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Indian Summer in Kanadas Westen – im Navion von Vancouver nach Calgary
Text zum Textwettbewerb 2017
Autor: Olaf Thies

Nachdem wir bereits im letzten Jahr mit SK im Yukon und Alaska unterwegs gewesen waren, flatterte im Winter ganz unverhofft eine Email mit einem Herbst Special vom Anbieter Traveland in unsere Postfächer. Sofort hatten wir Ideen für eine mögliche Route. Und so kam es, dass uns unser Sommerurlaub auch dieses Jahr wieder in den Westen Kanadas führte. Wir sind übrigens Familie Thies, Anja und Olaf mit ihrer erwachsenen Tochter Nathalie.

20.09.17
Nach einem äußerst angenehmen Flug in einer Boeing 747 mit guter Beinfreiheit von Frankfurt nach Vancouver, brachte uns das hoteleigene Shuttle zum Sandman Signature. Anschließend verschlug es uns noch für einige Stunden nach Downtown, das man mit dem Skytrain problemlos erreichen kann. Dort besuchten wir einen unserer Lieblingsplätze in Vancouver, die Waterfront mit Canada Place. Nicht fehlen durfte ein Einkaufsbummel durch unsere Standardgeschäfte – der Hudson Bay Comany, American Eagle und natürlich Roots. Abgerundet wurde dieser erste Abend in Kanada mit dem traditionellen Burger, diesmal bei Roxy Burger, einem bei Einheimischen beliebten kanadischen Diner an der Granville Street Ecke Smithe Street.

21.09.17
Am nächsten Morgen wurden wir nach einem reichhaltigen Frühstück im Hotelrestaurant um 8:00 Uhr von Traveland am Hotel abgeholt und zur Übernahmestation nach Langley gefahren. Dort angekommen wies uns das äußerst freundliche Team in den Navion, der für die nächsten drei Wochen unser Zuhause auf vier Rädern sein sollte, ein. Eine besondere Überraschung war es, dass wir SK-Praktikantin Franzi kennenlernen durften, die uns mit unseren roten Peyto Rucksäcken natürlich gleich als SK Kunden erkannte. Praktischerweise ist zwei Blocks von der Traveland Station entfernt direkt ein Canadian Superstore, in dem wir unsere Grundausstattung für die erste Woche erwerben konnten. Das hieß in unserem Fall tonnenweise Nudeln und fast genauso viel unserer geliebten Butterscotch Icecream.
Weiter ging es dann zur Fähre in Tsawassen, denn schließlich wollten wir noch an diesem Tag in Victoria ankommen. Die Überfahrt bis zur Swartz Bay dauert ungefähr 90 Minuten und ist alleine schon wegen der tollen Ausblicke ein Highlight. Für den Weg nach Victoria wählten wir dann die Route über die Cordoba Bay Road, eine Alternative zum viel befahrenen Highway. Diese Strecke führt fast die ganze Zeit direkt am Meer entlang und bietet viele Möglichkeiten für die ein oder andere Foto- bzw. Kaffeepause.
In Victoria angekommen nutzten wir den Rest des Nachmittags und frühen Abends, um uns ein wenig durch die sehr britische und überschaubare Innenstadt treiben zu lassen. Besonders das ab Beginn der Dunkelheit beleuchtete Parlamentsgebäude und das Empress Hotel halten den Charme der Kolonialzeit lebendig. Die erste Nacht in unserem Navion verbrachten wir dann unweit der Innenstadt auf dem Fort Victoria RV Park.

