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Familienurlaub in Westkanada Westkanada - Kanada Wohnmobil und Fraserway

Zwei Wochen Kanada oder Wo ist hier der Bär los?


2 Wochen Westkanada von Calgary bis Vancouver


Ein Beitrag zum Textwettbewerb 2014 von SK-Kundin Alexandra Evenkamp



Nachdem wir 2011 mit einem Foto unserer damals 4- und 5jährigen Söhne auf dem Bears Hump im Waterton Lakes National Park den zweiten Platz im SK Touristik Fotowettbewerb und damit einen 500 Euro-Reisegutschein gewonnen hatten (vielen Dank an dieser Stelle nochmals an das SK-Team), haben wir uns entschieden, den Gutschein in diesem Jahr endlich einzulösen. Da der kanadische Sommer unserer laienhaften Einschätzung nach zu bärenarm und zu mücken- und zu touristenreich ist und kein Indian Summer-Feeling vermittelt, fiel unsere Reisezeit-Wahl mutig auf die Herbstferien. Wir waren schon zweimal im September in Kanada, einmal vor 9 Jahren, um dort auf Vancouver Island zu heiraten und dann schwanger mit Zelt und Leihwagen erst über die Insel und dann durch die Rockys zu reisen, ein zweites Mal vor drei Jahren - gebucht über SK-Touristik - mit dem Wohnmobil und unseren beiden Jungs. Beide Reisen waren wundervoll, der September ist unserem Gefühl nach der optimale Reisemonat, aber diesmal musste es wegen der Schulferien leider Oktober sein, und wir hatten eben auch "nur" 17 Tage inkl. An- und Abreise.

Nachdem der Entschluss einmal gefasst war, hat Thommy (mein Mann) einen Mitarbeiter bei SK-Touristik mit seinen tausend Fragen fast in den Wahnsinn getrieben. Geht das um diese Jahreszeit? Sind wir dort, wo wir hinwollen, auch wirklich allein? Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in den Rockies einschneien? Was machen wir dann? Nehmen wir einen Gabelflug? Sollten wir nicht eine Alternativroute planen? Was halten Sie von diesen und jenen Ideen? Geduldig wurden ihm alle Fragen beantwortet. Aber mich plagte immer wieder die Frage: Macht es Sinn, im Oktober für nur zwei Wochen nach Kanada zu reisen?

Irgendwie ging im Vorfeld alles "schief". Die Wetterprognose war nicht besonders einladend (durchgehend drei Regentropfen oder Schnee und Minusgrade bei "Canadian Weather"), es waren Streiks von Lufthansa angekündigt worden, und unsere Flüge wurden verlegt, indem ein weiterer Zwischenstopp eingefügt wurde. Als mir Thommy dann noch ein paar Tage vor Abreise berichtete, dass bei Kananaskis (Nähe Canmore/Banff - unserem ersten Ziel) ein Jäger durch einen Bären getötet worden war und ich meine schlafenden Kinder betrachtete und mich fragte, ob ich noch ganz richtig im Kopf bin, war die Vorfreude komplett dahin. Trotzdem, am 3. Oktober 2014 ging es los.

Freitag, 3. Oktober 2014: Münster/Osnabrück - Frankfurt - Montreal - Calgary
Wir starteten um 7.30 Uhr zum Flughafen Münster/Osnabrück, um von dort nach Frankfurt a.M. zu fliegen, dort nach ca. 3 Std. Aufenthalt weiter nach Montreal, und dort nach weiteren 3 Std. endlich nach Calgary. Was für eine Tortur, dachte ich im Vorfeld! Erstaunlicherweise verpackten wir die Anreise aber alle außerordentlich gut. Unsere Kinder (mittlerweile 7 und 8 Jahre), die zu Hause nicht besonders viel fernsehen dürfen, schwärmen jetzt noch von den Langstreckenflügen, auf denen sie 4 Kinder-Kinofilme nacheinander sehen durften, das Pensum für normalerweise ein bis zwei Monate! Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Es gibt sogar Kinder in unserer Grundschule, die ihre Eltern nun darauf ansprechen, auch endlich mal Langstrecke fliegen zu dürfen. So sehr haben unsere Kinder davon geschwärmt und angegeben. Allen kinderlosen Reisenden oder perfekten Eltern sei an dieser Stelle gesagt, dass ein Filmverbot nicht nur für uns, sondern auch für die Kinder und nicht zuletzt auch für die Mitreisenden eine Qual geworden wäre. Das Kinoprogramm war reine Selbstverteidigung! Jedenfalls kamen wir nach 23 Stunden Reisezeit um (Achtung: 8 Std. Zeitumstellung) 22.30 Uhr am Hotel in Calgary an. Der Shuttle vom Flughafen zum Best Western kam nach einem Anruf von uns sehr zügig, und im großzügigen Hotelzimmer dachten wir erst einmal nur ans Schlafen.

Samstag, 4. Oktober 2014: Bezug Wohnmobil - Banff, Tunnel Mountain II Campground
Wetter: 5-20 °, sonnig und warm
Als uns bei Ankunft am Abend vorher an der Rezeption mitgeteilt worden war, dass wir am nächsten Morgen um ca. 8 Uhr von Fraserway abgeholt würden (eigentlich ein super Service), war ich lediglich geschockt. Ich wollte nichts wie nur ins Bett, und das so lange wie möglich. Aber wir waren so gejetlagt, dass ab ca. 5.30 Uhr ohnehin nicht mehr an Schlaf zu denken war, sodass wir uns um 6.30 Uhr im hoteleigenen Schwimmbad wiederfanden. Mein Mann und ich genossen den angenehm temperierten Pool und den hot tub, während die Kinder jauchzend immer und immer wieder die Rutsche herunterjagten. Das hört sich schräg an, aber wir waren hellwach und es hat wirklich Spaß gemacht und gut getan. Um 7.30 Uhr nahmen wir ein ausgezeichnetes Frühstück im Hotel zu uns, und um 8 Uhr standen wir frisch und gestärkt zur Abholung bereit.

