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Quer durch Kanada im Wohnmobil Teil 2 Ontario - Kanada Wohnmobil und Fraserway

Kanada September 2014

Von Ost bis West


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2014 von SK-Kunde Christian Hans Schwarz




Tag 13/18 - Icefield Parkway - Bow Lake - Paint Pots - Canmore

Um 7:00 Uhr ist Abfahrt Richtung Canmore, den Icefield Parkway hinunter.
Die Bäume sind mittlerweile herbstlich geschmückt hier oben im Norden,
soweit man das bei der Dunkelheit beurteilen kann.
Nach der Parkkontrolle rolle ich mit 70km/h die Straße hinunter.
Links und rechts wechseln sich dichte Baumbestände mit Flüssen und Seen ab.
Die Bergspitzen beginnen hinter mir langsam zu leuchten, und ich sehe wie die Sonne ein paar einzelne Strahlen über die Bergkuppen setzt.
Nach 31 Km ist der erste Stop - Athabasca Falls.
Wenn ich schon da bin, dann sehe ich sie mir doch einmal an.

Es war ganz nett so früh morgens, ein bisschen frische Luft tut ja auch gut und wenn außerdem das Spray von dem Wasser noch ins Gesicht klatscht, wird man erst richtig wach.
Weiter geht es nun immer der aufgehenden Sonne entgegen.

Auf den Sunset Pass verzichte ich heute, da er erstens im Schatten liegt und mir zweitens noch ein wenig die Füße von gestern weh tut.

Dieser Icefield Glacier Skywalk ist doch wirklich ein Witz - wird einfach mitten an der Straße über eine Schlucht (in der nichts ist) so ein Glasquatsch gebaut. Wofür...
- um die Umwelt zu verschandeln !!!
Außerdem lässt man die Leute ca.10 km weiter unten beim Columbia Icefield parken, um sie dann mit Bussen hochzukarren - dafür wird dann extra der normale Verkehr längere Zeit angehalten, was natürlich eine lange Stauschlange verursacht. - Marketing macht's möglich...

Vorbei an schönen Gletschern und dem wunderschönen Saskatchewan River Crossing geht es langsam hoch zum Bow Summit, den ich ja schon auf der Hinfahrt bewundert habe.
10km weiter halte ich am Bow Lake an und schaue mir das tolle Gletscherfeld im Hintergrund genauer an. Deshalb laufe ich ca. eine halbe Stunde an der rechten Seite des Sees entlang bis ich direkt an der Gletscherzunge stehe.

Einen kleinen Abstecher nach British Columbia konnte ich mir nicht verkneifen und habe einen Umweg zu den Paint Pots gemacht, die im Kooteny Park liegen.

Bei den Paint Pots angekommen, mache ich eine kleine Rundwanderung.
Es ist ein richtig schönes Tal, das einiges zu bieten hat wie ich in der Kürze der Zeit sehen konnte.

Am Mittag bin ich dann wieder in Banff angekommen, habe noch ein paar kleine Besorgungen gemacht und fahre dann weiter nach Canmore - auf den etwas überteuerten Campground. Eine große Auswahl habe ich nicht und am Schluss sollte es sich noch herausstellen, dass es ganz gut so war.

Ich bin noch bisschen durchs Städle geschlendert, habe mir am Infocenter noch die Route für morgen geben lassen und es mir dann vor meinem Van gemütlich gemacht.

Nach einer Weile brachte mir meine kanadische Nachbarin einen Teller mit einem Stück Kuchen.So kamen wir ein wenig ins Gespräch und das Ende vom Lied war, dass wir bis morgens am Feuer saßen und meine Klamotten heftig nach Rauch stanken.

Tag 14/19 - Grotto Mountain - 2.686
Schwierigkeitsgrad: leicht / Gelände: offenes Gelände / Dauer: 3-4h

Wie immer starte ich früh in den Tag. Leider habe ich auch heute wieder keine Karte und nur eine kleine Beschreibung von der Route. Der Berg liegt zwar direkt vor der Tür, aber man kann nicht erkennen, wo man entlang laufen muss.

Ich starte also wie beschrieben beim "Alpine Club of Canada" um 7:30 Uhr.
Hier stehe ich gleich vor einem Rätsel - "trail angles up to the right" - ja aber welchen rechts... Also ich entscheide mich für den rechten der drei Pfade, die ich sehe.
Nach 10 min komme ich an die erste Gabelung - nun häufen sich die Gabelungen alle 5 min. Nach einer Stunde habe ich gefühlt 100m Höhe gemacht und bin im Zickzack gelaufen.

