Kanadische Tiere - Exkurs | Kanada Tipps von A-Z

Kanadische Tiere beobachten

Die wilden Tiere Nordamerikas machen das Land aus. Respektieren Sie, dass Sie sich im Lebensraum dieser wilden Tiere bewegen, indem Sie ihnen ausreichend Raum lassen. Wer einem wilden Tier zu nahe kommt, gefährdet nicht nur sich, sondern vor allem auch das Überleben des Tieres. Zudem wird so die Gewöhnung an den Menschen gefördert und die Tiere verlieren das, was sie auszeichnet – ihre Wildheit. Werden wilde Tiere gefüttert oder kommt man ihnen zu nahe, verhalten sie sich häufig unnatürlich. Je größer ihr Gewöhnungsgrad an den Menschen, desto größer auch ihr Aggressionspotenzial. Tiere, die gefüttert werden, gewöhnen sich an Essensgeruch und machen sich früher oder später auch über Abfälle her, was sie wiederum immer näher an den Menschen heranlockt. Kein Wunder also, dass es in den Nationalparks gesetzlich verboten ist, Tiere zu füttern oder zu stören.

–> Das perfekte Foto
Was tut man nicht alles dafür? Bei Fotos von wilden Tieren kann ich allerdings nur dazu raten, den allergrößten Ehrgeiz im Zaum zu halten. Die Nationalparkverwaltungen raten dazu, Tiere nur aus dem Auto heraus zu fotografieren und grundsätzlich einen Mindestabstand von 30 Metern zu großen Tieren (wie Wapiti-Hirschen) sowie von etwa 100 Metern zu Bären einzuhalten. Eine weitere Warnung, die man immer wieder sieht, ist die, wilde Tiere nicht zu bedrängen, zu umzingeln oder zu verfolgen. Über Jahre habe ich diese Vorschrift belächelt, da sie für mich immer der Inbegriff der Selbstverständlichkeit war – bis ich mit einer meiner Reisegruppen beobachtete (aus dem Tourvan heraus), wie ein junger Schwarzbär kurz vor der Ortschaft Jasper von geradezu begeisterten Touristen und Schnappschussjägern regelrecht eingekesselt wurde. In breiter Front näherten sie sich dem Tier und als der Bär ins nahe Unterholz zurückwich, wussten einige schlaue Fotografen, wie sie schnell das Wäldchen umrunden konnten, um nun den Bären von der anderen Seite zu erwischen. Wir beobachteten die fast skurrile Situation, dass der Bär plötzlich keinerlei Fluchtweg mehr hatte – und seine Verfolger schienen im Eifer des Gefechts auch nicht bemerkt zu haben, dass sie selbst auch schon lange keinen ausreichend kurzen Fluchtweg mehr hatten. Dies alles war aus unserem Van heraus gut zu beobachten und ich erinnere mich, wie ich zu meiner Gruppe sagte: "So – wir sind zu weit weg und können nichts mehr machen, aber jetzt könnt Ihr bis 10 zählen und dann knallts." Und als ich dachte, es wäre so weit, machte der Bär einen beinahe schon verzweifelten Ausfallversuch und brach zwischen zwei Verfolgern, die maximal drei Meter auseinander standen, durch das Unterholz und entkam. Fast ein kleines Wunder, dass niemandem etwas passiert ist. Doch dieses Ereignis machte mir zwei Dinge noch klarer: Zum einen den starken Willen und Instinkt wilder Tiere, Konfrontationen mit dem Menschen üblicherweise unbedingt aus dem Weg zu gehen. Zum anderen die an Respektlosigkeit grenzende und bis zur Selbstgefährdung gehende Ignoranz mancher Touristen. Wenn ich auch selbst bei meinen vielen Bärenbegegnungen häufig auf schmalem Grat gewandelt bin, so bin ich mir sehr sicher, dass ich niemals den Respekt vor dem Tier verloren habe und ihm immer ausreichend Rückzugsoptionen gelassen habe.

