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FRANZIS 6 MONATE KANADA: Das Praktikum ihres Lebens

Franzi in Kanada auf Tour: Tag 69
La Reata Ranch & Reesor Ranch

Verrückt! Schon wieder geht ein Kapitel meiner Praktikumsreise zu Ende. Ich liege morgens im Bett meiner Cabin und stelle erneut fest, wie schnell die Zeit voranschreitet, wenn man viele, viele ereignisreiche Momente erlebt. Zum Abschluss meines Aufenthalts auf der La Reata Ranch besuche ich ein letztes Mal die Pferde. Sie stehen oberhalb des Cookshack auf einem Hügel und wirken tiefenentspannt. Es sieht beinahe so aus, als würden sie die Aussicht genießen. Naja wer weiß, vielleicht machen sie ja genau das! George und ich ziehen noch ein gemeinsames Fazit der letzten Tage, bevor ich mich in meinem Mietwagen wieder auf die Schotterstraße begebe. Insgesamt habe ich eine schöne und sehr abwechslungsreiche Zeit hier am Lake Diefenbaker verbracht. Ich habe mich rundum wohl gefühlt auf der La Reata Ranch und viele neue Eindrücke dazugewonnen. Besonders das Gefühl, auf dem Pferderücken die endlose Weite der Prärie zu erkunden, hat sich mit Nachdruck in meinen Erinnerungsspeicher eingeprägt.

Über den Highway 1, der auch unter dem Namen Trans-Canada Highway bekannt ist, gelange ich zu meinem nächsten Ziel, der Historic Reesor Ranch. Hier in der Cypress Hills Region erwarten mich Theresa und Scott. Sie empfangen mich sehr herzlich und heißen mich auf ihrem wunderschönen Anwesen willkommen. Die Guest Ranch trägt nicht umsonst den Zusatz "Historic", denn sie weist eine lange Tradition und eine sehr interessante Familiengeschichte auf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich darüber in den kommenden Tagen noch einiges erfahren werde. Ich freu mich drauf! Nach meiner Ankunft werde ich sofort mit eingespannt und helfe Wrangler Deborah bei der Durchführung eines der Reitangebote namens "Training for Trails". Optimal, so kann ich mich direkt nützlich machen! Von den über 20 Pferden, die zur Herde der Reesor Ranch gehören, suchen wir uns fünf heraus, die Deborah unter den Gästen aufteilt. Beim "Training for Trails" geht es darum, die ersten Schritte im Umgang mit dem Pferd zu erlernen und anschließend eine Reiteinheit zu absolvieren. Die Kids haben viel Spaß beim Putzen und Betüddeln der Pferde. Auch anschließend beim Reiten geben die Teilnehmer eine super Figur ab. Manche von ihnen sitzen zum ersten Mal auf dem Pferd und scheinen es sichtlich zu genießen. Ich bin beeindruckt von den Vierbeinern! Sie sind brav und scheinen genau zu wissen, dass sie mit einem blutigen Anfänger auf ihrem Rücken vorsichtig umgehen müssen. So wird die Reiteinheit für alle Beteiligten zum unvergesslichen Erlebnis. Es ist schön, das Lächeln in den Gesichtern der Teilnehmer zu beobachten!

Die Pferde sind versorgt und starten ihren Weg in Richtung riesig wirkende Weidefläche. An Platz für die Tiere mangelt es hier definitiv nicht. Auch Deborah zielt dem wohlverdienten Feierabend entgegen und ich schließe mich doch glatt mal an! Wir stauben noch ein leckeres Abendessen ab und unterhalten uns dabei über was wohl? Pferde natürlich! Gerade kennengelernt steigt auch Wrangler Deanna mit ins Thema ein. Ich merke mal wieder wie einfach es doch ist, Menschen näher kennenzulernen, wenn man die gleichen Interessen teilt. Optimal! Gemeinsam mit Deanna wohne ich die nächsten Tage in einer Cabin mit direkter Sicht auf die Weidefläche. Ich richte mich flott ein und falle dann zufrieden und geschafft ins Bettchen. Gute Nacht!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 70
Cypress Hills Interprovincial Park

