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Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon-Trip (Juni 2015) 1/4
Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon-Trip (Juni 2015) - der Start

Ahhhhhhh..... Was für ein Traumanflug auf Vancouver über die wilden Coast Mountains! Ich nähere mich wohl der Dreistelligkeit, was meine Kanadaflüge angeht, aber davon kann ich nie genug kriegen!! Und der Automatismus im Hirn funktioniert auch nach 25 Jahren Kanadareisen noch zuverlässig. Gerade noch ansatzweise körperlich geschafft und mit dem Gedanken beschäftigt, dass jetzt ein direktes Hotelbett auch nicht so schlecht wäre. Dann diese Szenerien aus der Luft - und klick - ich will raus. Raus in die Natur, in die Berge, an die Flüsse und Seen. Na, vielleicht doch nicht so schlecht, dass ich gleich weiterfliege in den Yukon - nach Whitehorse. Von da ist es nur noch einen Steinwurf in die Wildnis - eigentlich liegt der Ort schon mittendrin in der Wildnis. Das ist ja gerade das reizvolle! Und ich werde ja sogar noch einen (Flug-) Schritt weitergehen: nach einer voraussichtlich sehr kurzen (und hellen!) Nacht fliege ich weiter nach Inuvik - und dann direkt weiter nach Tuktoyaktuk am Polarmeer. Hier wird die Sonne wohl kaum noch untergehen jetzt!

Aber das ist morgen. Jetzt bin ich erst einmal eingecheckt für meinen Air-Canada-Flug nach Whitehorse. Und nun treffe ich hoffentlich gleich meinen Kumpel Andy, der in Clearwater (BC) lebt und nun hier zu mir stoßen soll, um mich in den Yukon und in die Northwest Territories zu begleiten. Das Wetter ist gut. Nicht mehr so heiß. Bin gut drauf. Es wird super!

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - der Start (Fortsetzung)


Alles läuft nach Plan. Kaum habe ich meine ersten Absätze dieses Reiseberichts niedergeschrieben, kommt auch schon die SMS von Andy: "Wo bist Du? Bin schon am Gate und hier gibt's 'ne Bar!" Na super, da komme ich schon vor dem Flug nach Whitehorse zu meinem ersten frisch gezapften Canadian. Zu uns an die Bar am Gate gesellt sich dann noch ein Freund - Karsten von unserem Outdoor-Outfitter im Yukon. Er ist von Hamburg über London hierhergeflogen und nun auch auf dem Weg nach Whitehorse, um für den Sommer die Operations-Leitung seines Outfits zu übernehmen. Na, da habe ich ja meine beiden wichtigsten Outfitter teilweise unerwartet beieinander. Andy ist in British Columbia und Alberta für uns tätig und Karsten eben im Yukon und in Alaska. Die Welt wird kleiner, je weiter man nach Norden unterwegs ist... Und eins ist auch klar, bei so einem Aufeinandertreffen geht es - auch unter guten Freunden - dann sehr schnell um die Arbeit. Um die Berufung kann man wohl bei uns drei sagen. Wie läuft die Sommersaison an, wo muss investiert werden, was kann verbessert werden und wer hat wo irgendwas tolles neues entdeckt?

Dann geht's an Bord der Air Canada nach Whitehorse. Der Start wieder ein Traum. Über die Kulisse der malerischen Sunshine Coast hinein in die sich senkende Sonne. Der in der glitzernde Pazifik vor dichten Wäldern und schneebedeckten Gipfeln. Man muss es einfach selbst gesehen haben... Über den Wolken dann ein angenehmer Flug mit einer pünktlichen Landung in Whitehorse. Auch das Gepäck hat's geschafft. Am Airport dann ein weiteres, überraschendes Treffen mit einem Freund: Holger Bergold, der Repräsentant von Tourism Yukon in Deutschland ist gerade hier in Whitehorse. Von seinen Kollegen hat er erfahren, dass Andy und ich heute ankommen und ist spontan als Empfangskommittee eingesprungen. Mit seinem SUV geht's "Downtown" zum Goldrush Inn, wo unsere Zimmer bereits vorbereitet sind. Schneller Check-in, Sachen auf's Zimmer und dann noch auf ein Bier in den hoteleigenen Pub. Mit Holger und Robin Anderson, dem Marketing Manager Europe von Tourism Yukon - auch ein alter Freund. So häufig war ich ja noch gar nicht im Yukon - aber irgendwie ist es für mich jetzt schon so wie in BC und Alberta - ein bisschen wie nach Hause kommen. Nette Runde im Pub - es gibt viel auszutauschen. Von der gerade vorübergegangenen Hitzewelle im Yukon bis zum verlorenen Pokalfinale des BVB in Berlin. Und während ich selbst noch so erzähle, wird mir unisono von meinen drei Tischnachbarn attestiert, dass ich nun sehr müde und geschafft wirke. Hab's selbst gar nicht so gemerkt. Doch das ist dann das Signal zum Aufbruch. Ab auf's Zimmer. Morgen geht's um 6 Uhr weiter. Ist ist kurz vor Mitternacht. Und fast taghell. Ich muss die schweren Vorhänge gut zuziehen. Irgendwo dringt immer noch ein Fitzelchen Licht ein. Umfallen. Schlafen. Angekommen in Kanadas Norden!

