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48 Stunden in Calgarys East Village
Unterwegs im boomenden Viertel
Mai 2019


Text: Henrike Baum und Sina Pfeifer

Heute geht es für uns in die Prärieprovinz. Unser Ziel: Calgary, genauer das East Village. Das boomende Stadtviertel werden wir in den nächsten zwei Tagen unter die Lupe nehmen – und das auf verschiedenste Art und Weise. Dass wir nur zwei Tage hier sind, hat einen ganz bestimmten Grund: Wir wollen es genau so machen wie die meisten unserer Kunden: Ein Kurzaufenthalt in Calgary als Anfang oder Ende einer West-Kanada Reise. Ein bis zwei Tage werden wir testen, welche Unternehmungen sich dafür am besten eignen.

Der erste Morgen beginnt kulinarisch mit den israelisch inspirierten Leckereien der Sidewalk Citizen Bakery. Die Bäckerei ist einer der drei Läden im historischen Simmons Building, das – total praktisch – direkt gegenüber vom Alt Hotel liegt. Für uns gibt´s Kostproben frisch aus dem Ofen: Mandelcrossaints, Scones, Käsestangen… alles absolut köstlich. Der Morgenkaffee kommt von der direkt benachbarten Phil and Sebastian Kaffeerösterei. Den dritten Laden in der ehemaligen Matratzenfabrik, die Charbar, werden wir später noch besuchen.

Jetzt ist erstmal eineErkundungstour angesagt. Als erstes auf Rädern. Wer jetzt an Autos, Busse oder Fahrräder denkt, liegt falsch. Wir nehmen Segways! Jetzt mag manch einer denken, dass die Dinger ein wenig lustig aussehen, lustiger vielleicht sogar noch die Menschen auf dem Segway... Schauen wir mal, wie wir uns so schlagen. Nach einer kleinen Einführung inklusive Sicherheitshinweisen geht es direkt los. Immer entlang des Bow Rivers bekommen wir von unserem Guide eine super Tour und einen ersten Eindruck vom East Village. Und die Fahrt mit den kleinen Geräten macht echt Bock. Der perfekte speedy Einstieg!

Wir haben echt Glück mit dem Wetter – insofern, dass der Starkregen erst einsetzt, als wir vom Segway steigen. Zwar steht als nächstes eine Walking Tour auf dem Programm, aber dafür ist Calgary super gerüstet: Die “+15 Walkways”. Überführungen, die die wichtigsten Gebäude der Stadt miteinander verbinden – genial für Regen- oder Wintertage! Coole Sache. Kommt uns heute sehr zugute, zumal wir dank der Glasfronten trotzdem viel von Downtown Calgary sehen. Von Guide Judy gibt es dazu Insider-Wissen über die Stadt und ihre Entwicklung.

Passend zum Ende der Tour endet auch der Regen. Wir gehen weiter zu Smithbilt Hats, einem Calgary-Urgestein. Hier werden Cowboy-Hüte noch per Hand hergestellt – und zwar fast 10.000 Stück im Jahr. Gerade zur Calgary Stampede im Juli rennen die Cowboys dem Laden quasi die Tür ein! Wie passend, dass direkt nebenan die Ol' Beautiful Brewery liegt. Nach einer kleinen Führung durch die Hutmacherei freuen wir uns auf ein kühles Bierchen. Testen dürfen wir gleich vier verschiedene Sorten – da sagen wir nicht nein! Unser Favorit ist ein „kühles Blondes“ mit leichter Birnen-Note. Und: It’s all open. Ein großes Fenster zeigt den Lagerraum, und die Braukessel sind eigentlich von überall sichtbar. Sehr schön, das sonst so geheimnisumwobene Brauereigewerbe mal offener zu präsentieren. Vielleicht auch „a little hipster“, um die Worte von Besitzer Devon zu benutzen. Da hat er schon Recht. Aber auch das macht das East Village aus, die Kombination aus dem Angesagten mit dem Althergebrachten. Hauptsache authentisch. Und es macht ungelogen echt Spaß, hier am Tresen zu sitzen und „like a local" ein Bierchen zu zischen.

Zwischen Bierflight und Brauereitour ist es Abend geworden. Für uns steht heute noch ein weiteres Must-Visit des East Village auf dem Programm: King Eddy! Noch genauer, der neu renovierte Pub im altehrwürdigen Hotelgebäude. Die fest installierte Bühne ist meist mindestens sechs Tage die Woche in Betrieb – und wir verstehen bald, warum. Welch‘ super Atmosphäre durch super Musik, super Drinks und Essen! Gleich drei Bands bestreiten heute Abend das Programm. Für jeden was dabei, von nachdenklichen Klängen bis hin zu downright Rock-and-Blues Musik. Ein gelungenes Ende für unseren ersten Abend im East Village.