Da wir ja schon RV-erprobt sind, hatten wir relativ schlau gepackt (naja, hinterher ist man immer NOCH schlauer. Aber die meisten Entscheidungen waren schon die richtigen). Wegen des Gabelflugs konnten die Koffer nicht bei Fraserway bleiben, sondern mussten mit an Bord. Wir haben uns deswegen faltbare Reisetaschen zugelegt, die erstens nicht besonders teuer sind und zweitens echte Raumwunder! Wir packten zügig aus, machten uns aber auch keinen Stress. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass man vom ersten Tag nicht zu viel erwarten darf und es locker angehen lassen sollte, selbst wenn der Urlaub kurz ist. Und es dauert alles seine Zeit.

Nachdem wir den Papierkram mit der netten jungen Dame von Fraserway geklärt und eine sehr kompetente Einweisung in unseren Truck Camper mit Bunk-Bed Slide-Out erhalten hatten, alles verstaut war, die Großeinkäufe beim Großmarkt um die Ecke und natürlich im Liquor Store erledigt waren, brachten wir unsere erste kurze Strecke hinter uns und fuhren bis nach Banff zum Tunnel Mountain II Campground.

Allein diese Anfahrt von Calgary Richtung Rocky Mountains rief bei uns das mittlerweile bekannte, wohlige Canada-Feeling hervor! Dort nahmen wir einen Platz mit Panoramablick auf die Rockies. Das ist der Vorteil dieser Reisezeit, man kann sich die Plätze aussuchen, wenn denn die Campgrounds noch geöffnet sind.Abends fuhren wir noch einmal kurz durchs Städtchen, und als wir schließlich im Sonnenuntergang unseren Slide-Out ausfuhren und es uns gemütlich machten, fiel aller Stress der letzten Wochen von uns ab. Wie wir diesen Truck Camper lieben! Endlich Erholung.P.S. Übrigens, es gab gute Nachrichten. Bei Fraserway haben wir einen Münsteraner getroffen (jaja, die Welt ist klein), der uns zum einen sein Bären-Spray überließ und zum Anderen erzählte, er habe mehr als 10 Bären gesehen. Ich hoffe, er hat uns keinen Bären aufgebunden?

Sonntag, 5. Oktober 2014: Banff, Tunnel Mountain II Campground
Wetter: 5-20 °, sonnig
Wir hatten zwar eine grobe Vorstellung davon, wo es langgehen sollte, vor allem Thommy hatte Schoofs und weitere Reiseführer hoch- und runtergelesen, aber es war uns klar, dass eine gewisse Flexibilität - vor allem angesichts unsicherer Wetterverhältnisse - nicht schaden kann, daher haben wir eigentlich jeden Tag neu entschieden, wie es weitergehen sollte. Thommy ist ein großer Verfechter von Online-Weather-Forecasts, was uns diverse Male nah an den Rand der Scheidung getrieben hat. So oft wie irgendwie möglich wurde in der Nähe von Restaurants, Hotels oder Tankstellen ein Hotspot gesucht und die nächste Wettervorhersage geprüft, und zwar nicht nur für einen Ort, nein, für alle möglichen Reiserouten und für die nächsten zwei Wochen! OK, ich hoffe, er liest das hier nicht, aber irgendwie hat es tatsächlich etwas gebracht (aber nicht verraten, dass ich das zugegeben habe!

Für den ersten Tag nahmen wir uns den Stoney Squaw Trail am Mt. Norquay vor, einen recht lockeren Spazier-/Wanderweg zu einem erhöhten Aussichtspunkt oberhalb von Banff und dem Bow Valley. Der Trail wurde in irgendeinem Reiseführer bzw. Faltblättchen gelobt und wäre bestimmt auch noch besser bei mir angekommen, wenn ich nicht schon so viele Highlights in Kanada erlebt und gesehen hätte (da bin ich sozusagen ein wenig "verdorben". Ich würde die Wanderung daher nicht uneingeschränkt empfehlen. Es hat aber trotzdem Spaß gemacht, und ein bisschen Nervenkitzel bringt ja immer schon die Möglichkeit, irgendwo einem Bären über den Weg zu laufen. Wir gerieten einmal kurz in helle Aufregung, als wir einen riesiges Büschel Bärenfell zu finden glaubten. Bei näherer Betrachtung handelte es sich aber um eine Art Flechte, die alle Bäume rings um uns herum überzogen hatte und dem Wald eine leicht unwirkliche, märchenhaft mystische Atmosphäre verlieh. Außerdem wäre auch ein Büschel Bärenfell nicht dramatisch gewesen, wir haben so fleißig mit unseren Glöckchen geklingelt, blöde Witze erzählt und gesungen, dass jeder Bär meilenweite Bögen geschlagen hätte, falls er denn in der Nähe gewesen wäre. Unterwegs trafen wir sehr nette Kanadier, die uns anhand von einem am gleichem Tag aufgenommenen Film auf ihrer Kamera von einer morgendlichen Wapiti-Hirsch-Herden-Beobachtung berichteten. Das von der Digitalkamera zu vernehmende Röhren des Hirsch-Bullen war beeindruckend und steigerte unsere Sehnsucht nach Wildlife.