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In den Polarkreis


Ich rechne mit dem Jet Lag und vermute, dass es so zwei drei Uhr ist, als ich aufwache. Hell ist es ja sowieso. Blick auf die Uhr: 4.59 - bin eine Minute vor meinem Weckalarm aufgewacht. Phhhhhh - another early day, man! Schnell in die Dusche, Sachen zusammengepackt und runter in due Lobby. Hier gibt's Coffee-to-go für Hotelgäste. Holger ist schon da. Er bringt uns zurück zum Flughafen. Check In für unseren Air North Flug nach Inuvik über Dawson City. Sie sind sehr penibel mit dem Gepäck hier. Kein Wunder, jedes Kilo zählt bei den Maschinen, die hier im Norden eingesetzt werden. Unsere Hawker Siddeley 748 ist eine Fluglegende, erklärt uns Holger, der ja selbst leidenschaftlicher Pilot ist und hier in Whitehorse zwei Wasserflugzeuge besitzt. Flugzeuge werden hier grundsätzlich lange geflogen. Sie sind im Norden zu wertvoll, um schnell ausgemustert zu werden. Holger's knallrote Beaver, über die ich ja schon viel in anderen Reiseberichten geschrieben habe, ist das beste Beispiel: Baujahr 1949, ein echtes Schmuckstück und vom Zustand her tiptop.

Wir sitzen noch kurz vor dem Start gemütlich im Airportrestaurant mit Blick auf das kleine, von Wald umgebene Rollfeld und genießen unser erstes kanadisches Frühstück. "Two eggs sunny side up, brown toast." Ja, so früh am Morgen hat hier schon alles auf. "20 Minuten bis zum Start reicht locker", so Holgers Worte vor der Entscheidung, noch schnell frühstücken zu gehen. "Geht einfach nicht durch die Security." Was?! Aber er hat recht - alle anderen 16 Fluggäste gehen auch einfach durch die "Arrivals"-Tür. Kein Security- Check des Handgepäcks. OK.... Und hinein in die kleine Maschine. 18 Passagiere. Und auf den restlichen 10 Sitzen ist Fracht verstaut. So ist das halt im Norden. Aber ein Super-Service - erwartet man gar nicht in so einem kleinen Flieger. Die Getränkebestellungen werden wie im Restaurant einzeln aufgenommen und es werden sogar frische Gebäckvariationen gereicht. Ach so - und gut und sicher gelandet sind wir auch. Zunächst auf der Sand-Landepiste von Dawson City, der legendären Goldrauschstätte des Yukon. Jack London lässt grüßen...

Allemann kurz ins "Terminal" - eine Holzhütte am Rollfeld. Eine kleine, halbhohe Holzklapptür ist die "Baggage Claim Area". Köstlich. Dann wieder hinein ins Flugzeug. Auf in die Northwest Territories. Auf nach Inuvik. Und noch ein toller Start. Wo kommen denn die ganzen Berge her?! Total einsam. Wild. Schade, dass es so bewölkt ist. Die Berge werden flacher und ich warte auf den Übergang zur flachen Tundra. Doch leider nimmt auch die Bewölkung zu, so dass ich kaum noch etwas am Boden sehen kann. Schade. In Dawson haben uns die meisten Passagiere verlassen, einige neue sind hinzugekommen. Insgesamt 11 Menschen wollen heute morgen nach Inuvik.

Dann reißt die Wolkendecke wieder auf. Die hohen Berge sind weg. Hügelig ist es immer noch. Ich sehe einen recht breiten Fluss. Der Peel River? Muss er doch sein, oder? Beeindruckend. Den will ich auch nochmal paddeln! Und alles sieht so wild und ursprünglich aus. Bei mir macht es schon wieder klick. Ich will raus in die Natur. Aber ein bisschen Fliegen haben wir heute nich vor uns. Schließlich habe ich mir fest vorgenommen, endlich einmal "Tuk" (Tuktoyaktuk) am Polarmeer zu besuchen. Unter mir sehe ich den großen Arctic Red River. Wir kommen ins Gebiet des MacKenzie- Deltas. Man sieht eigentlich fast nur noch Wasser. Viel mehr als Land. Tausende Seen. Dann die nächste Landung. Der Einflug über ein gutes Stück parallel zum McKenzie River. Toll. Welcome to Inuvik.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In der Arktis (Fortsetzung)


Angekommen in Inuvik. Am Airport dann mal wieder so eine Begegnung mit interessanten Menschen, wie sie für den Norden so typisch sind. Urs Hochstrasser - wir sind mit dem Schweizer bereits die ganze Zeit geflogen, ohne von einander zu wissen - spricht uns am Gepäckband auf deutsch (klar, mit gehörigem schweizer Akzent) an, wo genau denn hier oben unser Abenteuer beginnt. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass der 31-Jährige ganz allein mit seinem Fahrrad unterwegs ist. Letzteres ist noch nicht ausgepackt. Sein Trip soll hier oben in Inuvik beginnen. Die Panamericana will er mit seinem Drahtesel bezwingen. Den Dempster runter, über den Top-of-the-World, dann u.a. über Alaska Highway, Cassier Highway, Yellowhead Highway und den Icefields Parkway durch Westkanada und die Rockies, weiter durch den gesamten Westen der USA bis hinein nach Südamerika. Etwa 35.000 Kilometer mit dem Rad, hat Urs ausgerechnet. Sein Finanzbudget: 60.000 Schweizer Franken (inkl. Ausrüstung). Sein Zeitbudget: zwei Jahre! Faszinierend, solche Typen. Doch natürlich, er ist erst ganz am Anfang. Ob er durchhält? Wir werden es weiter verfolgen - spannend genug ist es ja allemal! Und Urs ist gut vorbereitet: Homepage und Facebookseite sind eingerichtet. Sogar eine Visitenkarte für sich und sein Abenteuer hat er dabei. Wir wünschen Urs alles Gute und vereinbaren in Kontakt zu bleiben. Dann ab ins Taxi und hinein nach Inuvik. Wir haben heute ja schließlich noch eine Menge vor.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In der Arktis (Fortsetzung)


