Unsere Website verwendet Cookies. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

      Cookies löschen

Westkanadas Wildnis Westkanada - Kanada Wohnmobil und Alamo Kanada

Reisebericht Inge Drexel
3 Wochen in Kanadas Westen
Mietwagenreise

Kanada stand schon so lange auf unserer Reisewunschliste und am 22. August 2015 war es endlich soweit.

Aber eigentlich hat die Reise ja schon viel früher angefangen, zumindest im Kopf. Wohnmobil oder Auto? Exkursionen buchen oder nicht? Wo soll es überall hingehen? Eigentlich reicht die Zeit gar nicht für all das, was wir gerne machen wollen. Am Ende wird es die etwas abgeänderte Rundreise namens "Bärenzeit" von Vancouver nach Calgary mit dem PKW. Hier nochmal ein herzliches Dankeschön für die viele Geduld und die gute Beratung von SK!

In Frankfurt geht es erstmal gut los: Der Flug hat 3 Stunden Verspätung und als wir dann endlich in Vancouver angekommen sind, geht es ab zum Autoverleiher. Inzwischen ist es mitten in der Nacht und man vertröstet uns, dass es nicht mehr lange dauern würde; aber jetzt sei der Mietwagen noch nicht da. Dann endlich, da sind die Schlüssel und ein kostenloses Update. Als wir das Riesenschiff sehen, geht es sofort zurück zum Schalter: "Den wollen wir nicht!" Und wieder endlose Diskussionen, bis wir dann endlich ein passendes Auto bekommen.

Mitten in der Nacht, total übermüdet, geht es dann zur ersten Unterkunft in Vancouver: Das Ashby House B&B bei Mary Anne und Robin. Ein Brief mit Beschreibung, wo wir parken sollen und welches unser Zimmer ist, empfängt uns. Ein uriges Häuschen mitten in Vancouver. Auf dem Weg zum Parkplatz begegnet uns auch gleich ein Stinktier - lieber Abstand halten. Gestärkt von einer herzlichen Begrüßung und einem tollen Frühstück mit viel leckerem Obst, startet am nächsten morgen die Stadterkundung: Ein Spaziergang durch die Stadt und zum Stanley Park. Diese Mischung aus Stadt und unglaublicher Natur ist schon umwerfend: Riesige Bürotürme, dazwischen kleine Häuschen, Hausboote, das Meer und da strecken auch noch ein paar Seehunde den Kopf aus dem Wasser. Der Stanley Park mit seinen tollen Bäumen und den vielen Totempfählen runden einen gelungenen Tag ab. Auch den nächsten Tag verbringen wir nochmal in Vancouver und schließen den Tag mit einem Spaziergang nach Granville Island ab. Und lassen uns abends auf dem Balkon des Ashby Houses, das auf jeden Fall auf der Highlight Liste unserer Unterkünfte steht, Pizza und Bier schmecken.

Am nächsten Tag geht es mit der Fähre nach Vancouver Island (Tsawwassen - Swartz Bay). Auch wenn der Wind pfeift - die Überfahrt ist einfach schön. Dann erst mal ankommen im Oak Bay Guesthouse in Victoria, im Garten relaxen und dann noch ein schöner Abendspaziergang entlang der Oak Bay, anschliessend ein gemütliches Abendessen. Am nächsten Morgen heisst es früh aufstehen, das leckere Frühstück verspeisen. Muffins zum Mitnehmen werden auch noch extra gebracht. Und dann auf zur Orca-Beobachtungsexkursion, die in Downtown in Victoria startet. Erst mal richtig warm und wasserdicht einpacken, es ist ganz schön kalt und die Sonne will nicht so recht rauskommen. Im Zodiac fahren wir vorbei an Robben- und Seevögelkolonien, bis es dann endlich soweit ist und der erste Schwertwal auftaucht. Das mit dem fotografieren auf dem wackeligen Boot ist so eine Sache und ja da hab ich die Fluke beim Abtauchen auf das Foto gebannt. Aber eigentlich ist es viel schöner, sich zurück zu lehnen und zu genießen. Zurück in Victoria stärken wir uns, bevor es zur Stadtbesichtigung weiter geht. Es sind viele Touristen unterwegs, aber trotzdem hat uns die Stadt sehr gut gefallen. Das Wetter ist inzwischen herrlich, also wollen wir nicht ins Royal British Columbia Museum, auch wenn der Reiseführer es explizit auch für Museumsmuffel wie uns empfiehlt. Der Park außen herum mit seinen Totempfählen und dem 1852 erbauten Helmcken House macht viel mehr Spaß. Entlang des Scenic Marine Drive geht es zurück zur Unterkunft. Unterwegs begegnen uns noch zwei Waschbären - süß, aber bis ich die Kamera ausgepackt habe, sind sie bereits in den Vorgärten verschwunden.