Dank der Organisation von Tourism Saskatchewan habe ich heute die Gelegenheit, mich in der Region rund um Maple Creek umzusehen. Mein Tag beginnt mit einer Yoga Einheit im Grotto Gardens. Dabei handelt es sich nicht um normales Yoga, sondern um Goat Yoga. Was ein Spaß! Die Ziegen laufen frei herum und spazieren unter einem durch, über einen und neben einem her. Dabei fordern sie auch hin und wieder mal eine Streicheleinheit ein. Ich hätte nicht gedacht, dass es funktioniert, aber mit den Ziegen um mich herum, vergesse ich ganz schnell alles andere, das so in meinem Kopf herum schwirrt. Ich kann mich voll und ganz auf das Erlebnis einlassen und für einen Moment super gut entspannen. Die ein oder andere Yoga-Übung verpasse ich zwar, weil ich mit der Konzentration eher bei den Ziegen bin, aber den Großteil der Einheit mache ich fleißig mit. Wenn ich mich so umschaue, sollte ich dringend mal was für meine Beweglichkeit tun. Naja sagen wir es mal so... Meine Bewegungsausführungen sind noch ausbaufähig! Ich werde in jedem Fall nie wieder Witze über Yoga machen. Es ist ganz schön anstrengend! Durchgeführt von Yogalehrern des lokalen Sun Dog Yoga Studios ist das Goat Yoga eine coole Idee und mal was ganz anderes. Die Stimmung während des Kurses ist sehr angenehm. Alle wirken zufrieden und fröhlich. So starte ich jetzt entspannt und mit aufgetankter Energie weiter in den Tag.

Nach einem Lunchstopp in Maple Creek führt mich mein nächstes Abenteuer in den Cypress Hills Interprovincial Park. Bei Treeosix stehen die Guides Ariel und Winston schon hoch motiviert bereit für eine Zipline Tour durch den Wald. Manager Jori nimmt mich freundlich in Empfang und begleitet mich zu meiner Abenteurergruppe. Mit sieben weiteren Besuchern geht es für mich gleich rauf auf etwa zehn Meter Höhe. Insgesamt sechs Ziplines warten auf uns. Mal schneller, mal langsamer, mal länger und mal kürzer, von allem ist etwas dabei. Nervös bin ich nicht, aber positive Aufregung spüre ich schon in mir. Da ich keine Probleme mit Höhe habe, probiere ich von Zipline zu Zipline neue Körperpositionen aus. Letztendlich ermutigt Guide Winston mich, es mal kopfüber zu versuchen. Er gibt mir noch letzte Tipps und Instruktionen und dann geht's auch schon los. Juhuu, es ist gar nicht so schwierig und macht dabei auch noch riesig Spaß! Während des Abenteuers beobachte ich wie unterschiedlich die Gruppenmitglieder gestrickt sind. Besonders Aktionen, die dazu auffordern, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten, bringen schnell den Charakter der Menschen zum Vorschein. So muss sich der eine stark überwinden, überhaupt auf die Zipline zu gehen und ein anderer ist eher draufgängerisch und handelt einfach, ohne groß nachzudenken. Das Schöne daran ist, dass jeder selbst entscheiden kann was er ausprobieren möchte und was nicht. Die beiden Guides sind dabei sehr einfühlsam und stellen sicher, dass sich alle Gäste zu jeder Zeit wohl fühlen. Trotzdem versuchen sie aber die Teilnehmer zu ermutigen, einen Schritt über ihre Komfortzone hinaus zu gehen. Denn meist wird das Erlebnis genau dann zu etwas ganz Besonderem! Am Ende der Tour lassen die Gesichter definitiv darauf schließen, dass es für jeden individuell eine beeindruckende Erfahrung war.

