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Henrike in Southern Alberta

Tag 1: Ankunft in Calgary

Es sind genau 232 Tage vergangen. 232 Tage, seitdem ich das letzte Mal kanadischen Boden unter den Füßen hatte. 232 Tage Vorfreude auf den nächsten Trip, auf das nächste Abenteuer.

Heute geht es für mich endlich wieder los. Auf mich warten 14 Tage Prärie in Kanada. Ich verbringe fünf Tage in Süd-Alberta. Danach folgt das 'Rendezvous Canada' in Calgary - die wichtigste Messe für den kanadischen Tourismus. Und anschließend geht es für mich noch einmal fünf Tage nach Saskatchewan. Ich freue mich auf unendliche Weiten und bin gespannt, ob nicht vielleicht doch ein Cowgirl in mir steckt. Canada – here I come!

Mein Flug von Münster nach Frankfurt startet pünktlich und bei strahlendem Sonnenschein. Ein ganz anderes Bild zeigt sich allerdings wenige Stunden später am Frankfurter Flughafen. Ich fliege mit der Air Canada direkt von Frankfurt nach Calgary. Leider verzögert sich der Abflug um fast 90 Minuten, da über Frankfurt gerade ein schweres Gewitter hängt. Bin ich froh, wenn ich endlich in der Luft und über den Wolken bin, denn dann weiß ich, dass ich Kanada schon sehr nah bin. Die neun Stunden Flugzeit vergehen unheimlich schnell, ich schlafe einige Stunden und auch das Entertainment-Programm der Air Canada ist wie immer sehr zu empfehlen. Ich muss wohl erwähnen, dass dies mein erster Flug nach Calgary ist und ich beim Landeanflug doch innerlich kleine Freudensprünge mache, als ich die Rocky Mountains am Horizont erblicke. Die Skyline von Calgary und im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Rockies – oh Canada, it is good to be back!

Nach der Landung am neuen Terminal des Airports geht alles recht schnell. Ich muss gar nicht lange auf meinen Koffer warten und auch die Sicherheits- und Passkontrollen durchlaufe ich sehr schnell. Dahinter wartet dann auch schon Martina Schäfer von der deutschen Vertretung von Travel Alberta, mit der ich in den kommenden fünf Tagen durch Southern Alberta reisen werde. Ich möchte an dieser Stelle noch nicht allzu viel vorweg nehmen, aber auf uns wartet ein Trip, der uns an drei von vier Grenzen Albertas bringen wird – ich bin echt gespannt. Doch jetzt geht es erst einmal ins Hotel. Die erste Nacht in Calgary verbringe ich im Hotel Elan an der 17. Straße in Downtown Calgary. Das Hotel ist ein ehemaliges Apartment-Building und wurde erst vor Kurzem zu einem 4-Sterne Hotel ausgebaut. Von außen recht unscheinbar, erwartet mich innen jedoch eine Hotel-Suite mit Balkon. So viel Platz für mich allein – da kann die erste Nacht ja nur gut werden. Es ist allerdings gerade erst früher Abend und um den Jetlag früh zu bekämpfen, entscheide ich mich für einen kleinen Spaziergang über die 17th Street. 17. Straße – klar das ist nicht mehr direkt Downtown Calgary, aber die vielen kleinen Bars, Restaurants und Geschäfte sind gut besucht, an jeder Ecke andere Musik – total klasse! Ich verbringe danach noch ein wenig Zeit auf meinem Balkon mit Blick auf die Stadt und genieße den Sonnenuntergang, bis ich aber letztendlich die Augen nicht mehr offen halten kann. Zeit für’s gemütliche Hotelbett. Gute Nacht, Calgary!

Tag 2: Dinosaur Provincial Park und Medicine Hat

(Frühen) Guten Morgen aus Calgary. Na klar, der Jetlag weckt mich natürlich besonders früh und so wache ich an meinem ersten Morgen schon gegen 04:30 Uhr auf. Es ist noch nicht einmal hell draußen, also entscheide ich mich für ein wenig kanadisches TV und versuche noch die eine oder andere Minute Schlaf zu bekommen. Ich bin froh, dass es für mich direkt um 07:45 Uhr schon weiter in die Prärie geht. Also sitze ich recht wach beim Frühstück und genieße die ersten Pancakes mit Maple Sirup.

Abfahrt. Für mich und meine Reisegruppe geht es am heutigen Tage in Richtung Medicine Hat. Wir verlassen Calgary in unserem Kleinbus in östlicher Richtung und schon bald ist von der Großstadt nichts mehr zu sehen. Prärie, weite Felder und der schier unendliche Horizont. Das typische Trans-Canada-Highway Bild der Prärie-Provinzen. Manch einer mag es als langweilig beschreiben, ich persönlich werde immer von den unglaublichen Weiten begeistert sein.