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Ucluelet, erst über den Malahat Summit (356m) mit schönem Blick und dann ein Bummel durch Duncan mit seinen vielen Totempfählen. Der nächste Abstecher führt uns von der 4A zum Englishman River Falls Provincial Park. Nach einem kurzen Spaziergang zur Brücke und der Badebucht machen wir uns wieder auf den Weg. Vorbei am Cameron Lake genießen wir die tolle Fahrt ins Tal hinunter in Richtung Pacific Rim NP. In Ucluelet, am Majestic Ocean Bed & Breakfast angekommen, richten wir uns ein und gehen uns schon mal zur am nächsten Morgen stattfindenden Schwarzbären Bärenbeobachtungstour anmelden. Direkt ein paar Meter weiter bei Hank's lassen wir uns riesige Portionen und leckeres Bier schmecken. Die Tour startet mitten in der Nacht um 6:30h bei eisiger Kälte und strömendem Regen. Wir sind gut eingepackt, müssen aber feststellen, dass wir dringend auch noch eine wasserdichte Hülle für unsere Kamera brauchen. Es dauert nämlich nicht lange, bis an den Ufern des Barkley Sound die ersten Schwarzbären auftauchen und in aller Ruhe Steine hin und her drehen, um sich die darunter befindlichen Krabben schmecken zu lassen. Und da taucht auch noch eine Bärin mit ihrem Jungen auf. Für unsere wasserdichte Kamera ist die Entfernung einfach zu groß und die Lichtverhältnisse zu schlecht. Aber die Erinnerung bleibt auch ohne Fotos.

Zurück an Land stärken wir uns erstmal mit einem kräftigen Frühstück und da der Regen nachgelassen hat, wandern wir den Lighthouse Loop des Wild Pacific Trail entlang. Entspannung im Whirlpool des B+B mit Blick über den Sound bildet einen tollen Abschluss für den Tag. Allein für diesen tollen Whirlpool hat auch das Majestic Ocean B & B einen Platz auf der Highlight Liste unserer Unterkünfte verdient. Auch am nächsten Tag meint es der Wettergott nicht allzu gut mit uns und der eigentlich geplante Besuch im Pacific Rim NP und Tofino fällt wegen strömenden Regen aus. Wir machen uns also direkt auf den Weg Richtung Campbell River und erleben dabei noch einen heftigen Sturm auf der alten Küstenstrasse 19A (Ocean Side Route). Mit plötzlicher Dunkelheit und fliegenden Ästen, nur um kurz darauf schon wieder bei tollstem Sonnenschein eine Pause einlegen zu können.

Auch als wir abends in Campbell River am Discovery Pier ankommen, sieht es eher nach Weltuntergangsstimmung aus und trotzdem kann man noch ein paar tapfere Lachsfischer beobachten. An der Painter's Lodge angekommen haben wir bei diesem Wetter keine Lust zum Restaurant auf Quadra Island überzusetzen und lassen uns stattdessen die Mighty Burger bei McDonalds schmecken. In Deutschland kann man mich mit den Burgern weit jagen, aber die waren echt lecker. Zum ersten Mal ist bei unserer Unterkunft kein Frühstück inklusive und so haben wir die Gelegenheit, mal ein echt typisch amerikanisches Frühstück bei Ricky's zu erleben. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg Richtung Telegraph Cove, und da der Regen kurzzeitig mal nachlässt, machen wir einen Spaziergang zu den Elk Falls und der neuen Suspension Bridge. Bevor wir unsere Unterkunft in Port Hardy ansteuern machen wir einen Zwischenstopp in Telegraph Cove und melden uns schon mal für die morgen anstehende Tour an.