Ich genieße im Anschluss an den ereignisreichen Tag noch ein wenig die Sonne am Loch Leven. Es ist ein wunderschöner Abend! Wieder zurück auf der Reesor Ranch wartet ein leckeres Essen auf mich. Das Buffet hält eine weit gefächerte Auswahl an leckeren Speisen bereit. Das Fleisch liegt schon auf dem Grill und wird von Scott höchstpersönlich auf die gewünschte Art zubereitet. Ein rundum gelungener Tag!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 71
Dritter Tag auf der Reesor Ranch

Der heutige Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück in der Ranch Hall. Schon das Abendessen gestern hat mich vollends begeistert, da setzt das Frühstücksbuffet dem Gesamtbild nur noch das i-Tüpfelchen obenauf. Die Auswahl ist vielfältig und besteht sowohl aus kalten als auch warmen Speisen. Ich bin gerade mehr als froh, dass ich noch den ein oder anderen Morgen auf der Reesor Ranch verbringe. So bleibt genug Zeit, alles mal genüsslich durchzuprobieren. Jummy, Theresa fährt hier ganz schön was auf! Während ich gemeinsam mit den Gästen die morgendliche Stärkung genieße, nimmt Scott seinen Platz in der Ranch Hall ein. Traditionell sorgt er morgens und abends für die passende Atmosphäre, indem er Geschichten vom Ranchleben seiner Vorfahren erzählt oder Cowboy Gedichte vorträgt. Ein kleines, aber feines Detail, das die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Familie Reesor widerspiegelt.

Laut Plan sollte heute Vormittag eine Gruppe zum Pony-Reiten kommen. Sie haben aber spontan abgesagt, also geselle ich mich zu Deanna und Deborah, um die Pferde zu checken. Aus der großen Herde sucht sich Deborah ein Pferd namens Blacky heraus und bringt sie in den Round-Pen. Bei der sogenannten Bodenarbeit kommunizieren Mensch und Pferd via Körpersprache. Sendet der Mensch die korrekten Signale und nimmt das Pferd diese an, hilft die Bodenarbeit dabei, die Beziehung zwischen beiden zu stärken und den gewünschten grad an Respekt füreinander aufzubauen. Ich beobachte Deborahs Vorgehen vom Rand des Round-Pen aus. Überaus interessant!

Ich werfe einen Blick auf meine Uhr und bin ein wenig überrascht. Die Zeit ist nur so verflogen! Wir bringen Blacky zurück zur Herde und essen noch schnell einen kleinen Snack, bevor es wieder zurück zu den Pferden geht. Herzlich empfange ich gemeinsam mit Deborah drei Gäste und im Anschluss bereiten wir Schritt für Schritt mit ihnen die Pferde für einen Ausritt vor. Mein Partner ist für die nächsten zwei Stunden der Schecke Pablo. Am Anfang haben wir leichte Kommunikationsprobleme, aber nachdem das ausdiskutiert ist, funktionieren wir hervorragend als Team. Deborah überlässt mir die Tete und sorgt vom Ende der Gruppe aus für Wohlbefinden bei allen Beteiligten. Hintereinander her reiten wir eine schöne große Runde durch die Landschaft rund um die Ranch. Die Pferde machen ihren Job sehr vorbildlich. Obwohl die drei Gäste entweder noch nie oder vielleicht ein- oder zweimal auf dem Pferd gesessen haben, fühlen sie sich wohl und genießen die Tour. Genau so soll es sein! Am ultimativen Aussichtspunkt angekommen, verweilen wir einen Moment und schauen herunter auf das sogenannten Battle Creek Valley. Im Jahr 1873 hat hier eine bedeutende Schlacht zwischen amerikanischen Jägern und den heimischen First Nations stattgefunden. Auch bekannt als Cypress Hills Massacre hat das grausame Ereignis im Anschluss dazu geführt, dass die North-West Mounted Police (NWMP) gegründet wurde und den Standort Fort Walsh einrichtete. Ein wichtiger Teil kanadische Geschichte, der hier vor uns liegt.

