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Abenteuer im Yukon und Alaska Yukon/Alaska - Kanada Wohnmobil und Fraserway

North to Alaska


Abenteuer erleben im Yukon und in Alaska


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2014 von SK-Kundin Claudia Haisch



Way up north, north to Alaska, way up north, north to Alaska
North to Alaska, go north, the rush is on
North to Alaska, go north, the rush is on

Big Sam left Seattle in the year of ninety-two
With George Pratt, his partner, and brother Billy too
They crossed the Yukon River and they found the bonanza gold
Below that old white mountain, just a little south-east of Nome

Sam crossed the Majestic mountains to the valleys far below
He talked to his team of huskies as he mushed on through the snow
With the northern lights a-runnin' wild in the Land of the Midnight Sun
Yes Sam McCord was a mighty man in the year of nineteen-one

Where the river is windin', big nuggets they're findin'
North to Alaska, go north, the rush is on
Way up north, north to Alaska, way up north, north to Alaska
North to Alaska, go north, the rush is on
North to Alaska, go north, the rush is on

George turned to Sam with his gold in his hand
Said, "Sam, you're lookin' at a lonely, lonely man
I'd trade all the gold that's buried in this land
For one small band of gold to place on sweet little Jenny's hand"

"Cause a man needs a woman to love him all the time
Remember, Sam, a true love is so hard to find
I'd build for my Jenny, a honeymoon home
Below that old white mountain, just a little south-east of Nome"

Where the river is windin' big nuggets they're findin'
North to Alaska, go north, the rush is on
North to Alaska, go north, the rush is on
Way up north, north to Alaska, way up north, north to Alaska
Way up north, north to Alaska, way up north, north to Alaska
Way up north


(Song von Johnny Horton)



Unsere Reise stand dieses Jahr ganz unter diesem Motto. Waren wir letztes Jahr hauptsächlich im Yukon und haben Alaska nur kurz besucht, wollten wir es dieses Mal genau anders herum machen. Zu schön hatten wir dieses faszinierende Land in Erinnerung, um es nicht noch einmal genauer zu betrachten. Wir wählten erneut den Herbst, da uns die Farben des Indian Summer beim letzten Mal regelrecht umgehauen haben.

Dass wir das Wohnmobil in Whitehorse gleich am ersten Tag bekamen schätzten wir sehr, denn somit konnten wir gleich los: North to Alaska!

Montag, 25.08.2014
Der erste Tag verwöhnte uns nicht nur mit Sonnenschein, denn über Carmacks und die Five Finger Rapids führte er uns auf den wunderschönen Silver Trail in Richtung Keno City. Auf der Strecke ging es für uns, die wir uns über jedes Tier auf der Straße freuen, schon richtig gut los: ein Maultierhirsch, ein Kojote, ein Schwarzbär, ein Stachelschwein und ein Rotfuchs. Daneben wunderbar sonnige Pausen an den vielen Seen, wo wir die warmen Minuten am glitzernden Wasser genossen.


Die sonnige Ruhe änderte sich jedoch in Keno City, denn wir wollten unbedingt das Sign Post auf dem Keno Hill bewundern. Aber oh Schreck, was ist das denn bitte schön? Soll das eine Straße sein? Wir sind Schotterpisten mittlerweile zur Genüge gewöhnt, aber diese hier setzt allen bis dahin befahrenen die Krone auf. Eigentlich kann man sie gar nicht Schotterstraße nennen, eher Geröllfeld. Und das 11 km lang - wirklich abenteuerlich!



Hinzu kam, dass uns plötzlich dichter Nebel umhüllte, so dass wir links und rechts überhaupt nichts mehr sahen. So schraubten wir uns langsam den nicht enden wollenden Hügel hinauf und rechneten jeden Moment mit einem platten Reifen. Waren wir froh, als wir endlich wohl behalten oben ankamen. Und freuten uns hier über ein paar sehr süße und neugierige Murmeltiere, sowie über ein paar Präriehunde in allerbester Foto-Posen-Laune.

Allein für diese hat es sich schon gelohnt, den unwirklichen Weg in Kauf zu nehmen - vom Sign Post hatten wir leider nicht so viel, da der Nebel sich einfach nicht auflösen wollte und wir somit überhaupt keine Aussicht genießen konnten. Die Abfahrt genossen wir natürlich ebenso wenig, schafften aber auch diese zum Glück ohne größere Schäden.

Dienstag, 26.08.2014
Schön, dass der Jetlag auch positive Seiten an sich hat. Nachdem wir allesamt um 4:00 Uhr früh bereits fit waren, geschah es, dass wir in der Dämmerung einem für uns bisher unbekannten Gefährten über den Weg liefen. Beziehungsweise wir fuhren und er lief: ein Polarfuchs. Dieser ließ sich von uns kaum stören, flüchtete immer wieder ein paar Meter, wenn wir ihm zu nah auf die Pelle rückten und kam aber auch immer wieder zurück, um am Straßenrand Wasser zu trinken und Mäuse zu fangen. Eine sehr schöne Beobachtung am frühen Morgen!



Über Dawson City ging es im weiteren Verlauf des Tages rauf auf den Top-of-the-World-Highway. Zum Glück hatten wir nun wieder klare Verhältnisse, so dass wir hier die atemraubenden Ausblicke vom ersten bis zum letzten Kilometer bewundern durften. Eine unglaublich schöne Strecke, bei der man sich wieder einmal fragt, wie weit dieses Land eigentlich ist, wo die ganze Zeit rechts und links bis zum Horizont nichts als Natur pur herrscht. Diesen Highway möchten wir unbedingt empfehlen - für uns steht er auf jeden Fall weit oben auf unserer Top-Ten-Liste.



Fast viel zu schnell waren wir an der amerikanischen Grenze und es ging von den luftigen Höhen langsam nach unten. In Alaska bekamen wir wieder zu spüren, was wir von unserer letzten Reise schon kannten: extrem schnelle und heftige Wetterumschwünge.

Wir hatten für den Rest des Tages von Chicken nach Tok praktisch jede halbe Stunde einen Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Regen und Temperaturunterschiede von 6°C bis 17°C. Echt verrückt das Wetter. Aber es gibt dabei etwas Positives: bei dem ganzen Wechsel zwischen Sonne und Regen hatten wir jede Menge schöner Regenbogen zu sehen.

