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Westkanada im Mietwagen Westkanada - Kanada Wohnmobil und Alamo Kanada

Reisebericht zweier Wiederholungstäter


2 Wochen mit dem Wohnmobil von Calgary nach Vancouver


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2013 von SK-Kunde Marko Mohrenz



Nachdem unser erster Kanada-Urlaub im September 2012 eine unglaublich faszinierende Wirkung auf uns hatte, waren wir uns schnell - eigentlich noch vor Ort - einig, dass wir "irgendwann" wiederkommen. Wir haben die Planungen begonnen und sind im September 2013 wieder geflogen. Die Überlegungen nach dem Westen im Vorjahr jetzt den Osten zu bereisen wurde aufgrund unserer Eindrücke und erneuten Erwartungen ebenfalls verworfen, so dass wir uns wieder für eine Tour durch in Provinzen Alberta und British Columbia entschieden haben - diesmal mit etwas mehr Zeit und Ruhe.

Ende September ging es los - Flug von Amsterdam, Ankunft in Calgary bei schönem spätsommerlichen Wetter, Entgegennahme des Mietwagens und Fahrt nach Banff. Am Abend noch ein schnelles Essen und die Vorfreude auf die nächsten Tage - auch wenn die Wettervorhersagen etwas durchwachsen waren.

Bergziegen nach Sinclair CanyonAber das Wetter hielt - vorerst. Nur aus dem angenehmen Spätsommer wurden ad hoc 0 bis 5 Grad Außentemperatur. Unsere Gepäckstrategie zielte zwar auf spätsommerliches Klima, aber man ist ja flexibel. Also warm anziehen und auf zum Moraine Lake. An der Abfahrt vom Highway empfing uns allerdings schon eine freundliche Frau, die uns darauf aufmerksam machte, dass dort Herbstfest sei, die Parkplätze überfüllt sind und ca. 5 km von hier ein Shuttle-Bus zur Verfügung steht. Da ein überlaufener See nicht gerade unserer Vorstellung von einem entspannten ersten Tag entsprach haben wir unseren Plan kurzfristig geändert und uns auf den Weg in den uns noch unbekannten Kootenay Nationalpark gemacht. Nachdem wir den Highway 1 verlassen hatten wurde leider auch das Wetter schlechter. Egal. Es hielt zumindest an unseren Stopps am Marble Canyon - vom Parkplatz sehr unscheinbar wirkend und bedingt durch die Waldbrände vor 13 Jahren mit einem stark veränderten Panorama - und am Sinclair Canyon - wo sich trotz der unmittelbaren "Durchfahrt" ein kurzer Halt lohnte. Da der Reiseführer auch nicht mehr "Highlights" versprach haben wir nach der Sichtung der ersten wilden Tiere - Bergziegen, die sehenden Auges ein Stop-Schild überlaufen haben - gedreht und sind wieder Richtung Sonne gefahren. Den restlichen Tag haben wir dann auf dem Mount Sulphur genossen. Mit einem herrlichen Panorama, einem schönen Blick auf Banff und dem nächsten wilden Tier - einem Chipmunk. In der Seilbahn haben wir uns nur gefragt, was andere Menschen dazu antreibt ihre Turnschuhe zusammen zu knoten und aus der Gondel in die Bäume zu werfen?!

Am nächten Tag starteten wir dann erneut den Versuch den Moraine Lake zu besuchen. Es war Montag, und wie erwartet auch nicht so überfüllt. Nur etwas nebelig. Auf dem kurzen rockpile-trail kam dann sogar die Sonne wieder heraus, so dass wir bis zum Beginn des Schneegestöbers einen recht schönen Blick auf den See hatten. Auf die anschließende Fahrt mit der Lake Louise Gondola hätte man allerdings nach dem Panoramablick am Vortag verzichten können. Für die Rückfahrt haben wir uns dann für den Bow Valley Parkway entschieden. Eine schöne Alternative zum Highway, allerdings ohne die weitläufigen Blicke auf die Berge - aber die sollte man ja noch öfter sehen.

