Unsere Website verwendet Cookies. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

      Cookies löschen

Im Wohnmobil bis Nordkanada Northwest Territories - Kanada Wohnmobil und Traveland

Deh Cho 2010 - Teil I

Von Westkanada in den Norden

2. Tag - Mittwoch 14.07.10
Die Nacht war grenzwertig. Die Kinder haben zwar trotz der ganzen Aufregung gut geschlafen, aber es war unglaublich heiß in unserem Zimmer im 4. Stock. Eine tropische Nacht. Und so wirklich konnten wir das Fenster ja nicht auflassen, wegen der nur gefühlte 50 Meter entfernten S-Bahnlinie... Naja, schlussendlich blieb uns ja doch nichts anderes übrig...
Erbarmungslos klingelte dann der Handywecker um 4:30 Uhr - gerade als es kühl wurde und wohl jeder von uns noch problemlos ein paar Stündchen hätte schlafen können. Naja, für 5:10 Uhr hatten wir das Taxi bestellt (der Shuttle startet erst um 6 Uhr - is klar...). Das Taxi wartet schon unten. Eigentlich sehr angenehm. Ist ja nur ein Karzensprung zum Airport und so konnten wir uns einen Kombi ( für das ganze Gepäck) und zwei Sitzplatzerhöhungen (für die Kinder) bestellen.

3. Tag
Zum ersten mal bin ich um 2:30 Uhr wach. Klar, Jet Lag. Einmal austreten, wieder hinlegen, versuchen weiter zu schlafen - oder wenigstens zu dösen. Erst geling es, aber um 4:30 Uhr gebe ich es dann auf und stehe auf. Wenig später dann auch die Kinder. Sie sind begeistert und kaum noch zu halten. Vor einer Stunde noch bin ich zu meinem vierjährigen Sohn Felix in den Alkoven gekrochen und habe ihn gefragt: "Na, ist das cool hier im Wohnmobil?" Seine Antwort war: "Ja, total! Und ich freue mich auch schon ganz doll auf den neuen Tag, Papa!" Da geht einem doch das Herz auf, oder?

4. Tag
Morgens das erste Malheur: Natalie ist irgendetwas an einer Zahnkrone kaputtgegangen, was nun repariert werden muss. Glücklicherweise sind wir in Vancouver, wo so etwas schnell, professionell und unbürokratisch gemacht werden kann!! (Am Abend wird wieder alles in Ordnung sein.)

5. Tag
Heute morgen verzichten wir auf das Frühstück im Rosedale (der Service hatte uns hier gestern nicht so gut gefallen) und wir fahren früh los nach Langley. Frühstück mit leckerem Kaffee bei Starbucks und dann nur über die Straße zu Traveland RV. Wir steigen wieder in unser Mobil und Kamnels übernehmen ihres - und los geht's ins Fraser Valley zum Harrison River. Auch dort werden wir von herrlichem Wetter empfangen. Der Wasserstand des Flusses ist hoch, aber wir riskieren einen ersten Angrlausflug zur nahegelegenen Eisenbahnbrücke - leider erfolglos, aber trotzdem spannend für die Kinder. Anschließend brauchen wir alle eine Abkühlung und springen in den Fluss. Aber nur ganz kurz, denn das Wasser ist eiskalt...
Abends zünden wir dann das Lagerfeuer an. Unsere alten Freunde Bruce und Nancy kommen vorbei und bringen ein riesengroßes Königslachsfillet mit. Ja, wir feiern heute zwanzigjähriges Jubiläum! Genau vor zwanzig Jahren habe ich Bruce (den Inhaber des nahdgelenen Sasquatch Pubs) hier kennengelernt. Im Laufe des Abends kommen auch noch Bruces Schwester Janet sowie die beiden Töchter Jacqueline und Brittany vorbei. Es wird ein richtig schöner (und feuchtfröhlicher) Abend am Lagerfeuer!