22.9.17
Am nächsten Morgen grüßte uns ein wolkenloser Himmel, der uns dazu verleitete schon hier in Victoria eine Whale Watching Tour zu machen. Gesagt, getan fanden wir uns wenig später auf einem Zodiac (Schnelles Schlauchboot) von Orca Spirit wieder. Und da sich nach der Warnung unseres Skippers, man könne weiter vorne im Boot auch mal nass werden, keine anderen Freiwilligen fanden, saßen wir ganz vorne.
Und tatsächlich wurden unsere Hoffnungen nicht enttäuscht und schon nach etwa 20 Minuten Fahrzeit erklärte unser Skipper, eine Gruppe von Orcas wäre in Sichtweite. Nach einigen Minuten gespannten Ausharrens mit zugekniffenen Augen und Hinweisen wie „Orca auf zwei Uhr“ erspähten wir schließlich alle diese Giganten. Es waren sechs Orcas, die etwa eine Stunde lang ganz in der Nähe unseres Bootes auf- und abtauchten und hin und wieder auch mal eine Fontäne in die Luft sprühten. Als die Orcas weiterzogen, entschied unser Guide, dass ein kurzer Abstecher zu den Discovery Islands sicherlich lohnenswert wäre bevor wir in der nächsten Bucht wieder auf unsere Walgruppe warten würden. Die Aufregung der Walsichtung verwandelte sich angesichts der Stille, als wir durch dieses spirituelle Gebiet der Indianer schipperten in eine tiefe Ruhe. Auch die sich hier in der Sonne räkelnden Seerobben ließen sich durch unser Boot nicht aufwecken. Mit dieser war es doch schnell wieder vorbei als wir, nun wieder schneller, Kurs auf Oak Bay nahmen. Und wirklich hatte sich unser Skipper nicht verrechnet und auch unsere Freunde aus der Tiefe des Meeres trafen gerade hier ein. Einige Zeit konnten wir noch hier verweilen und diese Giganten beobachten, bis schließlich das Ende unserer dreistündigen Tour nahte und wir uns schnellstmöglich (und etwas spritzend) auf den Rückweg machten. Diese Erfahrung war sicherlich eine ganz besondere von der wir noch lange zehren werden.
Nach einer kurzen Weiterfahrt zum Fort Rodd mit dem Fisgard Lighthouse trauten wir unseren Augen kaum, als wieder eine Walgruppe vor dem Leuchtturm erschien – welch ein Glückstag! Für uns ging es dann noch weiter bis Chemainus, wo wir, nachdem wir uns einige der Murrals (Wandgemälde) angesehen hatten, auf einem einfachen Campground übernachteten.

23.09.17
Am nächsten Morgen machten wir unseren ersten Stopp an den Englishmen River Falls, die mit glasklarem Wasser in die Tiefe rauschen. Ein ähnlich beeindruckendes Bild bot sich uns wenig später an den Lower und Upper Falls im Little Quallicum Provincial Park, die durch einen kleinen Spaziergang verbunden sind.
Über Port Alberni und den Sprout Lake fuhren wir weiter Richtung Westküste bis Tofino. Am Wickannish Beach konnten wir viele Surfer dabei beobachten, wie sie versuchen, die Wellen des offenen Pazifiks zu bezwingen. Auf der Weiterfahrt beobachteten wir am Straßenrand einen Schwarzbären auf der Suche nach den letzten Beeren. Tofino selbst fanden wir eher wenig beeindruckend und sehr touristisch.
Um so idyllischer war dann aber unser Platz auf dem Green Point Campground direkt am Long Beach. Hier zu reservieren ist auch in der Nachsaison ein absolutes Muss, denn dank der Nähe zum Strand erfreut sich der Platz nicht nur bei Surfern hoher Beliebtheit. Mit einem Spaziergang im Sonnenuntergang am Long Beach ließen wir den Tag entspannt ausklingen.

24.09.17
Der nächste Morgen begann für uns mit einem weiteren Spaziergang am Strand, der um diese Tageszeit noch komplett leer war. Anschließend machten wir uns wieder auf den Weg und waren kurze Zeit später schon an der Cathedral Grove, wo wir einen kurzen Spaziergang durch den Wald voller riesiger Hemlock und Douglas Tannen machten.
Weiter ging es dann über Qallikum Beach und den Ocean Scenic Drive zum Mount Washington Alpine Resort. Die fantastischen Ausblicke genossen wir bei einer kleinen Wanderung in den Paradise Meadows. Nach einem kurzen Stopp zum Tanken in Campbell River entdeckten wir dann an den Elk Falls eine ganz neue Suspension Bridge direkt über den Wasserfällen.
Gegen Ende des Tages ging es in den Strathcona Provincial Park, wo wir auf dem Ralph River Campground (dem einzigem Platz mit direktem Zugang zum Butle Lake) einen Stellplatz fanden.