–> Wandertouren im Hinterland
Ein Traum gerade in den Rocky Mountains. Um Negativerlebnisse zu vermeiden, sollten Sie folgende 10 Faustregeln beachten:

1. Wandern Sie nicht allein und behalten Sie Kinder in Ihrer Nähe.
2. Seien Sie bei Gegenwind besonders wachsam an Stellen mit dichtem Pflanzenbewuchs und an Wasserläufen.
3. Seien Sie nicht still. Bärenglöckchen? Meinetwegen, doch normales Unterhalten und gelegentliches Singen sind meiner Meinung nach effektiver.
4. Halten Sie Ausschau nach Bärenspuren: Losung, Tatzenabdrücke, zerfetzte Baumstämme, umgedrehte Steine oder aufgegrabener Boden. Finden Sie solche Bärenspuren, verlassen Sie die Gegend unverzüglich.
5. Sollten Sie auf ein größeres totes Tier treffen, verlassen Sie unverzüglich die Gegend. Halten Sie sich keinesfalls länger an dem Kadaver auf.
6. Lassen Sie Haustiere an der Leine. Ich selbst habe schon beobachtet, wie der Hund meines Stellplatznachbarn weglief und nach einigen Stunden mit einem Bären im Schlepptau zurückkam. Unsere Haustiere können von manchen Tieren als Beute erachtet werden. Häufiger ist jedoch, dass sie den Angriff beispielsweise eines Bären provozieren, um dann schutzsuchend zurückzulaufen – einen ungebetenen Gast im Gefolge.
7. Wählen Sie Ihre Feuer- und Kochstelle so, dass Sie mindestens 100 Meter von Ihrem Zeltplatz entfernt liegt.
8. Bewahren Sie Nahrung jeglicher Art in den dafür vorgesehenen Proviantlagern auf. Sind solche nicht vorhanden, versuchen Sie Ihren Proviant in etwa 4 Metern Höhe aufzuhängen – idealerweise an ein auf 4 Metern Höhe zwischen zwei nebeneinanderliegenden Bäumen gespanntes Seil. Gleiches gilt übrigens für Abfälle, wenn keine bärensicheren Abfallbehälter vorhanden sind. Die Abfälle vor dem Aufhängen möglichst luftdicht verpacken und niemals vergraben oder verbrennen. Verwahren Sie Nahrung jeglicher Art (selbst den noch verpackten Schokoriegel) niemals im Zelt. Schlafsäcke und Zelt sollten niemals nach Essen riechen.
9. Nehmen Sie nur essenziell wichtige Toilettenartikel mit, wie beispielsweise Zahnpasta, und behandeln Sie sie wie Lebensmittel.
10. Angler: Entsorgen Sie die Innereien von gefangenen Fischen in Bächen mit schneller Strömung oder an einer tiefen Stelle im See, keinesfalls jedoch in Ufernähe.

–> Auf dem Wohnmobil-Campground
sollten Sie letztlich die gleichen Dinge beachten, wie im Hinterland. Hier finden Sie sichere Abfallentsorgungsmöglichkeiten. Lassen Sie aber auch hier niemals Lebensmittel herumliegen, sondern verstauen Sie sie möglichst sinnvoll. Der beste Platz für Lebensmittel im Wohnmobil ist der Kühlschrank bzw. das Eisfach. Falls Sie einmal draußen am Picknicktisch spülen, entsorgen Sie nachher das Spülwasser trotzdem an den dafür vorgesehenen Stellen. Bedenken Sie, dass ein wildes Tier, das Ihnen auf einem für Fahrzeuge zugänglichen Campground begegnet, in aller Regel einen bereits erhöhten Gewöhnungsgrad an den Menschen aufweist und damit potenziell gefährlicher ist als das gleiche Tier, das Ihnen in der Wildnis begegnet.

–> Begegnung mit Bären
Bären vermeiden instinktiv den Kontakt mit Menschen. Doch manchmal lässt sich die Begegnung nicht vermeiden und es kann vorkommen, dass Bären drohen oder sogar angreifen. Bären sind intelligent und schwer berechenbar. Deshalb gibt es kein für alle Situationen passendes Standardverhalten. Wenn Sie nun aber einem Bären begegnen und es zu einer bedrohlichen Situation kommt, sollten Sie die folgenden Grundregeln beachten:

1. Geraten Sie nicht in Panik. Bewahren Sie die Ruhe und seien Sie dennoch laut. Verstecken Sie sich nicht, sondern lassen Sie den Bären wissen, dass Sie da sind. Bedenken Sie, die meisten Bären wollen nicht wirklich angreifen. Defensives Drohen signalisiert ein Bär häufig durch Kieferschnappen, Ohrenanlegen und unterdrücktes Bellen. Selbst ein plötzlicher Ausfall in Ihre Richtung wird nicht selten im letzten Moment wie bei einem Bluff abgebrochen.
2. Nehmen Sie kleine Kinder sofort auf den Arm.
3. Falls Sie einen Rucksack oder ähnliches tragen, lassen Sie ihn nicht fallen. Er könnte ggf. noch eine Schutzfunktion erfüllen.
4. Reden Sie mit ruhiger, fester Stimme auf den Bären ein. Stellt sich der Bär auf die Hinterbeine und bewegt seine Schnauze hin und er, so versucht er in der Regel lediglich, Sie zu identifizieren. Bleiben Sie stehen und reden Sie mit ruhiger Stimme weiter, um ihm zu signalisieren, dass Sie keine Beute sind. Machen Sie keine plötzliche Bewegung und schreien Sie nicht.
5. Weichen Sie langsam zurück, ohne den Bären aus den Augen zu lassen, allerdings auch ohne den Blickkontakt mit dem Bären zu suchen. Versuchen Sie nicht wegzurennen. Dies könnte einen Angriff provozieren. Und ein Bär ist in jeder Situation schneller als Sie. Verlassen Sie im Anschluss die Gegend unverzüglich. Sollte dies nicht möglich sein, warten Sie, bis der Bär sich ausreichend entfernt hat.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es wirklich zu einem Angriff kommt, sollten Sie möglichst die Situation und Ihren Gegner vorher gut eingeschätzt haben. Bei einem Schwarzbären kann es Sinn machen, sich selbst tendenziell aggressiv zu verhalten, indem man laut ruft, droht und mit Ästen oder dergleichen versucht, den Angriff abzuwehren. Ich selbst habe mir in den vergangenen 25 Jahren noch nie Bärenspray gekauft, aber wenn Sie welches dabei haben, benutzen Sie es. Allerdings kenne ich mehr Leute, die in eigentlich unnötigen Situationen sich mit Bärenspray eher selbst verletzt haben als Fälle, in denen diese Abwehrwaffe sich als wirklich effektiv herausstellte. Im Falle des Angriffs eines kapitalen Schwarzbären oder Grizzlies tagsüber wird bei bereits erfolgter bzw. kurz bevorstehender Berührung häufig empfohlen, sich tot zu stellen, indem man sich auf den Bauch wirft, die Beine spreizt und mit den Armen den Kopf schützt. Ich persönlich habe bei meinen vielen Kontakten und mitunter auch bedrohlichen Begegnungen mit Bären eine solche Situation noch nie erlebt und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand die Coolness besitzt, sich bei einem Grizzlyangriff tot zu stellen. Ich selbst würde es wahrscheinlich jederzeit vorziehen zumindestens zu versuchen, mich in Sicherheit zu bringen oder mich zu verteidigen. Letzteres sollte man bei einem Angriff in der Nacht übrigens ohnehin tun. Der Grund: Bei einer konkreten Attacke (z.B. auf dem Campground) in der Nacht kann man davon ausgehen, dass der Bär auf Nahrungssuche ist und nicht überrascht wurde. Hier geht es dann darum, den Bären wissen zu lassen, dass er kein leichtes Spiel mit Ihnen haben wird. Natürlich ist so etwas extrem selten und kaum dokumentiert.

–> Begegnung mit Pumas
Pumas ("Cougar" oder "Mountain Lion") sind scheu und selten zu sehen. Sie sind Einzelgänger, meist nachtaktiv und gehen dem Menschen in der Regel aus dem Weg. Bedenken Sie jedoch, dass kleine Kinder durchaus in das Beuteschema eines Pumas passen. Daher sollten Sie Ihre Kinder in PumaGegenden (z.B. Vancouver Island sowie das ganz südliche B.C. und größere Teile der USA) niemals aus den Augen bzw. allein wandern lassen. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass es zu einer bedrohlichen Situation mit einem Puma kommt, beachten Sie die folgenden Grundregeln:

1. Wenden Sie sich dem Puma zu, weichen Sie langsam zurück, stellen Sie sich nicht tot und fangen Sie nicht an zu rennen.
2. Nehmen Sie kleine Kinder unverzüglich auf den Arm.
3. Verhalten Sie sich aggressiv. machen Sie sich größer, schreien Sie, schwenken Sie drohend einen Stock oder schmeißen Sie Steine nach dem Puma.

Der Vollständigkeit halber – und zur Relativierung der Gefahr durch Pumas: Bei meinen vielen, vielen Reisen in Westkanadas Puma-Gegenden habe ich erst dreimal einen Puma in freier Wildbahn gesehen. Einmal aus der Ferne auf Bahngleisen sowie später beim Durchschwimmen (ja, Pumas schwimmen!) eines Flusses und einmal während einer Tour – spätabends, für drei Sekunden...