Inuvik. Kleine Siedlung. Die Häuser stehen auf Stelzen, um den Permafrostboden zu erhalten. Leitungen verlaufen oberirdisch zwischen den Häusern und sind mit Aluminium verkleided. Wir checken in unser Hotel ein, dem Capitol Suites. Schön. Großzügige Zimmer mit kleiner Küchenzeile - und guter Kaffeemaschine! Aber Inuvik werden wir morgen früh noch etwas genauer in Augenschein nehmen. Heute soll es ja noch nach Tuk gehen! Also, schnell zurück zum Airport, denn das Wetter scheint schlechter zu werden. Was hatte ich nochmal über alte Flugzeuge gesagt? Da steht wieder so eins für uns bereit. Und man sieht ihm das Alter auch an. Aber genau diese Situation habe ich in Kanada inzwischen so oft erlebt, dass ich weiß, dass ich auch diesen Maschinen - oder vielleicht sogar gerade diesen - bedenkenlos vertrauen kann. Und unser Pilot macht einen sehr zuverlässigen Eindruck auf mich. Mit an Bord geht Jennifer, eine Angestellte im örtlichen Western Arctic Visitor Center. Ein Glücksfall für uns, wie sich während des Flugs herausstellen soll. Jennifer kommt gebürtig aus Tuk und möchte die Gelegenheit nutzen, ihre Familie zu besuchen. Sie zeigt uns auffällige Landmarks oder Camps der Ureinwohner und erzählt uns die dazugehörigen Geschichten der Inuvialuit - so heißen die aus Tuk stammenden Ureinwohner. Der Flug ist beeindruckend. Ich glaube, man muss hier einmal mit dem tieffliegenden Buschflieger in die Luft gehen, um überhaupt die unglaublichen Dimensionen des MacKenzie-Deltas begreifen zu können. Mit anderen Worten: auch wenn man sich gegen den Ausflug nach Tuk entscheidet, sollte man erwägen, zumindest einen Rundflug zu unternehmen.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In der Arktis (Fortsetzung)


Wir haben das Eismeer erreicht und fliegen Tuk an. Beeindruckend - allein schon vom Gefühl her. Ein bisschen wie das Ende der Welt. Teilweise schwimmt noch Eis auf dem Wasser. Das Rollfeld ist natürlich eine reine Schotterpiste. Wie sollte es auf dem Permafrostboden auch anders gehen? Wir klettern aus dem Flieger. Es ist kalt und feucht - leichter Nieselregen. Hoffentlich müssen wir nicht so lange auf unseren Guide warten. Aber nein, im Terminal erwartet uns schon Eileen Jacobson, eine Inuvialuit aus Tuk. Mit ihrem Mann Billy (von dessen Großvater der skandinavische Nachname stammt) lebt sie teils hier in Tuk und teils in ihrem über 100 Meilen entfernten Jagd- und Trapping-Camp. Routiniert verhandelt sie mit dem Piloten die Uhrzeit, wann wir zurück sein müssen. Klar, der Pilot muss ja auf uns warten - keine Traumvorstellung in dieser kleinen Terminalhütte. Dann führt uns Eileen zu ihrem Van und wir starten auf unsere Tuk-Tour. Nicht, dass dies eine lange Fahrt bedeuten würde. Die Siedlung ist klein. Aber es gibt doch eine ganze Menge an kommunalen Einrichtungen. Von der Schule über das Seniorenheim bis zur kleinen Bücherei. Tja, was genau ist nun Tuk für mich? So viel habe ich von Kunden über Tuk gehört. Von "beeindruckend" und "inspirierend" bis hin zu "trostlos" und "größte Müllhalde Kanadas". Ich glaube, die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Oder, etwas provokanter ausgedrückt, es stimmt wohl alles. Eines vorweg, wir sehen überhaupt keine betrunkenen Inuit. Und Dchrotthaufen - klar, Dinge werden besorgt, gekauft und hier hochgebracht. Mit dem Flieger oder im Winter mit dem Fahrzeug über die Ice Road. Aber es ist natürlich bedeutend aufwendiger und teurer, Schrott und Müll wieder hier fortzubringen. Zwar gibt es eine Müllhalde außerhalb der Siedlung - gefällt mir übrigens gar nicht, wie so etwas so nah an der Straße und vor allem so nah am Meer angelegt werden kann - doch wenn man unter so extremen Bedingungen lebt, weiß man nie, was von den Dingen, die im Moment nutzlos erscheinen, vielleicht doch wieder irgendwie gebraucht werden. Das alles erklärt uns Eileen und fährt uns zu ihrem Haus, wo ihr Mann Billy uns im Trapperzelt vor dem Haus erwartet. Er zeigt uns eine Auswahl an Fellen und Knochen und Gegenständen, die er und Eileen daraus gefertigt haben. Von den Tieren, die