Zurück am Parkplatz, geriet ich in wahre Verzückung, als ich ein Reh im Wald entdeckte. Eigentlich ein klein bisschen wahnsinnig. Ich habe mich noch nie in Münster so sehr über ein Reh gefreut. Aber dieses war eben ein echtes kanadisches Urlaubsreh! Auf dem Rückweg hielten wir noch eine Weile an einem tollen Aussichtspunkt, wo die Aussicht auf das Bow River Valley eigentlich noch schöner war als auf dem Trail selbst. Gegen Abend ging es durch Banff - mit einem Abstecher zu den Bow Falls, und mit Blick auf das riesige Hotel. Ein beeindruckender Wapiti-Hirsch, der für münsteraner Verhältnisse absolut nicht mehr selbstverständlich ist, stand am Wegesrand und guckte fast zu uns ins Auto hinein. Als es dunkel wurde, schlenderten wir noch durch den Ort, welcher irgendwie den Eindruck einer angesagten Bergwanderer- oder Skifahrermetropole in der absoluten Nebensaison machte. Wir gönnten uns bei Boston Pizza ein leckeres Essen - und danach ging es zurück zu unserem Campground, Slide-Out raus und fix das Bett aufgebaut. P.S. Kein Bär in Banff Town.

Montag, 6. Oktober 2014: Banff, Tunnel Mountain II Campground
Wetter: 5-20 °, sonnig
Wer den Kopf darüber schüttelt, dass wir nicht diese oder jene Wanderung unternommen haben oder in eine ganz andere Richtung gefahren sind, dem sei gesagt, dass entweder die Wettervorhersage oder der Umstand Schuld war, dass wir viele Trails bereits in den Jahren zuvor gemacht hatten. Was das Wetter betraf, so hatten wir jedenfalls Glück: es blieb erst einmal sonnig. An diesem Tag hatten wir uns im Johnston Canyon die Lower and Upper Falls als Ziel ausgesucht. Obwohl das vermutlich eines der vielen gut besuchten Ziele ist, hielten sich die Besucherzahlen zu dieser Herbstzeit in Grenzen. Vor allem, als wir uns entschieden, am Ende der Upper Falls einfach weiterzulaufen zu den Ink Pots, waren fast alle Touris abgehängt.
Wir blieben so lange wir konnten, waren aber klug genug, nicht so lange zu rasten wie wir wollten, weil wir den Rückweg (immerhin 6 km) wieder vor uns hatten und es in der Dämmerung im Wald sicherlich ungemütlich geworden wäre. Man denke nur an die ganzen Bären! Der Rückweg dauerte aber dank der neu geschöpften Kraft und unter dem Eindruck des tollen Naturerlebnisses sowie frisch gestärkt ("Mama, wir haben direkt aus dem Fluss getrunken, das schmeckt sooooo gut!") nur halb so lang wie der Hinweg! Zur Belohnung gab es abends dann - es war am Vorabend sehr lecker und nicht besonders kostspielig gewesen - wieder ein Abendessen bei Boston Pizza.

Dienstag, 7. Oktober 2014: Banff - Whiteswan Lake Provincial Park, Alces Lake Campground
Wetter:6-22°, sonnig
Heute ging es endlich weiter. Wir fuhren durch den Kootenay National Park über Radium Hot Springs, Invermere, Canal Flats (ich könnte Romane schreiben, wenn ich allein an die Aussicht beim Fahren denke) zum Whiteswan Lake Provincial Park. Als wir an einem besonders beeindruckenden Aussichtspunkt hielten, kamen wir mit einer Kanadierin ins Gespräch, die uns davor warnte, dass im Moment besonders viele Bären und Cougars unterwegs seien. "Keep your feet inside the RV" waren ihre Worte, bei denen mir ein wenig mulmig wurde, denn sie wusste von einer Skilangläuferin zu berichten, die im Jahr zuvor durch einen Cougar verfolgt und getötet worden war. Außerdem seien im Moment besonders viele Bären in den Niederungen auf Futtersuche unterwegs. Neben der Angst verspürte ich aber auch ein wenig Aufregung und Vorfreude und arrangierte mich mit dem Gedanken, dass wir alle Vorsichtsmaßnahmen beachten und unsere Kindern nicht aus Augen und bei Wanderungen nicht weit vorlaufen lassen würden. Unterwegs sahen wir am Straßenrand einen sehr großen Coyoten vorbeilaufen, vielleicht war es aber auch ein Wolf. Kurz hinter Canal Flats geht eine Gravel Road in den Park. Das letzte Stück Schotterpiste hatte uns ganz schön durchgeschüttelt, aber für Thommy ist ein Kanada-Urlaub kein Kanada-Urlaub, wenn er uns nicht über irgendeine Gravel Road ins Nirgendwo führt. Im Whiteswan Lake Provincial Park am Alces Lake angekommen, staunten wir darüber, dass der erste Campground, der in Schoofs Reiseführer gelobt wurde, aber eigentlich geschlossen sein sollte, tatsächlich offen war. Unsere erste Erfahrung dahingehend, dass man sich auf Aussagen zu Öffnungszeiten wirklich nicht verlassen kann. Also: immer Augen auf und nachschauen, ob der Campground eurer Wahl nicht doch noch ein Plätzchen frei hat? Der Campground war wirklich super, wir waren bis auf einen Mitcamper allein und hatten einen tollen Sonnenuntergang mit traumhaftem Panorama! Zu allem Überfluss kamen dann tatsächlich am Abend - wie von Herrn Schoof im Reiseführer beschrieben - eine Elchmutter mit ihrem Kalb aus dem Gebüsch und fraßen am Seeufer. Unbeschreiblich! Nachdem die Elche satt waren und sich wieder in den Wald verzogen hatten, machten wir ein Lagerfeuer und grillten unseren Fisch. Hmm, lecker! P.S. Bären? Nein, seltsamerweise wurde auch durch das Fischangebot auf dem Grill kein Bär herbeigelockt. Na gut, wir haben natürlich auch hinterher alles fachgerecht beseitigt und wieder so hinterlassen, wie es auf sämtlichen Warn- und Hinweisschildern geschrieben steht. Wir fingen aber schon an, Witze darüber zu reißen, auf dem Weg zum nächsten Campground einen Fisch an unseren Truck Camper zu binden?