6. Tag
Jetzt geht's richtig los. Wir packen das Camp zusammen und fahren - wieder bei herrlichem Wetter- durch den Fraser Canyon ins Cariboo Country. Unterwegs entdecken wir bei Cache Creek einen idyllischen Farmer's Market mit Picnic Area. So decken wir uns erst einmal mit frischem Obst und Gemüse ein und machen eine ausgedehnte Rast. Die Kinder spielen auf den Schaukeln und Spielgeräten.
Weiter geht es auf dem Goldrush Trail (Highway 97) gen Norden bis Lac La Hache, wo wir auf die Hinterlandstraße zur Ten-ee-ah Lodge abbiegen. Über 20 Kilometer Schotter und so langsam stellt sich wohl bei meiner Frau und bei der Familie Kammel die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Die wird aber unisono direkt nach der Ankunft mit einem deutlichen "JA" beantwortet. Die Lage der Lodge am einsamen Spout Lake spricht wirklich für sich. Und die schönen und gepflegten Rundholzgebäude scheinen, wie mir auffällt, vor allem den weiblichen Sinn für Ästhetik anzusprechen, während die Herren der Schöpfung eher zu schätzen wissen, dass alles weitläufig und gut verteilt ist, so dass man überall auf dem Lodge-Gelände das Gefühl hat, mehr oder weniger allein zu sein. Pferde laufen über das Gelände - Anna flippt aus...

7. Tag
Ein Tag rund um die Ten-ee-ah Lodge. Eigentlich wollten wir ja heute schon zum Wells Gray Park aufbrechen, aber die Mehrheit meiner "Mannschaft" (insbesondere Frauen und Kinder) votieren dagegen. Und so gibt es mitten in unserem Wohnmobilurlaub einen echten Lodge-Tag.
Um 5 Uhr stehen Felix und ich auf und wir treffen uns draußen am Steg mit Sven, Lili und Lennart. Wir nehmen uns eines von den kleinen Motorbooten und tuckern auf den See hinaus - zur Pirschfahrt. Ein tolles Erlebnis mit den Morgennebeln über dem See - übrigens wieder tolles Wetter.. Tja, den Elch finden wir nicht, aber wir können einen Fischadler super fotografieren und die Loons (Eistaucher) bieten uns eine tolle Schwimm- und Tauchshow mit Konzert.
Um 8 Uhr kehren wir zurück. In einer halben Stunde gibt's Frühstück in der Lodge. Wir haben das Camper-Package gewählt mit Stellplatz, Halbpension, Kanus und Mountainbikes sowie die Nutzung des Lodge-Duschraums. Absolut zu empfehlen!! Man fühlt sich gar nicht als "Camper nebendran", sondern richtig als Lodge-Gast.

8. Tag
So, heute geht's aber weiter, ob wir wollen oder nicht. Einkauf in 100 Mile House und dann über die Route 24 in die Thompson-Okanagan-Region. Unser Ziel: der Wells Gray Park. In Clearwater tanken wir. Kein Kommentar über die Tankrechnung unserer beiden großen Benzinschlucker. Nur so viel: Es tut weh, der Zapfsäulenanzeige beim Tanken zuzusehen. An der ATM- Machine in der Shell-Tankstelle besorgen wir uns noch schnell etwas Bargeld, um alle Campgebühren im Parl bezahlen zu können. Dann geht's los über die Parkstraße, die ja später (nach dem Abzweig zu den Helmcken Falls) zur Schotterpiste wird. Wir haben Glück und ergattern noch den letzten Doppelstellplatz auf dem Campground.
Hackfleisch hatten wir schon während der Fahrt aus dem Gefrierfach des Wohnmobils genommen und so werden nach Ankunft schnell Spaghettis zubereitet - natürlich komplett auf dem Feuer!! Das Wetter, wie gewohnt, ein Traum. In Clearwater war es sogar richtig heiß. Der totale Kontrast jetzt hier im dichten Wald - im Vergleich zum Lodge-Programm... Doch die Kinder freuen sich und toben vor und nach dem Essen über den riesigin Doppelstellplatz. Und abends prasselt das Lagerfeuer.

9. Tag
Die Wildnis ruft! In der Früh kommt mein Kumpel Andy (Inhaber von Kanata Adventure Specialists) mit seinem Van mit Hänger vorbei. Seine beiden Töchter Tiffany und Sarah sind auch mit von der Partie. 3 Tage (2 Nächte) soll es auf Kanuexkursion hinaus auf den Clearwater Lake gehen. "Wie in alten Zeiten" denke ich so bei mir, während wir unseren Part der Ausrüstung dazupacken. Genau so eine Kanuexkursion auf dem Clearwater Lake war früher in den 90er Jahren dester Bestandteil einer jeden unserer Campingtouren...
Das Wetter ist einmal mehr der Hammer und so können wir es kaum erwarten, endlich auf den See hinauszukommen. Andy bringt uns zur Einsetzstelle, wir lassen drei Kanus ins Wasser und verladen die umfangreiche Azsrüstung in diese. Mutter vorn, Vater hinten zum Steuern und die Kinder in die Mitte auf Ausrüstungskisten oder -Säcke. So funktioniert's. Nur der arme Andy muss mit seinen beiden Töchtern allein paddeln.