25.09.17
Mit Blick auf den Butle Lake erwachten wir am frühen Morgen und stellten fest, dass es anfing sich zu bewölken. Also machten wir uns früh auf zu dem ersten Ziel des Tages, den Lower Myra Falls, die durch einen kleinen Trail zu erreichen und definitiv einen Besuch wert sind. Anschließend wanderten wir durch den Kast Creek und bestaunten die Lupin Falls sowie die Lady Falls. Da der Himmel nun recht dunkel geworden war und uns die ersten Regentropfen trafen, entschieden wir uns zu fahren. Weiter ging es nun zurück Richtung Campbell River.
Dort angekommen stellten wir fest, dass wir dank der frühen Uhrzeit auch noch etwas weiter zurück Richtung Nanaimo fahren könnten, denn von dort wollten wir schließlich am nächsten Morgen die Fähre zurück zum Festland nehmen. Wir schafften es dann tatsächlich noch die Fähre um 17:20 Uhr zur Horseshoe Bay zu bekommen. Die Überfahrt war sehr windig und kurz vor Erreichen des Anlegers wies uns der Kapitän auf eine Gruppe von Walen hin, die gerade unser Schiff passierte. Die Nacht verbrachten wir auf dem Overflow Parkplatz des Porteau Cove Campgrounds, der sich mit seiner exzellenten Lage direkt über dem Pazifik am Sea-to-Sky Highway großer Beliebtheit erfreut.

26.09.17
Für den nächsten Tag hatten wir uns eine ganz besondere Wanderung vorgenommen und so standen wir schon früh auf und bewunderten den stillen Ozean im Morgenlicht. Schnell ging es los zum Ausgangspunkt der Wanderung zum Garibaldi Lake, dem Rubbers Creek.

Die Wanderung zum See ist durchaus anstrengend, denn auf den gut neun Kilometer zum See gilt es auf den ersten fünf Kilometern 900 Höhenmeter zu überwinden. Trotzdem sind schon die Ausblicke nach diesen ersten Kilometern jede Anstrengung wert. Der von Gletschern umgebene türkisblaue Garibaldi Lake ist ein absolutes Muss für jeden wanderfreudigen Kanada-Liebhaber. Als wir uns gerade auf den Rückweg machen wollten, entschied sich Olafs linker Wanderschuh plötzlich und unerwartet dazu einen Teil seiner Sohle zurückzulassen, sodass wir durch eine Schuh-OP mit Hilfe des Taschenmessers am Ufer des wunderschönen Sees die Aufmerksamkeit der übrigen Wanderer erregten. Weiter fuhren wir an diesem Tag nur noch bis Whistler, wo wir abends beim BG Urban Grill einen wohlverdienten Burger aßen. Übernachtet haben wir auf dem Whistler RV Park, der zwar etwas außerhalb liegt, aber durch die Panorama Blicke über das Tal und auf die Gletscher überzeugt.

27.09.17
Ein weiterer Pluspunkt dieses Campgrounds ist die Nähe zu den Brandywine Falls, die wir am nächsten Morgen besuchten. Weiter ging es dann mit der Mission neue Wanderschuhe für Olaf zu finden. Und tatsächlich erwies sich der kleine Ort Pemberton mit seinem urkanadischen Outdoor Geschäft als ein Glücksgriff. Außerdem ist in diesem unscheinbar wirkenden Ort auch die Blackbird Bakery mit ihren Cinnamon Buns besonders zu empfehlen.
Die neu erworbenen Wanderschuhe wurden dann direkt auf der nächsten Wanderung zum Upper Joffree Lake getestet und für gut befunden. Auch dieser See beeindruckt durch sein tiefblaues Wasser vor weißem Gletscher. Weiter ging es Richtung Rocky Mountains, an diesem Tag noch vorbei am Duffey Lake, der zu einem kurzen Fotostopp einlädt, über Lilloet bis Kamloops. In der Nähe übernachteten wir im Paul Lake Provincial Park, direkt am See.

28.09.17
Am nächsten Morgen entdeckten wir kurz nach dem Verlassen des Campingplatzes einen über eine Wiese laufenden Schwarzbären. In Kamloops nutzten wir die Gelegenheit, unsere Vorräte aufzufüllen und dann ging es zügig weiter über Valemount bis zum Mount Robson. Bei einer kleinen Pause am Straßenrand des Yellowhead Highways wurden wir von einem gemächlich trottenden Schwarzbären beobachtet. Da der Himmel seit dem frühen Morgen strahlend blau und wolkenlos war, war die Spannung groß, ob es uns in diesem Jahr tatsächlich vergönnt sein sollte, den Mount Robson ohne Wolken zu bewundern. Und tatsächlich bot sich uns schon bei der Einfahrt in den Park der Anblick des mit Neuschnee überzogenen Berges vor wolkenlosem Himmel. Da wir unser Glück kaum fassen konnten, hielten wir auch direkt an der Visitor Information, um diesen seltenen Ausblick mit der Kamera festzuhalten. Nachdem wir einen Platz auf dem Robson Meadows Campground gefunden hatten, fuhren wir noch weiter zu den Reagard Falls, die besonders von der unteren Plattform aus ein Foto wert sind. Zurück am Campground ließen wir den Abend mit einem Campfire und Marshmallows ausklingen.

