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Kunden-Reisebericht
Yukon, Alaska, Wildnis
Diesen Urlaub haben wir - das sind mein Mann Frank, meine Eltern Heidi und Jürgen und ich, Heike - schon 13 Monate im Voraus gebucht. Es ist der Kindheitstraum meines Vaters - er las früher die Jack London Bücher! Text und Fotos: Heike Paulus

Um halb vier nachmittags geht es mit der Condor von Frankfurt per Direktflug nach Whitehorse. Der Shuttle-Bus bringt uns in das "High Country Inn". Dieses Hotel hat SK uns für die erste Nacht gebucht. Doch leider hat der Hotelier vor Ort irgendetwas mit der Zimmerbuchung durcheinander gebracht. Nur noch ein einziges Zimmer ist frei. Frank und ich werden kurzfristig in das im Zentrum gelegene "Edgewater Hotel" umgebucht. Ist auch ok. Zwar nicht so komfortabel wie das High Country Inn, aber es ist ja auch nur zum Schlafen. Dafür dürfen sich meine Eltern über ein Zimmer mit einem großen Whirl­pool freuen. Und unser Hotel liegt, wie der Name schon vermuten lässt, direkt am Yukon River. Mensch, der hat eine Fließgeschwindigkeit! Da Rainer Schoof von SK immer so von den Bison Burgern im High Country Inn schwärmt, wollen wir uns die natürlich nicht entgehen lassen. Wir haben uns schon zuhause darauf gefreut! Da­zu einen Krug mit Yukon Gold.

Unser erster Tag beginnt um sechs Uhr. Jetlag. Aber schon zwei Stunden später holt uns Fraserway ab. Nachdem wir bestens in unsere zwei Truck Camper eingewiesen worden sind, fahren wir erst einmal in den Great Canadian Superstore zum Einkaufen. Dann geht es auf den Klondike Highway Richtung Norden. Vorbei an den Five Finger Rapids und auf den Tutchan Creek Campground. Obwohl der Platz nur zwölf Campsites hat, bekommen wir noch zwei sehr schöne Plätze nebeneinander. Das Wetter ist toll. Alles passt! Wir essen frischen Lachs und Tomaten-Avocado-Salat mit Ciabatta und fallen bereits um halb neun Uhr wieder müde ins Bett. Diese frische saubere Luft macht eben müde!

Klar, um kurz nach sechs morgens sind wir dann auch schon wieder auf den Beinen und rollen wenig später zurück auf den Klondike Highway. Hinter Pelling Crossing entdecken wir am Straßenrand den ersten Schwarzbären unseres Urlaubs – es geht aber alles so schnell, dass wir ihn nicht auf dem Foto festhalten können. 20 Minuten später das nächste Highlight: Wir sehen in der Ferne etwas Hellbraunes. Als wir näher kommen, trauen wir unseren Augen kaum: ein weiblicher Luchs!

Gegen Mittag kommen wir am Five Mile Lake Campground auf dem Silver Trail an. Den Tipp mit dem Befahren des Silver Trails hatten wir aus einer vorherigen Ausgabe des Kandafieber-Magazins. Hätten wir dort nicht den Bericht von Rainer Schoof gelesen, wären wir mit Sicherheit nicht diesen "Umweg" gefahren. Es handelt sich nämlich um eine Sackgasse, die nach 111 Kilometern einfach mit dem Ort Keno – oder eher einer Handvoll Häusern – endet. Vor allem muss man sehr viel Schotterstraße fahren. Aber der Abstecher hat sich, wie im "Kanadafieber" beschrieben, gelohnt! Zunächst jedoch, als wir am Campground ankommen, regnet es zu unserem Bedauern. Aber nach dem Essen hört es schon wieder auf. In einem Camper fahren wir über Mayo nach Keno.

Wir fühlen uns in eine andere Zeit versetzt. Und das Wetter ist jetzt endgültig auf unserer Seite. Wir fahren noch hoch auf den Keno Hill. Der Ausblick ist fantastisch! Genau unser Ding! Den Abend lassen wir am Lagerfeuer mit Steak, Putenfleisch, Schwenkkartoffeln und Bohnen mit Speck ausklingen. Um halb zehn ruft das Bett nach uns.