Mittwoch, 27.08.2014

An diesem Morgen bekamen wir leider keine Sonne, sondern im Wechsel zum Regen wieder dichten Nebel und frostige 1°C. Brrr - Alaska ist eben doch Alaska! Dafür konnten wir bei diesem trüben Wetter unseren ersten Elch bewundern. Ein Weibchen, das friedlich neben einem Tümpel mit zwei Schwänen graste. Was für ein schöner Anblick und im Verlauf der nächsten Zeit sicherlich selten, da wir wieder mitten in die Karibu- und Elchjagd kamen.


Im süßen Touristen-Städtchen North Pole hatten wir dieses Jahr Glück: der Weihnachtsmann war da und nahm unsere 4-jährige Helen gleich mal auf den Schoß, damit diese sich etwas wünschen konnte. Damit waren dann beide irritiert. Helen, die diese amerikanische Tradition nicht kennt und sich im Nachhinein bei uns beschwerte, dass sie eigentlich gar nicht auf seinen Schoß wollte und der Weihnachtsmann, weil dieses Mädchen sich einfach nichts wünschen wollte. Für uns Eltern aber eine lustige Episode zum Erzählen.



Für die Weiterfahrt wollten wir uns den Dalton Highway bis Coldfoot vornehmen. Auch wenn uns dieser als langweilig vorhergesagt wurde, wollten wir auf jeden Fall den Polarkreis überqueren und - mal abgesehen von den vorbeirasenden Lastwagen - die absolute Einsamkeit genießen. Die Straßenverhältnisse waren nach dem Dauerregen eher bescheiden, rutschig und matschig. Das bekamen wir buchstäblich am eigenen Leib zu spüren, als wir gerade an einer Ausweichbucht mit offenem Fenster eine Pause machten und einer der bereits beschriebenen Lastwagen in vollem Tempo durch den Matsch an uns vorbei raste. Wir mussten daher unsere Pause etwas verlängern, um die Sauerei auf den Vordersitzen wieder zu beseitigen!



Ansonsten waren wir von der ersten Minute an von diesem Highway begeistert. Um uns herum pure Wildnis so weit das Auge reicht - einzig die Pipeline, die der Straße die allermeiste Zeit folgt, und der Highway selbst zeugen von Zivilisation. Es imponierte uns, wie die Trans-Alaska-Pipeline in einer endlosen Schneise durch die Natur gezogen wurde und das nur in 2 Jahren. Imponierend auch die Landschaft ringsum. Immer im Wechsel bekamen wir Wald und Tundra zu sehen und das in den allerschönsten Herbstfarben. Selbst wenn zwischendurch mal ein Anzeichen von Bevölkerung kommt - ich meine an dieser Stelle z.B. das Yukon River Camp, wo man immerhin tanken kann - so bleibt trotzdem der Eindruck von Wildnis. Man muss sich nur mal anschauen, wie die Einheimischen ihren Giftshop zuschließen (der wird einfach zugenagelt), um dann mit dem Boot einige Kilometer weit nach Hause zu fahren. Undenkbar für uns!




Donnerstag, 28.08.2014
Am Arctic Circle zählt im Prinzip mehr der Gedanke, dass man hier war, als sonst was. Dennoch machten wir natürlich unsere Souvenir-Fotos am Schild und waren stolz, dass wir es so weit geschafft haben.


In Coldfoot angekommen, kamen wir dann ins Grübeln - jetzt waren wir so weit gekommen, jetzt wollten wir eigentlich auch noch mehr. Auch wenn die Strecke von Coldfoot bis Deadhorse von der Vermietstation aus nicht versichert ist, wollten wir die Straßenverhältnisse erst einmal testen - bis auf unser Matsch-Erlebnis war es nämlich bisher gar nicht so schlimm. Ich glaube, Fraserway ist noch nie die Strecke zum Keno Hill gefahren, sonst stände die nämlich bestimmt auch schon auf der Liste!!!

Also fuhren wir erstmal ein Stückchen weiter und siehe da: die Straße befand sich in einem sehr guten Zustand! Somit fuhren wir noch ein Stück weiter - und noch weiter. Das Wetter war gut und wir hatten Lust auf mehr Tiere.


Davon bekamen wir dann auch jede Menge. Wir finden es wirklich schade, dass diese einzigartige Strecke von der Vermietstation aus nicht erlaubt ist, denn wir würden sie sofort jedem weiter empfehlen. Neben der weiterhin unglaublich schönen Landschaft sahen wir einen Elch-Bullen mit zwei Weibchen, viele Dall-Schafe aus nächster Nähe, Karibus, Moorschneehühner, Blässgänse, einen weiteren Polarfuchs, Eulen und zum krönenden Abschluss sogar Moschusochsen.



Moschusochsen! Und wir standen auf der Straße und konnten sie beobachten - eine Erfahrung, die sich kaum beschreiben lässt. Einfach einzigartig, diese urzeitlich erscheinenden Tiere aus dieser Nähe zu sehen!



In Deadhorse war buchstäblich das Pferd begraben. Zwar lebte die Stadt durch all die Arbeiter, Maschinen und Fabriken, wir fanden sie trotzdem gruselig, da eben außer den Fabriken, Maschinen und Arbeitercontainern nichts da ist. Zu unserem Glück gab es aber eine Tankstelle und wir wollten hier sowieso nur übernachten, um uns am nächsten Morgen wieder auf den Rückweg zu machen.

Freitag, 29.08.2014


Oh hoppla, was ist denn nun passiert? Wir sind doch gestern unter sonnigen Konditionen in Deadhorse angekommen; nun, heute morgen war alles unter einer dichten Schicht Schnee verborgen. Und es schneite tatsächlich noch weiter. Wir hatten noch kurz die Hoffnung, dass das nur eine kurze Phase war und im Laufe des Morgens aller Schnee wieder schmelzen würde (hallo - wir hatten August!!), doch schon bald gaben wir die Hoffnung auf und überließen uns unserem Schicksal - es wurde nicht besser, sondern immer schlimmer!


Doch auch hier wieder eine gute Seite: die Moschusochsen waren heute noch dichter an der Straße. Und wir konnten sogar noch ein Stückchen näher an sie heran laufen. Ein unübertroffener Moment, wie diese Tiere gemächlich an uns vorbei durch den Schnee stapften. Wir fühlten uns wie in einem Traum.