Mittwoch, 8. Oktober 2014: Whiteswan Lake Provincial Park, Home Basin Campground
Wetter: 7-20°, sonnig In aller Früh schlichen wir uns in der Morgendämmerung wieder an den See hinunter. Unsere Kinder schliefen noch. Unsere Elche standen zur gleichen Zeit auf, gingen zum Wasser des Sees hinunter, frühstückten und gingen dann wieder ihrer Wege. Ein beeindruckendes Schauspiel! Nachdem auch wir gemütlich gefrühstückt hatten, fuhren wir weiter zum Home Basin Campground, das ist der letzte Campground am Ende des nächsten Sees, dem Whiteswan Lake. Obwohl wir damit gerechnet hatten, hier die einzigen Camper zu sein, waren erstaunlicherweise noch ein paar Kanadier da, um die sonnigen Tage hier zu verbringen. Wir waren aber trotzdem noch die einzigen, die abends und morgens am See saßen und hatten ein Gefühl herrlicher Ruhe und Abgeschiedenheit, ohne wirklich einsam zu sein. Home Basin bleibt mir mit malerischen Indian Summer-Farben und einer sich im stillen Grün-Blau des Sees spiegelnden Bergkette in Erinnerung, ein Panorama, das man stundenlang anschauen kann, ohne sich satt zu sehen. Am Abend gab es Nudeln am Lagerfeuer. Wir wollten eigentlich nicht weg von diesem traumhaften Ort, aber Kanadas Westen ist so weit und es gab noch so viel zu sehen, also schmiedeten wir schon mal Pläne, wohin die weitere Reise gehen sollte. P.S. Habe ich erwähnt, dass wir keinen Bären gesehen haben?

Donnerstag, 9. Oktober 2014: Whiteswan Lake Provincial Park - Lake Louise, RV Campground
Wetter: 7-24°, sonnig
Nach einem Frühstück unten am See fuhren wir den Slide-Out ein und schaukelten die Gravel Road zurück, Richtung Lake Louise. Heute machten wir einen spektakulären Zwischenstopp an den Lussier Hot Springs. Nach viel Überredungskunst legten sich sogar die Kinder in die warmen bis heißen natürlichen Becken ("ihhh, das stinkt nach Pups") am Rande des eiskalten Flusses. Entspannung pur!

Das muss man mal gemacht haben. Ich habe zwar keine nennenswerten Vergleiche, würde aber die durch Erdwärme gespeisten, aber künstlich angelegten Bäder, z.B. in Radium Hot Springs, diesem Naturerlebnis niemals vorziehen.

Um den dezenten Schwefelgeruch abzuwaschen, war eine Abkühlung durch das eiskalte Flusswasser notwendig, was uns die notwenige Frische für die weitere Strecke brachte. Wir kamen nachmittags in Lake Louise an und fuhren nach der Anmeldung im Lake Louise RV Campground noch ein wenig die Straßen hoch und runter, um Wildlife vor die Linse zu bekommen. P.S. Wie ihr seht, endet der Tagesbericht hier. NEIN, wir haben KEIN Wildlife gesehen. Nicht einmal ein Streifenhörnchen.



Freitag, 10. Oktober 2014: Lake Louise, RV Campground
Wetter: 7-20°, sonnig
Plan war heute der Consolation Lakes Trail am Moraine Lake, aber wir dachten, wir machen mal einen kleinen Zwischenhalt am Lake Louise. Dort waren wir schon zweimal. Beide Male waren wir erschüttert über die Massen an Touristen, die dort busseweise angekarrt wurden, und haben schnell die Flucht ergriffen. Wir konnten die tolle Aussicht auf den See kaum genießen, der Weg um den See kam für uns daher nie in Frage. Diesmal aber staunten wir, dass wir der zweite Wagen auf dem riesigen RV-Parkplatz waren, gingen zum See runter und dann einfach weiter...so eine Gelegenheit, den See mal fast für sich zu haben, konnten wir uns nicht entgehen lassen. Am Ende des Sees entschieden wir uns, den Plain of Six Glaciers Trail zu machen, und es war ein unglaublicher Aufstieg! Die Kinder hatten Abenteuer-Feeling pur, keine Spur von Langeweile oder Gequengel, und die Aussicht war einfach atemberaubend. Nie im Leben hätte ich gedacht, was für ein Wahnsinnsausblick sich uns am Ende bieten würde. Wir haben auch am Teehaus nicht halt gemacht, sondern sind bis zum Endpunkt über einen schmalen Schotterfeldgrad gelaufen. Kurz vor dem Etappenziel brach mit einem lauten Knall und Grollen noch ein Stück vom Gletscher ab, die Lawine hörte man sicherlich bis unten ins Tal. Ein echtes Naturschauspiel.