Am nächsten Morgen rollen wir zurück über den Silver Trail. Dann auf den Klondike Highway bis zum Dempster Highway mit dem Ziel Tombstone Campground bei Kilometer 72. Der Dempster ist super zu befahren. Die Camper sind nicht so schmutzig, wie wir es erwartet haben. Zum Glück ist der Campground auch noch nicht voll und so sichern wir uns schnell zwei Plätze. Zu Fuß geht es weiter auf dem North Klondike River Trail. Wir wollen uns ein wenig die Füße vertreten. Leider sehen wir weder Bären noch Karibus. Vom Campground laufen wir dann noch den kurzen Pfad zum Interpretive Centre, in dem über Fauna und Flora informiert wird. Und abends erwartet uns der perfekte Sonnenuntergang. Es ist kaum zu beschreiben, wie wir uns fühlen. Mitten in der Wildnis die in rot schimmernden Berge. Tolle Stimmung. Wenn jetzt jemand fragen würde: "Und was ist so Besonderes an dem staubigen Dempster?", kann man nur antorten: "Fahr hin und fühle es!"

Der nächste Tag startet wie immer früh. Es geht weiter auf dem Dempster zum North Folk Pass. Das Wetter ist erneut auf unserer Seite! Sonne satt vor einem wolkenlosen Himmel. Und wieder dieses Gefühl der Freiheit. Bis Kilometer 92 fahren wir, aber dann sagt die Vernunft: "Dreh um." Der Zeitplan muss zum Schluss passen. Wir wären am liebsten weiter bis Inuvik gefahren! Um halb elf erreichen wir Dawson City. Im Visitor Centre haben wir noch alle für uns wichtigen Infos eingeholt, bevor wir mit der kostenlosen Fähre zum Yukon Government Campground übersetzen. Dort bekommen wir noch zwei tolle Plätze – direkt am Ufer des Yukon River. Anschließend fahren wir mit dem Camper wieder zurück in die Stadt. Später geht es noch zum Midnight Dome – ein Berg mit toller Sicht auf Dawson City. Nach einem "Stadtrundgang" setzen wir wieder zu unserem Campground über und kochen Gemüsenudeln. Am Abend genießen wir die Gambling Show in der City. Eine herrliche Abrundung des Tages.

Der nächste Tag führt uns über den Top Of The World Highway zur US-Grenze. In der Ferne sehen wir einen Elch die Straße überqueren, aber als wir die Stelle erreichen, ist er verschwunden. Schade. Einen Elch in freier Wildbahn haben wir noch nie gesehen. Um kurz nach zehn erreichen wir die Grenze. Alles ist ziemlich easy: Unsere Camper werden nicht unter die Lupe genommen. Die zwei Beamtinnen sind super-nett. Sie fragen sogar, ob sie von uns ein Foto machen sollen. Zum Abschied winken sie und wünschen uns eine schöne Reise.

Wir holpern weiter über den mit Schlaglöchern durchsetzten Südteil des Taylor Highway über Chicken bis kurz hinter Tok. Unser Ziel: der Moon Lake Campground. Der Campground hat nur 15 Sites. Wir hoffen natürlich noch zwei Plätze zu bekommen. Aber auch das ist mal wieder kein Problem. Wir sind sogar die Einzigen! Also freie Platzwahl und direkt am See. Besser geht es nicht. Es ist warm. Wir relaxen und tanken mit kurzer Hose und Top Vitamin D. Nervig sind nur die Stechmücken.

Der Morgen grüßt mit Nebelschwaden über dem See. Es ist ziemlich kühl. Trotzdem traut sich ein inzwischen angekommener Camper-Nachbar ins Wasser und absolviert dort sein "Morgenbad". Brrr, das ist uns doch ein bisschen zu frisch. Später geht es über North Pole nach Fairbanks. Wir füllen erst einmal unsere Lebensmittelvorräte auf. Eigentlich wollen wir den Chena River State Recreation Campground anfahren, aber leider liegt der Platz rund 50 Meilen außerhalb. Im Reiseführer ist das nicht so beschrieben. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mitten in der Stadt auf den Rivers Edge RV Park zu fahren. Der Vorteil: Internet und Duschen! Es regnet jetzt ununterbrochen und wir haben kein schlechtes Gewissen, als wir im Trockenen sitzen und im Internet surfen.