Bald holte uns die Realität jedoch wieder ein und zwar in Form des Atigun Passes. Bis hierhin war die Straße auch trotz dichtem Schneegestöber eigentlich ganz gut zu befahren, doch hier mussten wir rauf - und vor allem auf der anderen Seite wieder runter. Viel ist es ja nicht:



2 Meilen hoch, 2 Meilen nach unten, aber bei Eis und Schnee und mit dem Camper scheint es unüberwindbar. Zumal wir durch ein Gespräch mit einem Truck-Fahrer, der gerade seine Schneeketten aufzog, auch nicht besonders ermutigt wurden. Dieser riet uns in jedem Fall davon ab zu fahren, sofern wir nicht auch Schneeketten hätten. Tja, aber was war das denn für eine Alternative - hier auf gutes Wetter warten? Wer weiß denn, wann das kommt. Uns dämmerte, dass die Strecke von Fraserway gar nicht wegen der Straßenverhältnisse ausgeschlossen wurde, sondern wegen der Wetterverhältnisse?


Zum Glück kam in diesem Moment das Räumfahrzeug von oben runter gefahren. Wir wechselten ein paar Worte mit dem Fahrer und dieser machte uns wieder etwas Mut: er hat geräumt und wenn wir ganz langsam und vorsichtig fahren würden, müssten wir es schaffen. Und dann wünschte er uns noch "Good Luck!" (Das dämpfte unseren neugewonnenen Mut dann auch gleich wieder).




Nach oben schafften wir es auf Anhieb ohne Probleme. Dort angekommen holten wir noch einmal tief Luft und dann machte sich mein Mann schnaufend, schwitzend und bis in die allerkleinste Faser angespannt an den Abstieg. Bei jedem Tritt auf die Bremse kamen wir sofort ins Rutschen und somit schlichen wir in allerbestem Schneckentempo den Pass runter. Schwierig wurde es zusätzlich dadurch, dass rechts plötzlich zwei Lastwagen standen, deren Fahrer sich munter auf der Straße unterhielten. Ja - die waren das gewöhnt, wir nicht! Glücklicherweise kam kein Gegenverkehr, als wir an den beiden vorbeikrochen.


Kurz vor dem Nervenzusammenbruch war es dann geschafft - wir waren unten! Und quasi sofort war es vorbei mit dem Schnee, die Straßen wieder frei. Hier trafen wir unseren ersten LkW-Fahrer, der gerade seine Schneeketten wieder entfernte. Dieser freute sich mit uns, dass wir es geschafft haben und hatte lobende Worte für meinen Mann: "Good Job!" Die restliche Strecke war dann ein Klacks für uns.



Bevor sich jetzt jemand fragt, ob all die Anstrengung sich gelohnt hat - immerhin eine berechtigte Frage bei 666 km hin und am nächsten Tag schon wieder zurück, unversicherte Strecke und das bei den Wetterverhältnissen - dem soll gesagt sein: Ja, es hat sich gelohnt. Natürlich sind wir uns jetzt im Nachhinein bewusst, was wir da in Kauf genommen haben (wer rechnet auch schon mit so was), aber dieses Abenteuer nimmt uns keiner mehr!



Samstag, 30.08.2014
Denali National Park, wir kommen! Hier hatten wir letztes Jahr schon einige wunderschöne Erfahrungen sammeln können und wir wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Wieder erwartete uns diese grandiose Weite, diese grandiose Farbpracht und dieses grandiose Tiervorkommen. Und vor allem von letzterem wurden wir mehr als verwöhnt. Denn es wimmelte bei unserer Ankunft bereits auf den ersten selbst zu befahrenden Meilen der Parkroad nur so von Elchen. Allein an diesem ersten Abend konnten wir um die zwanzig davon zählen.

Und was für welche: ich glaube nirgends sonst bekommt man so unglaublich große Elch-Bullen zu sehen wie im Denali Park. Und ich glaube, dass man nirgends sonst so nah an sie heran kommt. Es kam mehrmals vor, dass eines dieser stolzen Tiere plötzlich direkt neben uns die Straße überquerte.

Eine absolut tolle Möglichkeit, Elche aus nächster Nähe und in Ruhe beobachten zu können. Das gefiel auch unserer Helen. Normalerweise hat sie zwei oder drei Blicke übrig, wenn wir ihr ein Tier zeigen, freut sich kurz, um sich dann wieder ihrer jeweiligen Beschäftigung zuzuwenden. Aber hier hielt sie richtig gut durch, freute sich über jeden Elch der zum Vorschein kam und verknipste fleißig die Speicherkarte auf ihrem eigenen Foto. Da schmunzelten sogar die alten Hasen mit ihren Profi-Kameras um uns herum.



Schmunzeln mussten wir auch, als wir bei diesen Profis ein holländisches Pärchen wieder erkannten, das wir letztes Jahr in Haines bei der Bärenbeobachtung kennengelernt hatten. Das war natürlich ein großes Hallo - wie steht wohl die Chance, sich in diesem riesigen Land ein zweites Mal zu sehen? Anscheinend gar nicht so schlecht, wie wir nun erfahren durften.


Sonntag, 31.08.2014

Nach der vielen Fahrerei der letzten Tage ließen wir es heute ruhiger angehen. Natürlich waren wir schon im Morgengrauen wieder im Park und konnten erneut zahlreiche Elche bewundern. Im weiteren Verlauf schlenderten wir jedoch gemächlich durch die vielen Giftshops am Parkrand, besuchten die Schlittenhunde, genossen ein Eis in der Sonne und ließen uns das gute Essen hier schmecken. Eine Abschlussrunde auf der Parkroad brachte uns abermals gute Elchsichtungen ein. Und sogar unseren ersten Grizzly - wenn auch nur durchs Fernglas einigermaßen gut zu beobachten. Da wir jedoch für den nächsten Tag eine Bustour gebucht hatten, kehrten wir recht schnell auf den Campingplatz zurück.