Im Ocean Storm B&B angekommen regnet es in Strömen und wir können die Umgebung nicht besichtigen. Dafür gibt es bei Michele und Dave dem Lumberjack aber spannende Geschichten über Bären. An Herzlichkeit kaum zu überbieten, allerdings war Michele ganz enttäuscht, dass sie uns "nur" Frühstück zum Mitnehmen machen konnte, da es am nächsten Morgen mal wieder mitten in der Nacht los ging. Die Sonne ist noch kaum aufgegangen, da starten wir (mal wieder gut wasserdicht eingepackt) unsere Rainforest Grizzly Expedition. Mit dem Motorboot starten wir zu den Regenwald-Fjorden durch die Inselwelt des Knight Inlets, lassen uns unterwegs von Delphinen und Orcas begleiten und auch ein seltsamer Vogel, der sich wohl verirrt hat, ist zu beobachten. Dann steigen wir bei Glendale Cove auf ganz flache Boote um, die teilweise sogar von den Guides durch das Wasser gezogen werden. Und es dauerte nicht lange, da sehen wir auch schon den ersten Grizzly. Gut getarnt steht er am Ufer und lässt sich überhaupt nicht beim Steine rollen und Krabben verspeisen von uns stören. Im Laufe des Tages sehen wir noch einige Grizzlies und Seeadler. Trotz des strömenden Regens ist es ein tolles Erlebnis.

Nach einem weiteren netten Abend bei Michele und Dave geht es am nächsten Morgen noch früher los, um die Fähre entlang der Inside Passage zu nehmen. Eine 16-stündige Fahrt vorbei an zerklüfteten Fjorden und tollen Berglandschaften. Allerdings haben wir auch heute wieder viel Regen und Nebel. Trotzdem macht die Passage Spaß und es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen, wie beeindruckend das alles bei Sonnenschein wäre. Um 22:30 Uhr legt die Fähre in Prince Rupert an und wir machen uns auf die Suche nach dem Tall Trees B&B und wollen dann nur noch schnell ins Bett. Auf unserer Weiterfahrt nach Stewart ist es immer noch bewölkt, aber der Regen hat aufgehört und plötzlich taucht direkt vor uns an der Strasse ein Braunbär auf. Ein paar Kilometer später entdecken wir den nächsten, der gemütlich am Strassenrand Beeren verspeist. Da sind wir ja viel näher dran als bei unseren Expeditionen! Als dann noch die Gletscher auftauchen, können wir nur sagen: eine tolle Fahrt. In Stewart, im Ripley Creek Inn, angekommen, sind wir sofort fasziniert von dem einzigartigem Charme. Unser Zimmer liegt im "Crows Landing" und außen herum ist alles ein wildes Sammelsurium an altertümlichen Landwirtschaftlichen Geräten, Kettenfahrzeugen und, und, und. Auch der ganze Ort, umgeben von den Bergen, versprüht einen eigenwilligen Charme und man fühlt sich in die Pionierzeit zurück versetzt. Spätestens beim Frühstück im Toaster Museum ist man sicher, dass man in einer anderen Zeit gelandet ist.

Dann geht es den Portlandkanal entlang über die Grenze nach Hyder, Alaska. Der Grenzübergang ist sicher einmalig und wenn wir schon in Hyder dachten in einer anderen Welt gelandet zu sein, fühlt man sich hier wie am Ende der Welt, aber mit Post Office. An der Fish Creek Wildlife Site angekommen, sehen wir zwar keine Bären beim Lachsfang, dafür aber um so mehr Lachse und Vögel, die sich den Bauch voll schlagen. Auch die ganze Anlage ist schön gemacht; mit vielen Informationstafeln. Dann machen wir uns an die Auffahrt zum Salmon Glacier und da sitzt doch tatsächlich wieder ein Braunbär vor uns an der Strasse. Das Wetter zeigt sich inzwischen von seiner besten Seite und die Auffahrt zum Gletscher ist einfach nur bombastisch, wir können uns gar nicht satt sehen. Danach fahren wir noch ein Stückchen weiter das alte Minengelände entlang und dann nochmal zurück zur Fish Creek Wildlife Site - aber wieder keine Bären. Man empfiehlt uns in der Abenddämmerung nochmal wieder zu kommen.