Am nächsten Tag fahren wir – leider bei schlechter Sicht – in den Denali Nationalpark. Wir kommen am Vormittag an und staunen, als die Dame an der Reservation uns mitteilt, dass alle Plätze ausgebucht seien und wir auch morgen keine Chance auf einen freien Platz hätten. Dummerweise ist Wochenende. Aber erstmal sichern wir uns Karten für den kommenden Tag, um an der Bustour in den Park teilnehmen zu können. Später überlegen wir, wo wir ein Schlafplätzchen für zwei Nächte finden können. Sechs Meilen außerhalb werden wir endlich beim Grizzly Bear Resort fündig.

Ich gebe zu, ich bin verwöhnt und beginne fast zu resignieren. Wir haben bis dato kaum Tiere gesehen. Nicht so viele wie sonst, obwohl die Chance den gelesenen Reiseberichten zufolge in Alaska besonders hoch sein soll. Auch landschaftlich ist, vielleicht auch durch das Wetter bedingt, noch kein so richtiges Highlight dabei. Nicht so, wie wir es bisher von Kanadas Westen kennen. Naja, Kopf hoch, es liegt ja noch viel Urlaub vor uns. Wir freuen uns auf den nächsten Tag: Busfahrt in den Denali! Und heute steht ja noch die Sled Dog Demonstration auf dem Programm – und die ist wirklich super-schön. Wir streicheln die Huskys und schmusen mit ihnen. Die Vorführung mit dem Hundeschlitten ist toll. Es ist wirklich ein Erlebnis. Wir sehen sogar fünf Welpen, die aber leider hinter Gittern bleiben müssen.

Schlafen
kann man auch zuhause!

Am nächsten Morgen erwartet uns dann endlich unsere Bustour! Wir wollen noch gemütlich zusammen frühstücken und stehen früh auf. Schlafen kann man auch zuhause! In Kanada und Alaska ist erleben angesagt! Hinein in den Denali Park. Und der ist wirklich sehr schön. Mit Sicherheit auch noch schöner bei besserem Wetter, aber immerhin sehen wir zwei Drittel des Mount Denali. Was wir jedoch vermissen, sind die Tiere. Klar, ein paar Grizzlies und Karibus oder auch einen Elch sieht man hier und da. Allerdings allesamt so weit in der Ferne, dass man das Fernglas benötigt. Genauso die Dickhornschafe: nur als weiße Punkte auszumachen. Im Bus zeigen uns ein paar Norweger Fotos von Karibus, die sie am vorherigen Tag direkt am Straßenrand aufgenommen haben. Wir beschließen, nach der Bustour noch mit dem Camper die erlaubten paar Meilen zurückzufahren, um vielleicht am Nachmittag noch Tiere vor die Linse zu bekommen.


Und tatsächlich, ich fotografiere gerade das Schild "Moose next 6 miles", als kurze Zeit später direkt ein Elch im Gebüsch am Straßenrand sein Abendessen zu sich nimmt. Mensch, das ist es doch! Mein Mann und ich haben bisher noch nie einen Elch gesehen – außer eben ganz, ganz weit in der Ferne. Umso größer ist unsere Freude, als er noch hoch an die Straße kommt. Bingo! Darauf haben wir die ganze Zeit gewartet!

Wow, mittlerweile haben wir schon die Hälfte unseres Urlaubs hinter uns. Aber weiter im Text: Es geht nach Anchorage auf den Eklutna Lake Campground am gleichnamigen und sehr schön gelegenen See im Chugach State Park. Der Campground liegt etwa 60 Kilometer von Anchorage Downtown entfernt. Es ist endlich mal wieder so ein uriger Platz ohne Komfort im Wald. Außer unseren waren vielleicht noch sieben Plätze belegt. Am Nachmittag schlendern wir noch durch die Innenstadt.