Montag, 01.09.2014


Leider fehlte uns zu dieser Bustour das schöne Wetter von gestern. Neblig und grau war es und immer wieder fing es an zu regnen. Richtig ungemütlich also. Und im Bus funktionierte die Heizung irgendwie nicht so richtig. Dennoch ließen wir uns davon nicht die Laune verderben und erfreuten uns an der Einzigartigkeit dieses Parks. Erfreuen konnten wir uns auch an den vielen Grizzlies, den Dall-Schafen, mehreren einzelnen Karibus und sogar einer ganzen Karibu Herde, die wir sahen. Leider waren alle diese Tiere ziemlich weit von der Straße weg, was wir von der letzten Reise anders gewohnt waren. Und noch etwas vermissten wir im Vergleich zum letzten Jahr: wo war eigentlich der Mount McKinley? Hatten wir ihn unter blauem Himmel liegend in Erinnerung, so sahen wir nun leider, leider gar nichts von ihm. Komplett im Nebel verborgen - schade!




Die Tour bis zur Kantishna Lodge zu buchen und nicht nur bis zum Eielson Center, hätten wir uns sparen können. Denn ab letzterem fing es an zu schneien (obwohl wir gerade eben doch noch Sonne bekommen hatten - ich sage ja: extreme Wetterumschwünge!) und hörte auch nicht mehr auf. Dichtes Schneegestöber und Nebel - da lohnt sich der Blick aus dem Fenster nicht mehr. Das ärgerte uns natürlich etwas, da wir diese Strecke auch gerne kennengelernt hätten und uns schon auf den Wonder Lake gefreut hatten. Es sollte jedoch nicht sein. So genossen wir in der Lodge ein warmes Mittagessen und das Spielen mit Helen vor einem gemütlichen Kaminfeuer, bevor es an den Rückweg ging. Ich glaube unserem Busfahrer ging es ähnlich wie uns am Atigun Pass - oder noch ein bisschen schlimmer, denn die Straßen sind hier wirklich, wirklich eng und direkt daneben geht es ziemlich, ziemlich steil abwärts.



Lustige Fotos bekamen wir durch dieses verrückte Wetter auf der Rückfahrt noch am Eielson Center. Wir haben von hier nun Bilder im strahlenden Sonnenschein und zum Vergleich einige, bei denen alles unter einer dicken Schneeschicht bedeckt ist. Außerdem bescherte uns dieser Halt unsere erste Schneeballschlacht dieser Saison - wer kann das im September schon von sich behaupten? Und außerdem: bei schönem Wetter kann jeder!


Somit ging diese Bustour nicht ganz glücklich, aber umso abenteuerlicher für uns zu Ende. Der Busfahrer bekam einen dicken Applaus zum Abschluss - er hatte immerhin Höchstleistung vollbracht. Und uns übrigens tapfer bei jedem Halt die Fenster geputzt, damit wir immer wieder überhaupt noch etwas sehen konnten. Trotz aller Widrigkeiten genossen wir die Erfahrungen und Aussichten des Tages und würden jedem, der den Denali Park besucht eine solche Bustour empfehlen - egal bei welchem Wetter!



Dienstag, 02.09.2014


"Happy Birthday to you!". Mit einem Geburtstagsständchen meiner zwei Lieben wurde ich heute Morgen geweckt. Dazu viele Küsse und ein Frühstück - da fing der Geburtstag schon mal gut an. Das schlechte Wetter, das wir auch jetzt wieder hatten, war hier plötzlich Nebensache. Wir hatten sowieso vor, bis nach Anchorage zu fahren, also konnte es draußen ruhig regnen - wir hatten es warm und gemütlich im Auto.



In Talkeetna machten wir Mittagspause und konnten glücklicherweise im Trockenen einen Stadtbummel machen. Je mehr wir in den Süden kamen, umso besser wurde auch das Wetter. So konnten wir an der Palmer Hay Flats State Game Refuge einen schönen sonnigen und langen Spaziergang machen. Genau das richtige nach dieser weiten Fahrt.



In Anchorage angekommen, dann fast ein Hitzerekord: immerhin 19°C! Diese genossen wir zum Ausklang des Tages im Kincaid Park und hatten hier auch gleich das Vergnügen, eine Elch-Mutter mit ihrem Kalb zu beobachten. Ein Phänomen, das für uns völlig neu war - Elche mitten in der Stadt. Was für uns Anlass zum Freuen ist, ist für die Anwohner jedoch nicht immer so glücklich, wie wir im Laufe unseres Aufenthaltes erfuhren. So kann es durchaus passieren, dass der 6-spurige Stadt-Highway plötzlich durch mehrere Elche blockiert ist, dass Kinder in den Schulpausen nicht nach draußen dürfen, weil dort Elche grasen oder dass man plötzlich von einer Elchmutter angegriffen wird, weil man auf dem Weg von der Haustür zum Auto aus Versehen zu nahe an deren Kalb vorbei gekommen ist. Also schauten wir uns auf unserem Campingplatz lieber zweimal um, bevor wir ausstiegen.



Mittwoch, 03.09.2014
Wir entschieden uns neben einem Bummel durch die Altstadt dazu, eine Trolley-Tour durch Anchorage zu buchen, um so viel wie möglich in der kurzen Zeit, die wir hier hatten, zu sehen. Das erwies sich als richtig. Denn zusätzlich zu den Plätzen, die im Reiseführer beschrieben sind und die wir sowieso angefahren wären, sahen und hörten wir hierdurch allerhand Wissenswertes rund um diese faszinierende Stadt.

Den Mittag verbrachten wir im Alaska Zoo - auch wenn wir einen Großteil der hier anwesenden Tiere bereits in freier Wildbahn gesehen haben, freuten wir uns an dieser wunderschönen Anlage mitten im Wald. Dennoch fanden wir, dass einige der Gehege (wie in den meisten Zoos) eigentlich zu klein für die Tiere sind. Wir wollten im weiteren Verlauf der Reise also lieber alle wieder "draußen" sehen.


Angefangen haben wir mit etwas, mit dem wir nicht wirklich gerechnet hatten. Ich hatte gelesen, dass es nur wenige Kilometer außerhalb von Anchorage am Beluga Point die Möglichkeit gibt, Beluga Wale vom Strand aus zu sehen. Jedoch hätten wir niemals gedacht, dass wir da einfach hinfahren und tatsächlich auch welche da sind. Aber so war es. Als wir schon wieder etwas Verbotenes taten (nämlich unerlaubt die Bahngleise zu überqueren) und uns einen Spaß daraus machten am Strand entlang zu rennen und auf die Felsen zu klettern, kam der Ruf von der anderen Seite - sie kommen! Irritiert machten wir uns auf zu der Stelle, von der das Kommando kam. Eigentlich rechneten wir immer noch nicht damit. Doch dann konnten wir uns wirklich selber davon überzeugen. Mehrere der weißen Wale schwammen in einiger Entfernung an uns vorbei. Ein wirklich ergreifendes Erlebnis, auch wenn meistens nur der Rücken zu sehen war. Dennoch bekamen wir auch hin und wieder ein Gesicht und eine Flosse zu sehen - also haben wir alles in allem einen echten ganzen Beluga bewundern dürfen. Und ab und zu kamen sie auch richtig nah an den Strand heran.



