Unsere Website verwendet Cookies. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

      Cookies löschen

Farewell Harbour Lodge British Columbia, Vancouver Island & Sunshine Coast - Kanada Kanu &, Kajak Kanada, Westküste, Grizzlybären, Schwarzbären, Andere Tierbeobachtungen und Bärenbeobachtungen

FRANZIS 6 MONATE KANADA: Das Praktikum ihres Lebens

Franzi in Kanada auf Tour: Tag 14
Aufbruch zur Farewell Harbour Lodge

Irgendwie klingelt der Wecker heute besonders früh! Ich habe den letzten Abend in Tofino noch mit einem Teil der Mitarbeiter von Remote Passages gemütlich am Lagerfeuer verbracht. Gerade bin ich zwar echt müde, aber das war es definitiv wert! Nächstes Reiseziel ist die Farewell Harbour Lodge im Küstengebiet Broughton Archipel östlich von Port McNeill. Alles in allem dauert die Fahrt etwa zehn Stunden. Zum Glück muss ich nicht selbst fahren, sondern bin mit dem Tofino Bus unterwegs!

Ich sitze auf meinem Platz und es dauert keine fünf Minuten, da fallen meine Augen zu. In den letzten Tagen und Wochen habe ich so unglaublich viel erlebt. Ohne Pause folgt ein Highlight auf das Nächste! Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber so ein Abenteurerleben kann ganz schön anstrengend sein! Da kommt mir der heutige Reisetag ganz gelegen, um für einen Moment zwischendurch mal nichts zu machen. In Parksville wechsle ich den Bus und habe gut anderthalb Stunden Aufenthalt. Eine gute Möglichkeit, um zu frühstücken und ein wenig an meinen Reiseberichten zu arbeiten. Der Fahrer des nächsten Busses ist ein lustiger Typ. Während der Fahrt erzählt er durchs Mikrofon kurze Fun Facts über die Region. Ich habe das Gefühl, dass der Fahrer eine persönliche Verbindung zu allen Reisenden aufbaut. Zumindest habe ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass er mich an einem der Stopps vergessen würde! Gegen fünf Uhr nachmittags kommen wir in Port McNeill an. Gentlemanlike trägt der Busfahrer meinen Koffer zum Bürgersteig und wünscht mir einen wundervollen Aufenthalt. Es war zwar eine lange Fahrt, aber rundum angenehm und ohne jegliche Komplikationen.

Auf der Suche nach einem Taxi kommt mir die kanadische Offenheit und Hilfsbereitschaft zu gute. Bisher habe ich insgesamt sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen einfach anzusprechen und zu fragen, ob sie mir weiterhelfen können. Ich komme mit einer Mitarbeiterin in einem Laden ins Gespräch. Sie ruft direkt bei einem Taxiunternehmen an und bestellt mir einen Wagen. Zwanzig Minuten später ist das Taxi da und bringt mich zum Alder Bay Resort. Das läuft doch super! Bis zum ausgemachten Treffpunkt habe ich es jetzt geschafft. Von Tim, Manager und Inhaber der Farewell Harbour Lodge, ist allerdings noch keine Spur. Leider habe ich ihn bisher nicht erreicht und auch die freundliche Frau vom Alder Bay Resort hat keinen Erfolg. Ich bleibe ganz entspannt und warte einfach bis sich was tut. Und tadaa, da ist sein Boot! Ich freue mich Tim nach unserem ersten Treffen auf der Tourism Convention in Calgary wieder zu sehen. Auch Mitarbeiter James heißt mich herzlich willkommen. Bei der Bootsfahrt zur Lodge wird mir bewusst, dass ich die nächsten Tage in der puren Natur wohnen werde. Rechts und links von dichtem Wald umgeben, steuert uns James tiefer und tiefer in die Wildnis. Es ist traumhaft schön hier! Tim zeigt aufs Wasser und sagt, dass die Weißkopfseeadler gerade zu Abend essen. Die Betonung liegt auf DIE Adler! Es sind nicht zwei oder drei, sondern bestimmt sieben oder acht. Sie fliegen ganz dicht über dem Wasser und greifen mit ihren starken Krallen nach Fischen. Ich drücke mir fast die Nase an der Fensterscheibe des Bootes platt und beobachte das Spektakel. Wenn das nicht mal ein hervorragender Startschuss für die kommenden Tage ist!