Bei tollster Abendstimmung geht es nochmal entlang des Portlandkanals und dann in der Abendsonne in Stewart Burger genießen. Und wir fahren tatsächlich nochmal los um unser Glück an der Fish Creek Wildlife Site zu testen. Diesmal ist tatsächlich ein Bär in endloser Entfernung zu sehen, aber auch Unmengen Touristen. Wo kommen die nur alle her?

Bei der Planung hatten wir gezögert, ob wir wirklich den langen Abstecher nach Stewart/Hyder machen sollen, aber es war definitiv die richtige Entscheidung; auch wenn wir keine Bären beim Lachsfang gesehen haben. Die Gegend ist einfach toll.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Smithers über die 37A zurück zum Cassiar Highway. Der Morgennebel lichtet sich so langsam und gibt so nach und nach den Blick auf den Bear Glacier frei. Auch am Provincial Park Campground des Meziadin Lake lässt sich ein schöner Stopp einschieben. Der nächste Abstecher führt uns nach New Hazelton auf die Hängebrücke über den Hagwilget Canyon. Auch der Canyon am Bulkley River mit den traditionellen Anglern bietet sich für eine weitere Rast mit schöner Aussicht an. Im Silvern Lake Trail B+B bei Smithers bleiben wir für eine Nacht. Der Blick auf den Kathlyn Glacier ist herrlich. Nach einem morgendlichen Spaziergang zu den nahe gelegenen Wasserfällen "Twin Falls" machen wir uns auf den Weg Richtung Prince George entlang des Burns- und Fraser Lake. Beeindruckend fanden wir auch die unendlich langen Güterzüge (außer wenn wir gerade einen Bahnübergang passieren wollten).

Abends in Prince George angekommen, beziehen wir unser Quartier im Sandman Signature und fahren noch in den Connaught Hill Park, der einen tollen Panoramablick auf die Stadt bietet. Und schon geht es am nächsten Morgen weiter Richtung Clearwater, vorbei am 108 Mile Lake und den Cariboo Highway entlang. Am Ende geht der Highway so unglaublich steil bergab, dass sogar einige Notausfahrten (Runaway Lanes) eingebaut wurden. Diese letzten 2 Tage waren ein bisschen "Strecke abreissen", aber jetzt haben wir wieder längere Stopps und können die Nationalparks genießen. Die nächsten 2 Tage werden wir in der Kicking Horse Farm bei Clearwater verbringen. Ein Paradies mit Hunden, Katzen, Hühnern, Pferden und einem eigenen, kleinen Häuschen für uns. Als wir am nächsten Morgen zum Frühstückstisch im Farmhaus kommen, fragen wir erstmal, wie viele weitere Gäste denn noch kommen. Liz schaut uns ganz erstaunt an: wir haben doch nur ein Zimmer. Bedeutet also, der voll geladenen Tisch ist nur für uns gedacht? Ja natürlich und der Hauptgang wäre doch noch im Ofen, aber wenn wir nicht alles schaffen, freut sich ihr Mann und dann gibt sie uns auch noch Tüten, damit wir uns Lunchpakete für den Tag einpacken. Es war nicht nur das opulenteste, sondern auch das beste Frühstück unserer Reise.

Den heutigen Tag werden wir im Wells Gray Provincial Park verbringen. Ein schöner Park mit vielen Wasserfällen. Egal ob Spahats, Dawson, Helmcken Falls oder Bailey's Chute; alle sind beeindruckend. Danach besuchen wir noch die gut versteckte Salmon Viewing Plattform am North Thompson River am Yellowhead Hwy. So langsam nähern wir uns dem Höhepunkt unserer Reise: Es geht auf die Rocky Mountains zu Richtung Jasper. Auf halbem Weg machen wir aber noch einen Stopp zur River Safari "Grizzly Bear Valley". Per Jetboat geht es raus auf den Fluss. Und was soll ich sagen, auch diesmal wieder in strömendem Regen, aber dafür können wir wieder einige Bären am Ufer beobachten. Wetter technisch war bei unseren Bärenexkursionen ja so ein bisschen der Wurm drin, aber dafür haben wir auch jedes mal ganz schön viele Bären beobachten können. Wir hatten uns dieses Mal entschieden, sogar die Exkursionen vorab zu buchen und das hat so seine Vor-und Nachteile: Einige der Touren hätten wir wahrscheinlich wegen des schlechten Wetters ausfallen lassen, aber andererseits haben wir auch im strömendem Regen eine ganze Menge gesehen. Und nicht zu vergessen, dass uns in Ucluelet sogar Leute begegnet sind, die auf der verzweifelten Suche nach Exkursionen waren, die nicht ausgebucht sind.