sie hier oben jagen bzw. in ihrer Trapline fangen. Füchse, Marder, Vielfraße, Karibus, Beluga-Wale, Moschusochsen und Bären - vom Schwarzbären bis zum Polarbären. Die Inuvaluit dürfen hier oben jagen was und wie viel sie wollen. Nicht mein Ding. Ich respektiere Kultur und Tradition der Ureinwohner, aber gerade bei den Belugas finde ich, dass es zumindest eine Fangquote geben müsste. Aber all dies ist ein anderes Thema, auf das ich hier erst gar nicht weiter eingehen will. Irgendwie beeindrucken mich Billy und seine Tierfelle im Trapperzelt. Der kalte Wind rüttelt an den Planen und automatisch muss ich mir vorstellen, wie es sich wohl anfühlt in einem Jagdcamp der Inuit. Im Winter und fernab jeglicher Zivilisation. Eileens Ruf reißt mich aus meinen Gedanken. Sie möchte, dass wir in ihr Haus kommen. Ganz nett, aber natürlich eher nordamerikanisch - mit Küche, Wohnzimmer und Fernseher. Klar, was habe ich erwartet? Der Tisch ist gedeckt. Mehrere Schalen mit Essen stehen dort für uns bereit. Nur kann ich beim besten Willen nicht erkennen, was wir gleich essen werden. Eileen erklärt: Geräucherter Weißfisch und Beluga, getrockneter Moschusochse und natürlich Maklak - Belugafleisch mit dicker Fettschicht. Puh, denke ich, werde aber positiv überrascht. Alles ist essbar - und fast alles schmeckt. Lediglich der geräucherte Weißfisch ist nicht mein Fall. Interessante Erfahrung. Zurück im Van geht es weiter durch Tuk. Die Siedlung liegt wirklich direkt am Polarmeer. Einige Häuser stehen nur wenige Meter vom Wasser entfernt. Eileen führt uns zu einem Kieselstrand, wo Andy und ich den obligatorischen Ritus vollziehen und unseren großen Zeh ins Polarmeer halten. Ich bin überrascht - das Wasser kommt mir recht warm vor. Klar, sagt Eileen. Die Einwohner Tuks - vor allem die Kinder - kommen regelmäßig zum Baden. Im Sommer scheint die Sonne 24 Stunden lang. Das wärmt alles auf, auch das Polarmeer. Eileen führt uns zu einem kleinen Schuppen direkt am Strand. Ihr Räucherhäuschen. Hier trocknet und räuchert sie all ihren Fisch und ihr Wildfleisch. Auf meine Frage, ob denn dieser Strandabschnitt ihr gehöre, lacht sie. Ja und nein, sagt sie. Alles Land hier gehört allen. Oder besser: niemandem. Aber jeder hat das Recht, auch direkt am Wasser zum Beispiel ein Smokehouse zu errichten. Und das gehört Dir dann auch, erklärt sie weiter. Für uns Europäer ein sehr ungewohntes Konzept, aber es scheint zu funktionieren. Zum Abschluss unserer Tour fahren wir noch zu einer der Hauptattraktionen der Siedlung. Dem Dorfkühlschrank. Eine kleine weiße Hütte. In deren Mitte in Loch. Ein tiefes Loch. Gut zehn Meter geht es in den Permafrostboden hinein. Man kann das Eis schimmern sehen. Unten gibt es 19 Räume. Jede Familie hat hier ihren angestammten Lagerplatz für ihre Vorräte. Das ist nun wirklich beeindruckend! Leider darf man aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr die steile Leiter hinuntersteigen, aber auch von hier oben kann man Ausmaß und Effektivität dieses natürlichen überdimensionierten Eisfachs erahnen. Und das war's dann. Das war Tuktoyaktuk. Zurück am Rollfeld verabschieden wir uns von Eileen und danken ihr für diese nicht alltäglichen Einblicke in das Leben der Inuvialuit. Und dann sind wir schon wieder in der Luft und fliegen eine andere, ebenso beeindruckende Route zurück nach Inuvik. Ein langer Tag - aber es ist noch taghell. Heute kein Programm mehr, beschließen Andy und ich. Wir gehen ins Shivers, dem Pub des MacKenzie Hotels und genießen ein gutes Dinner. Dann ab in die Falle. Schlafen? Ja, ein bisschen. Mitten in der Nacht wache ich auf. Von meinem Fenster strahlt es zu mir herüber. Ich schaue hinaus. Die Mitternachtssonne versucht, durch die Wolken zu stoßen. Es ist hell wie um drei Uhr nachmittags. Das kann man schwer beschreiben. Man muss es gesehen haben. Hier oben in der Arktis geht die Sonne zu dieser Jahreszeit einfach überhaupt nicht mehr unter. Die berühmten weißen Nächte - die White Nights. Etwas Besonderes.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In der Arktis (Fortsetzung)