Ich hätte bei einem so bekannten Trail befürchtet, dass der Weg bei einer angelegten Aussichtsplattform endet und nicht mitten in so wilder Natur und unberührter Schönheit. Aber viele Touris gehen eben nicht bis ganz rauf, sondern bleiben unten am See hängen oder schaffen es bis zum Teehaus. Es lohnt sich aber, weiter zu laufen! Wenn ihr diesen Trail macht und in der Nähe von Teehaus komisches Fiepen hört, so kommt dieses Geräusch von den Pikas, die dort leben. Ich habe einen von den kleinen Burschen (bei uns auch Pfeifhasen genannt) einige Zeit beobachtet. Sie sind sehr süß und scheu und sehen ein bisschen aus wie Meerschweinchen. Viel Freude haben uns - vor allem den Kindern - auch die Streifenhörnchen und die Meisenhäher am Teehaus gemacht. Die hatten es definitiv auf unser Brot abgesehen und waren außerordentlich dreist! Die Meisenhäher, wunderschöne Vögel, sind den Kanadiern als Grey Jack bzw. - sehr treffend - auch als Camp Robber bekannt.

Da Thommy kein Freund davon ist, einen Weg zweimal zu gehen, nahmen wir auf dem Rückweg den kleinen Umweg Richtung Lake Agnes, allerdings nicht ganz hoch, sondern am Mirror Lake entlang. Das war auch sehr schön und bot immer mal wieder tolle Blicke auf den Lake Louise. So ein tiefes Türkisblau, hervorgerufen durch die sich im Wasser widerspiegelnden Sedimente, kannte ich bisher nur vom Peyto Lake. P.S. Ich muss zugeben, dass es mich nicht wirklich gewundert hat, dass die Bären nicht direkt am Lake Louise Hotel oder oben am eiskalten Gletscher auf uns gewartet haben. Und selbst wenn sich ein verrückter Bär eventuell zum Mirror Lake verirrt hätte, so wäre er sicherlich getürmt, wenn er uns wie die Kesselflicker darüber hätte streiten hören, ob wir nicht doch noch den Schlenker zum Lake Agnes hoch hätten machen sollen. Ich wäre uns auch aus dem Weg gegangen!

Auf dem Rückweg fuhren wir noch beim Moraine Lake vorbei, in der Hoffnung, dass ein Bär am Straßenrand stehen und einen auf Anhalter machen würde. Aber nein: wo keine Beeren, da keine Bären. Diese neue Erkenntnis basierte auf einem der zahlreichen Gespräche über fehlende Bärensichtungen, dieses Gespräch allerdings geführt mit einem Ranger, der erklärte, es würden dieses Jahr besonders wenig Beeren im Gebiet reifen, und ein Ranger muss es ja wissen?




Samstag, 11. Oktober 2014: Lake Louise, RV Campground
Wetter: 9-0°, wolkig, gelegentliche Schauer
Am nächsten Morgen schliefen wir lange. Man muss ja sagen, dass so ein Truck Camper echt kuschelig ist und es nichts Schöneres gibt, als morgens dick eingemummelt in die warmen Decken mit seiner Familie im Arm aus den Slide-Out Fenstern zu schauen.

Später machten wir uns dann auf zum Moraine Lake, um nun heute den Consolation Lakes Trail zu begehen. Den Moraine Lake schauten wir uns kurz an, er war so postkartentauglich wie eh und je, immer wieder ein Foto wert.

Der Consolation Lakes Trail geht kurz vorm See links ab, und man darf ihn nur ab einer Gruppenstärke von vier Personen gehen, wegen der enormen Gefahr, zahlreichen gefährlichen Bären in die Arme zu laufen! Man muss sogar Strafe zahlen, wenn man mit weniger Personen unterwegs ist - wenn das keine aussichtsreiche Drohung mit Wildlifebegegnungen ist!

Wir waren als Familie ja bereits zu viert, und ausgerüstet mit viel Mut, Vorfreude und unserem Bärenspray marschierten wir los. Thommy schlug fleißig alle paar Meter mit einem Stock gegen einen Baum und hatte das Bärenspray in Griffweite, und die Kinder hatten heute ihre Wanderglöckchen um. Als ob die nicht schon ohne Verstärker laut genug gewesen wären! Der Weg führte erst über Geröll und Felsbrocken und dann durch den Wald. Ich fühlte mich zwischen Farnen, Moosen und Tannengeflechten wie ein Teil eines Fantasyfilms und hätte mich nicht gewundert, wenn Orks oder Trolle um die Ecke gebogen wären, jedenfalls auch nicht wesentlich mehr als über einen Bären.

Während der Wanderung fing es leicht an zu schneien, aber es war ganz feiner und trockener Schnee, der die Atmosphäre vervollkommnete, und wenn es nach den Kindern gegangen wäre, hätte ruhig noch mehr runterkommen können. Am Ende des Wanderwegs angekommen, bot sich uns wieder eine Wahnsinnsaussicht. Wir kletterten auf die riesigen Felsbrocken (manche so groß wie unser Truck Camper) am Rande des Sees und genossen den Blick auf den Consolation Lake und die den See umgebenden teilweise gletscherbedeckten Berge. Wir waren alleine hier oben und die absolute Stille körperlich zu spüren (ja, wir haben unsere Kinder gezwungen, mal kurz die Klappe zu halten, um zu bemerken, dass man dort NICHTS hört, GAR NICHTS). Atemberaubende Natur.

P.S. Bärensichtungen? Ha! Weit gefehltl! Wir haben ein kleines geflecktes Huhn gesehen, welchem wir als Vierergruppe so gerade noch gewachsen waren. Es blieb vom Bärenspray verschont.





Sonntag, 12. Oktober 2014: Lake Louise - Jasper, Whistler Campground
Wetter: 5-9 °, heiter bis wolkig


Heute war der Tag der Tage, an dem wir mit der Freigabe meines Mannes den traumhaften Icefields Parkway hochfahren durften. Laut Thommy und seinen unermüdlichen Versuchen, das Wetter genau vorherzusehen, gab es Grund zur Hoffnung auf weite Sicht.