Wir erreichen die Farewell Harbour Lodge und mein erster Eindruck ist durchweg positiv. Die Lodge besteht aus einem schwimmenden Teil und einem an Land fest installierten Gebäude. Und das Ganze mitten in der unberührten Natur! Ich betrete das Deck und folge Tim zu meinem Zimmer. Die Bewegungen durch das Wasser scheinen das Gebäude nicht wirklich in seiner Stabilität zu beeinflussen. Ich konzentriere mich auf den Boden, aber ich spüre tatsächlich keine einzige Bewegung. Faszinierend! Das Auspacken verschiebe ich auf später, jetzt gibt es erst mal Abendessen. Ich bin begeistert, das Essen ist ein Traum! Die zwei Köche haben Kartoffelpüree mit Gemüse und Fleisch gezaubert. Yummy! Der Schokokuchen zum Nachtisch lässt mich dann endgültig dahinschmelzen. Papp satt und rundum zufrieden gehe ich ins Bett. Ich freue mich auf mein Abenteuer in der Region rund um die Farewell Harbour Lodge.


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 15
Erster Tag auf der Farewell Harbour Lodge

Mein erster Tag auf der Farewell Harbour Lodge beginnt mit einem phänomenalen Frühstück. Von Aufschnitt und verschiedensten Aufstrichen über Rührei, Bacon und Kartoffeln bis hin zu Obst, Gemüse, Joghurt und Säften. Die Auswahl ist so groß, dass ich am liebsten alles probieren möchte! Einfach lecker! Gemeinsam mit zwei Gästen aus Belgien hat Tim gestern Abend schon die Planung für den heutigen Tag vorgenommen. Das Programm ist individuell auf Florence und ihren Sohn Alex angepasst. Die beiden sind echte Weltentdecker und haben bei ihren Reisen schon Begegnungen mit verschiedenen Wildtieren erlebt. Heute soll sich alles um Grizzlys und ihren Lebensraum drehen. Ich bin mehr als glücklich, dass ich Teil dieses Abenteuers sein darf!

Begleitet werden wir von Tim und seinen zwei Teammitglieder Vicki und Lindsey sowie Eva, die zur Zeit für ihre Abschlussarbeit forscht. Unser Ziel ist eine Region, in der Tim schon vereinzelt Bären beobachten konnte. Die Bären in dieser Region hier sind meist sehr scheu. Viele von ihnen sind den Kontakt zu Menschen nicht gewohnt. Es wartet also ein richtiges Abenteuer auf uns! Wenn ich ganz ehrlich bin, spüre ich neben der Vorfreude auch ein paar kleine Bedenken in mir. Ich beschreibe es mal als positive Aufregung mit einer Spur von Respekt vor dem was draußen in der Natur auf uns wartet. Mit dem Boot sind es rund neunzig Minuten bis zu unserem Zielpunkt. Momentan herrscht Ebbe und damit stehen die Chancen gut, am Ufer einen Schwarzbären entdecken zu können. Also Augen auf! Ich selbst bin bisher leider erfolglos, aber dafür scheint Alex etwas entdeckt zu haben. Sehr cool, dort drüben am Ufer ist ein Schwarzbär! Er bedient sich an verschiedenen Schalentieren, die an und vor allem unter den Steinen fixiert sind. Vicki stoppt das Boot und versucht sich ganz langsam näher an den Bären zu tasten. Wir stehen alle gemeinsam auf dem Deck und sind mit unseren Kameras bewaffnet. Ich muss ein wenig schmunzeln. Gegen das Monster-Objektiv von Alex habe ich nur ein kleines Spielzeug in der Hand! Spaß beiseite, ich bin glücklich mit meinen Fotos und vor allem mit der erfolgreichen Bärenbeobachtung.