Nochmal schnell zurück zu Tuk: Das hier wollte ich noch schnell nachreichen, bevor ich gleich mit Tag 2 und dem Beginn unserer Fahrt auf dem Dempster Highway weitermache. Die Inuvaluit Eileen Jacobson zeigt uns den Dorfkühlschrank von Tuk.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 1: In der Arktis (Fortsetzung)Nochmal schnell zurück zu Tuk: Das hier wollte ich noch schnell nachreichen, bevor ich gleich mit Tag 2 und dem Beginn unserer Fahrt auf dem Dempster Highway weitermache. Die Inuvaluit Eileen Jacobson zeigt uns den Dorfkühlschrank von Tuk. [Rainer]

Posted by SK Touristik - Kanada & USA on Montag, 22. Juni 2015


Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 2: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis


Der Morgen in Inuvik. Andy und ich treffen uns in der Hotel-Lobby und beschließen, zu Fuß zum Office unserer Mietwagenfirma Driving Force zu gehen, um unseren SUV für die Fahrt über den Dempster abzuholen. Beim Reinfahren habe ich die Station gestern bereits rechts am Straßenrand gesehen. Ist nicht weit, sage ich noch zu Andy. Fehleinschätzung. Etwa eine halbe Stunde wandern wir und stehen dann endlich vor unserem Mietwagen für die nächsten Tage. Ein schöner, recht neuer Yukon XL, keine 50.000 Kilometer auf der Uhr. Aber Kratzer und Macken ohne Ende. Und die Windschutzscheibe ist gesprungen. Naja, so ist das eben in der Arktis. Jetzt erst einmal frühstücken. Zurück ins MacKenzie Hotel. "5-9-5" heißt mein Geheimtipp hier. Ein volles kanadisches Frühstück - z.B. Bacon & Eggs - für $5.95 - daher "5-9-5". Wer schon mal in Kanada war, weiß, dass es so etwas durchaus hier und da mal gibt. ABER definitiv nicht in der Arktis. Ein "normaler" Preis für ein solches Frühstück hier oben im Norden wäre eher $15.95. Na super, das nehmen wir gern mit. Dann geht's weiter. Inuvik macht eigentlich einen ganz vorzeigbaren Eindruck. Man spürt die Arktis überall. Die Häuser sind auf Stelzen gebaut und die Leitungen verlaufen zwischen den Häusern in Aluminiumrohren. So soll der Permafrostboden geschützt werden. Aber auch diese typische Western-Atmosphäre, die so vielen kleinen, entlegenen Orten in Westkanada eigen ist, kommt immer wieder durch. Direkt gegenüber vom MacKenzie Hotel steht die berühmte Iglukirche, die sowohl durch ihre Iglu-Form als auch durch die strahlend weiße Farbe heraussticht. Inuvik ist nämlich ansonsten durchaus bunt. Die bunten Hausfassaden sollen der Eintönigkeit in den lichtarmen Wintermonaten entgegenwirken. Interessant. Direkt neben der Kirche ein großer Supermarkt. Wir wollen uns etwas Wasser für die Fahrt kaufen und mich interessiert der Markt ohnehin. Was wird hier verkauft und zu welchen Preisen? Und auch wenn es irgendwie passend und logisch ist, so bin ich doch überrascht in so einem Markt direkt zu Beginn eine gute Auswahl an großen Schneemobilen zu sehen. Abgefahren. Tja, und dann in der eigentlichen Groceries-Section der erwartete Preisschock. Sprich, ich hatte hohe Preise erwartet, aber was ich hier sehe, ist wirklich erstaunlich. Eine einfache 1,5-Liter-Wasserflasche (keine Marke) kostet mehr als vier Dollar! Und das geht so weiter durch alle Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs - bis hin zum Toilettenpapier. Welcher Durchschnittsverdiener soll sich das alles denn noch leisten können? Naja, dieses Problem werden wir auf diesem Trip nicht lösen, aber so etwas nährt den Eindruck, dass hier oben im äußersten Norden die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Zusammenfassend hat man hier im Supermarkt schon eine gute Auswahl. Vielleicht ein bisschen unerwartet. Aber die Preise sind happig und summieren sich in einem normalen Einkaufswagen schmerzlich. Wer hier hinaufkommt, tut gut daran, sich vorher weiter südlich in Dawson oder besser in Whitehorse ausreichend einzudecken.

Im Cafe ein paar Schritte weiter auf der Hauptstraße gibt es einen guten Cappuccino. Und dann los Richtung Dempster. Auf dem Weg hinaus aus Inuvik noch schnell der Stopp im sehr einladend wirkenden Western Arctic Regional Visitor Center. Es lohnt sich. Die Ausstellung über die regionale Flora und Fauna sowie über die Geschichte und Kultur der Inuvaluit ist sehenswert. Wir treffen Jennifer wieder - sie arbeitet ja hier. Begeistert erklärt sie uns einige Exponate und stellt uns unsere Zertifikate aus. Ja, wir haben den Zeh ins Polarmeer gehalten! Das wird hier mit einer Urkunde zertifiziert. Witzig. Dann ein paar Kilometer weiter zum Arctic Chalet. Diese Lodge, die ja bereits seit einigen Jahren im SK-Programm zu finden ist, wollte ich mir unbedingt anschauen. Judy und Olaf, die Besitzer, empfangen uns herzlich. Judy führt uns herum und ich bin tatsächlich positiv überrascht. Auf dem großen Areal gibt es eine ganze Menge Holzhütten. Einige wirklich sehr schön - diese sollte man wohl besser Chalet nennen - andere etwas einfacher, aber auch absolut ok und deutlich über dem hier üblichen Standard. Und das ganze passt natürlich auch besser hierhin. So sollte man eigentlich in der Arktis wohnen, wenn man schon mal hier ist. Auch der Kennel mit den schneeweißen Schlittenhunden beeindruckt uns. Alles sehr sauber und ordentlich. Kein Hund an der Kette. Vorbildlich. Also, diese Lodge kann ich jedem empfehlen, der hier herkommt. Zwei Nächte muss man aber wohl wenigstens bleiben, damit sich eine solche Unterkunft auch lohnt. Schließlich bieten Judy und Olaf ja auch viele Aktivitäten an. Mit ihrem Van fahren sie Kunden herum, unternehmen Ausflüge und zeigen den Leuten das, was sie selbst nach so vielen Jahren noch an der Arktis fasziniert und hier hält. Hier treffen wir auch Urs, den Fahrad-Globetrotter wieder. Auch ihn hat es hierhin gezogen, um sich ein paar Tage zu akklimatisieren und zu erholen, bevor sein großer Trip mit der Fahrt über den Dempster startet. Zwar waren alle Hütten belegt - sogar die ganz neuen, die teilweise noch gar nicht fertiggebaut waren - aber kurzerhand haben Judy und Olaf ihren Campinganhänger für Urs hergerichtet - das ganze zum fairen Preis. Im Norden muss man flexibel sein und sich gegenseitig helfen, erklärt uns Judy. Tja, Urs erholt sich hier. Von ihm werden wir wohl noch hören. Aber wir wollen heute noch auf den Dempster. Der Stopp am Arctic Chalet hat länger gedauert als geplant - es gab zu viel zu sehen und zu bereden. Doch jetzt verabschieden wir uns von Judy und Olaf. Der Tank unseres SUV ist voll. Wir machen uns auf den Weg. Der Dempster ruft!

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)

[Korrekturhinweis: Natürlich erzähle ich jetzt bereits von Tag 3 (und nicht Tag 2). Tag 1 war die Anreise nach Whitehorse, Tag 2 die Flüge nach Inuvik und Tuktoyaktuk.]