Auch auf dem Rückweg zur Ranch genieße ich die Zeit auf dem Pferderücken in vollen Zügen. Es macht Spaß, Pablo zu reiten und mit ihm die Gruppe anzuführen. Als wir Zuhause ankommen, kümmern wir uns als erstes alle gemeinsam um die Pferde. Im Anschluss verabschieden Deborah und ich die vor Begeisterung strahlenden Gäste und gehen hinüber  zur Ranch Hall. Scott und Theresa warten schon mit Snacks und einem Gläschen Wein auf uns. Ganz gemütlich und entspannt lassen wir den heutigen Tag ausklingen.


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 72
Vierter Tag auf der Reesor Ranch

Auf meiner heutigen Erkundungstour über das Gelände der Ranch tauche ich ein wenig tiefer in die Geschichte der Familie Reesor ein. Um 1900 ist Scotts Urgroßvater William David, besser bekannt als W.D., von der Provinz Ontario in Richtung Westen gezogen. Für seine Rinderzucht sah er in der Region Markham, Ontario keine Option zum Wachstum. Der Westen Kanadas lockte zur damaligen Zeit mit endlosen Möglichkeiten und so siedelte sich W.D. gemeinsam mit Frau Alice und ihren vier Söhnen in der Cypress Hills Region an.

Das zur heutigen Reesor Ranch gehörende Ranchhouse ließen W.D. und Alice ursprünglich im Stil der ihnen bekannten Bauten Ostkanadas entwerfen. Gebaut für zwei Familien teilten die beiden sich das Haus mit ihrem Sohn Frank und deren Frau Hazel. Scotts Großeltern führten das Familienunternehmen weiter und übergaben es Jahre später an Sohn Keith. Er wiederum heiratete Helen und wohnte mit seinen Kindern auf der Ranch, bis der mittlerweile groß gewordene Scott in die Fußstapfen von Vater Keith trat. Neben dem Ranchhouse gehörten auch das Roothouse, die Old Log Barn, das Bunkhouse und die Granery zur Ranch. Früher als Schmiede, Kornspeicher und Stallgebäude genutzt, sind die traditionsreichen Gebäude immer noch teil der Ranch, haben allerdings neue Funktionen erhalten. So ist die alte Granery zur Sattelkammer geworden und die Old Log Barn sowie das Bunkhouse dienen der Gästeunterbringung.

Heute sind Scott und Theresa auf der Ranch zuhause und teilen die beeindruckende Familiengeschichte der Reesors mit ihren Gästen. Überall auf dem Anwesen ist die lange Tradition gegenwärtig. Beispielsweise tragen die Zimmer des Haupthauses die Namen der Familienmitglieder und laden dazu ein, sich auf eine kleine Reise durch die Zeit einzulassen. Momentan sind keine Gäste in den Räumen untergebracht und daher habe ich die Möglichkeit, mich in Ruhe umzusehen. Die Möbel sind zum Teil noch im Original erhalten und kreieren in Kombination mit den vielen kleinen Details eine unbeschreiblich authentische Atmosphäre. Es ist ein beeindruckendes Gefühl, zu wissen wie viel Geschichte in diesem Ort steckt.

Am Nachmittag reiten Deanna und ich mit drei Gästen aus. Heute sitze ich auf dem gutmütigen Riesen Tonka. Voller Überzeugung übernimmt er mit mir die Position an der Tete. Ich muss ihn während des Ausritts immer mal wieder bremsen. Bei seinen großen Schritten haben die kleineren Pferde sonst kaum eine Chance hinterher zu kommen. Wenn ich ehrlich bin, bin ich persönlich eigentlich kein Fan von Zugpferden, wie Tonka eins ist. Aber er krempelt meine Sichtweise definitiv um. Die Reesors sind mit Sicherheit überaus froh, diesen Schatz im Stall zu haben.