Vicki schmeißt das Boot wieder an und wir setzen die Fahrt fort. Tim freut sich über den erfolgreichen Start in den Tag. Humorvoll wie ich ihn bisher kennenlernen durfte, führt Tim ein Punktesystem ein. Alex hat sich mit seiner Bärenentdeckung an die Spitze der Rangliste gesetzt. Ich muss mich ran halten! Um an unserem Zielort an Land zu kommen, steigen wir in ein Schlauchboot. Als wir am Ufer ankommen, versammeln wir uns um Tim herum. Ganz wichtig ist Tim, dass wir alle dicht hintereinander her gehen und in jeder Situation eng zusammen bleiben. Sicherheitshalber haben Tim, Vicki und Lindsey jeweils ein Bear Spray zur Abwehr dabei. Wir gehen los und verhalten uns möglichst ruhig, um keine Tiere zu verscheuchen. Auf der anderen Seite möchten wir natürlich auch keinen Bären überraschen! Tim redet zwischendurch ein wenig und sagt in regelmäßigen Abständen laut Hey Bear. Ich spüre meine Aufregung deutlich, von Angst bin ich aber weit entfernt. Tim gibt mir mit seiner ruhigen Ausstrahlung ein sicheres Gefühl. Ich kann mich entspannen und genieße unsere Wanderung ins Bärengebiet. Tim und Vicki machen uns auf Trampelpfade aufmerksam, zeigen uns Bäume, an denen sich die Bären schubbern und identifizieren Grizzly Hinterlassenschaften. Alles deutet darauf hin, dass wir uns mitten in ihrem natürlichen Lebensraum befinden. Super spannend! Tim stoppt an einem Rub Tree und drückt mir ein wenig Grizzlyfell in die Hand. Ich frage mich, welchem Bären diese Haare wohl gehört haben. Obwohl momentan kein Grizzly in unserer direkten Umgebung ist, fühle ich mich den Tieren unglaublich nah. Ein einzigartiges Erlebnis!

So ein spannender und lehrreicher Ausflug in die Welt der Grizzlys macht ganz schön müde! Auf dem Rückweg zur Lodge fallen mir im Boot immer mal wieder kurz die Augen zu. Ich versuche dagegen anzukämpfen, aber es gelingt mir nicht. Mein Körper sackt zur Seite, ich erschrecke mich und bin mit einem Mal wieder wach. Ich drehe mich um und hoffe, dass niemand etwas bemerkt hat. Lautes Lachen geht durch die Kabine des Bootes! Mh, das war wohl doch offensichtlicher als gedacht! Wir steuern auf dem Weg noch eine kleine Bucht an, in der Tim bereits mehrmals einen jungen Grizzly gesehen hat. Wir haben Glück, auch heute steht das muskelbepackte Tier im hohen Gras und frisst genüsslich. Yuhuu, mein erster Grizzly! Ich schnelle nach draußen aufs Deck und bin für einen kurzen Moment nicht ansprechbar. Ohne einen Laut von mir zu geben, starre ich einfach nur diesen Bären an und beobachte ihn beim Fressen. Ein wunderschönes Tier! Selbstverständlich ist die Kamera auch am Start. Ich komme gar nicht mehr los von diesem Motiv! Tim erklärt uns, dass dieser Bär in einer anderen Gegend geboren wurde. Er ist genau wie sein Bruder markiert und dann hierher gebracht worden. Meinem Empfinden nach ist dieser Bär ziemlich groß und vor allem massiv. Tim lächelt, als ich ihm von meiner Feststellung berichte. Er erzählt, dass ein ausgewachsenes Männchen im Vergleich zu diesem jungen Bären gut das Doppelte sein kann!

Mit einem großen Paket aus neuen Informationen und einzigartigen Erlebnissen kommen wir wieder auf der Lodge an. Ich helfe ein wenig bei den Vorbereitungen fürs Abendessen mit und genieße im Anschluss die leckere Mahlzeit. Der warme Blaubeerkuchen zum Nachtisch rundet den Tag perfekt ab. Die Köche wissen definitiv was sie tun! Schnell noch eine warme Dusche und dann ab ins Bettchen. Morgen wartet ein weiterer ereignisreicher Tag auf mich!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 16
Zweiter Tag auf der Farewell Harbour Lodge

Hellwach und hoch motiviert setze ich mich ins Boot. Ich bin bereit für die heutige Entdeckungstour! Es geht auch direkt vielversprechend los. Unser Bear Spotting Talent Alex hat wenige Minuten von der Lodge entfernt einen Schwarzbären entdeckt. Er scheint gerade zu frühstücken und ist dabei ziemlich aktiv. Er bewegt sich entlang des Ufers und stellt sich sogar auf seine Hinterbeine, um die leckeren Schalentiere oben an den Felsen zu fressen.