Jetzt aber weiter nach Jasper, vorbei am Mount Robson, der sich allerdings in den Wolken versteckt. Nachdem wir unser Quartier im Alpine Log House B&B bezogen haben, gab es noch einen Abendspaziergang durch Jasper. Anders als bei unseren anderen Unterkünften, hatten wir hier eine riesige, gut ausgestattete Küche zur Verfügung und konnten uns Frühstück und Abendessen selber zubereiten. Das war auch mal nett zur Abwechslung. Am nächsten Morgen geht es dann auf unsere letzte bereits gebuchte Exkursion: Athabasca River Raft. Eine Schlauchbootfahrt auf dem Athabasca River, die uns bei nur ganz leichtem Regen ganz beschaulich den Fluss entlang schaukelt (mit Rafting hatte das allerdings bis auf eine kleine Strömung wenig zu tun). Wer drauf steht, kann sich noch ein von der Brücke über den Athabasca River geschossenes Foto als Erinnerung kaufen. Ansonsten machen wir heute mal einen ruhigen Tag mit wenig Programm.

Am nächsten Tag fahren wir zum Maligne Canyon und weiter zum Maligne Lake mit einer kleiner Wanderung (Mary Schaeffer Loop Trail). Zurück gibt es nochmal einen Stopp am anderen Ende des Maligne Canyon. Eine herrlicher Spaziergang durch die Kalksteinschlucht mit vielen Brücken über den tiefen Canyon. Da das Wetter immer schöner wird, fahren wir noch zum Mount Edith Cavell hinauf und schlendern den Path of the Glacier Trail entlang. Das Getöse, wenn Schneebretter sich aus dem Gletscher lösen und abstürzen ist echt beeindruckend. Und wir haben immer noch nicht genug für heute und fahren noch hinauf zur Jasper Sky Tram. Für eine Fahrt ist es zwar schon zu spät, aber die Aussicht auf Jasper ist auch von der Talstation wirklich sehenswert. Beim Rückweg sichten wir auch noch kurz vor Jasper Wapitis, die sogar genau vor einer entsprechenden Tafel mit einer Erläuterung über Wapitis gemütlich grasen.

Eigentlich hatten wir ja einen langen und erlebnisreichen Tag, aber jetzt kommt auch noch eine SMS von einem Arbeitskollegen, der gerade auf dem Whistlers Campground eingetroffen ist. Ja, klar, dann halt nochmal los und wir verbringen einen schönen Abend am Lagerfeuer. Als Nicht-Camper ist das auch mal eine schöne Abwechslung, aber nachts wird es doch schon ganz schön kalt und ich freue mich auf unser warmes Zimmer. Die Tage in Jasper haben uns wirklich sehr gut gefallen und wir hätten hier auch noch ein paar Tage länger verbringen können. Schweren Herzens machen wir uns am nächsten Morgen auf Richtung Lake Louise. Aber diesmal hat es der Wettergott wirklich gut mit uns gemeint: Bei wolkenlosem, strahlend blauem Himmel fahren wir den Icefields Parkway entlang. Das Panorama ist beeindruckend. Ein Abstecher zu den Athabasca Falls ist auch ein Muss. Je weiter wir fahren, desto voller wird es und kurz vor dem Athabasca Glacier stehen wir doch tatsächlich im Stau.

Am Icefields Centre genießen wir den Ausblick auf den Athabasca Glacier, fahren aber wegen der vielen Touristen schnell weiter. Es gibt genügend schöne Plätze, wo man nicht halb tot getrampelt wird. Über den Sunwapta Pass geht es in grandioser Abfahrt ins Tal des North Saskatchewan mit der Weeping Wall. Am Mistaya Canyon ein kurzer Spaziergang und weiter entlang der Lower und Upper Waterfowl Lakes. Man kann sich wirklich nicht satt sehen an diesem Panorama. Ein weiterer Höhepunkt dann der Bow Summit mit dem Peyto Lake Viewpoint. Aber auch hier werden gerade Busladungen voll Touristen ausgespuckt. Der Blick ist toll und klar ist auch, dass so schöne Plätze nie einsam sind, aber so eine Menschenmenge schränkt den Genuss doch leider etwas ein. Angekommen in der Mountaineer Lodge in der Nähe von Lake Louise wollen wir nur noch in Ruhe zu Abend essen und den grandiosen Tag Revue passieren lassen. Viel Auswahl gibt es nicht in diesem Ort, der eher eine Straßenkreuzung ist.