Wir waren absolut überwältigt von diesen Eindrücken. Hinzu kamen auch noch ein paar Schweinswale, einige Dall-Schafe auf der gegenüber liegenden Felswand und ein traumhafter Sonnenuntergang. Wir verließen diesen magischen Ort auch wirklich erst, als es so duster wurde, dass wir nichts mehr sehen konnten.

Donnerstag, 04.09.2014

Nach den gestrigen Erlebnissen ließen wir diesen Tag ruhiger angehen. Gemächlich fuhren wir weiter Richtung Süden, machten oft Pause, genossen das schöne Wetter und die traumhaften Aussichten, zunächst mit dem Turnagain Arm rechterhand und dann wieder durch hügeliges und bewaldetes Gebiet bis zum Kenai River. Hier fühlten wir uns von Anfang an wohl. Am Russian River Campground entdeckten wir wunderbare Bedingungen für Grizzlies und so entschieden wir uns, dort zu übernachten. Der Russian River war voll von leuchtend roten Lachsen, umgeben von Wald - wenn das nicht optimales Futtergebiet für die Bären ist!



Am Fluss entlang ist praktischerweise ein Steg, so dass wir trockenen Fußes und bequem hin und her spazieren und dieses herrliche Stück Land auf uns wirken lassen konnten. Eine unglaubliche Anzahl von Anglern findet sich hier und so ergibt sich schnell das eine oder andere nette Schwätzchen. Möwen und Gänsesäger gibt es ebenfalls jede Menge, nur die Grizzlies ließen auf sich warten. Da es mittlerweile auch spät wurde, entschieden sich die Mutter und die Tochter lieber ins warme Wohnmobil zu ziehen. Mein Mann jedoch gab nicht auf - und hatte tatsächlich Erfolg! Eine gut genährte Grizzly-Mama mit ihrem Cub erschienen plötzlich auf der Bildfläche und angelten nach den fetten Lachsen. Genau wie wir uns das vorgestellt hatten.

Die Mutter hatte wohl ziemlich schnell genug, doch das Kleine machte sich noch lange einen Spaß daraus, durchs Wasser zu toben und zu versuchen, selbst Fische zu fangen. Vergeblich, so dass es irgendwann seiner Mama zurück in den Wald nach trottete. Für meinen Mann erneut ein Abenteuer, so nah an diesen imposanten Bären dran zu sein. Und wir Damen hatten im Nachhinein immerhin Freude an den Fotos.

Freitag, 05.09.2014
Wir gewinnen langsam den Eindruck, dass es in Alaska keine zwei Tage hintereinander das gleiche Wetter gibt. Nach dem gestrigen sonnigen Tag erwartete uns heute schon wieder Dauerregen. Dementsprechend trübe wurde die Weiterfahrt heute morgen. In Kenai hätten wir Lust auf einen Stadtbummel gehabt, ließen uns aber vom Wetter ein bisschen die Laune verderben. Schade, denn hier hätte es einige interessante Sachen für uns gehabt, wie z.B. Kenai River Stran oder die Kenai River Flats.


Kurz nach der Weiterfahrt hatten wir allerdings Glück. Erstens ließ der Regen nach und zweitens entdeckten wir wieder einmal eine Elch-Mama mit ihrem Kalb direkt am Straßenrand. Auch wenn man meinen könnte, dass es irgendwann langweilig wird, diese Tiere an der Straße zu sehen - wir können einfach nicht genug davon bekommen und freuten uns auch jetzt wieder über den herrlichen Anblick.



In Homer angekommen, ließen wir uns erstmal ein super leckeres Essen am Homer Spit schmecken. Direkt am Meer schmeckt Fisch doch einfach noch mal besser. Und mit direktem Blick auf die vielen Schiffe im Hafen stimmt dann auch die Atmosphäre. Das Essen konnten wir beim anschließenden Strandspaziergang wieder etwas verdauen. Muscheln sammeln, tote Quallen suchen, den Wellen nachrennen - am Strand vergeht die Zeit wie im Flug und somit schauten wir uns den Rest von Homer nur vom Auto aus an.




Auf der Rückfahrt machten wir in Anchor Point am westlichsten, auf durchgehender Straße erreichbaren Punkt Nordamerikas Halt - wenn wir schon einmal hier waren, wollten wir uns diesen Titel doch nicht entgehen lassen.


Wir schafften es tatsächlich noch einmal bis zum Russian River Campground zurück. Doch leider konnten wir heute keine Bären sehen, sondern lediglich ein paar Rebhühner direkt neben uns am Weg, die im Gegensatz zu ihren Gefährten an der Straße mit erstaunlich wenig Scheu auf uns reagierten.

Samstag, 06.09.2014
Auf dem heutigen Weg nach Seward kamen wir wieder mal in den Genuss einer einzigartigen Landschaft, bestehend aus Bergen, Gletschern und Seen. Außerdem konnten wir zwei Wasseramseln beobachten, die an einem kleinen Flusslauf badeten und tauchten. Diese einerseits unauffälligen, andererseits aber extrem niedlichen kleinen Vögel begeisterten uns durch ihre Geschicklichkeit am, im und unterm Wasser wirklich sehr.


Seward gefiel uns gut - ein typisches kleines Touristen-Hafenstädtchen mit vielen Giftshops, Restaurants und schöner Promenade am Hafen entlang. Dies alles und das wieder strahlend schöne Wetter taten das ihre dazu, dass wir den Tag durch und durch genießen konnten.




Wir entschieden uns, das sonnige Wetter für einen Spaziergang zum Exit Gletscher zu nutzen. Dieser gestaltete sich länger, als wir dachten. Vom Parkplatz bis zum Gletscher sah es gar nicht so weit aus, doch der Weg schlängelte sich durch ganz schön unwegsames Gelände, so dass eine richtig kleine und schöne Wanderung daraus wurde. Der Gletscher lag als Belohnung herrlich blau glänzend vor uns. Leider nicht ganz so beachtlich wie wir uns das gewünscht hätten, denn der heftige Rückgang ist ihm wirklich anzusehen. Dazu die überall angebrachten Schilder mit den Jahreszahlen, bis zu denen der Gletscher früher gereicht hat - das macht ganz schön nachdenklich!