Um uns dann aber endlich – nach der vielen Fahrerei – mal wieder ein bisschen mehr zu bewegen, wandern wir am nächsten Tag den Flat Top Mountain Trail. Schon beim Losmarschieren regnet es und dazu ist es ziemlich windig. Wären wir nicht so viele Meilen zum Trailhead gefahren, hätten wir es uns vielleicht anders überlegt. Aber jetzt heißt es: "Los, egal wie das Wetter ist!" Wir haben schließlich die richtige Kleidung für solches Wetter. Oben auf dem Top ist es dann aber so windig, dass wir uns an den Händen halten aus Angst, dass man sonst vom Winde verweht wird. Das haben wir wirklich noch nicht erlebt. Selbst das Atmen gegen die Windrichtung ist sehr schwierig. Wir sind bis über beide Ohren eingepackt und es pfeift nur so um unsere Köpfe. Also schnell wieder runter und sehen, dass wir auf dem Pfad bleiben.

Als wir unten am Parkplatz im Camper unsere Mittagspause machen, drückt sich das viele Wasser sogar ein wenig durch die Fenstergummis ins Mobil. Aber schon auf der Rückfahrt klart der Himmel in Anchorage wieder auf und die Sonne kommt heraus. In der Stadt spüren wir nichts mehr vom Wind. Wir schauen uns den Wasser- und Buschflugzeughafen an – es soll ja tatsächlich der größte der Erde sein. Beeindruckend, wie viele kleine Flugzeuge dort stehen. Man kann einfach so über den Flughafen fahren – wir müssen lediglich die Verkehrsschilder beachten, da die Flugzeuge Vorfahrt haben. Immer wieder kommt mir der Gedanke: So wie bei uns in Deutschland die Leute ihre Schrebergärten mit Laube haben, besitzen die Menschen hier ihr Wasser- oder Buschflugzeug mit dazugehöriger Laube.

Uns erwartet Seward auf der Kenai Halbinsel! Auf der Strecke von Anchorage dorthin regnet es leider viel. Oder es wabert der Nebel, so dass wir von der eigentlich sehr schönen Strecke leider nicht viel sehen. Auch am Beluga Point, ein paar Meilen unterhalb von Anchorage, will sich bei diesem Wetter kein Beluga zeigen. Pech, was soll man sonst sagen? Vom Parkplatz am Portage Lake führt uns noch ein kurzer Trail zum Byron Glacier – dieses Mal bleibt es zum Glück trocken!

In Seward finden wir direkt am Ufer noch zwei schöne Stellplätze. Es ist wirklich mehr ein Stellplatz für Wohnmobile als ein Campground, aber die Atmosphäre ist genial! Man sitzt mit seiner Bank direkt auf dem Grünstreifen am Ufer. Dann kommt die Promenade, über die man spazieren gehen kann. Überall stehen Campmobile. Wenn man draußen sitzt, spaziert immer mal jemand vorbei, bleibt stehen und hält ein nettes Schwätzchen. Ab und an schwimmt unten ein Seeotter vorbei oder man schaut den vorbeifahrenden Booten zu. Und je später der Abend, umso besser wird das Wetter. Und plötzlich erkennt man auch, dass drumherum Berge emporragen, die vorher im Nebel versteckt waren. Im Visitor Centre erkundigen wir uns nach dem Wetter für die nächsten Tage, da wir gern noch eine Bootsfahrt in die Fjorde buchen wollen. Das Wetter soll die nächsten Tage super werden – sonnig und Temperaturen über 20 Grad. Na, dann passt doch alles!
Für den nächsten Tag steht mal wieder "Beine vertreten" auf der Agenda. Wir laufen den wunderschönen Harding Icefield Trail. Es ist ein abwechslungsreicher Trail, der am Exit Glacier vorbei geht. Am Anfang schlängelt er sich durch einen Wald, dann weiter über eine Wiese und zum Schluss über Schieferfelder, die teilweise schneebedeckt sind. Und dann steht man vor dem Harding Icefield. Der Mund klappt auf. Der Blick raubt einem den Atem. So groß haben wir uns den Gletscher nicht vorgestellt! Hier müssen wir länger verweilen! Passt, denn wir waren ohnehin schneller als gedacht. Und so nehmen wir auf dem Rückweg noch den Exit Glacier Trail mit.