10.Tag
Ein Tag in der Wildnis. Aber was ist mit dem Wetter los? In der Nacht habe ich schon das Tröpfeln auf's Zeltdach gehört - und leider setzt es sich am frühen Morgen fort. Jetzt erweist sich Andy's Küchenzelt als echter Gewinn! So können wir den ersten Kaffee genießen, ohne nass zu werden. Und dann ist es auch schon wieder vorbei mit dem Tröpfeln. Die Damen misstrauen dem Wetter noch, aber ich nehme Andys leckere Eier mit Speck schon am Strandtisch unter freiem Himmel zu mir.
Und dann geht's auf Kanu-Entdeckungstour. Ganz gemütlich und ohne Gepäck paddeln wir zum Ivor Creek. Hier treffen wir die Holländer wieder, die sich für den tollen Tipp bedanken, aber gleichzeitig auch zugeben, dass sie über Nacht mächtig Schiss gehabt haben. Bärenspuren überall, sogar im frisch nassgeregneten Strandboden. Nach einem kleinen Schokosnack (Danke, Andy- abnehmen werden wir wohl trotz Paddelei sicher nicht!) geht es wieder zurück zum Camp. Beim Zurückblicken sieht Mirjam den Schwarzbären dann tatsàchlich auch. Naja, wir sind wieder auf dem Wasser. Andy und ich fangen je eine Regenbogenforelle, so dass es zurück am Camp für alle ein schmackhaftes Fischtoast gibt. Es gibt einfach nichts leckereres als eine über dem Feuer frisch gebratene Forelle!

11. Tag
Sonne und strahlend blauer Himmel. Erst einmal noch ein zünftiges Frühstück am See. Rührei mit allem, was so übrig geblieben ist. Lecker.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass es auf den Wilderness Campgrounds am Clearwater Lake jetzt bärensichere Food-Container gibt? Also nicht mehr das Klettern auf die vier Meter hohe Traverse zwischen zwei mit Stahl ummantelten Bäumen, sondern einfaches und sicheres Verstauen der Lebensmittel am Boden.
Dann das Camp abbauen und alles wieder in die Kanus. Und los geht's zurück. Zunächst überqueren wir den See und paddeln zum Divers Bluff Campground. Hier machen wir eine ausgedehnte Mittagspause und fühlen uns wie in der Südsee. Sonnen am Strand, Schwimmen und Springen von den hohen Klippen. Und dann auf zur letzten Etappe. Erstaunlich nach wie vor, dass man hier für den Rückweg immer die doppelte Zeit benötigt. Das war schon vor 15 Jahren so. Auf dem Rückweg hat man den Wind immer gegen sich...

12. Tag
Morgens erst die Schotterfahrt über die Parkstraße. Stop an den Helmcken Falls. Wir sind ganz allein. Haben die 140 Meter hohen Fälle ganz für uns. Ach, und Sonne und blauer Himmel - hatte ich das schon erwähnt?
Dann weiter nach Clearwater und Frühstück mit Andy und seiner Familie (Andys Frau Daniela ist heute auch dabei - und sie haben auch noch ihren Freund Franz aus München mitgebracht) in der Meadow Flowers Bakery. Die Sonne brennt um 9 Uhr schon richtig runter und ich habe nach einiger Zeit echte Schwierigkeiten an unserem großen Tisch mitten in der prallen Sonne. Zum Glück wechseln wir dann an Schattentische. Phhhhhh.....

13. Tag
Sonne und strahlend blauer Himmel. Ein spätes und ausgedehntes Frühstück im lichten Wald des Whistlers Campground. Wir hatten uns gestern mit den zwei Mobilen auf einen Site gestellt (groß genug sind sie ja), da es praktischer ist zum Kochen und für die Kinder zum Spielen. Naja, bis heute ging es gut. Doch heute werden wir freundlich darauf hingewiesen, dass wir den Site "overcrowden" - Sven muss mit seinem Mobil weichen. Immerhin kann man uns heute einen zweiten Platz in unmittelbarer Nähe zuweisen.