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 73 und 74
Fünfter und Sechster Tag auf der Reesor Ranch

Beim heutigen Frühstück komme ich mit den beiden schweizer Gästen neben mir ins Gespräch und höre heraus, dass sie gerne eine Wanderung über das Gelände machen möchten. Theresa bringt den beiden Freundinnen das Hiking Trail Booklet mit zahlreichen Informationen über die Ranch und ihre umliegende Region. Als etwas problematisch stellt sich in diesem speziellen Fall die Sprache heraus. Spontan biete ich den beiden an, sie auf ihrer Wanderung zu begleiten, um die wissenswerten Infos zu übersetzen. Die zwei Schweizerinnen sind begeistert von der Idee und stimmen direkt zu. Wir treffen uns am frühen Mittag um die kleine Wanderung zu starten. Das Wetter ist traumhaft, obwohl es beim Spazieren doch recht schnell warm wird. Bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein werde ich mich aber sicherlich nicht beschweren! Ganz im Gegenteil, ich genieße die Wanderung und es bereitet mir Freude, mich mit den Freundinnen über die Ranch und Kanada im Allgemeinen auszutauschen.

Zurück auf dem Gelände der Ranch verabschiede ich mich vorerst von den beiden und gehe zu meiner Cabin. Ich gönne mir ein Eis, bevor ich in die heutige Schreibtischsession starte. Verrückt, jetzt habe ich hier auf der Historic Reesor Ranch auch nur noch zwei volle Tage, bis es zurück nach Calgary geht. Saskatchewan ist die vierte der insgesamt 13 Provinzen und Territorien Kanadas, die ich besuche. Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist jeder Ort den ich bisher erlebt habe, etwas für sich ganz spezielles und besonderes. Um ehrlich zu sein, habe ich ein wenig Angst die vielen einzigartigen Momente und die mit ihnen verlinkten Gefühle nach und nach zu vergessen. Beim Durchsehen meiner Fotos merke ich zum Glück schnell, dass diese Sorge unbegründet bleibt. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper und beim Betrachten einzelner Bilder springt die detaillierte Situation wie aus dem Nichts zurück in meinen Kopf. Ich wünsche mir, dass das für immer so bleibt!

Mein Magen meldet sich am späten Nachmittag und fordert Abendessen ein. Eigentlich muss ich mich noch gedulden, aber ich schaue einfach schon mal auf gut Glück bei Theresa in der Ranch Hall vorbei. Juhuu, ich staube ein Stück Brot ab und helfe dann bei den letzten Vorbereitungen mit. So, das Buffet ist angerichtet und Scott grillt dazu zarte kanadische Rindersteaks. Es duftet fantastisch! Zum Essen gibt Theresa ein Glas regionalen Rotwein der Cypress Hills Winery aus. Optimal, so lässt es sich leben! Obwohl ich schon kugelrund gefuttert bin, finde ich selbstverständlich noch irgendwo Platz für den Nachtisch. Vanilleeis mit jeglichen Toppings nach Wahl geht immer!

Nach der Essenseskalation gestern Abend, gibt es heute für mich zum Frühstück Müsli mit Joghurt und Obst. Passend zu meinem gesunden Frühstück kommt Scott mit einem Arbeitsauftrag auf mich zu. Perfekt, körperliche Betätigung kann bei dem ganzen guten Essen hier auf der Ranch definitiv nicht schaden. Vor einigen Wochen wurden auf dem Gelände der Ranch die Bäume gekürzt und die Hecken geschnitten. Mit dem Truck bringe ich Ladung für Ladung vom Ranchhouse zu einem Sammelpunkt hinten in der Pferdewiese. Die beiden Hunde Dolly und Justice hängen mit mir rum und begleiten mich treu auf meinen Transportwegen. Dabei fahren sie am liebsten im Fahrerhaus mit!