Es heißt wieder früh aufstehen am Morgen danach. Für die Schiffstour zu den Gletschern. Sie startet zwar erst um acht, aber wir müssen schon eine Stunde vorher da sein. Wir laufen von unserem Stellplatz zu Fuß zum Hafen. Das Wetter ist perfekt für die Tour, die uns durch die Fjorde zum Holgate Glacier führt. Wir erleben sogar das "Gletscherkalben"! Vom Schiff aus sehen wir Buckelwale, Papageientaucher und Seelöwen! Als wir nachmittags wieder in den Hafen einlaufen, sind wir zwar etwas durch­gefroren, aber die Tour hat sich für uns gelohnt!

Auf der Rückfahrt nach Anchorage werden wir heute für unser Wetterpech auf der Hinfahrt zur Kenai Halbinsel entschädigt! Wir lassen die tolle Landschaft unter einem wolkenlosen Himmel auf uns wirken. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel schönes Wetter ausmacht. Man glaubt, man sei eine bestimmte Strecke noch gar nicht gefahren! Auf dem Seward Highway sehen wir dann auch noch eine Elchkuh mit ihrem Jungen die Straße überqueren. Besser kann der Morgen doch gar nicht beginnen, oder? Beim Morgenspaziergang können wir kurze Zeit später noch einen Bären beobachten. Es liegt noch Nebel über der Landschaft. Das macht diese Begegnung fast ein bisschen mystisch.

Dann geht's weiter vorbei an Anchorage und Palmer auf den Glenn Highway. Da wir einiges an Strecke bewältigen müssen und einen ungeplanten Stop eingelegt hatten, fahren wir bis in den Nachmittag hinein. Das Wetter zeigt sich immer noch von seiner sonnigen Seite und taucht die Landschaft in ein schönes, warmes Licht. Die Herbstfärbung ist inzwischen nicht mehr zu übersehen. Als plötzlich der Matanuska Gletscher vor uns auftaucht, staunen wir nicht schlecht. Da auf dem Glenn Highway nicht so viele Campgrounds liegen, beschließen wir heute wild zu campen und werden ein Stück hinter dem Gletscher fündig. Es ist ein superschönes Plätzchen – sogar mit Feuerstellen und einer traumhaften Bergkulisse.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist es bitterkalt. Wir spähen aus dem Fenster und können erkennen, dass es in der Nacht hinten in den Bergen geschneit hat. Die Bergspitzen sind alle weiß. Egal, es geht heute nach Valdez. Wir haben uns zu Hause lange überlegt, ob wir nicht mit der Fähre von Whittier nach Valdez fahren sollen. Haben uns aber dagegen entschieden, weil wir die Fähre hätten buchen müssen und uns das die Unabhängigkeit genommen hätte. Die Fahrt ist aber landschaftlich so schön, dass wir es nicht bereuen. Beeindruckend ist auch der Worthington Glacier, der von der Straße nicht weit entfernt liegt. Man kann bequem zu Fuß an den Rand des Gletschers laufen.

Wir hatten einfach keine Lust in Valdez auf einen RV-Park zu fahren, denn Valdez an sich hat uns etwas enttäuscht. Außer dem Hafen gibt es dort nicht so viel Besonderes zu sehen. Die Fahrt dorthin durch den Keystone Canyon ist schön, aber Valdez selbst ist die Fahrt nicht wirklich wert. Und so steuern wir den Blueberry Lake Recreation Campground an, der wunderbar in die schöne Landschaft eingebettet liegt. Obwohl es auf dem Campground sehr windig ist, können wir noch die Nachmittagssonne in vollen Zügen genießen. Am späten Abend und in der Nacht legt der Wind so zu, dass uns tatsächlich das Schwanken des Campers in den Schlaf wiegt.