14. Tag
Wir brechen ganz früh auf - kurz nach der Dämmerung. Noch kurz zur Dumpstation am Campground. Wir müssen die Tanks ablassen und Frischwasser auftanken. Und dann geht es los durch den spektakulären Nordostteil des Jasper Nationalparks. Und endlich sind sie da - die Tiere! Jede Menge Wapitis. Ein kapitaler Hirsch kreuzt die Straße und scheint für's Foto zu posieren. Toll. Dickhornschafe gesellen sich dazu. Und natürlich Weißwedelhirsche. In einer großen Wiese steht ein Elch. Ein Koyote läuft mitten über die Straße. Und das alles vor dieser sensationellen Gebirgszenerie und einem atemberaubenden Sonnenaufgang! Ich weiß gar nicht, mein wievielter Besuch im Nationalpark das hier ist - es kommt mir vor wie das hundertste Mal - aber für diese Momente werde ich immer wieder hierhin kommen!!
Wir verlassen den Jasper Nationalpark und biegen bei Hinton nach Norden auf die Route 40 in Richtung Grande Prairie ab. Für mich wird die Zeit zurückgedreht. Diese Straße bin ich zum letzten Mal in den Neunzigern gefahren - als Tourguide für unsere Campingtouren. Sie war fester Bestandteil fast aller unserer eigenen Touren damals. Eine Überbrückung vom Kanutrip im nördlichen Peace River District hinunter in die Nationalparks - so meine Erinnerung. Doch heute staune ich. Die Route ist in diesen frühen Morgenstunden traumhaft schön! Herrliche Ausblicke in dieser Foothill-Landschaft. Ein Elchbulle - diesmal ein echt kapitaler, nicht so ein "Fahradlenker" wie vorher - steht direkt am Straßenrand. Sven erwischt ihn mit seiner Kamera. Kaffestopp in Grand Cache, Tanken in Grande Prairie und dann weiter in Richtung Dawson Creek. Hier ist die "Mile 0" des Alaska Highway.

15. Tag
Der frühe Aufbruch lohnt sich. Natürlich wieder herrlichstes Wetter und wir sind nun wirklich ganz allein auf dem Alaska Highway. Die Sonne steht schon recht hoch am Hinmel (wir sind deutlich später als gestern aufgebrochen) und ich unterhalte mich schon über Funk mit Sven darüber, ob es wohl zu spät war, da gar keine Tiere (außer ein paar Weißwedelhirsche) zu sehen sind. Doch dann sehe ich einen knappen Kilometer (ja, so weit kann man auf diesem Highway gucken!) vor mir den auffälig schwarzen Fleck, der in die Buschlandschaft am Straßenrand einfach nicht hineingehört. "Wenn der sich jetzt bewegt, muss es ein Bär sein." denke ich und fixiere den Fleck. Er bewegt sich - und halt, jetzt sind es sogar zwei! Eine Schwarzbärenmutter mit ihrem Jungen. Sie pflücken in aller Seelenruhe die Beeren von den Büschen und lassen sich von uns in keinster Weise stören. Wir bleiben mitten auf dem Alaska Highway stehen - einen richtigen Randstreifen gibt es hier nicht - aber was soll's? Es kommt ja eh kein anderes Auto. Doch, ein Truck. Aber der hat Verständnis und fährt weiträumig um uns herum. Nachdem wir uns im wahrsten Sinne des Wortes sattgesehen und -fotografiert haben (leider nicht wirklich was für meine iPhone-Kamera...), fahren wir weiter zum Tankstop nach Fort Nelson. Sven (die Kinder nennen ihn ja, wie gesagt, "den Reparateur") hatte bereits gestern festgestellt, dass sich irgendwo (ich bitte meine technische Unkenntnis zu entschuldigen) ein Kabel gelöst hat, das für das Funktionieren des ABS verantwortlich ist. Irgendein Kontakt funktioniert nicht mehr, hatte er mir erklärt. Doch nach eigenen Überlegungen und Gesprächen auf dem Campground hatten wir beschlossen, dass dies kein weltbewegender Mangel sei - zudem ABS auf Schotterpisten eh eher hinderlich sein kann. Und hier in Fort Nelson suchen wir nun noch zur Sicherheit einen Autoglaser auf, um uns bzgl des Scheibenrisses meine bereits gestrige Vermutung bestätigen zu lassen, dass die Windschutzscheibe hinterher eh komplett ausgetauscht werden muss (war mir da recht sicher, da ich genau so etwas schon zwei mal bei meinem Privat-PKW in Deutschland erlebt habe). Und genauso geschieht es dann auch. Natürlich direkt das Angebot, die Scheibe auszutauschen, doch wir lehnen ab. Macht ja keinen Sinn. Das kann Traveland in Langley sicher hinterher besser organisieren. Zudem brauch man sich dann halt jetzt um die Scheibe keine Sorgen mehr zu machen - selbst wenn noch ein Steinschlag hinzukommt. Also erst einmal eine Sorge weniger - für den Moment. Ist ja schon mal was...