Nach der dritten Nacht hieß es dann schon Koffer packen und über den Icefields-Parkway nach Jasper. Der erste Stop des Tages sollte dieses Mal direkt am Anfang sein, am Bow Lake. Von der Straße und dem Viewpoint schon ein sehr schöner Anblick, aber von der nahe gelegenen Num-Ti-Jah-Lodge noch etwas reizvoller und vor allem ruhiger. Von Weitem konnte man den Gletscher und die Bow Glacier Falls in der Sonne schimmern sehen. Eine Wanderung dorthin hätte leider etwas zu viel Zeit in Anspruch genommen. Aber einfach nur genießen kann ja auch schön sein.

Mistaya CanyonKurz entschlossen haben wir noch einen Abstecher zum Peyto Lake gemacht, da wir diesen letztes Jahr nur bei Regen gesehen haben. Dieses Jahr versprach die Kulisse deutlich besser zu sein, bei Sonne… und Schnee. Und da war auch wieder einer dieser besonderen Momente in der Wildnis - mit Bussen angereiste chinesischen Reisegruppen. Nicht zu überhören und zu übersehen. Der Vorteil ist die Berechenbarkeit, dass dieses "Gewusel" meist nach 10 Minuten vorbei ist und man dann die Zeit bis zum nächsten Bus nutzen kann, um in Ruhe das Panorama zu genießen. Dieses Problem stellte sich am nächsten Halt - dem Mistaya Canyon - grundsätzlich nicht, weil der Parkplatz nicht für Busse geeignet ist! Für uns ein Pflichtstop und sehr schöner Platz zum Verweilen. Insbesondere wenn man etwas über die Felsen klettert und sich einfach am Flussbett niederlässt. Ansonsten standen auf (meiner) Wunschliste nur noch die Panther Falls. Wie auch eigentlich im letzten Jahr. Wir waren damals aber offensichtlich daran vorbei gefahren. Wie auch dieses Jahr - was ich mal wieder nicht verstand (sich aber einige Tage später aufklären sollte).

Begegnung am Pyramid Lake RessortMit unserer Unterkunft am Pyramid Lake hatten wir eine gute Ausgangsbasis für eine Tour zum Maligne Lake. Da wir Spirit Island schon kannten und es sowieso etwas trüb war, haben wir uns die Zeit für zwei "überschaubare" Trails genommen. Es ist ja bekanntermaßen eine sehr gute Gegend um Elche zu sehen. Doch trotz des Moose-Trails hatten wir kein Glück. Glück hatten eher die Naturfreunde, die im Restaurant geblieben sind und auf das Ufer geschaut haben. Von weitem konnten wir nur noch die Umrisse eines Elch-Bullen erkennen, der aber von der Geräuschkulisse heraneilender Chinesen verschreckt wurde. Uns blieben mal wieder die Eichhörnchen - eigentlich ja auch wilde Tiere. Etwas enttäuscht machten wir uns etwas später auf den Rückweg. Wir waren keine 5 km gefahren, da standen am Straßenrand etliche Autos und unzählige Leute und beobachteten… einen Elch. Da kamen wir doch noch voll auf unsere Kosten - und wenn man nicht so viel Lärm macht, hat man das Vergnügen auch etwas länger! Am Pyramid Lake tummelte sich am Abend dann noch eine Gruppe Wapitis mit einem etwas aggressiven Anführer in der Brunft. Sehr schön zu beobachten, teilweise aber besser aus dem Auto oder zumindest mit genügend Sicherheitsabstand. Dem männlichen Artgenossen sind wir dann noch auf dem Parkplatz vor unserer Lodge begegnet, wo er ungehindert von parkenden Autos oder Barrieren seine Angebetete jagte. Ein tierischer Tag.

Panorama Mount Edith CavellAm nächsten Tag stand der Mount Edith Cavell auf unserem Plan. Auch wenn man sich wiederholt - ein wunderschönes Panorama und ein herrlicher Blick auf den Gletscher. Über einen etwas steinigen und hügeligen Weg konnte man noch etwas tiefer in die Bergwelt eindringen. Aufgrund der Felshaufen ein perfektes Revier für Murmeltiere. Da man auch hier fast alleine war, eine wunderbare Gelegenheit die putzigen Tierchen in Ruhe zu beobachten. Zum ersten Exemplar hatte ich noch eine kleine Klettereinlage riskiert, um für ein Foto etwas näher heranzukommen. Das war - wie sich einige Meter weiter herausstellen sollte - nicht wirklich nötig, da der Futterbereich der Bergbewohner unmittelbar am Wegrand lag - und wir sogar fast von den hemmungslosen Raubtieren über den Haufen gerannt worden sind. Kann man ja vorher nicht wissen. Bei der Wildlife-Safari am Abend hatten wir allerdings wieder weniger Glück. Eine Bärensichtung - auf die wir sehnsüchtig warteten - war uns nicht vergönnt.