Zurück in Seward besuchten wir das Sea Life Center. Dieses gefiel uns richtig gut, wenn es auch für den Eintrittspreis von 20 $ und für Kinder ab 4 Jahren 10 $ doch eher etwas überschaubar war. An dieser Stelle noch eine kleine Anekdote: als die Frau am Eingang uns nach dem Alter unserer Tochter fragte, gab mein Mann im Spaß zurück, dass diese 1 Jahr alt sei (anzumerken ist, dass Helen mittlerweile 1,08 m misst). Wir glaubten natürlich, dass wir mit der Frau darüber lachen und dann 10 $ für Helen zahlen würden. Doch weit gefehlt. Die sympathische Kassiererin sah unsere Tochter an und meinte, dass sie in diesem Fall ja frei wäre. Na ja, wer nicht will, der hat schon?

Den Sonnenuntergang genossen wir auf der Lowell Point Road mit Blick auf die Ressurection Bay. Ist diese Stelle sicherlich schon ohne Sonnenuntergang imposant, staunten wir im goldenen Abendrot umso mehr darüber.
Auf dem Campingplatz beendeten wir diesen perfekten Tag mit einem perfekten Drachenflug. Bei steilem Wind mussten wir nicht mal laufen, um den Drachen zum Fliegen zu bringen. Loslassen reichte aus, um ihn hoch in die Luft zu bekommen und wir hatten einen riesen Spaß dabei.

Sonntag, 07.09.2014
Für diesen Tag hatten wir eine Schiffstour zum Holgate Gletscher gebucht. Zum Glück habe ich mich getäuscht und es kommt doch vor, dass es zweimal hintereinander das gleiche Wetter gibt. Auch heute hatten wir klaren Himmel und konnten somit den Sonnenaufgang auf offenem Meer bestaunen. Trotzdem wurde es auf dem Außendeck ziemlich eisig, als das Boot erst einmal Fahrt aufnahm. Doch das störte uns zunächst einmal nicht. Wir waren viel zu sehr damit beschäftigt, die Fjordlandschaft um uns herum aufzunehmen. Eine ganze Kolonie Seelöwen, die faul auf ihren Felsen schliefen und ein Seeotter im Wasser erhielten ebenso unsere Aufmerksamkeit, wie das in der Sonne glitzernde Meer. Dabei sahen wir sogar mehrere von den kleinen Papageientaucher, die völlig verloren im großen Ozean wirkten. Aber dass wir diese putzigen Vögel hier in freier Wildbahn sahen, freute uns genau so sehr, wie die Nachricht, dass Wale in der Gegend seien. Davon sahen wir zunächst einmal einen Schweinswal und dann noch mehrere Delphine.
Am Gletscher angelangt fanden wir diesen imposanten Eisgiganten zwar sehr faszinierend, konnten den gesamten Aufenthalt dort aber nicht so richtig genießen, da die Luft mittlerweile gefühlt weit unter dem Gefrierpunkt lag. So zitterten wir uns durch den schönen Anblick hindurch, freuten uns dann aber auch, dass wir auf der Weiterfahrt nach drinnen gehen und uns aufwärmen konnten.

Das reichte gerade, bis die Durchsage kam: Buckelwale in Sicht. Also schnell wieder raus aufs Deck und Ausschau halten. Tatsächlich sahen wir gleich die Luftfontänen, die diese herrlichen Tiere ausstießen.

In gut sichtbarer Entfernung waren dann auch recht schnell einige Rückenflossen und einige Male auch ein paar Schwanzflossen zu sehen. Wir freuten uns bei jedem Auftauchen der Wale und hofften natürlich darauf, einen davon springen zu sehen. Diese Freude machten uns die sanften Riesen leider nicht, dafür kam einer an die Oberfläche, um nach Futter zu angeln und somit kamen wir in den Genuss eines riesigen Walmaules an der Oberfläche. Ein außergewöhnliches Erlebnis alles in allem!

Die Rückfahrt nach Seward gestaltete sich etwas zäh, da es im weiteren Verlauf nichts Neues oder Interessantes mehr zu sehen gab. Dafür unterhielten wir uns sehr nett mit einigen Amerikanern und brachten diese mit unseren deutschen "Sch"-Worte zum Lachen: Schnitzel, Schnute, Strudel und Schatzi hört sich für die Einheimischen wohl ziemlich komisch an.

Auch wenn wir uns in Seward sehr wohl fühlten, beeilten wir uns doch, die Rückfahrt nach Anchorage anzutreten, da wir uns für die weitere Strecke noch einiges vorgenommen hatten.

Montag, 08.09.2014
Dieser Tag sollte uns bitte schön bis nach Valdez bringen und so fuhren wir schon recht früh los. Uns erwartete auf dieser Strecke wieder eine unglaublich reizvolle Landschaft, mit herrlichen Aussichten, Bergen, Täler, Wäldern und Wasserfällen. Und schon der 3. Tag ohne Regen, was für uns dieses Jahr ebenfalls bemerkenswert erscheint.



Ebenfalls erwartete uns ein Erlebnis der ganz anderen Art im Zusammenhang mit der Elchjagd. Gondelten wir nämlich eben noch die Landschaft genießend durch die Gegend, sahen wir auf einmal zwei Gestalten über etwas Rotes gebeugt am Straßenrand. Neugierig wie wir nun mal sind, schauten wir im Vorbeifahren natürlich genauer hin und erkannten mit etwas Ekel, dass die Beiden gerade dabei waren, einen Elch auszunehmen und ihm das Fell abzuziehen. Uh, muss man denn das direkt an der Straße machen? Das möchte der schönheitsliebende Durchschnittstourist doch wirklich nicht erleben. Wieder einmal bemerkten wir, dass hier manche Begebenheiten an der Tagesordnung zu sein scheinen, die bei uns in Deutschland undenkbar wären. Zum Glück sahen wir einige Kilometer weiter einen der Elche quicklebendig am Straßenrand - so sind sie uns doch gleich viel lieber!