Puh, die Sonne knallt heute besonders und ich komme langsam ins Schwitzen. Noch ein paar Ladungen und dann lege ich eine Mittagspause ein. Ich bin gerade zurück an der Arbeit, da fängt mich Theresa ab und gibt mir für den Nachmittag "Hitze-" frei! Moment mal, hat Theresa nicht die Tage etwas von einem schönen See erzählt? Das wäre doch was bei dem Wetter! Theresa findet die Idee super und verabschiedet mich mit einer ausführlichen Wegbeschreibung zum Elkwater Lake. Nur eine gute halbe Stunde von der Ranch entfernt liegt der wunderschöne See und hat sogar einen Sandstrand. Auch einen kleinen Hafen und zahlreiche Kanus, Kajaks und Paddleboards mache ich ausfindig. Es dauert keine zwei Minuten, da habe ich meine Sachen abgelegt, mein Handtuch ausgebreitet und bin auf dem Weg zum Wasser. Hui, der See ist im ersten Moment kälter als ich erwartet habe. Die Erfrischung tut aber mehr als gut und bereits nach den ersten Zügen im kalten Nass wird es richtig angenehm. Einen Ausflug zum Elkwater Lake würde ich Jedem weiterempfehlen, der sich in der Gegend aufhält!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 75
Siebter Tag auf der Reesor Ranch

Schon um viertel nach sieben treffe ich mich heute mit Theresa, Scott und Schwiegersohn Travis am Haupthaus. Genauer gesagt im Keller des Hauses. Hier füllen die Reesors regelmäßig Wasser aus ihrer Quelle ab, um damit die umliegenden Regionen zu versorgen. Das Wasser ist sehr rein und reichhaltig an Mineralien. Nur eine minimale Filterung ist notwendig, um das Quellwasser als Trinkwasser in den Verkauf zu geben. Travis erklärt mir, dass normalerweise bei der Herstellung von Trinkwasser viele Vorgänge notwendig sind, die dem Wasser als Nebenwirkung die Mineralien entziehen. Grundsätzlich ist das natürlich negativ zu bewerten und deshalb sind die Reesors umso dankbarer, auf das eigene, natürlich gewonnene Wasser zurückgreifen zu können. Wow, das ist interessant und sehr beeindruckend!

Nachdem wir in Zusammenarbeit den Transporter mit Wasserbehältern beladen haben, spaziere ich zur Ranch Hall und schnappe mir mein Frühstück. Mit vollen Energietanks hole ich Verbandsmaterial aus der Cabin und gehe zu einem der Pferde. Ruby hat sich vor mehreren Wochen auf der Weide verletzt und Deanna kümmert sich seither um sie. Das Bein sieht schon wieder richtig gut aus und ist im Vergleich zum ursprünglichen Befund nicht mehr wieder zu erkennen. Ich schmiere Salbe auf die Wunde und verbinde das Ganze anschließend in einem schönen Pink. Top Sache, Auftrag erledigt! Am Nachmittag steht für mich ein weiteres Highlight auf dem Programm. Wenn man eventuell mal vom Ross auf einen PS-stärkeren Untersatz wechseln möchte oder einfach Lust hat, die Cypress Hills Region auf eine ganz andere Art und Weise zu erkunden, hält die Historic Reesor Ranch eine fantastische Option parat. Neuerdings sind geführte ATV-Touren Teil des Angebots der Ranch. Für mich als Stadtkind gehört so ein Quad eher zu den ungewohnten Fortbewegungsmitteln. Umso mehr freue ich mich auf die aufregende Erkundungstour. Ich bekomme einen passenden Helm und Deanna erklärt mir ausführlich wie alles funktioniert. Tip top, dann kann es ja losgehen! Mal davon abgesehen, dass ich noch anfängliche Schwierigkeiten habe, gefühlvoll Gas zu geben, ist das Quad fahren gar nicht so tricky. Ich habe in jedem Fall eine Menge Spaß. Juhuu!