Tatsächlich war die Landschaft, die an uns vorbeizog, unfassbar schön. Natürlich hielten wir an zahlreichen tollen Aussichtspunkten, so auch diesmal wieder am Athabasca-Gletscher, wo wir Fotos von den zurückgehenden Eiszungen machten.

Wir haben uns vorgenommen, die Bilder aus den vorherigen Urlauben mit den jetzigen zu vergleichen, um zu überprüfen, ob man hier schon einen Rückgang erkennen kann. Wirklich traurig, wenn man sieht, wie weit sich der Gletscher in den letzten 100 Jahren schon zurückgezogen hat. Die Fotos sind aber schwer zu vergleichen?

Die Busführungen auf den Gletscher oder die neue Plattform haben uns noch nie gelockt, so auch dieses Jahr nicht. Wir empfanden sie immer als erschreckend touristischen Eingriff in die Natur. Aber aus den Vorurlauben empfehlenswert finde ich den in der Nähe anfangenden Trail auf den Wilcox Pass, der war wirklich wundervoll!

Unterwegs sah Thommy am Straßenrand zwei Ranger aufgeregt gestikulieren und mit Fernrohren in eine Felswand starren. Wir hielten an und gesellten uns zu ihnen. Sie erklärten uns, dass in der steilen, sonnigen Felswand eine 15 Tiere starke Herde der seltenen und scheuen Mountain Goats grasen würde. Die Steile der Felsen würde ihnen Schutz vor Raubtieren bieten und dieser Hang sei bekannt für ihr Vorkommen. Mountain Goats hatten wir noch nie gesehen und es war beeindruckend, die schneeweißen Tiere, die sich ohne Fernglas lediglich als weiße Wattebäuschen am Fels abzeichnen, zu beobachten. Die Ranger gaben uns den Tipp, später am Wegesrand an einer bestimmten Stelle noch einmal auf diese Tiere zu achten, und tatsächlich bekamen wir auch dort - wo wir sonst einfach vorbei gerauscht wären - eine Herde Mountain Goats zu Gesicht, diesmal um einiges näher. Fantastisch!<

Unsere Fahrt führte uns heute an weiteren beeindruckenden Naturspektakeln, so z.B. einer Herde Dickhornschafe (Bighorn Sheep)bis nach Jasper zum noch geöffneten Whistler Campground. Als wir dort auf den Campground einfuhren, entdeckten wir an Rande einer Lichtung eine Herde Wapitis mit einem Bullen mit mächtigem Geweih und beobachteten diese eine Weile. Später gesellte sich noch ein konkurrierender Bulle auf Distanz hinzu. Einen Kampf mit krachenden Hirschgeweihen sahen wir dann allerdings nicht mehr Wir waren übrigens absolut überrascht, bei diesem riesigen Campground (fast 800 Plätze) einen der letzten mit Strom ausgestatteten Plätze zu ergattern. Siehe da, es war Thanksgiving, und wir hatten es nicht bemerkt! Hunderte von Kanadiern waren unterwegs und wollten ihr Wochenende mit uns in der Natur verbringen. Heute gab es bei uns keinen Truthahn, sondern wieder Nudeln zum Abendessen, diesmal im Camper ohne Lagerfeuer. Irgendwie schreckten uns die unruhige Atmosphäre, die kälteunempfindlichen Kanadier-Kinder, die bei Minusgraden in kurzen Hosen lauthals durch den Wald trollten und die ungemütliche Feuchte von einem Outdoor-Abend ab.

P.S. Hier war nur der Kanadier los, aber nicht der Bär!

Montag, 13. Oktober 2014: Jasper, Whistler Campground - Wapiti Campground
Wetter: 10 °, bewölkt und windig.
Wir mussten um 11 Uhr den Campground verlassen, der heute seine Tore für diese Saison schloss, und zogen auf den für das Winter-Camping geöffneten Wapiti Campground. Hier gibt es einige ungemütliche Plätze mit Stromanschluss auf einer Art Parkplatz und, wenn man nicht darauf angewiesen ist, sehr schöne Plätze mit Feuerstellen einsam im Wald gelegen. Einige wenige Kanadier, die ihr Thanksgiving-Weekend verlängerten und nicht ihren Saison abschließenden Sani-Dump auf dem Whistler gemacht hatten, fanden wir hier an den Steckdosen wieder. Wir zogen einen "Offline-Platz" im Wald vor. Unsere Campsite war wunderschön und abseits gelegen, am Hügel, mit Blick auf den Fluss.

Heute machten wir eine Tour zum Medicine und Maligne Lake, waren jedoch nicht frisch genug, um längere Wandertouren um die Seen zu machen. Das Wetter spielte auch nicht richtig mit, es windete sehr. So fuhren wir, kleine Spaziergänge eingeschlossen, einfach die tolle Strecke ab, immer mit dem Blick auf Seeufer, Dickicht und Bäume gerichtet und auf der Suche nach Wildlife.

Bis auf frische Spuren von Kariboos auf dem ausgetrockneten Medicine Lake und einer Herde Bighorn Sheep am Wegesrand trafen wir jedoch keine kanadischen Vierbeiner. Dafür absolut unvernünftige fotogeile Japaner, die sich mitten unter die Dickhornschafe mischten (Streichelzoo-Abstand), um Selfies von sich zu machen. Leider wurde keiner von Ihnen auf die Hörner genommen.

P.S. Bärensichtungen? "You are in bear country?" Ja klar, wer`s glaubt? Aber "You are in squirrel country" hört sich ja auch nicht ganz so dramatisch an, oder?