29.09.17
Auch wenn am nächsten Morgen bereits einige Wolken aufgezogen waren, machten wir uns doch auf zu einer kleinen Wanderung. Die ersten Kilometer des Berg Lake Trails führten uns bis zum Ende des Kinney Lakes. Da wir am Nachmittag noch weiter bis Jasper wollten, endete die Wanderung hier für uns.
In Jasper angekommen, waren wir überrascht von den fast ausgebuchten Campingplätzen, hatten aber Glück, und konnten auf dem Wapiti Campground noch einen schönen Platz finden. Um den Tag gemütlich zu beenden fuhren wir zu den Miette Hot Springs. Auf der Fahrt dorthin bekamen wir einige Dickhornschafe zu Gesicht. Das Bad in dem heißen Wasser, konnten wir, dank des Blickes auf die mit Schneeflecken übersäten nahe gelegenen Berghänge, besonders genießen.

30.09.17
Dass der Wapiti Campground seinem Namen alle Ehre macht, merkten wir als wir früh am nächsten Tag aufbrechen wollten und vor dem Eingang eine ganze Herde Wapitikühe mit einem Bullen stand und die Straße blockierten. Das Glück schien an diesem Tag auf unserer Seite zu sein, denn auf der Fahrt zum Maligne Lake begegneten wir auch noch einigen Elchen. Oben angekommen mussten wir leider feststellen, dass es am Maligne Lake sehr wolkig war, weswegen wir nur einen kleinen Spaziergang am See entlang machten.
Nach einem Stopp in Jasper, wo wir unseren Tank und das Propan auffüllten, machten wir uns auf Richtung Icefield Parkway. Mit einigen Stopps an den vielen Viewpoints und den Athabasca sowie Sunwapta Falls, kamen wir schließlich am Athabasca Glacier an. Ein kurzer Spaziergang führt ganz in die Nähe des Gletschers. Dort am Columbia Icefield Discovery Center verbrachten wir auch die Nacht bei eisigen Temperaturen.

01.10.17
Beim Aufstehen am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, als wir den Schnee vor und auf unserem Navion entdeckten. Da konnte uns nichts halten und mit Kameras bewaffnet hinterließen wir die ersten Spuren im frischen Neuschnee. Dass wir in Jasper nochmals Propan getankt hatten, hatte sich als richtige Entscheidung erwiesen. Nach dem Frühstück ging es dann weiter über den Icefield Parkway, der sich seinen Weg nun noch weiter ansteigend durch die schneebedeckten Berge bahnt. Am Sunwapta Pass holten wir dann auch die Handschuhe raus, als wir die Aussicht bewunderten. Weiter ging es mit Stopps an Sasketchewan River Crossing, Mistaya Canyon und dem Bow Summit. Insbesondere der Peyto Lake mit seiner tiefblauen Färbung sah an diesem Herbsttag wunderschön aus(IMG_10_01). Anschließend wanderten wie von der Num-Ti-Jah Lodge zu den Bow Glacier Falls. In diesem Talkessel nahm der Schneefall noch mehr zu. Anschließend ging es weiter bis zum Campground in Lake Louise, von wo wir noch einen kleinen Spaziergang ins Dorf unternahmen.

02.10.17
Als wir am nächsten Morgen losfuhren, wurde der Nebel auf der Fahrt Richtung Lake Louise immer dichter, so dass wir uns entschieden es am heutigen Tag etwas ruhiger angehen zu lassen und einen Stadtbummel in Banff zu unternehmen. Gesagt, getan, bummelten wir wenig später durch die vielen Geschäfte in Banff und staunten nicht schlecht, als der Schneefall dort immer hefiger zu wurde. Bei einem Einkaufsbummel durch schneebedeckte Straßen kam dann schon fast ein wenig Weihnachtsstimmung auf. Schließlich fuhren wir über den Bow Valley Parkway und den TransCanada Highway bis in den Yoho Provincial Park, denn laut der Wettervorhersage durften wir hier für den nächsten Tag mit strahlend blauen Himmel rechnen. Nachdem wir auf dem Kicking Horse Campground einen Stellplatz gefunden hatten, besuchten wir das Visitor Information Center in Field und unternahmen am Abend bei bereits wolkenlosem Himmel noch einen Spaziergang zu den Wapta Falls.


