Unsere Website verwendet Cookies. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

      Cookies löschen
×
  • Kanadas Osten erkunden

Kanadas Osten erkunden Ostkanada - Kanada Wohnmobil

Alles begann im September 2014


3 Wochen Neufundland und Nova Scotia


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2015 von SK-Kunde Sabine und Stephan Steege



Wir waren gerade von einer Reise in den Nordwesten der USA ( von SK organisiert ) zurückgekommen. Viele tolle Tierbeobachtungen waren uns gelungen. Nur die Ausbeute an Fotos von Elchen und Weißkopf-Seeadlern war bisher minimal. Also, was tun? Anruf und Mail an Thomas Reichert von SK: Wo können wir Elche und Weißkopf-Seeadler finden? Antwort von Thomas Reichert: Na, in Neufundland, da war ich gerade und habe nirgendwo sonst so viele Elche gesehen. Weißkopf-Seeadler natürlich auch.



Also - gesagt, getan:
Mitte Juli 2015 flogen wir von Frankfurt nach Halifax in Nova Scotia. Nach "kurzem Flug" (die Flüge an die nordamerikanische Westküste, die uns von früheren Reisen noch in guter Erinnerung waren, hatten ja noch einige Stunden länger gedauert) und der Übernahme des Mietautos akklimatisierten wir uns in Nova Scotia und näherten uns Neufundland langsam an.
Die Fährüberfahrt von Sydney (in Nova Scotia) nach Argentia (in Neufundland) war schon ein Höhepunkt. Nach einer ruhigen Nacht in unserer Cabin im 10. Stockwerk der Fähre mit dem klangvollen Namen "Atlantic Vision" waren wir bereit für die Tierwelt von Neufundland. Nach der Ausfahrt aus dem Parkdeck der Fähre fuhren wir zum Cape St. Mary. Eine Rangerin machte eine kurze Einweisung, dann liefen wir zu den Brutfelsen der Basstölpel. Der merkwürdige Name dieser Seevögel passt überhaupt nicht zu ihrem Erscheinungsbild. In der Luft sind sie sehr elegante Segler mit einer weit größeren Spannweite als Möwen. Wir waren nur wenige Meter von ihren Brutplätzen, nur durch eine schmale Schlucht, die sie vor Feinden und Menschen schützt, von ihnen getrennt. Sie segelten an allen Seiten ganz dicht an uns und über uns vorbei. Unsere kleine Wanderung dorthin und zurück zog sich nur über wenige Kilometer, aber sie dauerte fast zwei Stunden, weil wir immer wieder stehen blieben und fotografierten, denn die felsige Küste mit den segelnden Vögeln lud einfach dazu ein, wir konnten und wollten dem nicht widerstehen.


Auch das Wetter spielte mit - hier setzte sich jetzt endgültig die Sonne durch. Wir waren total happy, als wir unsere Fahrt Richtung St. Johns fortsetzten. Ab dem nächsten Tag führte unsere Fahrtroute auf den Transcanada-Highway 1 und quer über die Insel. Abstecher, z.B. an die Nordküste bei Lewisporte zum Beothuk Interpretive Center, wo einige sehr engagierte Rangerinnen liebevoll ein Museum zur Erinnerung an diesen Indianerstamm betreuen, brachten uns spannende Einblicke in diese Insel. Nur - keine Elche! Wo sind die?

Ganz im Westen, in Rocky Harbour, erreichten wir wieder das Meer, den Golf von St. Lorenz. Nun ging unsere Fahrt nach Norden, immer an der Küste entlang zwischen dem Meer auf der einen Seite und den Tablelands auf der anderen – eine grandiose Weite! Die Geschichte der Tablelands ist auch total spannend. Das gelbe Gestein, das die Geologen Periodit nennen, wurde vor 460 Millionen Jahren aus 10 Kilometer Tiefe an die Oberfläche gepresst. An den Bruchstellen ist es schwarz. Es ist so verdichtet, dass sich keinerlei Pflanzen darauf ansiedeln können. Nackt und kahl ragen die Felsen heraus und ziehen durch ihre Einzigartigkeit Geologen aus aller Welt in ihren Bann.


Also: tolle Landschaft, aber - keine Elche! Wo sind die nur?