Darauf ging es über den Icefields-Parkway zurück. Nächster und letzter Versuch für die Panther-Falls. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass die 4. höchsten Wasserfälle Kanadas nicht angemessen ausgeschildert sind. Zumal ja sonst auch fast jede Anhöhe als Viewpoint gekennzeichnet ist. Also erneut der Halt am Parkplatz der Bridal Veil Falls in deren unmittelbarer Nähe sie liegen sollten. Nichts zu sehen. Nach einem suchenden Blick hinter die Bäume hatte ich dann zumindest das obere Ende gefunden. Ein erneutes Studium des Reiseführers und dem Spürsinn meiner Frau folgend haben wir dann den nicht als Weg identifizierbaren Trail gefunden (es stand zumindest ein kleines Schild mit einem Pfeil in die besagte Richtung). Über Felsen und Bäume ging es einen schmalen Weg am Rande eines Abhanges hinunter und da waren sie endlich - die Panther Falls. Ein lohnenswerter "Abstieg", da man im unteren Bereich unmittelbar vor dem Wasserfall stand. Ich war endlich glücklich und meine Frau froh, dass meine Suche ein Ende hatte. Also weiter nach Golden.

Von Golden aus haben wir den Yoho-Nationalpark erkundet und natürlich die "Pflicht"-Stops an den Takkakaw-Falls und am Emerald Lake mitgenommen. An den Takkakaw-Falls hat es leider wieder einmal geregnet. Am Emerald Lake war es dann zumindest trocken, so dass wir eine kurze Wanderung zu den Hamilton Falls wagten. Das die Kanadier es nicht so mit Entfernungsangaben haben, bekam man hier deutlich zu spüren, so dass der kurze Abstecher doch etwas länger dauerte. Dazu ließ uns das immer trockner werdende Flussbett auch nichts Gutes erwarten. Aber aufgeben war keine Option. Am nicht so eindeutig zu identifizierenden Ziel konnte man dann immerhin anhand der ausgewaschenen Felsen erkennen, dass hier die Hamilton Falls sein mussten. Im Frühjahr anscheinend auch mit Wasser. Naja, Bewegung schadet ja nicht. Auf dem Rückweg nach Golden haben wir dann noch an der Natural Bridge gehalten. Ein sehr schöner Ort, wenn man wartet, bis die busreisenden Touristen wieder fahren und sich nicht nur auf den ausgewiesenen Viewpoint beschränkt. Es ist wie Vieles sehr idyllisch, wenn man sich nur ein paar Meter entfernt. Bären hatten wir allerdings immer noch nicht gesehen - das Foto, das Bob (der Besitzer des B&B in Golden) uns gezeigt hatte, auf dem ein Bär am Nachmittag die Siedlungsstraße nahe unserer Unterkunft überquerte, zähle ich nicht!

Die nächste Etappe führte uns dann durch den Glacier- und Mount Revelstoke-Nationalpark. Hier lässt sich die Aussicht sehr einfach beschreiben - Wolken und Regen. Auf dieser Strecke eigentlich sehr schade. Doch nichts desto trotz haben wir uns auf den Meadows-in-the-sky-Parkway gewagt - auch wenn die nette Dame an der Einfahrt uns wegen des Schnees und des gesperrten oberen Parkplatzes vorgewarnt hat. Die 1.300 Höhenmeter, verteilt auf ca. 26 km waren sehr abwechslungsreich. Von relativ klarer Sicht, durch die Wolken, an der Schneefallgrenze vorbei bis ins wahre Winterparadies. Natürlich wollte ich auch hier nach ganz oben (zum oberen Parkplatz), wenn auch zu Fuß und zum Unmut meiner Frau, die meinte, dass man außer Schnee da oben doch auch nichts sieht. Egal. Gewarnt von einem Ranger, da ein Bär in der Gegend gesichtet worden ist, sind wir los. Und wir sahen… Schnee. Von dem Aussichtspunkt, von dem sich ansonsten das ganze Tal überblicken lässt, sah man gerade einmal die nächste Tanne. Trotzdem waren wir beide irgendwie zufrieden. Ich, weil ich "oben" war und meine Frau, weil sie Recht hatte. Nachdem wir die Nationalparks hinter uns gelassen hatten, wurde das Wetter auch wieder besser.