16. Tag
Heute brechen wir gegen 7 Uhr auf. (Übrigens, der Toilettengeruch bei Kammels scheint nun endlich unter Kontrolle. Mal weiter abwarten...) Wir haben zwar nur eine relativ kurze Strecke vor uns aber insgesamt sehr viel vor heute. Das letzte Teilstück des Liard Trails wird bewältigt. Dann der Abzweig auf die Asphaltstraße nach Fort Simpson. "Der Asphalt hat uns wieder!" denken wir und drücken ein wenig mehr auf die Tube. Allerdings nur bis zur ersten Bodenwelle. Dann merken wir so langsam, dass man auf dieser Asphaltstraße (wenn auch schnurgerade und völlig ohne Gegenverkehr) im Prinzip langsamer fahren muss als auf der Schotterpiste. Naja... Plötzlich öffnet sich der Busch zum großen Fluss hin, den Mackenzie River. Hier verkehrt eine kleine Fähre, auf die wir nun einen Moment warten müssen. Rechts und auf der anderen Uferseite kann man sehen, wo im Winter die Iceroad über den Fluss an die Landstraße angebunden wird. Fort Simpson ist praktisch fast vier Monate im Jahr für Landfahrzeuge von der Außenwelt abgeschlossen, da sowohl im Spätherbst als auch im Spätwinter das Eis zwar noch zu dick für die Fähre, aber zu dünn für die Eisstraße ist (insbesondere, um das Gewicht von großen Trucks zu tragen). Unser Diareferrent Pfaff hatte mich bereits vor der Fährenrampe gewarnt. Das Problem sei schon lange gelöst, hatte ich auf meine entsprechende Anfrage an das Tiurismusbüro von den Northwest Territories erfahren. "Naja, wer's glaubt..." denke ich und taste mich ganz langsam heran. Und dann ist sehr schnell klar: es passt nicht. Führe ich noch einen halben Meter weiter, so würde ich mit dem Hinterteil meines 29-Fuß-Mobils auf der Schotterzufahrt aufsetzen. Nun müssen erst große Balken vor meine Hinterräder gelegt werden, auf die ich fahre, um hinten Höhe zu gewinnen. Dann passt alles. Alles relaxed. Wir sind eh die beiden einzigen Fahrzeuge für diese Fährfahrt. Bei Svens 27-Fuß-Mobil passt es auch dann tatsächlich ohne die Balken. Auf der anderen Seite dann das gleiche Spielchen. Dann noch ein paar Kilometer Asphaltstraße (gleiche Qualität wie vorher) und wir haben Fort Simpson erreicht. "Sieht fast ein bischen aus wie eine Indianersiedlubg" denke ich. Und man ist sehr schnell durchgefahren und steht wieder vor dem Fluß. Aber es gibt Zeichen der Zivilisation. Zwei oder drei Restaurants, eine Tankstelle, eine Bank, eine Post und einen Supermarkt sehe ich.
Naja, erst einmal melden wir uns kurz beim Hangar von Simpson Air und ich treffe meinen Freund Ted Grant, den Besitzer dieser kleinen Airline. Ted ist Buschpilot und betreibt in seiner Airline einige Busch- und Wasserflugzeuge. Ted zieht mich einmal mehr damit auf, dass es ja "bloß" 15 Jahre gedauert hätte, um mich hierher zu bekommen. Stimmt, vor etwa 15 Jahren hat er mich zum ersten Mal eingeladen und mir von seiner einsamen Lodge am Little Doctor Lake erzählt, der Nahanni Mountain Lodge. Und hierhin wollen wir nun auch fliegen. Doch vorher geht's zum Einkaufen in den Northern Store. Schließlich will man ja auch in der Wildnis nicht schlecht leben! Dann Packen. Was muss mit, was bleibt im Wohnmobil? Letztere bleiben übrigens sicher geparkt auf Teds Airline-Gelände stehen.

17. Tag
Alle haben gut geschlafen in den Zelten. Es war eine warme Nacht. Und heute wieder einmal traumhaftes Wetter. Beim Frühstück - Kaffee und Toast werden natürlich konsequent auf dem Feuer gemacht - beschließen wir, den Tag weitestgehend (aufgrund des schönen Wetters) hier zu verbringen, denn der Platz mit seinen Möglichkeiten ist nun einmal echt toll. Ansonsten wollen wir jedoch versuchen, heute noch einen Ortswechsel vorzunehmen. Wir waren einfach nicht auf Camping eingestellt und mittlerweile scheint (insbesondere die Damenwelt) auch schon die bloße Präsenz der unsauberen Hütten und der Umstand, dass man sie halt hin und wieder doch nutzen muss (da man ja doch einige Sachen in ihnen lagern muss) deutlich im Urlaubsgenuss zu beeinträchtigen. Also, mit dem Satellitentelefon rufe ich die Basisstation von Simpson Air an und melde an, dass wir hier abgeholt werden wollen. Kein Pilot frei derzeit, doch man will versuchen, was man kann.

