panorama Hills aus ist es nur gut eine Stunde Fahrt bis in die Rocky Mountains. Ziemlich genial! Schon von Calgary aus kann ich in der Ferne die Bergkette erkennen. Umso aufregender fühlt es sich an, den Bergen Stück für Stück näher zu kommen.

Vor uns liegt das Tor zum Banff National Park. Ich rutsche auf dem Rücksitz von links nach rechts. Am liebsten möchte ich aus allen Fenstern gleichzeitig schauen! Umgeben von Bergen und Waldlandschaft führt uns die Straße in Richtung Banff. Auf einmal ruft Diana meinen Namen. Franzi, Coyote! Direkt vor dem Auto läuft ein Kojote über die Straße. Er hat etwas in seiner Schnauze, vielleicht ein kleines Beutetier. Cool! Gerade angekommen und schon das erste Tier gesehen. So kann es weitergehen!

Elfan parkt das Auto in Banff auf einem der Parkplätze. In jedem Fall gut was los hier! Gemeinsam schlendern wir bei strahlendem Sonnenschein durch die Kleinstadt. Ein bisschen Shopping darf da natürlich nicht fehlen. Typisch Tourist geht es einmal durch die Souvenieshops. Was muss das muss! Nach unserer kleinen Tour durch Banff und einem leckeren Mittagessen in der Sonne geht es zurück zum Auto. Elfan und Diana wollen mir noch ein bisschen mehr von der Region zeigen. Highlight für mich ist Lake Minnewanka. Diese Sicht ist unbeschreiblich schön! Wenn ich könnte, würde ich für ein paar Stunden die Zeit anhalten und einfach nur genießen. Um die Gesamtsituation noch zu toppen, hat sich ein Bighorn Sheep  mit seinem Nachwuchs in die Nähe des Autos gesellt. Das Kleine ist zuckersüß! Mit der Kamera in der Hand hüpfe ich aus dem Auto und gehe mit einem breiten Grinsen im Gesicht ums Auto herum. Hinter uns steht ein Auto mit der Aufschrift Parks Canada. Ich schaue etwas genauer hin und hinter der Scheibe erkenne ich zwei Personen. Sie schauen mich an und lachen. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber sie scheinen sich an meiner Begeisterung über das Bighorn Sheep zu erfreuen. Immer diese Touristen!

Wow, ein wundervoller Tag! Ehrlich gesagt ist so ein halber Tag schon echt knapp und viel unternehmen kann man in der Kürze leider nicht. Aber es ist perfekt, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Und was soll ich sagen. Ich komme wieder. Definitiv. 


Franzi in Kanada auf Tour: Abschied von der Equitop Farm
Wahnsinn... So schnell können zwei Monate verfliegen! Heute ist mein letzter Arbeitstag auf der Equitop Farm. Also los, noch einmal Vollgas geben! Im Stall werde ich mit einem kleinen Wieher-Konzert begrüßt. Das ist doch mal schön! Schade eigentlich, dass es nur am Futter liegt und nicht an mir. Aber das kann ich verkraften!

Puh, heute ist echt einiges zu tun. Das wird wohl nichts mit meiner Idee, zwischendurch in Ruhe meinen Koffer zu packen. Ställe misten, Pferde rausstellen sowie wieder reinholen und dann noch zwei Pferde reiten. Ich bin also definitiv gut beschäftigt! Obwohl so ein Tag auf der Farm echt anstrengend ist, macht mir die Arbeit mit und rund um die Pferde viel Spaß. Noch dazu glaube ich, dass Ute und Gerrit sich über meine Hilfe freuen. Das motiviert!

Fazit meines Farmabenteuers: kein Tag ist wie der andere! Es gibt zwar feste Abläufe, die den Tag grob strukturieren, aber die Tiere gestalten den restlichen Teil. Langeweile ist da Fehlanzeige! Ich glaube das allerschönste an der Zeit ist für mich, dass ich so viele Menschen kennenlerne. Ein Teil von ihnen ist über die Zeit zu guten Freunden geworden. Ich werde Brinkmanns und die Farm vermissen.


Hier geht es zum nächsten Reisebericht…