Irgendwann wird es mir zu dumm, und ich laufe einfach den Berg hinauf und folge den Ziegenpfaden.

Da ich mir den Berg von unten relativ gut angeschaut habe, bin ich mir sicher, dass man am linken Grat am besten und schnellsten Höhenmeter machen kann.
Dies ist die Wetterseite und es stehen keine Bäume dort, da der Wind zu stark ist.

Nach einer weiteren Stunde bin ich dann also am Rande der Baumgrenze am linken Grad angekommen wo ich auf einen Weg stoße.
Ich klettere immer an dem sehr windigen, aber super beeindruckenden Grat entlang.
Es ist immer wieder faszinierend, wie schön und gefährlich die Berge sein können.

Vor mir erscheint eine große Schlucht, die voll mit Geröll und heruntergebrochenen Felsen ist. Zwei kleine Bäche führen von den Felsplatten tief ins Tal.

Je höher ich komme, umso mehr muss ich ein wenig klettern, nicht schwer und es macht richtig Spaß. Nach einer kurzen Traverse laufe ich unterhalb eines Überhangs entlang.
Plötzlich höre ich Geräusche von vorne oben. Langsam pirsche ich mich nach vorne.
Da steht ein Ziegenbock hoch über mir und schaut mich an. Ein zweiter kommt dazu und mustert mich kritisch.
Vermutlich ist es eine ganze Herde. Ich laufe um den Pfeiler herum und taste mich langsam nach oben, ungefähr 10-14 Tiere stehen auf dem kleinen Vorsprung an der Kante.

Mein Weg führt immer weiter hinauf. Die Erde wird nun steiniger und es wird immer schwieriger zu laufen. Allerdings kein Vergleich zu der Tour auf den Bonhomme in Jasper.

Nach 3 Stunden bin ich dann am ersten Step angekommen. Ein sagenhafter Ausblick erwartet mich heute wieder. Die Berge liegen tief in einem blauen Licht. Man kann nur die Silhouette erkennen. Alles sieht aus wie gemalt - egal in welche Richtung man blickt. Unten im Tal ist ein großes Flussbett mit vielen Seitenarmen zu erkennen und der Golfplatz schimmert in saftigem Grün.

Nach einer weiteren Stunde den Grat entlang und über 4-5 Steps (also kleine falsche Gipfel) gelange ich zum Mount Grotto.

Bergab geht es bekanntlich schneller als bergauf - ein wunderschöner Vormittag neigt sich dem Ende zu. In Canmore habe ich dann noch Wäsche waschen und mich ein bisschen ausgeruht.

Tag 15/20 - Calgary

Das Wetter ist schlecht, als ich aufwache. Dunkle Wolken liegen über dem Tal von Canmore. Ein leichter Wind treibt die Wolken langsam aus dem Norden über den Bergkamm nach Süden in Richtung Kananaski Country. Es fängt leicht an zu regnen.
Ich koche mir einen Kaffee und warte erst einmal ab wie sich das Wetter so entwickelt.

Es wird nicht besser. Ich beschließe nun, doch schon mittags ohne Wanderung weiter nach Calgary zu fahren auf der Strecke der 1A, die ich bis jetzt noch nicht gesehen habe.

Gegen 12 Uhr geht es dann los Richtung Osten auf dem Highway.
Die Hügel werden langsam kleiner und das weite Land öffnet sich.
Auf beiden Seiten erstrecken sich nun große Getreidefelder. Die meisten sind schon abgeerntet und teilweise liegen noch das Stroh oder die Strohballen wahllos verstreut auf den riesigen Feldern. Vereinzelt sind auch noch Kühe auf den eingezäunten Weiden, die auch jetzt im Herbst noch in einem saftigen Grün erstrahlen.

Der Verkehr wird nun dichter und die Reklameschilder am Straßenrand größer und häufiger. Ca. 10m breit und 2-3m hoch stehen die Schilder mitten in der freien Landschaft an den Straßenrändern und weisen auf Produkte oder Dienstleister hin. Marketing ...

In Calgary am Campground West angekommen besuche ich den nahegelegenen Olympiapark von 1998. Auf einem kleinen Hügel am Rande der Stadt stehen Haufen von Scheinwerfern, mehrere Skilifte und Skischanzen, die Bobbahn und andere Gerätschaften. Das wirft die Frage auf, ob es wohl notwendig ist, für jeden Event alles neu zu machen. Das war dann auch mein letzter Tag. Morgen werde ich noch den Van putzen, dann geht es wieder zurück nach Deutschland.

Vielleicht komme ich eines Tages wieder und arbeite einmal eine Wintersaison in Alberta als Skilehrer.