Da der Worthington Glacier an diesem Morgen so hübsch in der Morgensonne liegt, kommen wir um einen erneuten Fotostopp nicht herum. Zurück auf dem Richardson Highway geht es dann über Glennallen nach Tok und weiter den Alaska Highway runter an schneebedeckten Bergen und herbstlichen Bäumen vorbei. Südlich von Northway Junction kommen wir am Lakeview Campground an. Dieser Campground liegt urromantisch an einem See und ist dazu auch noch kostenfrei! Als wir dort ankommen, sind wir noch die Einzigen, bevor sich am Nachmittag der Platz doch noch füllt. Allerdings hat er auch nur elf Plätze. Unter den Campern ist auch ein Engländer, der nur mit Fahrrad und Zelt unterwegs ist! Und der Hammer: Der ist bereits seit fünf Monaten unterwegs und hat seinen Trip in Panama begonnen. Hut ab, was für eine Leistung! Er erzählt uns auch, dass bei diesem klaren Wetter die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, die Aurora Borealis zu sehen. Wir sitzen daher fast bis Mitternacht am Lagerfeuer, ständig den Blick gen Himmel gerichtet. Auch in der Nacht linsen wir immer mal wieder aus dem Wohnmobilfenster. Aber leider war außer schönen Sternen nichts zu sehen.

Über den Alaska Highway erreichen wir bei Beaver Creek den Grenzübergang nach Kanada. Und dann plötzlich eine Baustelle nach der anderen und außerdem lange Wartezeiten, bis überhaupt der Pilot-Truck kommt. Leider fängt es auch noch an zu regnen, so dass sich auch der Kluane Lake nicht von seiner schönsten Seite präsentieren kann. Eigentlich wollten wir dort auch auf den Campground, da es aber erst 13 Uhr ist und wir aufgrund des Wetters sowieso nicht mehr viel unternehmen können, fahren wir weiter über Haines Junction den Haines Highway runter auf den Kathleen Campground am gleichnamigen See.

Damit heißt unser Ziel für den nächsten Tag Haines. Unterwegs halten wir noch an den Million Dollar Falls. Wir verlassen das Yukon Territory und erreichen British Columbia. Weiter über den Chilkat Pass. Kurz davor wechselt die Landschaft. Ein herrliches Panorama über eine weite, baumlose Hochebene. Das ist wirklich mal was Neues für unsere Augen, die die ganze Zeit doch viel Nadelwald gesehen haben. Bevor wir Haines – jetzt wieder in Alaska – erreichen, kommen wir am Bard Eagle Reserve vorbei. Einen Adler können wir auch erspähen.
Bevor wir auf den Chilkoot Lake State Campground in Haines rollen, wollen wir erst die Tickets für die Fähre nach Skagway besorgen. Zu unserem Entsetzen müssen wir feststellen, dass die Fähre nur einmal am Freitag fährt und für unsere Camperlänge kein Platz mehr ist. Auch Samstag ist alles ausgebucht. Komisch, zu Hause habe ich mir noch den Fährplan auf den Laptop geladen und da waren vier Abfahrten für Freitag verzeichnet. Im Reiseführer steht auch, dass normalerweise um diese Zeit keine Probleme bei der Fährbuchung bestehen. Doch nun haben wir das Problem. Uns wird angeboten, uns auf die Warteliste setzen zu lassen. Dann müssten wir allerdings Freitag um 12.30 Uhr vorsorglich da sein. Das ist uns zu heikel. Also beschließen wir, am nächsten Tag wieder früh aufzustehen und Kilometer zu schrubben! Wenigstens liegt unser Campground sehr schön im Chilkoot State Park. Vor dem Campground am Fluss kann man super Bären beobachten. Dort kommen sie direkt den Hang runter und laufen über die Straße zum Fluss, um Lachse zu fangen. Es steht ein Schild hier mit dem Hinweis, dass in dieser Zone auf keinen Fall mit dem Auto gehalten werden darf. Auch soll der Bereich gemieden werden, sobald Bären präsent sind. Als wir nachmittags am Fluss vorbei kommen, halten wir vorher an einer Haltebucht an. Wir steigen aus und beschließen, einmal durch diese markierte Zone zu laufen – das darf man ja schließlich, wenn keine Bären da sind. An einer Stelle liegen ganz viele tote Lachse mitten auf der Straße – erste Bärenzeichen. Und als wir ungefähr in der Mitte des Bereichs ankommen, sehe ich plötzlich aus dem Augenwinkel im Gebüsch am Hang einen Grizzly sitzen – nicht einmal 15 Meter von uns entfernt! Ach, Gott, und hinten dran ist ja noch einer! Da wird mir doch etwas mulmig und ich flüstere zu meinem Mann: „Da sitzen Bären im Gebüsch!“ Langsam und ganz vorsichtig gehen wir rückwärts. Und warnen die Leute, die uns entgegenkommen.