Jetzt auf dem Dempster Highway? Denkste! Unser nächster Stop ist der Jak Park Campground. Denn wir wollen diese einmalige Route ja schließlich auch für unsere Wohnmobilkunden auskundschaften. Der Campground liegt praktisch direkt vor Inuvik und ganz nah am Beginn des Dempster. Recht schön angelegt. Alles sehr ordentlich, wie eigentlich auf allen Campgrounds in den Northwest Territories, die ich auf meinen Reisen bisher in Augenschein nehmen durfte. Wenn ich näher darüber nachdenke - es müssten nach der Fahrt über den Dempster eigentlich auch fast alle Territorial Parks (so heißen die von den NWT betriebenen Campgrounds) gewesen sein! [Übrigens: Auch auf dieser Tour habe ich von den Campgrounds am Highway einfache Durchfahrt-Videos gemacht, die bei der eigenen Tourplanung hilfreich sein könnten. Anzusehen auf unserer Website bzw. in unserem Youtube-Channel.] Am Park Office gibt es einen Aussichtsturm, von dem man eine wirklich lohnenswerte Aussicht über die arktischen Wald- und Wasserlandschaften des MacKenzie-Deltas hat - und von dem ich mich per Kurzvideo melde. Andy hat's gemacht mit meinem iPhone.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)[Korrekturhinweis: Natürlich erzähle ich jetzt bereits von Tag 3 (und nicht Tag 2). Tag 1 war die Anreise nach Whitehorse, Tag 2 die Flüge nach Inuvik und Tuktoyaktuk.]Jetzt auf dem Dempster Highway? Denkste! Unser nächster Stop ist der Jak Park Campground. Denn wir wollen diese einmalige Route ja schließlich auch für unsere Wohnmobilkunden auskundschaften. Der Campground liegt praktisch direkt vor Inuvik und ganz nah am Beginn des Dempster. Recht schön angelegt. Alles sehr ordentlich, wie eigentlich auf allen Campgrounds in den Northwest Territories, die ich auf meinen Reisen bisher in Augenschein nehmen durfte. Wenn ich näher darüber nachdenke - es müssten nach der Fahrt über den Dempster eigentlich auch fast alle Territorial Parks (so heißen die von den NWT betriebenen Campgrounds) gewesen sein! [Übrigens: Auch auf dieser Tour habe ich von den Campgrounds am Highway einfache Durchfahrt-Videos gemacht, die bei der eigenen Tourplanung hilfreich sein könnten. Anzusehen auf unserer Website bzw. in unserem Youtube-Channel.] Am Park Office gibt es einen Aussichtsturm, von dem man eine wirklich lohnenswerte Aussicht über die arktischen Wald- und Wasserlandschaften des MacKenzie-Deltas hat - und von dem ich mich per Kurzvideo melde. Andy hat's gemacht mit meinem iPhone. [Rainer]

Posted by SK Touristik - Kanada & USA on Donnerstag, 25. Juni 2015


Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)


Jetzt aber los auf den Dempster. Schotter - ist klar. Aber eine sehr gute Qualität. Ich erwische mich dabei, wie ich teilweise 120 km/h fahre, ohne es direkt bemerkt zu haben. Der Grader (Baufahrzeug zur Straßenbegradigung und -verbesserung) ist hier kontinuierlich an der Arbeit. Drei oder viermal sehen wir einen auf unserem Weg in Richtung Peel River. Öfter als uns ein PKW entgegenkommt! Wir fahren durch das flache Deltaland. Flach, aber dennoch spektakulär. Nicht nur die Wildnis und die Einsamkeit. Auch Aussichten gibt es immer wieder sehr schöne. Ganz anders als auf so vielen anderen Schotterpisten in Nordkanada, die ich schon befahren habe. Wir passieren einige Recreational Areas - ähnlich wie Campgrounds, allerdings ohne Stellplätze. Day Use only. Natürlich ideal für eine Rast. Dann wieder ein Campground - der Gwich'in Territorial Park. Auch wieder sehr schön angelegt (Durchfahrt-Clip in unserem Youtube-Channel). Neben Campgrounds und Recreational Areas gibt es auch Territorial View Points wie den Tithe geh vitai View Point. Ein willkommener Spaziergang durch die Taiga hinauf auf einen Felsen, der eine spektakuläre Aussicht über den Mackenzie bietet. Das Mackenzie Delta ist ja ohnehin der Hammer. 80 Kilometer breit, knapp 250 Kilometer lang. Ein Irrgarten aus Flussarmen, Seen, Tümpeln, Inselchen, Sandbänken und Sumpflandschaften. Der Himmel für unzählige Vogelarten und natürlich Für Biber und Bisamratten. Wenig später dann der Vadzaih van tshik Territorial Campground - auch schön, auch guter NWT-Standard (auch hier gibt's einen Durchfahrt-Clip). Ganz ehrlich, so viele gute Campgrounds in dieser ansonsten so einsamen und wilden Gegend des Delta-Flachlands hatte ich nicht erwartet. Ganz klar, die Camper und Wohnmobilreisenden sind hier bei den Übernachtungsmöglichkeiten besser versorgt als die PKW-Selbstfahrer ohne Zelt. Letztere können ja lediglich einmal Station auf dem Dempster machen - in Eagle Plains. Genau wie wir auf dieser Tour. (Stimmt natürlich nicht ganz. Es gibt einige wenige, sehr individuelle Lodge- und Cabin-Unterkünften im äußersten Süden des Dempster, wie zum Beispiel das Bensen Creek Wilderness Resort, das ich später noch erwähnen werde.)