Wir kommen schließlich in Main Brook an. Die Tuckamore Lodge punktet mit vielen Geweihen, Fellen und anderen Tierpräparaten. Auch die Unterkunft selbst ist sehr niveauvoll, die Betreuung durch das Personal ist exzellent. Aber in unserem "Elchfieber" suchen wir immer wieder nach Spuren. Ob wir wohl hier welche sehen werden?

Abends gehen wir dann auf die Pirsch. Celie, unsere Gastgeberin, hatte gesagt, die größten Chancen hätten wir in der Abenddämmerung, da würden sie aus dem Wald auf die Straße treten. Also fahren wir langsam und vorsichtig die Straße bei der Lodge ab, hin und her, und wieder auf und ab, Kilometer um Kilometer. Nichts - nicht ein einziges größeres Tier zeigt sich. Es wird schon so dunkel, dass wir zweifeln, ob ein Foto in diesem Licht noch etwas werden würde. Da plötzlich - auf der hellen Straße vor uns, noch weit entfernt, nehmen wir plötzlich mehrere dunkle Konturen wahr, die sich bewegen. Schnell fahren wir heran: es sind - nein, keine Elche, sondern Karibus - immerhin. Eine Mutter mit ihrem Kind. Als wir ihnen zu nahe kommen, flüchten vor uns in Fahrtrichtung und dann seitlich in das Unterholz, wo wir sie sofort aus den Augen verlieren. Nun ist plötzlich der Bann gebrochen. Nur wenige Minuten später sehen wir - ELCHE! Eine Mutter mit ihrem Kind steht im Buschwerk, nur vielleicht 10 Meter von uns und der Straße entfernt. Wunderschöne, dunkelbraune Tiere. Ein paar Schnappschüsse mit der Kamera lassen sie zu, dann trollen sie sich. Weitere wenige Minuten später sehen wir noch mehrmals einzelne Elche am Straßenrand. Nur wenn sie sich aus dem Dickicht des Waldes lösen, haben wir überhaupt die Chance, sie zu sehen. Keiner lässt uns aber mehr so dicht heran. Völlig berauscht von diesen Erlebnissen loben wir Thomas Reichert, dass er uns hierhin geschickt hat - bestimmt haben ihm in diesem Moment die Ohren geklingelt…

Am nächsten Tag, auf dem Weg nach St. Anthony, finden wir zwei Horste von Fischadlern am Straßenrand. Sie schimpfen nervös, als wir uns nähern, aber ihre markanten Schreie imponieren uns sehr, und sie lassen sich von uns fotografieren.



In St. Anthony, dem nördlichsten Ort unserer Reise, hält die Tierwelt Neufundlands noch Wale für uns bereit. Auf einem kleinen, stark schwankenden Motorboot nähern wir uns den Stellen, an denen der Bootsführer mit Radar und vielleicht noch anderen modernen Hilfsmitteln Wale geortet hat, und versuchen mit der Kamera den Moment zu erwischen, wenn sie ihren Rücken aus dem Wasser heben. Wer ganz großes Glück hat, fängt die Sekunde ein, wenn ein Wal mit seiner Schwanzflosse winkt (der "Fluke").

So sind ja schließlich doch noch alle unsere Wünsche in Erfüllung gegangen, welche Tiere wir sehen wollten - oder? Ach ja, da war doch noch was… Weißkopf-Seeadler!

Wir fahren entlang des Gros Morne Nationalparks wieder nach Süden. An der "Küste der Stürme" nördlich von Port aux Basques fahren wir bei herrlichstem Sommerwetter von Leuchtturm zu Leuchtturm. Aber Weißkopf-Seeadler finden wir erst, als wir wieder in Nova Scotia sind. In einer kleinen Bucht im Cape Breton Nationalpark und am Bras d Or Lake schweben sie dann majestätisch über uns!

Zu den "tierischen Begegnungen" gehörten natürlich noch mehr Erlebnisse: ein Luchs, der sich versteckt, zum Beispiel, und dann war da noch der Fuchs, der gerade etwas in der Schnauze davontrug: sein Frühstück in einer Tüte der Schnellrestaurantkette "Tim Hortons"!



Zu schnell waren die drei Wochen auf den zwei großen Inseln wieder vorbei, und via Halifax und Frankfurt kamen wir gesund und munter wieder zu Hause an.

Danke SK!