Auf dem Rückweg zur Ranch beobachten Deanna und ich Trucks mit Pferdeanhängern, die über die Schotterstraße näher kommen. Morgen findet der jährliche "Wish Ride" statt, den die Reesor Ranch als Gastgeber beheimatet. Organisiert von der "Child's Wish Foundation" unterstützt das Event kranke Kinder und erfüllt ihnen mit Spenden sowie generierten Einnahmen aus Startgeldern Herzenswünsche. Ich spüre wie meine Augen sich bei dem Gedanken an derartige Schicksalsschläge mit Tränenflüssigkeit füllen. Zum Glück bekomme ich dann noch mal die Kurve und das ist auch gut so. Das Event zielt zwar darauf ab, Bewusstsein für das Thema zu generieren, im Fokus steht aber nicht Mitleid sondern Freude und Verbundenheit. Denn durch die Hilfe von Menschen und die Verbundenheit zu ihren Mitmenschen kann Freude transportiert werden. Und Freude ist glaube ich genau das, was kranke Kinder am meisten brauchen können.

Am Abend ist die Stimmung in der Ranch Hall ausgelassen. Die Vorbereitungen für den morgigen Tag sind soweit abgeschlossen und alle fiebern dem gemeinsamen Ausritt entgegen. Einige Teilnehmer sind schon heute angereist und haben ihre Startunterlagen abgeholt. Morgen Vormittag werden es dann über 40 Reiter sein, die sich samt ihrer vierbeinigen Begleiter für den traditionellen Ausritt treffen. Theresa fiebert diesem Tag schon lange entgegen und ist unglaublich glücklich, den "Wish Ride" gemeinsam mit ihrem Mann Scott und dem Team der Reesor Ranch zum insgesamt sechsten Mal auszurichten. Happy Trails!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 76
Abschied Reesor Ranch

Heute steht wieder einmal ein Abschied an. Leicht fällt es mir nicht, auf Wiedersehen zu sagen. Besonders wenn ich mich wohl fühle und gerade so richtig eingelebt habe. Aber naja, es gehört dazu. Meine Praktikumsreise hält auch schon das nächste Highlight für mich parat. Scott und Theresa haben mich in ihrem Zuhause herzlich aufgenommen. Ich bin dankbar, dass ich auf der Reesor Ranch zu Gast sein durfte. Die beiden sind ein eingespieltes Team und mit ihrer sympathischen Art vermitteln sie bei ihren Gästen hohe Zufriedenheit und gute Stimmung. Meiner Mitbewohnerin Deanna schenke ich zum Abschied noch eine Flasche ihres Lieblingsweins und auch sie bekommt eine feste Umarmung. Wir haben uns super verstanden und viel gelacht die letzten Tage. Die Reesor Ranch ist in jedem Fall ein ansprechendes Urlaubsziel mit langer Tradition und einer interessanten Familiengeschichte. Die Ranch an sich bietet viele Aktivitäten an, durch die unmittelbare Nähe zum Cypress Hills Interprovincial Park erhöht sich die Anzahl an Freizeitbeschäftigungen  nochmals enorm. Langeweile kommt da nicht auf!

Mit dem Mietwagen fahre ich ein letztes Mal über die Schotterstraße bis zum Highway 1. Auf dem Weg begegnet mir noch ein Reh, dem ich selbstverständlich den Vortritt lasse. Nachdem es die Straße überquert hat, fahre ich erneut an und biege nach etwa 20 Kilometern auf den Highway ab, der mich zurück nach Calgary führt. Für eine Nacht bleibe ich erneut bei meinen Freunden Diana und Elfan, die praktischerweise nicht weit vom Flughafen entfernt wohnen. So kann ich morgen ganz entspannt in den Flieger nach Toronto steigen. Auch mein Mitbewohner Zimbo ist noch im Lande und so machen wir uns zu viert einen gemütlichen Abend.


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Reesor Ranch