Die Bären überqueren dann auch unmittelbar vor uns die Straße. Sie haben wohl wirklich gewartet, bis wir aus dem Weg sind. Zehn Minuten später kommen dann immer mehr Leute und auch ein Ranger. Da haben wir wohl die richtige Zeit erwischt, in der für die Bären Abendessen angesagt ist. Es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, zuzusehen, wie die insgesamt drei Bären die Lachse aus dem Wasser fischen. Einer ist permanent im Wasser und reicht sozusagen dem anderen die Lachse hoch. Es gesellen sich dann noch die Möwen dazu, die natürlich die Reste fressen. Zwischendrin gehen die Bären nochmals zur Straße, erledigen ihr „Geschäft“ und dann geht’s weiter mit dem Lachsfang. Was für ein Abenteuertag!

Am nächsten Morgen fahren wir zum Frühstücken extra noch einmal um sechs Uhr raus zur Straße am Fluss, um die Bären zu beobachten. Aber diese sind wohl schon fertig mit ihrer Mahlzeit, denn der letzte Bär überquert noch vor uns die Straße und läuft hinauf in den Wald. Schade! Das Ausmaß des Frühstücks ist aber nicht zu übersehen. Überall sind die Lachsreste verteilt und es riecht dementsprechend. Nach unserem Frühstück geht es auf zu unserer Endstation Whitehorse zum Wolfs Creek Campground etwas außerhalb der Stadt. Wir wollen für die letzten Nächte noch einen schönen Platz – und keinen klassischen RV-Park. Auf den 180 Kilometern zurück von Haines begegnen uns nur vier Autos. Einfach schön. Man darf gar nicht daran denken, dass wir bald wieder in Deutschland sind. Bevor wir unseren Platz beziehen, besuchen wir bei Whitehorse noch den Miles
Canyon und die Fischleiter am Yukon.

Da wir ja vorher keinen Platz auf der Haines-Fähre bekommen hatten und uns somit die schöne Strecke von Skagway hoch nach Whitehorse bislang vorenthalten geblieben war, beschließen wir, diese am letzten Tag abzufahren. Wir sind in diesem Urlaub so viel gefahren, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. Ab auf den Klondike Highway und vorbei an Emerald Lake, Carcross Desert – der kleinsten Wüste der Welt – und von Carcross nach Skagway. Spektakuläre Landschaftspanoramen verführen uns, fast an jedem Aussichtspunkt anzuhalten. Auf dem Weg nach Skagway wechseln wir von den Yukon Territories nach British Columbia, dann wieder in die USA. Skagway ist ein echt schmuckes Städtchen und wir sind froh, den Abstecher noch gemacht zu haben.

Aber irgendwann kommt der Tag, den man eigentlich nicht wahrhaben möchte: Abgabe des Campers – Urlaub vorbei. Doch wenigstens erfolgt die Abgabe bei Fraserway völlig problemlos. Sie sind sogar so nett, uns in die „Stadt“ zu fahren, da unser Flug erst abends rausgeht. Am Ufer des Yukon genießen wir noch die letzten Sonnenstrahlen. Um halb drei werden wir von Fraserway wieder abgeholt und zum Flughafen gefahren. Im Auto erfahren wir, dass unser Flugzeug mit einer Stunde Verspätung in Whitehorse landen wird. Ist uns völlig egal. Wir sind tiefenentspannt. Schon am Folgetag werden wir in Frankfurt landen und unmittelbar von der Hektik und dem Verkehr vereinnahmt werden.

Stolze 5648 Kilometer sind wir vier insgesamt gefahren! Als Super-Team haben wir sehr viel Schönes und Neues erlebt. Der Urlaub hat uns wieder bewusst gemacht, wie schön es ist, Natur zu erleben und wie wichtig es ist, diese auch zu erhalten. Für uns ist die Reise mit dem Camper ideal. Wir erleben die Urlaubszeit intensiver als früher und zehren länger von ihr. Drum, Mensch, sei zeitig weise! Zeit ist’s. Reise, reise!

Von Kanadafieber gekürzter Text. Originaltext von Heike Paulus:
Suchwort Paulus Yukon auf www.sktouristik.de