Dienstag, 14. Oktober 2014: Jasper - Wells Grey Provincial Park, Clearwater Lake Campground
Wetter: 9°, bewölkt mit Regenschauern
Heute hatten wir nur manchmal gute Sicht, gelegentlich fielen auch ein paar Regentropfen. Der Mount Robson, an dem unser Weg vorbeiführte und der sich uns schon zweimal nicht zeigen wollte, spielte auch dieses Mal wieder Verstecken. Immer wenn es so aussah, als würde es aufklaren, kamen plötzlich doch neue Wolken und verdeckten Teile des imposanten Berges. Aber, Mount Robson, irgendwann kriegen wir dich!

Wir kamen gerade noch rechtzeitig am Eingang des Wells Grey Provincial Park an, um die sehr hilfsbereite Dame an der Touristeninformation noch ausfragen zu können. Bären? Klar, die sind hier unterwegs, aber kein Grund zur Sorge, die hauen sich gerade vorm Winterschlaf so richtig den Bauch voll und denken nur ans Essen. Überhaupt sind alle Bären im Wells Grey Park echt nette Kerle!

Wir wollten es nun mal echt drauf ankommen lassen und fuhren bis auf den allerallerletzten Stellplatz im Clearwater Lake Campground, auf dem wir tatsächlich die einzigen Besucher waren. Es war schon fast dunkel, als wir ankamen, wir konnten im letzten Dämmerlicht noch den See und die Osprey Falls dahinter erahnen. Natur pur. Wundervolles Plätzchen.

P.S. Bären? Ha! Wir waren mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass wir Kanadatouristen einer groß angelegten Werbekampagne auf den Leim gegangen sind! Was für ein genialer Schachzug, überall in Riesenlettern vor den Bären zu warnen und überall diese tricky Mülleimer aufzustellen, damit der willfährige Tourist glaubt, die Bestien würden hinter jeder Ecke lauern. Nur damit über diesem bezaubernden Märchenwald ein Hauch ungezähmter Wildnis und Abenteuer liegt. Alles Marketing!

Mittwoch, 15. Oktober 2014: Wells Grey Provincial Park, Clearwater Lake Campground - Clearwater, North Thompson River Campground
Wetter: ca. 9°, bewölkt
Wir hatten heute keine Lust auf eine lange Wanderung, machten uns also auf den Weg auf den relativ übersichtlichen Lakeshore Trail. Irgendwie waren wir aber nicht gut informiert und vorbereitet. Wir warteten immer darauf, rechts zu einem Lookout abbiegen zu können, bis wir an der Anlegestelle ankamen, von wo aus der Trail eigentlich erst richtig losgehen sollte.

Das hat uns ein bisschen die Stimmung und den Schwung verhagelt, daher gingen wir zurück, auf Geheiß Thommys auch noch über die Straße (warum habe ich nichts gesagt?), d.h. immer schön hoch und runter, die kurvenreiche Strecke fühlte sich doppelt so lang an, wie der Hinweg, der am See entlang viel schöner gewesen war. Also: immer schön die Karten mitnehmen und sich VORHER Gedanken machen!

Nachdem wir wieder zurück am Truck Camper waren, nahmen wir ein ausgiebiges zweites Frühstück ein und fuhren wieder aus dem Park raus, diesmal mit Zwischenstopps an jedem schönen Aussichtspunkt, unter anderem den überaus beeindruckenden Helmcken Falls (mit 141 m die vierthöchsten Wasserfälle Kanadas)

So schön es war, einziger Gast im Park zu sein, so muss man doch sagen, dass die Hauptaktivität, für die der Wells Grey Provincial Park ausgelegt ist - mehrtägige Kanufahren ins Hinterland mit Wilderness Camping; wohl eher was für den Sommer ist.

Am Abend bezogen wir unweit des Parkausgangs unser Lager auf dem "No Service - but still open" North Thompson River Campground. Hier machten wir wohl das größte Lagerfeuer unseres ganzen Urlaubs und hatten eine schöne lange Nacht mit unseren Kindern am Feuer. Solche Familienabende mit Lagerfeuer-Unterhaltungen sind toll. Vor allem die Kinder genießen es, mal einen ganzen Abend mit den Eltern am Feuer auf zu bleiben und sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Wann macht man sowas schon im Berufs- und Schulalltag in der Heimat? Ein weiterer Grund, nach Kanada zu fahren.

P.S. Bärensichtungen? Nein, wer hätte es gedacht: Heute mal keine Bären. Dafür Pilze. Viele Pilze. Und Hörnchen in jeder Form und Farbe: Eichhörnchen, Streifenhörnchen, Backenhörnchen. Wir fanden es nur etwas vermessen, unser Bärenspray an ihnen auszuprobieren.

Donnerstag, 16. Oktober 2014: Clearwater, North Thomson River Campground - Kilby Park
Wetter: ca. 15 °, heiter bis wolkig
Heute fuhren wir zu einem weiteren "Geheimtipp" aus Schoofs Reiseführer, dem Kilby Park oder besser Kilby Beach, nicht allzu weit entfernt von Harrison Hot Springs. Und auch diesmal staunten wir nicht schlecht, als wir am Seeufer die Weißkopfseeadler bewundern konnten, die Herr Schoof im Reiseführer beschrieben hatte.

Wir waren die letzten, die einen Platz auf dem kleinen Campground am See ergatterten, und als wir den netten Kanadier neben uns ansprachen, sagte er, das wäre aus unserer Sicht im Moment vielleicht ein glücklicher Umstand, es könnte aber sein, dass wir unsere Meinung im Laufe der Nacht ändern würden, denn die angestammte Anglergemeinde dort würde die kommenden Tage bestimmt ziemlich viel Alkohol konsumieren und ziemlich laut sein.