Keine zehn Minuten später halten wir erneut an. Diesmal hat Florence einen Bären entdeckt. Das läuft ja wie am Schnürchen bei uns! Wieder stehen alle mit ihren Kameras auf dem Deck. Ich schaue auf meinen Bildschirm und im nächsten Moment fällt mir meine Kamera fast aus der Hand. Ein Junges kommt aus dem Wald und gesellt sich zu seiner Mama ans Ufer. Zuckersüß das Kleine! Ich schaue um mich herum und sehe in strahlende Gesichter. Lindsey steht neben mir und ist so gerührt, dass sie Tränen in den Augen hat. Ungefähr 200 Fotos später gehe ich überglücklich und ein wenig überwältigt von unserem Fund zurück in die Kabine des Bootes.

Wir kommen an einer Bucht im Knight Inlet an und machen uns für die anstehende Wanderung bereit. Tim verschafft sich mit seinem Fernglas einen Überblick und sagt plötzlich, dass er einen Bären sieht. Ich lasse alles stehen und liegen und schaue mich um. Leider habe ich sie verpasst! Tim erzählt uns von einem Grizzly mit zwei Jungen. Sie sind der alten Forststraße in den Wald gefolgt. Ich kann in den Gesichtern der Guides sehen, dass sie Blut geleckt haben und mehr als motiviert sind, an Land auf die Suche nach den drei Bären zu gehen. Bei dem Gedanken an ein Zusammentreffen wird mir zwar etwas flau im Magen, aber auch ich fühle einen gewissen Anreiz.

Wir stehen am unteren Zugang zur Forststraße. Genau an dem Punkt, an dem Tim die Grizzlies vor etwa einer viertel Stunde gesehen hat. Ganz eng stellen wir uns hintereinander auf und bewegen uns langsam den Weg hinauf. Rechts und links von uns ist nur jeweils etwa ein Meter Abstand zur dicht bewachsenen Buschreihe. Ich könnte wetten, dass man mein Herz schlagen hören kann! Tim gibt in einem ruhigen, aber deutlich hörbaren Ton ein "Hey Bear" von sich und wiederholt sich in regelmäßigen Abständen. Trotz meiner deutlich spürbaren innerlichen Anspannung gibt mir die Gruppe ein sicheres Gefühl. Aus irgendeinem Grund weiß ich, dass ich mich bei einer Begegnung mit einem Bären darauf verlassen kann, dass alle zusammen bleiben und zumindest nach außen hin Ruhe ausstrahlen. Ich höre wie ein paar Äste knacken! Direkt schießt meine Herzfrequenz nach oben. Tim zeigt nach rechts in Richtung Wald und nickt uns mit einem Lächeln im Gesicht zu. Wir gehen langsam weiter und setzen uns für gut eine halbe Stunde auf einen Stapel aus Baumstämmen. Vielleicht haben wir Glück und die drei kommen hier vorbei. Mein Herzschlag normalisiert sich wieder und ich denke kurz darüber nach, was eben eigentlich passiert ist. Wow, das war ein ordentlicher Adrenalinkick! Tim vermutet, dass die Bären sich vom Wald in Richtung Ufer bewegt haben. Und genau so ist es! Unten von der Forststraße haben wir den perfekten Blick auf die drei Grizzlies. Eine Mutter mit zwei Jungen vom letzten Jahr. Ein wunderschönes Bild!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 17
Dritter Tag auf der Farewell Harbour Lodge