18. Tag
Der erste Morgen in der North Nahanni Naturalist Lodge. Heute morgen wird uns besonders der derzeitige "Improvisationsstatus" unseres Aufenthalts hier bewusst. Warum? Es ist weit und breit niemand zu sehen, um uns Frühstück zu machen in dieser eigentlichen "Full Service Lodge". Also bedienen wir uns selbst in der Küche - an unseren eigenen Lebensmitteln, die wir von unserem ja ursprünglich länger geplanten Aufenthalt an der Nahanni Mt. Lodge mitgebracht hatten. Denn wir haben einen Termin heute morgen. Gegen 9 Uhr will Todd mit seiner Cessna kommen, um uns in den Nahanni Nationalpark zu fliegen. Für gute 4 Stunden. Nachmittags sollen dann Kammels dran sein. Wir sind schon fast fertig mit dem Frühstück, da schlurft Neil herein (offensichtlich gerade aus dem Bett gefallen) und fragt, ob wir alles gefunden hätten... Naja, immerhin kocht er uns noch einen Kaffee (wir haben die Maschine nicht ans Laufen bekommen) und richtet für uns ein kleines Lunchpaket her. Und dann wassert Todds Cessna auch schon direkt vor der Lodge. Die ganze Famile Schoof klettert gespannt in das kleine Flugzeug und los geht's. Herrliches Wetter natürlich - bevor ich vergesse, das zu erwähnen...
Der Flug ist atemberaubend! Wir fliegen zunächst über ein Gebirgsplateau und dann über unendliche, wunderschöne Gebirgswildnis. Wir sind schon im Nahanni Nationalpark. Die Flüsse haben hier teilweise eine ähnlich türkisgrüne Siltfarbe wie in den Rocky Mountains Nationalparks. Und dann tauchen die Virginia Falls auf. Majestätisch. Erhaben. Zweimal so hoch wie die Niagara Fälle, aber das ist eigentlich nicht das Entscheidende. Es ist vielmehr die unglaubliche Gewalt, mit der irrsinnige Wassermassen sich hier einen Weg durch den Fels gebahnt haben und an dieser Stelle in mehreren Stufen herunterstürzen. Todd fliegt zu unserer Verzückung eine große Schleife über die Fälle und dann landen wir mitten auf dem Nahanni River, etwa einen halben Kilometer oberhalb der Fälle. Spektakulär!
Hier gibt es eine Rangerstation von Parks Canada und einer der beiden Diensthabenden Ranger erwartet uns schon. Dustin aus Fort Simpson. Volle 10 Tage ist er immer hier in der Wildnis, bevor er dann wieder einige Tage frei hat. Auf dem Notice Board direkt zu Beginn lesen wir, dass vor einer knappen Stunde ein großer männlicher Grizzly im Campground, durch den wir zu den Fällen wandern müssen, gesichtet wurde. Konsequent weigert sich meine Frau dann auch zunächst, mit den Kindern diesen Weg zu beschreiten. Es bedarf all meiner Überredungskunst mit der Erinnerung daran, wie oft wir es auf unseren Kanadatrips schon mit Bären zu tun hatten (auch mit Grizzlies - einmal sogar mit vier Grizzlies zugleich, aber das ist eine andere Geschichte), und Dustins Hinweis darauf, dass er sowohl Bearspray (Pfefferspray) als auch einen Bearbanger (eine Art Schussimitat) dabei hat, bis wir uns dann schließlich doch in Richtung der Virginia Falls in Bewegung setzen. Ein interessanter Soaziergang - fast komplett über Stege durch den Wald. Also auch recht bequem. Und natürlich keine Spur von dem Grizzly.... Der Campground fasziniert micht. Er liegt echt schön mitten im Wald. Überall sind großzügige Plattformen für die Zelte gebaut. Ich bekomme richtig Lust, hier selbst ein Zelt aufzuschlagen. Dann weiter zum Kopf der Fälle. Wenn man hier so steht, kommt man sich klein vor. Einfach nur beeindruckend. Ich weiß auch nicht, was ich sonst groß schreiben soll. Es ist nicht zu beschreiben. Man muss es gesehen haben.