Nach einer Übernachtung in Chase ging es dann auf nach North Vancouver. Am Abend schafften wir es dann noch zum Lynn Canyon. Eine kostenlose und ebenso reizvolle Alternative zur Suspension Bridge. Der Vorteil war, dass man hier auch mal die Chance hatte, alleine auf der Hängebrücke zu stehen - ohne busreisende Touristen, z.B. Chinesen. Bei schönem Wetter hätte man auch noch ein wenig Wandern können. Das war uns leider nicht vergönnt. Also sind wir mit dem Auto den Marine Drive entlang gefahren, mit dem Lighthouse-Park als Ziel. Eine sehr schöne Küstenstraße durch einen idyllischen Stadtteil. Auf jeden Fall für einen ausgedehnten Spaziergang zu empfehlen - bei schönem Wetter. Die Einfahrt zum Park (eher eine Siedlungsstraße) konnte man allerdings nur aufgrund der an der Straße liegenden Bushaltestelle finden. Auch hier war es etwas trüb und nass, aber nichts desto trotz ein schöner Ort mit einem wunderbaren Blick auf Downtown.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserer Endstation an der Waterfront. Das Wetter erlaubte auf dem Hinweg noch einen Aufenthalt im Stanley-Park. Überrascht haben uns da nur die Parkgebühren. Wie schaffen es die Kanadier nur, mitten in Vancouver Tagestickets für 5,- CAN anzubieten, wo uns doch in Deutschland in jeder mittelgroßen Stadt aufgrund des mangelnden Platzes mindestens 15,- EUR pro Tag abgenommen werden?!

Vancouver Whale WatchingFür den folgenden Tag hatten wir bereits eine Whale Watching Tour ab Steveston gebucht. Es regnete mal wieder. Etwas unmotiviert ließen wir uns von dem Shuttle Service abholen. Auch bei der Abfahrt war die Laune noch nicht besser. Es regnete immer stärker, auf der überdachten Motoryacht fühlte man sich wie in einer Tropfsteinhöhle und man konnte eigentlich nicht viel sehen. Das Wetter lichtete sich jedoch nach einiger Zeit. Nach 3 Stunden Fahrt haben wir aber nicht mehr daran geglaubt irgendetwas zu sehen. Nur die Biologin war immer ganz optimistisch - muss sie ja auch. Was sich dann aber auch bewahrheiten sollte. Am Ende der Tour gerieten wir in mehrere kleine Gruppen von Orcas, die sehr aktiv waren. Den Gruppen schlossen sich auch mindestens noch zwei Buckelwale an, was nach Aussage der Biologin sehr selten ist. Es war in Highlight. Man wusste überhaupt nicht, in welche Richtung man zuerst schauen sollte. Bis zur Rückfahrt konnte man fast eine Stunde dieses Treiben genießen. Ein riesiges Glück, zumal am Vortag nicht ein einziger Wal gesichtet wurde.

Unser letzter voller Tag sollte auch gleichzeitig der wettertechnisch schönste Tag in Vancouver werden. Seit einer Woche mal wieder Sonne pur. Also sind wir auf zum Grouse Mountain, mit dem Ziel die dort angebotene und aufgrund der Höhe und Aussicht recht spektakuläre Zipline-Tour zu machen. Aber die Enttäuschung kam schon am Ticketschalter - ausgebucht. Klar, es war auch der sonnigste Tag seit über einer Woche. Also haben wir "nur" die Aussicht und den höchst möglichen Punkt in Vancouver - im Eye-of-the-wind - genossen.

Wieder einmal vergingen zwei Wochen wie im Flug. Man konnte in der zweiten Woche schon nicht glauben, was man in den ersten Tagen alles gesehen und erlebt hat. Und für den regenreichsten September seit 10 Jahren hatten wir doch noch riesiges Glück. Wie kommen wieder. "Irgendwann"…