Noch bevor wir nach Valdez einfuhren, machten wir einen ersten Abstecher auf die Dayville Road. Schließlich soll es hier während der Lachssaison nur so von Schwarzbären wimmeln. Hier sahen wir zwar keinen von ihnen, dafür jede Menge Weißkopfseeadler, Möwen, Seeotter, Robben und sogar einen erstaunlich großen Seelöwen-Bullen.

Dafür hatten wir Glück am Crooked Creek Science Center. Plötzlich stand er direkt neben uns auf der Straße: ein wahres Prachtexemplar eines Schwarzbären. Ganz friedlich stapfte er über die Wiese, schaute uns immer wieder einmal an und ging dann wieder gemächlich seines Weges. Leider wurde er ziemlich schnell vertrieben, denn als wir erstmal gehalten hatten, zog dies weitere Autos an den Straßenrand und plötzlich war ein kompletter Stau provoziert, der sich erst wieder auflöste, als der Bär durch die Hektik am Straßenrand verschwunden war und dafür die Polizei auf der Bildfläche erschien.

Dienstag, 09.09.2014



Bevor wir zurück fuhren, machten wir noch einmal am Science Center Halt, um erneut Ausschau nach Bären zu halten. Mein Mann stieg hierzu aus, um die Umgebung näher zu betrachten, während meine Tochter und ich im Auto sitzen blieben. Leider schaute er just in dem Moment zu uns aufs Auto, als ein paar Meter hinter ihm eine Schwarzbär-Mama mit Kind die Straße überquerte. Nun saßen wir bequem im Auto und konnten die beiden beobachten, während er immer noch zu uns sah. Da half leider auch kein Fuchteln und Zeigen, im Gegenteil verwirrten wir ihn dadurch noch mehr. Als schließlich alles aufgeklärt war, ärgerte er sich natürlich ganz gewaltig, dass er das verpasst hatte. Und auch wenn wir andere Paare mit Walkie Talkies bisher eigentlich ziemlich peinlich fanden - für die nächste Reise besorgen wir uns auch welche!



Als wir aus Valdez wieder aufbrachen, machten wir kurz darauf am Worthington Glacier die erste Pause. Die Aussicht darauf von der Plattform aus war uns aber zu wenig und auch wenn hier wieder einmal ein Schild darauf hinwies, dass der Weg zum Gletscher nur auf eigene Gefahr zu begehen ist, entschieden wir uns für eine kleine Wanderung genau dorthin. Und das war ein großer Spaß für alle. Der Weg führte uns am Schmelzwasser vorbei über viele Geröllfelder und Felsen. Glitschige Angelegenheit das Ganze, aber wir kletterten tapfer bergan. Und wir wurden so was von belohnt, als wir direkt am Gletscher ankamen. Das Eis glitzerte silberblau und fühlte sich einfach großartig an. Und von so nahe wirkte er trotz seiner eigentlich geringen Größe ganz schön beachtlich. Ein weiteres wunderbares Abenteuer auf unserer Reise.



Die Weiterfahrt brachte uns wieder beeindruckend gefärbte Herbstwälder und schneebedeckte Berge im Hintergrund. Außerdem erneut ein Elch mitten in dieser herbstlichen Farbenpracht. Wir konnten ehrlich gesagt gar nicht glauben, dass manche der anderen Touristen, mit denen wir uns schon unterhalten haben, noch gar keinen Elch gesehen haben. Immerhin hatten wir mit diesem hier schon fast 60 davon gesehen (wobei wir im Denali Park sicherlich einige doppelt gezählt hatten - aber trotzdem). Da hatten wir wohl wirklich Glück dieses Jahr. Und das trotz Jagdsaison!



Mittwoch, 10.09.2014
Die Strecke am Kluane National Park vorbei war uns vom letzten Jahr ebenso schön in Erinnerung geblieben, wie die Strecke von Haines Junction nach Haines war uns und auch dieses Mal wurden wir nicht enttäuscht. Ich glaube nirgendwo sonst gibt es auf so wenigen Kilometern solch einen erstaunlich häufigen Wechsel der Landschaftsform zu sehen. Diese Straße möchte ich jedem empfehlen! Kurz vor Haines begleitete uns zu unserer Rechten der Chilkat River und wir konnten zahlreiche Weißkopfseeadler sehen.

Auch Haines finden wir absolut empfehlenswert, wobei wir bemerkten, dass es einige Unterschiede zwischen 2013 und 2014 gab. Waren wir es von letztem Jahr gewohnt, dass die Touristen und die Bären ganz friedlich am Chilkoot Lake parallel zueinander existieren können, wurden wir dieses Jahr von der permanenten Anwesenheit eines Rangers, vielen neuen Warnschildern und sogar einer "Betreten-verboten-Zone" bei Bäraufkommen überrascht. Die Grizzlies konnten wir zwar trotzdem wunderbar beim Lachs-Fischen beobachten, jedoch waren es bei weitem nicht mehr so viele wie letztes Jahr. Dafür umso mehr Weißkopfseeadler.

Womöglich nimmt der Tourismus auch hier stetig zu und wenn wir sehen, wie die Kreuzfahrer der großen Kreuzfahrtschiffe extra mit dem Bus hierher gefahren werden und dann in Horden am Fluss ausschwärmen, dann wundert es uns eher nicht, dass die Bären sich lieber ein ruhigeres Fleckchen zum Fischen suchen.

Trotzdem ein magischer Ort und immer gut für ein kleines Abenteuer - oder vielmehr einem kleinen Schrecken. Denn es passierte uns auch dieses Jahr, dass wir auf dem Weg spazieren gingen und plötzlich keine 10 Meter vor uns ein Bär aus dem Wald um die Ecke bog. Ich weiß nicht, wer mehr erschrocken ist - der Bär oder wir.



Donnerstag, 11.09.2014

Das schöne Wetter wollte heute nicht mehr mitspielen - wir erwachten im Dauer-Nieselregen. Unserer Laune konnte das jedoch nichts anhaben, die Grizzlies wollen auch bei schlechtem Wetter etwas fressen. Und bei diesem Wetter waren wir auch weitestgehend allein mit den Bären. Nur die hartgesottenen Abenteurer waren heute unterwegs.



Irgendwann hatten aber auch wir genug und machten uns auf in die Stadt zum Einkaufen, Bummeln und Shoppen.