Auf dem Rückweg halten wir an und vertilgen einen Teil unseres Luchpakets vor herrlichem Flusspanorama. Der Gang mit Dustin, dem Ranger, ist übrigens wirklich sehr interessant. Er erzählt viel über Flora und Fauna und die Geschichte des Flusses und der Fälle. Diese Führung gehört hier zum Service dazu. Und wir sind komplett allein. Nur im Campground haben wir einige Kanuten gesehen, die sich auf die Portage um die Fälle herum vorbereiteten, um am Fuß der Fälle ihren Kanutrip fortzusetzen. "Das muss ich auch noch mal irgendwann machen." denke ich so bei mir. "Wenn die Kinder älter sind - dann machen wir das mal." liest meine Frau meine Gedanken. Und dann sind wir auch schon wieder zurück am Wasserflugzeug und starten wieder durch.
Der Rückflug ist noch soektakulärer als der Hinflug! Wir fliegen über und durch unzählige Wildnis-Canyons. Einige sind so schmal, dass sie von oben aussehen, als hätte ein Riese mit einem großen Messer in den nackten Fels geschnitten. Andere sind so breit und tief wie der Grand Canyon. Unglaublich! Zur Krönung fliegen wir dann noch durch das "Felsentor", das uns vom Little Doctor Lake aus schon so begeistert hat. Echt einzigartig! Ein echtes Erlebnis und Abenteuer. So was gibt's nicht alle Tage...
Nach der Wasserung auf dem Cli Lake steht uns noch ein herrlicher Nachmittag an der Lodge bevor. Kammels Flug zu den Virginia Falls, der ja eigentlich direkt im Anschluss erfolgen sollte, wird aufgrund einer Wetterverschlechterung über dem zwischen uns und den Fällen liegenden Gebirgsplateau kurzerhand abgesagt und auf Morgen verschoben. So ist das halt hier im Norden. Insbesondere, wenn man auf das Wasserflugzeug als Transportmittel angewiesen ist.
"Kindersauna" ist angesagt! Die Sauna am See ist angefeuert und ich gehe mit allen Kindern hinein. Immer für etwa (gefühlte) drei Minuten. Dann wieder ab in den See. 10x, 20x - alles kein Problem. Die Kinder haben Spaß in der Zedernsauna - insbesondere an dem Umstand, dass man das Aufgusswasser nicht nur auf den Ofen, sondern auch kreuz und quer durch die Sauna an die Zedernholzwände klatschen kann. Sehr zu empfehlen. Bringt den Zederngeruch richtig raus. Nach gefühlten 30x im See (ohne einmal richtig aufgeheitzt worden zu sein) geht es dann mit der gesamten Mannschaft zurück zur Lodge. Das Dinner ist fast fertig. Abends sitzen wir noch einen Moment auf den Sofas und blicken durch die Panoramafenster auf den See. Es war ein schöner Tag. Von der Wetterverschlechterung haben wir hier an der Lodge kaum etwas mitbekommen. Aber auch ein Lodgetag schafft einen. Doch früh zu Bett gehen wir schon länger nicht mehr. Es ist einfach zu hell. Alles hat sich praktisch automatisch nach hinten verschoben - vom Abendessen über das Schlafenlegen der Kinder bis hin zur eigenen Nachtruhe. Selbst das Aufstehen morgens findet deutlich später statt, was für mich als Frühaufsteher echt metkwürdig ist, aber nun halt einfach mal so passiert hier oben im Norden. Und es scheint hier auch völlig normal zu sein.