Unsere Erwartungen an die mit Abstand teuerste Lodge unserer Reise waren ja nicht allzu hoch, aber Frühstück und Frühstücksraum grenzten schon an eine Zumutung. Preis Leistung stimmt hier überhaupt nicht, allerdings fanden wir die Lage bei Lake Louise für Abstecher in den Yoho und Kootenay National Park klasse. Und ich glaube in dieser Gegend fehlen einfach die Alternativen. Wenn ich also irgendwann nach Kanada auswandern will, dann eröffne ich hier eine nette Unterkunft. Nach dem misslungenen Frühstück wollen wir zuerst zum Moraine Lake, aber dort ist schon die Zufahrt wegen Überfüllung gesperrt und man darf höchstens mit dem Bus hin fahren. Nee, lieber nicht. Wir steuern Richtung Lake Louise, drehen aber sofort wieder um als wir die Menschenmassen sehen. Dann doch lieber Richtung Yoho National Park.
Unterwegs bewundern wir die Spiral Tunnels, an denen auch gerade ein Zug entlang fährt. Dann geht es zu einem Spaziergang zu den Takakkaw Falls. Die Natural Bridge an der Zufahrt zum Emerald Lake darf natürlich auch nicht fehlen. Am Emerald Lake angekommen, sind hier zwar auch viele Touristen unterwegs, aber diese Ruhe, die der See ausstrahlt, lässt einen das schnell vergessen.

Danach fahren wir auf dem alten "Bow Valley Parkway 1A" Richtung Banff. Die Strecke schlängelt sich wunderschön entlang des Bow Rivers und die Farbenpracht der Bäume und Sträucher ist eine wahre Freude. Angekommen in Banff werden wir wieder von Menschenmassen erschlagen und nach einer halben Stunde im Stau ergreifen wir die Flucht. Wie gut, dass wir hier kein Quartier bezogen haben. Zurück geht es dann den neuen Highway 1 entlang. Das geht natürlich viel schneller, ist aber kein Vergleich zum wunderschönen, alten Highway. Als Besonderheit stechen nur die großen Wildbrücken ins Auge. Es ist fast Abend und wir wollen es nochmal mit dem Moraine Lake versuchen. Es sind immer noch viele Leute da, aber jetzt geht es und die Abendstimmung ist eigentlich ganz schön. Und auch am Lake Louise ist es noch nicht menschenleer, aber jetzt haben wir sie wenigstens beide mal gesehen.

Am nächsten Morgen wählen wir die 93 Richtung Radium Hot Springs und Kootenay National Park. Nachdem uns die letzten Tage mit Bilderbuchwetter verwöhnt haben, sieht es heute ganz anders aus. Je näher wir kommen, umso dunkler wird es. Als wir auf die Regenfront treffen, fahren wir einfach wieder zurück und machen einen schönen Spaziergang am Marble Canyon. Auf der ganzen Strecke sehen wir immer wieder Gebiete mit größeren Waldbrandschäden. Diese Mischung aus abgebranntem und neuen Farben verbreitet eine interessante Stimmung. Man kann jetzt gut nachvollziehen, warum manche Leute behaupten, dass so ein Waldbrand auch positive Seiten habe. Als wir am Parkplatz bei den Paint Pots ankommen, hat uns der Regen wieder eingeholt. Ja ich weiß, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, aber in Regenmontur und wenn man kaum die Hand vor Augen sieht, macht so ein Spaziergang einfach nicht so viel Spaß, also lassen wir ihn ausfallen.

Am nächsten Morgen bricht unser letzter Tag im Konglomerat der Rocky Mountains National Parks an und unser Ziel ist Canmore. Bei Banff fahren wir die Mount Norquay Road hinauf und genießen die Aussicht, einen neuen Versuch ins Zentrum von Banff zu fahren unternehmen wir diesmal erst gar nicht. In Canmore beziehen wir Quartier im Lady MacDonald Inn. Trotz Regen entschliessen wir uns noch einen Ausflug zu machen und fahren den Berg hinauf Richtung Kananaskis Country. So langsam wird aus dem Regen Schneefall, und der wird auch noch immer dichter. Da wir überhaupt nicht abschätzen können, wie heftig der Schnee werden kann, entschliessen wir uns umzudrehen.