Zurück bei den Bären machten wir eine schöne Entdeckung. Wir hatten bei unserem letztjährigen Besuch eine Grizzly-Mutter mit Cub beobachten dürfen. Jetzt sahen wir die beiden tatsächlich wieder - allerdings getrennt voneinander. Das Kleine war also groß und mittlerweile flügge geworden. Waren wir vor Ort am Fluss noch etwas unsicher, ob das tatsächlich die Beiden sind, die wir meinen, brachte der Urlaubsbilder-Vergleich zu Hause die Gewissheit: ja, sie waren es tatsächlich. Eindeutig an der Fellfärbung identifiziert.

Freitag, 12.09.2014
Wir verabschiedeten uns von den Grizzlies und nahmen die Mittags-Fähre nach Skagway. Auch hier erwarteten uns mehrere Kreuzfahrtschiffe und dementsprechend viele Menschen in der kleinen Stadt. Das machte uns hier jedoch nichts aus. Wir hatten trotzdem Freude an den schönen Fassaden und den darin befindlichen Läden.

Auf die Rückfahrt nach Whitehorse freuten wir uns einerseits verständlicherweise nicht, da dies bedeutete, dass unser Urlaub jetzt ziemlich schnell zu Ende ging. Andererseits hatten wir hier noch einige schöne Erinnerungen an das letzte Jahr und machten uns daher trotzdem gut gelaunt an die vor uns liegende Strecke. Leider hielt dies nicht lange an, da wir den schönsten Teil davon (Klondike Highway über den White Pass) in dichtem Nebel fahren mussten. Und dichter Nebel bedeutet hier tatsächlich dichter Nebel - das mussten wir ja nun schon ein paar Mal erleben. Gott sei Dank lichtete es sich kurz nach der kanadischen Grenze wieder etwas. Gerade rechtzeitig, sonst hätten wir die ersten Schneeziegen der diesjährigen Reise verpasst!

Da wir letztes Jahr eine kleine Bekanntschaft mit den Campingplatzbesitzerin in Tagish geschlossen hatten, beschlossen wir, vor der Rückkehr nach Whitehorse noch einen kurzen Abstecher dorthin zu machen. Und hatten kurz darauf bereits ein neues Abenteuer. Ein Schwarzbär am Straßenrand; und als wir endlich gebremst hatten ein Stachelschwein am Straßenrand. Was nun? Wir entschieden uns dafür, uns aufzuteilen. Mein Mann wollte das mittlerweile flüchtige Stachelschwein suchen, ich versuchte vom anderen Straßenrand aus den Schwarzbär etwas genauer zu sehen. Der Bär flüchtete ebenfalls kurz darauf und somit gesellte ich mich zu meinem Mann, der mittlerweile auch Helen, die wir in der Hektik allein im Auto ließen und die schon mächtig protestierte, mit zum Stachelschwein gebracht hatte.

Dieses konnten wir nun in aller Ruhe beobachten, da es sich auf seiner Flucht auf einen nahe gelegenen Baum gerettet hatte. Sehr süß, wie es da so zwischen den Zweigen kauerte. Wir ließen das Schweinchen aber sehr schnell wieder in Ruhe, damit es nicht noch vor lauter Panik herunterfiel.

Samstag, 13.09.2014
Wir erwachten bei strahlendem Sonnenschein. Das konnten wir gut gebrauchen, schließlich war dies unser letzter Tag. Wie geplant besuchten wir das Six Mile Resort in Tagish, wobei der Chef leider schon beim Angeln war. Die Chefin freute sich jedoch über unseren unerwarteten Besuch und wir plauderten eine Weile nett mit ihr. Dann rief jedoch die Pflicht für sie, wir bekamen noch eine frische selbstgebackene Zimtschnecke und konnten dann die Rückfahrt nach Whitehorse nicht mehr länger aufschieben.

Immerhin hatte diese Strecke noch einige Leckerbissen für uns zu bieten. Zum Einen Carcross Desert, diese kleinste Wüste der Welt (wobei sie mittlerweile wohl diesen Titel aberkannt bekommen hat). Ein wirklich interessantes Phänomen, wie wir finden, diese großen Sanddünen, inmitten der ansonsten bewaldeten Landschaft.
Zum Anderen konnten wir den Emerald Lake in all seiner wunderbar blauen und türkisen Farbenpracht im strahlenden Sonnenschein bewundern. Was für ein schönes Erlebnis am letzten Tag!

In Whitehorse angekommen entschieden wir uns gegen die dortigen Sehenswürdigkeiten, da wir sie bereits letztes Jahr genossen haben (wobei wir u.a. Miles Canyon, Takhini Hotsprings, SS Klondike, die Promenade am Yukon entlang und auch das Yukon Wildlife Preserve unbedingt empfehlen möchten) und schrubbten stattdessen in aller Ruhe das extrem mitgenommene Wohnmobil und gingen dann noch gemütlich in die Innenstadt. Ein fulminantes Abendessen gönnten wir uns und bei der Abschlussfahrt rund um Whitehorse herum konnten wir noch ein letztes Black-Tailed-Deer bewundern.

Sonntag, 14.09.2014
Rückreise. Das allein ist schon schlimm genug. Zusammen mit Koffer packen, sauber machen, warten auf das 18:50 Uhr-Flugzeug und 9-stündigem Flug mit anschließender Odyssee auf dem Ankunftsflughafen ist es kaum zu ertragen.


Glücklicherweise konnten wir auf 3 abenteuerliche, ereignisreiche und unfassbar schöne Urlaubswochen zurückblicken, die dank SK-Touristik wieder einmal absolut reibungslos funktionierten und wir gut aufgehoben wirklich jede Sekunde genießen konnten. Vielen Dank an euer ganzes Team - deswegen buchen wir immer wieder bei euch!



Und für alle ernsthaft Interessierten, wollen wir zum guten Schluss noch unsere Top-Ten-Liste für Alaska und den Yukon präsentieren:


1.) Denali Park
2.) Dalton Highway
3.) Top-of-the-World-Highway
4.) Fahrt von Haines Junction nach Haines (und natürlich Haines an sich!)
5.) Silvertrail und Keno Hill (trotz aller Widrigkeiten)
6.) Anchorage und Beluga Point
7.) Russian River
8.) Fahrt nach Valdez
9.) Worthington Glacier
10.) Seward inkl. Schifffahrt

Viel Vergnügen beim selber Ausprobieren!