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)

Und dann führt der Dempster mitten in den Mackenzie River hinein. So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Tatsächlich ist dies die Anlegestelle für die Fähre hinüber auf die andere Uferseite. Tja, und die Fähre legt einfach so - ohne Anleger, Uferrampe oder irgendeiner Art von Befestigung - direkt am lehmigen und leicht auf geschotterten Ufer des Mackenzie River an. Ein Schaufel- und ein Frontladerbagger sind permanent im Einsatz, um die Uferstelle zur Auffahrt auf die Fährenrampe passierbar zu halten. Gar nicht so ohne, denn schon ein wenige Zentimeter zu steiler Ansatzwinkel der Bootsrampe könnte zum Aufsetzen des Hecks eines größeren Fahrzeugs führen. Alles schon gehabt, erinnere ich mich. Seinerzeit am Liard River - auch in den NWT. Immer wieder spannend so eine Flussüberquerung in der Wildnis. Am meisten beeindruckt mich immer die Anfahrt an die Anlegestelle, wenn das Schiff noch nicht da ist und man wirklich den Eindruck hat, mit dem Auto im Fluss zu landen, wenn man nur noch ein paar Meter weiter rollt...

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)Und dann führt der Dempster mitten in den Mackenzie River hinein. So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Tatsächlich ist dies die Anlegestelle für die Fähre hinüber auf die andere Uferseite. Tja, und die Fähre legt einfach so - ohne Anleger, Uferrampe oder irgendeiner Art von Befestigung - direkt am lehmigen und leicht aufgeschotterten Ufer des Mackenzie River an. Ein Schaufel- und ein Frontladerbagger sind permanent im Einsatz, um die Uferstelle zur Auffahrt auf die Fährenrampe passierbar zu halten. Gar nicht so ohne, denn schon ein wenige Zentimeter zu steiler Ansatzwinkel der Bootsrampe könnte zum Aufsetzen des Hecks eines größeren Fahrzeugs führen. Alles schon gehabt, erinnere ich mich. Seinerzeit am Liard River - auch in den NWT. Immer wieder spannend so eine Flussüberquerung in der Wildnis. Am meisten beeindruckt mich immer die Anfahrt an die Anlegestelle, wenn das Schiff noch nicht da ist und man wirklich den Eindruck hat, mit dem Auto im Fluss zu landen, wenn man nur noch ein paar Meter weiterrollt... [Rainer]

Posted by SK Touristik - Kanada & USA on Samstag, 27. Juni 2015


Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)

Am Mackenzie River. Die Fährüberfahrt zur Weiterführung des Dempster und zur Inuvaluit-Siedlung Tsiigehtchic, das ehemalige Arctic Red River. So denken wir. Umso überraschter sind wir, als der Fährmann, ein Inuvaluit, uns fragt, wo wir denn hinwollen. Na, über den Fluss - was sonst? Nach Tsiigehtchic, fragt er. Klar, sagen wir. Er nickt und winkt uns auf die Fähre. Dann kommt er nochmal ans Fenster. Oder ob wir nach Eagle Plains wollen. Ja, antworten wir. Auch das. Das ist unser Tagesziel. Ok, dann Eagle Plains, sagt er. Noch interpretieren wir dies als reines Interesse an unserer Fahrtroute. Erst am anderen Ufer wird uns klar werden, dass wir uns tatsächlich hätten entscheiden müssen. Entweder Tsiigehtchic oder weiter auf dem Dempster. Von diesem gibt es keine weiteren Wege in die Inuvaluit-Siedlung. Ein bisschen ärgerlich für uns. Wir hätten gern einmal einen näheren Blick auf Tsigehtchic geworfen, die Indianersiedlung, in der noch immer etwa 150 Ureinwohner leben - im wesentlichen vom Jagen, Fischen und Trappen. Naja, wenigstens sind mir von der Fähre aus ein paar passable Fotos gelungen. Und irgendwie ist diese einzigartige Fährsituation ja auch abgefahren. Hier kommen so wenig Autos an, dass auf der Fähre einfach gefragt wird, wo es hingehen soll. Und dann wird man halt dorthin gebracht. Und der nächste womöglich zum anderen Ufer. Kein Wunder also, dass wir das einzige Auto auf der Fähre sind. Noch einmal mit der Fähre zurück, um nach Tsiigehtchic zu gelangen, würde uns nun zu viel Zeit kosten, entscheiden Andy und ich. Schade. Also fahren wir von der Fähre herunter. Wieder direkt auf die Schotterpiste. Weiter geht es auf dem Dempster Highway.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)Am Mackenzie River. Die Fährüberfahrt zur Weiterführung des Dempster und zur Inuvaluit-Siedlung Tsiigehtchic, das ehemalige Arctic Red River. So denken wir. Umso überraschter sind wir, als der Fährmann, ein Inuvaluit, uns fragt, wo wir denn hinwollen. Na, über den Fluss - was sonst? Nach Tsiigehtchic, fragt er. Klar, sagen wir. Er nickt und winkt uns auf die Fähre. Dann kommt er nochmal ans Fenster. Oder ob wir nach Eagle Plains wollen. Ja, antworten wir. Auch das. Das ist unser Tagesziel. Ok, dann Eagle Plains, sagt er. Noch interpretieren wir dies als reines Interesse an unserer Fahrtroute. Erst am anderen Ufer wird uns klar werden, dass wir uns tatsächlich hätten entscheiden müssen. Entweder Tsiigehtchic oder weiter auf dem Dempster. Von diesem gibt es keine weitere Zuwegung in die Inuvaluit-Siedlung. Ein bisschen ärgerlich für uns. Wir hätten gern einmal einen näheren Blick auf Tsigehtchic geworfen, die Indianersiedlung, in der noch immer etwa 150 Ureinwohner leben - im wesentlichen vom Jagen, Fischen und Trappen. Naja, wenigstens sind mir von der Fähre aus ein paar passable Fotos gelungen. Und irgendwie ist diese einzigartige Fährsituation ja auch abgefahren. Hier kommen so wenig Autos an, dass auf der Fähre einfach gefragt wird, wo es hingehen soll. Und dann wird man halt dorthin gebracht. Und der nächste womöglich zum anderen Ufer. Kein Wunder slso, dass wir das einzige Auto auf der Fähre sind. Noch einmal mit der Fähre zurück, um nach Tsiigehtchic zu gelangen, würde uns nun zu viel Zeit kosten, entscheiden Andy und ich. Schade. Also fahren wir von der Fähre herunter. Wieder direkt auf die Schotterpiste. Weiter geht es auf dem Dempster Highway [Rainer]