Am nächsten morgen begrüßt uns wieder herrlichster Sonnenschein, das Panorama mit den frisch eingeschneiten Bergen ist fantastisch. Eigentlich wollten wir ja heute auf direktem Wege nach Calgary, um dort Zeit für eine Stadtbesichtigung zu haben, aber die Sonne und die Berge strahlen uns an. Erstmal erkundigen, ob wir mit schneefreien Strassen rechnen können, wenn wir nochmal hinauf zu Kananaskis Country fahren. In der Unterkunft wird uns empfohlen, die Tour heute unbedingt nochmal zu machen und dann am besten auch noch über den Highwood Pass zu fahren. Außerdem sei heute morgen schon ein Elchbulle gesichtet worden. Da uns auf dieser Reise bisher noch kein Elch begegnet ist, zögern wir jetzt nicht mehr länger und streichen die Stadtbesichtigung. Und diese Entscheidung war goldrichtig. Die Fahrt wurde ein richtiges Highlight. Bei Sonnenschein durch die frisch eingeschneite Landschaft; einfach fantastisch. An der Stelle, an der angeblich der Elchbulle gesichtet wurde, treffen wir noch andere Fotografen, die auch davon gehört haben. Den Elchbullen können wir aber leider nicht entdecken. Wir genießen die Fahrt. Und da! Wir sehen doch tatsächlich eine Elchkuh. Sie liegt allerdings in einiger Entfernung in aller Ruhe am Waldrand. Kein Bulle, aber immerhin.

Auch die Kananaskis Lakes gefallen uns sehr gut, hier könnte man einige Tage verbringen. Dann taucht, diesmal ganz dicht neben uns, wieder eine Elchkuh mit Baby auf. Schön, was uns der vorletzte Tag unserer Reise noch alles für Eindrücke beschert. Zu guter Letzt nähern wir uns dem Highwood Pass - Kanadas höchster befahrbarer Pass (2206m). Hier liegt Schnee und wir können eine Schneeballschlacht machen.

Nachdem wir den Pass hinunter gefahren sind, ändert sich die Landschaft und wir fahren die Tiefebene Richtung Calgary entlang. Am Inglewood B&B angekommen, erkundigen wir uns, wo wir lecker Essen gehen können und sehen uns noch die schön beleuchtete Skyline von Calgary bei Nacht an. Jetzt ist es soweit, unser letzter Tag bricht an, heute Abend geht der Flieger. Ein paar Stunden haben wir noch, also machen wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Innenstadt. Mit dem Jahrespass von Valinda und Helmut können wir auf den Tower hinauf fahren und die Aussicht über Calgary genießen. Eine wirklich nette Geste, den Gästen einen solchen Jahrespass zur Verfügung zu stellen. Die Fahrt nach oben ist nämlich ganz schön teuer. Danach lassen wir uns einfach durch die Innenstadt treiben und besichtigen noch die Devonian Gardens, eine interessante Mischung aus Einkaufszentrum und tropischem Gartenparadies.

Tja, aber es hilft nichts, wenn wir den Flieger nicht verpassen wollen, müssen wir jetzt los. Es waren tolle 3 Wochen voller neuer Eindrücke und Erlebnissen, Bären und anderen Tieren, gigantischen Landschaften und, und, und. Wenn ich mich im Nachhinein frage, ob ich etwas hätte anders machen sollen. Nein, für uns war das genau die richtige Route für einen ersten Kanada Besuch. Auch das Wohnmobil haben wir nicht vermisst. Wir haben uns in den Unterkünften super wohl gefühlt. Beim nächsten Besuch würde ich sicher die stark frequentierten Top Ziele weglassen und mich mehr auf die kleinen unbekannten National Parks konzentrieren. Die sind mindestens genauso schön, nur nicht so überlaufen. Aber einmal gesehen haben wollte ich Peyto Lake und Partner doch. Und ich bin mir sicher: Wir werden wieder kommen!