Das Wetter spielt heute auch mit und gegen Mittag zeigt das Thermometer schon 34°. Damit hätte ich Anfang Mai noch gar nicht gerechnet. Die Klimaanlage im Bus powert ganz schön. Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Dinosaur Provincial Park. Eigentlich ist 'erreichen' das falsche Wort. 'Überrascht werden' trifft es eher. Plötzlich erscheint in der vollkommen flachen Umgebung Albertas das Flusstal des Red Deer Rivers. Der Blick auf die spektakulären Felsformationen, die vor mir liegen, ist unbeschreiblich und auf Fotos schwer wiederzugeben. Willkommen in den Badlands von Alberta! Am Visitor Center treffe ich auf zwei Mitarbeiterinnen von Parks Canada. Sie erzählen mir einiges über den Park. Der Dinosaur Provincial Park ist bekannt als eine der reichsten Fundstellen von Dinosaurierfossilien weltweit. Die Funde werden in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt und auch ich soll die Möglichkeit bekommen, selbst nach diesen zu suchen. Na dann mal los! Dank der Begleitung durch Parks Canada darf ich in den abgesicherten Bereich des Parks und schon nach wenigen Schritten liegen die versteinerten Knochen buchstäblich vor meinen Füßen. Ich brauche gar nicht lange zu suchen. Donna von Parks Canada erklärt mir, dass einen ganz einfachen Trick gibt um zu erkennen, ob es sich tatsächlich um Knochenfunde handelt. Einmal über den Zeigefinger mit der Zunge lecken und auf das Knochenstück halten. Sollte dieses dann am Finger kleben bleiben hat man den Beweis. Na das probiere ich doch direkt mal aus! Finger befeuchten, drauf legen.. . und siehe da, es funktioniert! Donna schaut sich meinen Fund noch einmal genau an und sagt recht beiläufig, dass es sich wohl um ein Stück Hüftknochen handeln muss. Mich begeistert das schon um einiges mehr. Wann findet man schon mal mitten in der Prärie ein Stück Knochen, das hier vielleicht schon ein paar Millionen Jahre liegt! Die Sonne ist an diesem Mittag unheimlich heiß. Da wir unsere Tour durch den Park im eigenen Bus unternehmen, immer wieder der Klimaanlagen-Luft des Busses entsteigen, um uns weitere Funde anzuschauen, werde ich schon bald merken, dass der stetige Temperatur-Wechsel nicht ohne Konsequenzen bleibt. Nach zwei spannenden Stunden ist es an der Zeit, sich weiter auf den Weg östlich in Richtung Medicine Hat zu machen. Mich hat der Dinosaur Provincial Park echt überrascht. Auch ein Campingplatz befindet sich im Park, der somit auf jeden Fall einen Besuch wert ist!

Zum Lunch verlasse ich den Park wieder und fahre in das kleine Örtchen Patricia. Gegessen wird im Patricia Hotel. Unscheinbar von außen. Innen gleicht es einer alten Cowboy-Bar - klasse! Etwas überrascht bin ich jedoch, als mir mein Chicken-Burger roh serviert wird. Das hatte ich so nicht bestellt. Es stellt sich heraus, dass jeder Gast in diesem Restaurant sein Fleisch und sein Brötchen selber am Grill zubereiten darf. Ich finde die Idee klasse, es lockert auf und so hat jeder die Möglichkeit, sein Stück Fleisch nach Belieben zu braten. Lecker und ein recht ulkiger Stop auf dem Weg nach Medicine Hat.

Medicine Hat erreiche ich am frühen Nachmittag. Die Stadt liegt direkt am South Saskatchewan River und auch die Grenze zu Saskatchewan ist nur noch wenige Kilometer (ca.50km) entfernt. Berühmt ist Medicine Hat für seine Erdgasvorkommen, aber auch für den Abbau von Sand und Lehm. Dieser Fakt ist Grundlage für meinen ersten Stop. Ich besuche eine ehemalige Ton- und Ziegelstein-Manufaktur. Die knapp 2-stündige Tour ist interessant, zieht sich jedoch bei den heißen Temperaturen etwas und so freue mich doch auf den nächsten Programmpunkt - Führungen durch zwei Brauereien der Stadt. In Kanada scheint man das Brauen von Bier für sich entdeckt zu haben und immer mehr Micro Breweries schießen aus dem Boden. Ich besuche die 'Medicine Hat Brewering Company' und die 'Hell's Basement Brewery'. Einem kleinen Einblick in die jeweilige Brauerei folgt das Tasting – natürlich der beste Teil! Ich erhalte jeweils Samples und teste mich durch die verschiedenen Biersorten. Toll und bei den Außentemperaturen sehr erfrischend. Ein super Abschluss des ersten Tages in Southern Alberta. Übernachtet wird im Medicine Hat Lodge Resort. Die Zimmer sind ordentlich und sehr geräumig. Allerdings befindet sich inmitten des Hotels ein Schwimmbad mit riesiger Wasserrutsche und der ständige Chlorgeruch stört mich doch ein wenig. Erschöpft vom Tag und dank des Jetlags schlafe ich jedoch schon, bevor mein Gesicht das gemütliche Kissen überhaupt erreicht – Gute Nacht, Alberta!