Ok, das fanden wir im ersten Moment nicht so super, aber die Jungs um uns herum waren eigentlich alle gut drauf, und außer, dass ein Typ zwei RVs weiter offensichtlich keine Ahnung davon hatte, wie man Holz hackt und es so aussah, als würde er mit aller Macht versuchen, dabei den kompletten Metallkranz der Feuerstelle zu zerstören, war eigentlich alles ganz erträglich.

Wir beobachteten mit dem Fernglas die Seeadler, Thommy machte nebenan bei den Kanadiern Freunde und wurde auf ein Bier eingeladen, und schließlich machten wir uns riesige Burger mit Salat - ein perfekter kanadischer Abend.

P.S. Bären? Nein, die wurden sicherlich von den riesigen Adlern hinfortgetragen und am Rande des Sees verspeist.

Freitag, 17. Oktober 2014: Kilby Park - Harrison Hot Springs
Wetter: ca. 12 °, Dauerregen
Wir wurden wach mit dem irritierenden Gefühl, das eventuell etwas schief gelaufen sein könnte. Unsere zwei Wochen Kanadaurlaub kamen uns vor wie mindestens 1 Monat, wir fühlten uns außerhalb von Raum und Zeit und waren daher irgendwie nicht ganz sicher, dass wirklich Freitag war (und nicht eventuell schon Samstag). Nachdem wir über diese Unklarheit ohne Erfolg eine Weile diskutiert hatten und uns dann einig waren, dass wir es leider nicht darauf ankommen lassen konnten, den Flieger zu verpassen, beschloss ich, beim Angler nebenan nicht nach der Uhrzeit, sondern danach zu fragen, welchen Tag wir denn hätten. Er nahm es mit Humor, und nachdem er mir bestätigte, dass wir uns keine Sorgen um den Rückflug machen mussten, weil wirklich Freitag war (schade!), kamen wir ins Gespräch. Unter anderem erzählte ich, dass uns die Neugier auf die Weißkopfseeadler zum Kilby Beach geführt habe. Er erklärte, dass - ungewöhnlich für diese Jahreszeit - noch recht wenig gammeliger Fisch am Strand herumliegen würde, aber ungefähr zwei Wochen später würde es vor Adlern nur so wimmeln, die sich die nach dem Ablaichen gestrandeten Lachse krallen würden. Auch jetzt könne man aber - besonders gut vom Boot - schon sehr viele Weißkopfseeadler beobachten.

Ein wenig später, nachdem wir gefrühstückt und fast alles verstaut hatten, kam unser netter Nachbar vorbei und fragte, ob wir Lust hätten, uns mit ihm die Wartezeit auf seinen Sohn zu vertreiben. Er würde uns anbieten, mit uns allen auf den See hinaus zu fahren, damit wir Adler aus nächster Nähe bewundern könnten. Wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme! Die Fahrt auf dem Boot war ein echtes Vergnügen, die Kinder hatten riesigen Spaß, und wir kamen definitiv auf unsere Kosten, weil wir ziemlich nahe an die Adler herankamen, die wir bis dahin nur mit dem Fernglas erkennen konnten. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder so viele Adler an einem Fleck sehen werde. Wahnsinn!

Nachdem wir uns bei dem super netten Kanadier mit vielen Worten und dem Freimachen unseres Campgrounds für seinen Sohn bedankt hatten, nahmen wir Fahrt auf zu unserem letzten Stopp, Harrison Hot Springs. Wir nahmen hier einen Campground direkt neben dem Bad, packten unsere Sachen und gingen mit den Kindern noch einmal schwimmen. Für den ersten richtig verregneten Tag und unseren letzten Pack- und Urlaubstag eine gut Idee, aber den Public Pool in Harrison Hot Springs kann ich trotzdem nicht als Highlight empfehlen. Trotzdem entspannend und schön.

P.S. Kein Bär im Schwimmbad!

Samstag, 18. Oktober 2014: Harrison Hot Springs - Vancouver (Rückflug nach Münster/Osnabrück)
Wetter: ca. 12°, heiter bis wolkig
Die Rückfahrt von Harrison Hot Springs nach Fraserway/Vancouver vollzog sich zügig und die Truck Camper Rückgabe gestaltete sich unkompliziert.

Ich möchte nicht zu viele Worte über den Rückflug verlieren, außer dass alles viel schneller ging als auf dem Hinflug (kein Zwischenstopp, Rückenwind) und super lief. Ich hatte während des Fluges viel Zeit, die Reise revue passieren zu lassen. Haben wir es wegen der Reisezeit oder der Kürze der Ferien bereut? Nein, Blödsinn, Kanada ist IMMER eine Reise wert, es ist Urlaub für Körper und Seele und lohnt sich gewiss. Und obwohl es uns ein bisschen gewurmt hat, dass die Bären und wir diesmal getrennter Wege gegangen sind, so ist Kanada auch ohne Bären einfach nur phantastisch!

P.S. Ok, ich verrate euch etwas. Wir haben auf dem Kanadatag von SK-Touristik den Workshop Tierbeobachtung besucht, Thema: Wale und, ja, ratet mal? Bären! Außerdem werden wir unsere nächste Reise zeit- und orttechnisch um diese nicht existenten Fabelwesen herum planen, also dort sein, wo der Lachs dem Bär vor dem Ablaichen quasi direkt ins Maul springt. Und es wird uns trotzdem TOTAL gleichgültig sein, ob wir einen Bären sehen oder nicht. Wenn der Bär eventuell Lust auf ein paar Münsteraner hat, kann er ja mal vorbeischauen, aber wenn nicht - uns doch egal! Nur für alle Fälle werde ich den Fotoapparat in der Hand halten? Man weiß ja nie ;-)