19. Tag
In der Nacht habe ich zum ersten mal richtigen Regen gehört. Hat mich gut weiterschlummern lassen. Morgens ist alles vorbei, allerdings ist es noch bedeckt und windig und über dem Plateau hängen dunkle Wolken. Wir befürchten schon, dass der zweite Flug zu den Fällen nicht stattfinden kann. Inzwischen ist von der Familie Kammel auch nur noch Sven übriggeblieben für diesen Flug. Und er ist ja nun einmal unser Fotograf. Die anderen scheinen doch ein wenig von der Kombination aus dem wechselhaften Wetter und dem längeren Flug in einem sehr kleinen Wasserflugzeug über ein sehr hohes Gebirge beeindruckt...
Doch unser Wetterglück hält an. Pünktlich nach dem Frühstück kommt die Sonne raus. Nur der Wind hält noch an. Das ist aber kein Problem für Todd und seine Cessna. Zur verabredeten Zeit wassert er vor der Lodge. Und los geht es Sven. Praktisch ein Privatflug. Der Rest seiner Familie ist zwischenzeitlich zum Wandern unter indianischer Führung in einem ausgetrockneten Flussbett aufgebrochen. Ich selbst hatte zunächst ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, noch einmal mit Sven mitzufliegen, doch habe mich dann dagegen entschieden. Unter anderem auch weil Loyal, der halbindianische Besitzer der Lodge gestern spät abends hier eingetroffen ist. Er hat, wie wir erfahren, eine etwa sechsstündige Anreise hinter sich gebracht, um uns neue Vorräte zu bringen und um mich zu treffen. Erst vier Stunden von Fort Simpson mit dem Jetboat durch das verzweigte Flusssystem, dann eine Stunde Wanderung zu einer anderen Stelle, an der Neil zuvor schon eins der Motorboote der Lodge für ihn deponiert hatte. Neil war ihm zudem dann später noch einmal mit dem ATV entgegengefahren, um alle Ausrüstung und Vorräte aus dem Jetboat zu transportieren. Langsam wird uns allen klar, was für einen Aufwand es bedeutet, hier im Nirgendwo eine doch recht komfortable Wildnis-Lodge zu betreiben! Und angesichts dieses Aufwandes halte ich es dann auch für angemessen, meinen Tag mit meiner Familie hier zu verbringen, um u.a. auch für Gespräche mit Loyal zur Verfügung zu stehen. Denn er, das weiß ich, möchte dringend mit mir reden. Über das touristische Potenzial seiner Lodge und wie sie evtl in unser Programn passen könnte. Natürlich freut er sich, als ich ihm sage, dass seine Lodge sehr gut zu uns passt. Aber wir besprechen auch intensiv die vielen kleinen Details. Das, was gut ist und das, was vielleicht noch ein wenig in die ein oder andere Richtung geändert werden muss. Das erste Gespräch findet spontan nach dem heute sehr üppigen Frühstück (Loyal ist jetzt der Koch) in der Lodge statt. Das zweite, persönlichere Gespräch nach guter alter Indianersitte beim Schwitzen - zwar nich in einer ursprünglichen Sweat Lodge, dafür aber in seiner herrlichen Sauna am See.
Die Kinder spielen um die Lodge herum, schwimmen viel und fahren Boot. Auch der Hot Tub ist dauerbelegt. Und dann schlägt das Wetter um. Ein richtiger Sturm zieht auf und eine Stunde lang schüttet es wie aus Kübeln und Blitze zucken durch die Luft. Wir sitzen in der Lodge und bestaunen das Spektakel durch die Panoramascheiben. Erste Vermutungen, dass Sven und Todd wohl die Nacht in der Ranger-Station an den Vurginia Falls verbringen müssen. Doch, wie gesagt, nach einer Stunde ist alles vorbei, die Sonne kommt wieder heraus und das normale Lodgeleben wird wieder aufgenommen (für die Kinder: Schwimnen, Hot Tub, Schwimmen, Hot Tub...). Auch das Wasserflugzeug landet wenig später vor der Lodge. Sven ist schwer beeindruckt. Nicht nur von der Stenerie, den Fällen und den Canyons, sondern auch von den Wetterfronten, die es auf dem Rückflug zu umfliegen galt. Das sieht wohl aus keinem Flugzeug heraus so spektakulär aus wie aus einem kleinen Busch- oder Wasserflugzeug - das haben wir ja ansatzweise auch bereits auf unserem eigen Rückflug von den Fällen erlebt.
Mit Todd besprechen wir den morgigen Rückflug nach Fort Simpson. Zwischen vier und fünf Uhr will er kommen, um alles Gepäck und 1-2 Personen einzusammeln. Ted will dann direkt im Anschluss mit der Beaver kommen, um den Rest unser Gruppe zu holen.
Und dann ist auch dieser Tag schon fast wieder vorbei. Allerdings erwartet uns noch ein pompöses Dinner. Diverse Braten und ein auf dem Feuerofen draußen zubereiteter Weißfisch erwarten uns. Es scheint, das Loyal jetzt alle ursprünglich für uns eingeplanten Lebensmittel noch in der kurzen, verbleibenden Zeit an uns verfüttern wil... Naja, uns geht's also nicht schlecht hier. Abends sitzen wir noch in gemütlicher Runde mit Loyal und Neil beim Bier zusammen und quatschen. Es ist halt lange hell. Vor ein Uhr nachts geht niemand (von den Erwachsenen) ins Bett...

Rainer Schoof