Posted by SK Touristik - Kanada & USA on Samstag, 27. Juni 2015


Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)


Runter von der Fähre und weiter über den Dempster nach Süden. Wir peilen den nächsten großen Strom an, den Peel River. Auch hier gibt es wieder eine Fähre - diesmal aber glücklicherweise ohne Wahlmöglichkeit der Anlegestelle am anderen Ufer. Hier können wir keinen Fehler machen. Unmittelbar vor Erreichen des Peel-Ufers gibt es noch einen Campground, den Nitainlaii Territorial Park (Durchfahrt-Clip vorhanden).
Dann die Fährüberfahrt und am anderen Ufer ist es nicht mehr weit bis Fort McPherson. Gut für uns, denn wir müssen sicherheitshalber tanken - und die nächste Tankstelle gibt es erst in Eagle Plains. Auch einen kleinen Supermarkt gibt es hier. Ebenso gut, denn Andy hat beschlossen, dass wir neues Beef Jerky brauchen. Besser man fängt erst gar nicht mit diesem getrockneten und schmackhaft gewürztem Rindfleisch an. Man wird schnell süchtig. So ähnlich wie Chips - nur besser! Fort McPherson ist eigentlich fast ein reines Indianerdorf. Weniger als 1000 Menschen leben hier. Berühmt ist sein Friedhof, denn hier liegt die legendäre Lost Patrol begraben. Vor über 100 Jahren, im Dezember 1910, verließen Inspector Fitzgerald und drei weitere Mounties Fort McPherson, um sich auf die regelmäßige Patrouillenfahrt nach Dawson City zu begeben. 475 Meilen mit dem Hundeschlitten. Unterwegs verloren sie aufgrund extremer Kälte und hohem Schnee den Weg und starben auf dem Rückweg an Hunger und Kälte. Der berühmte Corporal Dempster, der regelmäßig mit dem Hundeschlitten auf diesem alten Handelsweg zwischen Dawson und Fort McPherson unterwegs war und somit Namenspatron des heutigen Highways wurde, fand sie dann nur etwa 25 Meilen von Fort McPherson entfernt. Jeder hier im Norden kennt sie, die Geschichte der Lost Patrol. Und weiter, mit aufgefülltem Tank und neuen Jerky-Vorräten. Wir erreichen den Tetlit Geinjik Territorial Viewpoint. Ein kurzer Fußweg führt zu der Aussichtsplattform, die einen tollen Blick zurück über das flache Flussland zwischen Peel und Mackenzie River eröffnet. Auf Infotafeln erfährt man auch etwas über die Wanderung der riesigen Karibuherden durch dieses Gebiet. März und April sollen die besten Monate zur Beobachtung dieses Naturspektakels sein, doch vor einem Jahr konnten die Mitreisenden unserer geführten Kleingruppenreise "Alyeska" auch in der zweiten Junihälfte noch dieses unfassbare Spektakel hier auf dem Dempster hautnah verfolgen. Man stelle sich vor: Tausende Karibus wandern direkt vor den eigenen Augen über die Hügel und Berge dieser einzigartigen Wildnis. Drei Stunden blieb der Tourbus wohl einfach stehen, erzählte uns der Guide später. Keiner konnte sich sattsehen. Und die abendliche Ankunft war entsprechend spät... Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Zurück zu unserem Viewpoint. Man erahnt von hier schon die Richardson Mountains. Es wird bergiger....

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)

So langsam geht es hinein in die Richardson Mountains, die nördlichen Ausläufer der Rocky Mountains. Jetzt wird es wirklich noch spektakulärer, finde ich. Und immer noch so wild und einsam. Ganz mein Ding! Ich versuche, auf Fotos festzuhalten, wie unendlich weit dieser Highway wirkt und wie allein man hier eigentlich immer ist. Wenn wir anhalten, lassen wir das Auto häufig mitten auf der Straße stehen - es kommt ja sowieso keiner. Dieses Gefühl von Freiheit und endloser Weite ist schwer zu beschreiben. Ich bin echt fasziniert. Und froh und zufrieden hier zu sein und dies zu erleben. Wir verlassen die Northwest Territories und fahren zurück in den Yukon.

Zurück in die Wildnis: Rainers Yukon/NWT-Trip (Juni 2015) - Tag 3: Dempster! Oder der Weg hinaus aus dem Polarkreis (Fortsetzung)So langsam geht es hinein in die Richardson Mountains, die nördlichen Ausläufer der Rocky Mountains. Jetzt wird es wirklich noch spektakulärer, finde ich. Und immer noch so wild und einsam. Ganz mein Ding! Ich versuche, auf Fotos festzuhalten, wie unendlich weit dieser Highway wirkt und wie allein man hier eigentlich immer ist. Wenn wir anhalten, lassen wir das Auto häufig mitten auf der Straße stehen - es kommt ja sowieso keiner. Dieses Gefühl von Freiheit und endloser Weite ist schwer zu beschreiben. Ich bin echt fasziniert. Und froh und zufrieden hier zu sein und dies zu eleben. Wir verlassen die Northwest Territories und fahren zurück in den Yukon. [Rainer]

Posted by SK Touristik - Kanada & USA on Dienstag, 30. Juni 2015