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Viel erwarte ich gar nicht, als wir im Juni 2015 die 12 Kilometer lange Sandpiste zum Gipfel des Keno Hil hochfahren. Im Gegenteil. Es ist spät. Wir haben noch nicht gegessen und so eine Serpentinenstrecke zieht sich. Hätte man es lieber lassen sollen? Nein. Auf keinen Fall!
Text und Fotos: Rainer Schoof

Es ist eigentlich schon richtig spät, aber wir halten uns an den Rat von Tracy vom Silvermoon Bunkhouse in Keno City und fahren direkt noch die 12 Kilometer hoch auf den Berg, den Keno Hill. Es ist wohl etwa 10 Uhr abends. Wir sind völlig aus der Zeit. Sehen nur, dass die Sonne noch hoch am Himmel steht. Die Locals sagen: "Zur Mitternachtssonne musst Du jetzt am späten Abend hoch auf den Hill!" Also fahren wir hoch. 12 Kilometer bergauf. Natürlich Schotter. Natürlich Serpentinen. Das zieht sich - aber es soll sich lohnen!

Oder ist es das Ende der Welt?

Die Ausblicke sind sensationell. Und es steigert sich - es wird immer spektakulärer! The end of the road - oder ist es das Ende der Welt? Man hat zumindest das Gefühl, dass man es von hier sehen kann. Traumhaft schön! Imposante Gebirgsketten in allen Himmelsrichtungen. Ich versuche sie zu zählen und muss aufgeben. Einfach unbeschreiblich. Die Straße ist übrigens gut befahrbar - ich denke auch für Wohnmobile. Und wir sind ganz allein.

Und dann kommen wir oben an. Oben auf dem Keno Hill. WOW!

Ich bin sprachlos. Wir sind in hochalpine Regionen hineingefahren, befinden uns oberhalb der Baumgrenze. Der Blick kann weit schweifen - allein schon über den Bergkegel, auf dem wir uns befinden. Wir sind ausgestiegen und stehen knapp unterhalb des Gipfels. Es ist wunderschön. Erhaben. Unendliche Weite um uns herum. Egal, wo man hinblickt, man sieht nichts als herrliche, weite und sattgrüne Täler und dahinter weitere Gipfel. Und das Ganze unter der immer noch so hochstehenden Mitternachtssonne, die alles in ein so schönes und umschmeichelndes Licht taucht. Man hat das Gefühl, sich in einem Gemälde zu befinden. Einfach ein wunderschöner Ort hier oben. Schon jetzt vermerkt auf der Liste meiner Lieblingsplätze.

Es gibt erstaunlich viel Platz hier oben. Man kann ein Feuer machen - brennen kann hier ja nicht viel. Ein Traumplatz zum Campen, denke ich. Ich stelle mir vor, wie ich schon bald mit einem Wohnmobil hierhin zurückkehre und genau hier oben eine Nacht unter der Mitternachtssonne verbringe. Jawohl, Gedanke abgespeichert und bereit, schon bald in die Tat umgesetzt zu werden.

Gut, ich habe diese Idee wohl nicht ganz exklusiv. Doch in diesem Augenblick weiß ich noch nicht, dass sich nur wenige Tage später eine unserer von Hans-Gerhard Pfaff begleiteten Wohnmobil-Kleingruppen genau diesen Traum an diesem magischen Ort erfüllen wird. Naja, man kann nicht überall der Erste sein.

The end of the road. Ist das hier nicht vielleicht doch das Ende der Welt? Aber wenn es das Ende der Welt ist, dann ist es ein wundervolles Ende. Erhaben. Ein Stück weit der Wirklichkeit entrückt. Ehrfurchtgebietend. Eigentlich würdig für ein Ende der Welt. Nun gut, ich lege mich fest: Hier oben auf dem Keno Hill ist ein ganz besonderer Ort. Mein persönliches Ende der Welt. Und ich kann nur jedem Reisenden im Nordland empfehlen, es irgendwann mal zu besuchen!

Yukon: Rainer Schoof zur Mitternachtssone auf dem Keno Hill (Juni 2015)