Gestern Mittag sind vier neue Gäste auf der Lodge angekommen. Die beiden Pärchen aus England sind am Nachmittag bereits zu einer ersten Bootstour aufgebrochen. Ihr Strahlen hat schon bevor ich sie nach ihrem ersten Eindruck fragen konnte einiges verraten. Sie haben mehrere Buckelwale beim Fressen beobachtet und sind überglücklich mit diesem Einstieg. Heute soll der Fokus auf den heimischen Bären liegen. Da schließe ich mich doch glatt mal an! Tim erklärt mir, dass er mit den Gästen für ihre erste Begegnung mit den Bären gerne zu einer bestimmten Bucht im Knight Inlet herausfahren möchte. Garantieren kann man die Sichtung eines Bären nie, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bären in dieser Bucht aufhalten, ist momentan sehr groß.

Schon während der Bootsfahrt heißt es natürlich Augen auf! Jeder Tag ist anders und in der Natur kann man so unendlich viel entdecken. Da lohnt es sich definitiv das Fernglas in die Hand zu nehmen! Eine ganz andere Geschichte ist allerdings das korrekte Identifizieren der Entdeckungen. Schon gestern auf der Tour habe ich mich als sehr erfolgreich darin bewiesen, dunkle Felsen aufzuspüren! Ich weiß auch nicht, aber für mich sahen die Flecken einfach zu sehr aus wie Bären. Konsequenterweise hat mir Tim dann auch direkt Minuspunkte im Rahmen unseres kleinen Wettspiels gegeben. An meiner Rangierung im Punktesystem muss sich schnell was ändern! Ich bin fleißig auf der Suche nach dunklen Flecken, die sich bewegen, da stoppt Skipper James das Boot. Juhuu, er hat einen Schwarzbären am Ufer gefunden! Wir beobachten ihn eine ganze Weile, bevor es weiter geht.

Fantastisch, wir kommen gerade in der besagten Bucht an und schon entdecken wir den ersten Grizzly. Um das Tier besser beobachten zu können, teilen wir uns in zwei Gruppen auf und fahren mit dem Schlauchboot näher ans Ufer. Ach quatsch, da sind ja noch zwei Junge an der Seite der Bärin! Sie sind schon etwas größer und scheinen bereits im letzten Jahr geboren worden zu sein. Die Jungen bleiben etwa zwei bis drei Jahre bei ihrer Mutter und lernen alles, was man fürs Überleben so wissen muss. Erst wenn die Bärin wieder bereit ist, sich zu paaren, stößt sie ihre Jungen von sich. Diese zwei Kandidaten haben also noch ein wenig Zeit bis sie auf sich allein gestellt sind. Ich bin für einen kurzen Moment verwirrt. Die Jungen sahen doch eben noch anders aus! Oh, da ist ein zweites Weibchen mit Nachwuchs. Die kleinen Plüschkugeln sind zuckersüß! Der Unterschied zwischen den Jungen von diesem Jahr und vom letzten Jahr ist deutlich zu erkennen. Sowohl die Größe als auch der Körperbau und das Verhalten machen den Altersunterschied sichtbar. Ich glaubs ja nicht! Hinter einem großen Felsen kommt noch ein Grizzly hervor. Auch sie hat ein Junges bei sich. Ich weiß gar nicht wo ich hinschauen soll!

Begeistert und auch etwas überfordert treffen wir alle wieder im Boot zusammen. Während der Lunchpause versuchen wir die Situation zu rekonstruieren. Fazit: Wir haben über die Bucht verteilt insgesamt fünf Grizzlybären gesehen. Nur ein Grizzly ist allein unterwegs gewesen, alle anderen haben mindestens ein Junges im Schlepptau gehabt. Auch Tim ist mehr als beeindruckt. So viele Bären auf kleinstem Raum hat er hier noch nicht angetroffen. Auf der Rückfahrt herrscht gute Stimmung in der Kabine des Bootes. Wir unterhalten uns über die Eindrücke, stellen Fragen an das Team der Farewell Harbour Lodge und zeigen stolz unsere jeweils besten Fotos herum.