03.10.17
Da der Himmel auch am nächsten Morgen hielt, was der Wetterbericht versprochen hatte, und schon die Nacht wolkenlos geblieben war, wanderten wir bei -7°C auf dem Iceline Trail los. Die kalte Luft passte gut zu den vielen tollen Gletschern und gigantischen Ausblicken, mit denen man auf diesem sehr hoch gelegenen Trail, nach dem ersten steilen Aufstieg, konstant verwöhnt wird. Der Trail lässt sich auch gut als Rundwanderung (17,5 km) gestalten und so kehrten wir dann über den Celeste Lake und die Laughing Falls zurück zum Parkplatz direkt an den Takkakaw Falls. Nach dieser beeindruckenden Wanderung bei wolkenlosem Himmel beschlossen wir unser Glück am nächsten Tag nochmals am Lake Louise zu versuchen und übernachteten wieder auf dem Campground dort.

04.10.17
Um das schöne Wetter voll auszunutzen und den Touristenbussen zu entgehen machten wir uns am nächsten Tag sehr früh auf zum Lake Louise. Von dort wanderten wir dann zum Lake Agnes Teahouse und kamen kurz nach Öffnung dort an. Das Teahouse am Lake Agnes umgeben von steilen Bergen wirkt wie ein verwunschenes Häuschen. Der Tee und die Heiße Schokolade mit Marshmallows, die wir auf der Terrasse sitzend mit Blick auf den See und die Berge genießen konnten, könnten besser nicht schmecken. Und auch jetzt zurück in Deutschland genießen wir immer mal wieder gerne eine Tasse des Tees, den wir in luftiger Höhe am Lake Agnes erworben haben. Frisch gestärkt ging es dann weiter nach oben auf den Big Behive, von dem man eine geniale Aussicht auf den Lake Louise und das Chateau hat. Für den Abstieg wählten wir die Strecke über den Highline Trail, über den man dann am Ende des Lake Louise ankommt und den Rest der Strecke direkt am See zurücklegen kann.
Weiter ging es für uns an diesem Tag dann noch in den Kootenay Park, wo wir noch einen Spaziergang am Marble Canyon machten, der an einigen Stellen so eng wird, dass man nicht mehr bis auf das Wasser hinunter blicken kann. Die Nacht verbrachten wir auf dem Redstreak Campground in beinahe völliger Einsamkeit ohne Nachbarn. Nur ein Streifenhörnchen ließ sich abends am Campfire blicken.

05.10.17
Am nächsten Morgen besuchten wir den kleinen Supermarkt in Hot Radium Springs und frischten nicht nur unsere Vorräte auf, sondern hielten auch noch einen netten Plausch mit den Verkäuferinnen, die uns versicherten, die 0°C draußen seien ein ganz typischer Indian Summer -brrr! Aber trotz dieser Temperaturen ließen wir es uns nicht nehmen, eine Weile in den heißen Quellen zu schwimmen, und tatsächlich sind die 0°C, sobald man im Wasser ist, vergessen.
Nach diesem erfrischenden Morgenbad fuhren wir weiter bis Fort Steele. Beim Besuch des ehemaligen Mountie Forts, in dessen ehemaligen Hotel ab diesem Herbst auch wieder Zimmer vermietet werden, fühlten wir uns leicht in der Zeit zurückversetzt. Nach Hot Chocolate und noch warmen Cinnamon Bun in der Sonne auf der Terrasse vor der Bakery, einem Besuch beim örtlichen Sattelmacher und der ansässigen Schneiderin, waren wir uns einig, dass dieses Fort den Titel „bekannteste Geisterstadt Westkanadas neben Bakerville“ verdient hat.
Ein kleines Stück weiter übernachteten wir dann am Norbury Lake, einem bei Einheimischen besonders für Wochenendausflüge beliebten Campground. Ein Campfire mit Marshmallows rundete den goldenen Oktobertag ab.