Wie könnte man besser in den Sonntag starten als mit einem dekadenten Brunch? Gar nicht, finden wir, und machen deshalb genau das im River Café. Das Restaurant im Prince's Island Park liegt direkt am Fluss, hat eine schöne Veranda und eine Karte, die genau das Richtige für Brunchliebhaber ist. Neben süßen Sachen wie Brioche French Toast gibt’s viel Herzhaftes. Gut zum Teilen und echt empfehlenswert: Die Fish and Game Plate, eine bunte Mischung aus lokalem Fisch, Fleisch und Gemüse. Yummy. Dazu die Lage auf einer kleinen grünen Insel mitten im Bow River. Das finden natürlich auch die Calgarians cool. Vorreservieren ist hier zumindest am Wochenende absolut nötig, so beliebt ist das River Café. Und das zu recht.

Now back to the East Village, back to music! Nachdem wir gestern schon einen tollen Abend im King Eddy Pub verbracht haben, wollen wir uns heute das National Music Centre im Studio-Bell-Komplex anschauen. Sonntags werden hier Backstage-Touren angeboten, und wir nehmen an der heutigen teil. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen: Besser hätten wir Studio Bell gar nicht erkunden können. Unsere persönlichen Highlights:

(Sina) Gleich zu Beginn der Backstage-Tour stehen wir vor einem einzigartigen Stück Musikgeschichte, dem mobilen Tonstudio der Rolling Stones, in dem zum Beispiel auch der Deep Purple Hit Smoke on the Water entstanden ist. Hammer!

(Henrike) Klarer Favorit: Das Mischpult, an dem schon Freddy Mercury und Queen zusammen ihre Hits produziert haben. Irgendwie liegt hier so viel Kreativität in der Luft – mega!

Wir nehmen uns die Zeit und schauen uns nach Tourende noch auf eigene Faust im „offiziellen“ Teil der Ausstellung um. Wahnsinn, wie viel es hier zu sehen und vor allem zum Ausprobieren gibt. Wir klimpern ein bisschen auf bereitgestellten Ukulelen und Keyboards und singen eine Runde in der Vocal Booth. Unser Fazit: Studio Bell rockt!

Einen kurzen Blick werfen wir in die neue Central Public Library direkt nebenan. Klar, ein Buch lässt sich als Besucher nicht ausleihen, aber die Architektur ist eine Besonderheit, die einen Besuch lohnenswert macht. Der Fokus beim Bau lag eindeutig auf dem Lokalen (alles verwendete Holz stammt aus Kanada) und dem Indigenen, wie die farbenfrohen Wandgemälde von drei First Nations Künstlern im Eingangsbereich verraten.

Nur wenige Geh-Minuten weiter Richtung Bow River liegt das Fort Calgary – super für alle Geschichts-Interessierten. Hier wird die historische Entwicklung Calgarys anschaulich dargestellt. Die Ausstellungsstücke sind quasi Abbilder aus der Vergangenheit der Westernstadt, mit originalen Möbeln und Kleidern aus dem 19. Jahrhundert. Informativ, das Ganze. Und dabei nicht zu detailliert, sodass man das Fort Calgary gut als kleinen Stopp in die Calgary-Planung aufnehmen kann!

Der letzte Punkt auf unserer Entdeckungs-Liste ist der Calgary Tower. Ist ein bisschen diesig heute, sonst könnten wir bestimmt bis zu den Rockies im Westen gucken. Von hier oben vollziehen wir nach, wo wir langgelaufen beziehungsweise gesegwayd sind. Direkt nach unten gucken geht übrigens auch – dank im Boden eingelassener Glasfenster...

Der Abschluss unserer 48 Stunden in Calgary ist ein Dinner in der Charbar, dem dritten Laden im alten Simmons Gebäude. Da die Sonne immer noch kräftig scheint, setzen wir uns nach draußen. Wirklich schön hier, fast direkt am Fluss. Auf dem River Walk joggen Leute, düsen mit dem Fahrrad vorbei, gehen mit ihren Hunden Gassi. East Village at its best – echt lebendig und divers. Wir genießen die Atmosphäre, lassen uns das Grillgut schmecken und stoßen auf zwei coole Tage im East Village an. Ein Besuch lohnt sich, finden wir. Und kommen gerne wieder.