Als wäre das noch nicht genug zum verarbeiten, finden wir uns auf einmal in einer großen Gruppe Delfine wieder. Grob geschätzt spielen etwa 30 Pacific White Sided Dolphins um das Boot herum. Ich schnappe mir meine Kamera und gehe raus aufs Deck. Schon als kleines Kind habe ich immer von so einer Situation geträumt. Und jetzt bin ich mitten drin! Die Delfine springen, schwimmen in den Wellen des Motors und tauchen unter dem Boot hindurch. Meinetwegen kann das noch stundenlang so weiter gehen!


Franzi in Kanada auf Tour: Tag 18
Vierter Tag auf der Farewell Harbour Lodge

Auch mein letzter Tag auf der Farewell Harbour Lodge beginnt mit einem hervorragenden Frühstück. Gemeinsam mit allen Gästen und einem Teil der Mitarbeiter sitzen wir im großen und gemütlichen Aufenthaltsbereich der Lodge. Die Fensterfront erlaubt einen direkten Blick aufs Wasser. Da kann man ja nur gut gelaunt in den Tag starten!

Um den Kalorien vom Frühstück direkt mal ein wenig entgegen zu wirken, erkunden wir heute Vormittag die Umgebung der Lodge mit dem Kajak. Ich teile mir ein Kajak mit Guide Lindsay. Hui, das macht Spaß! Florence und Alex haben zu Beginn noch mit kleinen Unstimmigkeiten zu kämpfen, funktionieren dann aber dank den wertvollen Tipps von Lindsay hervorragend als Team. Wir paddeln einmal um Berry Island herum und halten auf dem Weg immer mal wieder kurz an. Gerade bestaunen wir am Ufer Seesterne und kleine Krebse, da werde ich durch ein Geräusch abgelenkt. Ich beobachte die Wasseroberfläche und kann wenige Sekunden später zwei Rückenflossen erkennen. Lindsay vermutet, dass es zwei Schweinswale sind. Die beiden sind flott unterwegs und verschwinden recht schnell aus unserem Blickfeld. Mir wird wieder einmal bewusst, wie sehr es sich lohnt, seine Umgebung aufmerksam wahrzunehmen. Überall wimmelt es nur so vor Leben!

Am frühen Nachmittag muss ich mich von Alex und Florence verabschieden. Für die beiden steht der nächste Stopp in ihrem Abenteuer Kanada an. In den letzten Tagen haben wir viele einzigartige Erlebnisse miteinander geteilt. Ich habe das Gefühl, dass genau diese Erfahrungen dazu beitragen, dass man sich besser kennenlernt und miteinander verbunden fühlt. Es ist so, als ob ich die beiden schon lange kenne. Schnell tauschen wir noch unsere Kontaktdaten aus, bevor Alex und Florence die Lodge mit dem Wasserflugzeug verlassen.

Für die Mitarbeiter bedeutet die Abreise unter anderem, das eine der acht Suiten auf der Hauptlodge für die Ankunft der nächsten Gäste vorbereitet werden kann. Pro Suite können jeweils bis zu vier Gäste die traumhafte Kulisse des Farewell Harbour genießen. Wer es noch etwas näher am Wasser mag, findet im schwimmenden Teil der Lodge, bekannt als alte Bones Bay Lodge, sein zwischenzeitliches Zuhause. Eines von den vier Zimmern blockiere ich zur Zeit noch und möchte es auch am liebsten gar nicht wieder her geben. Das ist womöglich auch ein Grund dafür, dass ich mich bisher erfolgreich vor dem Kofferpacken gedrückt habe! Die Zeit ist viel zu schnell verflogen!

Nachdem ich mein Klamottenchaos endlich unter Kontrolle gebracht habe, unterstütze ich das Team noch bei kleinen Aufräumarbeiten in den Staff Cabins. Tim hat die Lodge auf Berry Island zusammen mit seinem Partner Ryne erst in diesem Jahr eröffnet. Es ist deutlich spürbar, dass die beiden viel Energie und Liebe in das Projekt stecken. Der Einsatz zahlt sich definitiv aus! Inmitten der lebhaften Natur des Broughton Archipelago Marine Park stehen den Besuchern der Farewell Harbour Lodge alle Türen offen für eine weite Bandbreite an Aktivitäten.


Hier geht es zum nächsten Reisebericht…
Bärenbeobachtung Farewell Harbour Lodge