06.10.17
Während der Fahrt am nächsten Tag wurde es immer windiger und als wir unser eigentliches Ziel, den Waterton Nationalpark direkt an der Grenze zu Montana, erreichten hatte sich dieser Wind zu einem Sturm mit 100km/h ausgeweitet. Aber nicht genug, leider konnten wir hier nichts unternehmen, denn die Waldbrände des Spätsommers hatten dem Park so zugesetzt, dass alle Einrichtungen geschlossen waren. Selbst die Tourist Information war den Flammen zum Opfer gefallen. Doch das, was man in dem Wind erahnen konnte sah nach wunderschöner Natur aus, so dass der Waterton schon ganz oben auf der Liste für einen der nächsten Kanada Urlaube steht. Wir entschieden uns kurzerhand weiter bis Fort McLeod zu fahren und dies zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin, sichteten wir sogar zwei Wölfe und bestaunten die Weiten der Prärie. Nach der Besichtigung des doch recht kleinen Forts, fuhren wir noch zum nur einige Kilometer entfernten Buffalo-smashed-in-the-head-jump. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über die Weiten der Prärie. Auf einem kurzen Trail begegnete uns eine kleine Wapiti Gruppe, die sich geduldig fotografieren ließ.
Der von außen unscheinbare Daisy May Campground in Fort McLeod entpuppte sich als wahres Überraschungsei, denn von innen war er recht schön und die Besitzerin äußerst liebenswürdig.

07.10.17
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zurück in die Rockies. Unser Ziel war der Peter Lougheed Provincial Park, der besonders bei Einheimischen beliebt ist. So kam es dann auch, dass wir mit viel Glück noch den letzten Platz auf dem Elkwood Campground ergatterten, umgeben von Thanksgiving Weekend feiernden Kanadiern. Bei leichtem Schneefall wanderten wir durch eine geschlossene Schneedecke bis zum Elbow Lake, der an den Seiten bereits etwas gefroren war. Während der Fahrt zurück zum Campground begegneten wir noch Wapitis und Dickhornschafen.

08.10.17
Am nächsten Morgen wurden wir von ein paar Zentimetern Neuschnee begrüßt, die sich auf der Fahrt zum Visitor Center als recht glatt erwiesen. Außer uns war wohl auch deswegen niemand dort.
Ganz anders bei unserer Wanderung wenig später zum Rawson Lake, wo die Einsamkeit erst auf dem Weg am See entlang wieder einsetzte. Dank der Tourist Information hatten wir von einem inoffiziellen Weg erfahren, der am Ende des Sees hinauf auf einen Bergsattel führen sollte. Leider war wegen des dichten Schnees außer Fußstapfen nicht viel zu erkennen. Diesen folgten wir dann für eine Weile, bis es zu steil und zu glitschig wurde und die Spuren abbrachen. Aber auch von dort, ungefähr auf halber Höhe, hatte man geniale Ausblicke.
Auf der Fahrt zurück zum Campingplatz in freudiger Erwartung eines warmen Campfires trauten wir unseren Augen kaum, als am Straßenrand Mr. Moose mit seiner Familie seelenruhig im Schnee stand. Sowohl Mutter als auch Moose Baby ließen sich wie auch der Elchbulle in aller Ruhe ablichten. Mit unserem Campfire am späten Nachmittag schlossen wir uns allen anderen Nachbarn an.

09.10.17
Am nächsten Tag ging es für uns leider schon nach Calgary und damit ganz schnell dem Ende unseres Urlaubs entgegen. Nach der Begegnung mit einem letzten Wapiti und einem letzten Moose für diesen Urlaub fuhren wir über den Hwy. 1A und Airdrie zum Mountain View Campground. Dort reinigten wir den Navion und verbrachten einen letzten schönen Abend in Kanada.

10.10.17
Der günstig gelegene Platz ermöglichte es uns am nächsten Morgen um kurz nach acht bei Traveland den Navion zurückzugeben. Der nette Service dort und der gute Kaffee bestätigten den Eindruck, den wir schon bei der Übernahme bekommen hatten. Traveland garantiert ein von Anfang bis Ende gut betreuten, komfortablen Urlaub. Der deutsche Auswanderer Klaus, der uns später mit dem Navion zum Flughafen brachte, ist ein Beispiel dafür.
Am Flughafen angekommen checkten wir ein und gaben unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrung auf. Schnell ging es dann mit dem Bus nach Downtown, wo wir noch etwas durch die Stadt schlenderten und unser letztes Mittagessen in Kanada genossen. Indisch beim Royal Indian Restaurant mit Buffet, das besonders von Geschäftsleuten in der Mittagszeit häufig frequentiert wird.
Der Rückflug mit Air Canada war ebenso angenehm wie auch der Hinflug mit Lufthansa. So landeten wir schließlich wohlbehalten in Frankfurt und waren doch etwas traurig über das Ende des Urlaubs. Aber wir sind uns sicher, nach Kanada ist vor Kanada!